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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verunraten bis verunsittlichen (Bd. 25, Sp. 2035 bis 2041)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunraten, v. , nur in älterer zeit und mundartlich. zu unrat 1 c (s. o. XI, 3, sp. 1232); transitiv: conspurcare Frisius, conspurcare, disperdere, inquinare, foedare, devenustare, maculare Maaler; intrans. 'ganz unrat, unratvoll werden' schweiz. id. 6, 1581. zu unrat 2, mnd. vorunraden, verwahrlosen, vernachlässigen; unnütz ausgeben, nicht zu rate halten Schiller-Lübben 5, 480.
 
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verunrechten, v.
1) seit ende des 13. jahrh. belegt und in älterer zeit häufig mit persönl. acc. 'einem ein unrecht anthun' Lexer 3, 281; Jelinek 853; Haltaus 1908; mnd. Schiller-Lübben 5, 481; nocere, letzen, verletzen, verunrechten, beleidigen Schöpper synonyma b 6d; injuste adversus aliquem agere Schottel haubtsprache 648. die mundartwb. (Fischer 2, 1395, Schmeller-Fr. 2, 34, Crecelius 879, brem.-nieders. wb. 3, 445, Dähnert 528b) bringen nur belege aus älterer zeit.
ebenso, aber seltener verunrechtigen Haltaus, mnd. Schiller-Lübben; de deken ... kundigede allem volke, dat on sine domheren vorunrechtigen wolden chron. d. d. st. 7, 218 (Magdeburg 1360).
dazu verunrechtung, f.: item weisen die scheffen ... verbot und gebot und alle gerechtigkeit, es seye über halsz oder bauch, mit blödiger wunden, scheltworten oder verunrechtung, mit ubersetzen oder uberwetten weisthümer 2, 81; hab vil verunrechtung deszhalb verduldet urk. z. gesch. Maximilians I 31 lit. v.
2) in neuerer zeit vereinzelt reflexiv: sich ins unrecht setzen: dasz das mindere sich verunrechte, sobald es besseres hemme, bleibt ausspruch der natur Meyern hinterl. kl. schr. 2, 173. —
 
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verunrechtfertigen, v., vereinzelt: dasz der unterthan sich nicht verunrechtfertigt Fr. L. Jahn 2, 225.

[Bd. 25, Sp. 2036]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunreinen, v., seit dem späteren 13. jahrh. belegt, Lexer 3, 281; sehr oft bei Diefenbach (s. u., ferner 286c, 296c, 313b, 425c); im 16. jahrh. allmählich durch verunreinigen verdrängt: schon die bibelausgabe von 1534 ersetzt verunreynet 4. Moses 5, 28 durch verunreiniget; für verunreynen 3. Mos. 15, 31 ist 1541 verunreinigen eingetreten. in den frühnhd. wb. nicht so häufig wie jenes (voc. 1482, gemma gemmarum, Apherdianus, Faber, s. u.), seit Corvinus (1646) nicht mehr gebucht, nicht bei Adelung und Campe. im 18. u. 19. jahrh. gelegentlich in versen (Göthe, Heine s. u. I 4 b β, Rückert, s. u. I 1, 4 a) und in poetisch stilisierter prosa: Göthe s. u. I 4 b α; diese augen, die mein herz verunreinet haben Schiller 2, 295 G.; der klare quell der gesetzlichkeit war ja mit schlamm verunreint Droysen Äschylus werke 25. auch mundartlich selten gebucht: schweiz. id. 6, 990 (nur ältere belege, doch s. u. II), schwäb. Fischer 2, 1395. im gebrauch mit verunreinigen völlig identisch, s. dieses.
 
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verunreinigen, v. , Diefenbach 130c, 228c, 297a, 300a, 303a, 446a, nov. gl. 112b, 128b. in den frühnhd. wb. häufig, z. theil neben verunreinen: gemma gemmarum, Faber (s. u.), z. theil allein gebucht: voc. inc. teut.; Alberus (s. u.); Frisius 245a; Maaler (s. u.); Calepinus XI ling. 256a; 320a; 323a; 734a. später allgemein; Adelung, Campe. mundartlich schweiz. id. 6, 990; schwäb. Fischer 2, 1396; obers. Müller - Fraureuth 2, 618.
in bedeutung und gebrauch besteht zwischen verunreinen und verunreinigen kein unterschied, daher werden beide wörter gemeinsam besprochen; die belege für verunreinen stehen zuerst.
nur transitive verwendung, unrein machen, kommt vor. weit überwiegend ist die grundbedeutung rein, sauber, frei von schmutz, seltener unvermischt, frei von nicht zugehörigen bestandtheilen, s. u. III. zum theil sind wohl beide bedeutungen nebeneinander im bewusztsein. vereinzelt ist die grundbedeutung so abgeblaszt, dasz nur noch 'entstellen' in ganz allgemeinem sinne übrig bleibt: nicht einmal unaustilgbare narben verunreinigen dem auge des physiognomen ein gesicht Lavater physiognom. fragm. 4, 205.
I. beschmutzen, beflecken: attaminare, fedare, inquinare coinquinare, polluere Diefenbach glossar.; defedare, defecare, coinquinare, convicere nov. gl.; inquinare, maculare, deturpare, inficere; infectus, verunreynet, befleckt gemma gemmarum; inquinare, polluere, obscenare voc. 1482; ich verunreinige, befleck, besudel, bestencker Alberus l l 1b; foedare, lutare, maculare, coinquinare Maaler; maculare Apherdianus; conspurcare, contaminare Faber.
1) körperlich: das antlütze, daz vil schonre was denne aller menschen antlütze, daz wart gehalslekt unde wart mit speichelun verunreint Pfeiffers Germania 7, 334 (predigten, 13. jahrh.?); aber der raigel helt seinen aftern gegen dem habich und verunrainet in mit seim mist Konrad v. Megenberg b. d. natur 168, 20 Pf.; er nistet in unrainikait und verunraint auch sein aigen nest 228, 1; das sind schendliche unfleter, die ir eigen nest verunreinen Luther 34, 1, 75 W., ebenso sein eigen nest verunreinigen Friedrich Wilhelms sprichwörterregister bb 2 nr. 16; Möser (1842) 3, 121;

denn das du (die fliege) alle ding beschmeist,
verunreinst, verderbst, wie du weist
H. Sachs 9, 149 K.;

wenns (das kind) schon die gantze nacht solt weynen
oder sich zehen mal verunreinen
Waldis Esopus 1, 131 Kurz;

weil es (das kind) die windeln verunreinigt Salzmann ameisenbüchlein 43; ähnlich: sich verunreinigen 'einen wind fahren lassen' Müller-Fraureuth 2, 618; wann sie nur ein spülwasser auszschutten, geschahe es der mas, das dem guten herren sein laden damit verunreiniget und besprenzt ward Wickram 2, 126 B.; der spiegel, dessen oberfläche verunreinigt wird J. G. Forster sämtl. schr. 9, 311. die luft verunreinigen:

[Bd. 25, Sp. 2037]


er (der drache) wont, dâ verunraint er den luft mit seim âtem Konrad v. Megenberg b. d. natur 269, 18 Pf.;

nicht duften darf dein mund von rauchgetränkes duft,
damit nicht schon dein hauch verunreint seine (des brahmanen)
luft
Rückert 8, 506;

übertragen: haben sie (die unzüchtigen weiber) den luft mit hürischem gesang verunreiniget Ambach vom zusaufen B 4a.
2) eine mittelstellung zwischen eigentlichem und bildlichem gebrauch nehmen die wendungen ein die hände in blut verunreinen Arigo decamerone 147; 247; 486 lit. v.; Fischart flöhhatz e 2; buch der liebe 120d, verunreinigen Montanus 217 B.; Lindener rastbüchlein 29 lit. v.; mit blut verunreinigen Spangenberg ausgew. dicht. 149; griech. dramen 2, 111 lit. v.; an dir verunreinige ich mein schwert nicht Herder 16, 280 S. übertragen: sich den mund auch nur mit nachgesuchten lästerungen verunreinigen Göthe 38, 270 W.
3) durch geschlechtlichen verkehr verunreinigen: incestari, -e, Diefenbach; incestare, schänden Corvinus; he vorunreinde gude vruwen und juncfruwen, geistlik und wertlik chron. d. d. st. (Magdeburg) 7, 93; welcher mit seines vatters weib sich verunrainigt hett büchlin das der hailig apostel Petrus gen Rom nicht kommen c 1a; ihr ehebette ... verunreinigen und beflecken mit ehebruch oder hurerey Luther 34, 1, 74 W.; solche leute, die ... ihren leib ... mit hurenlieb verunreinigen Schupp (1663) 1, 197.
4) übertragen:
a) die verunreinigung betrifft denjenigen, der eine handlung ausübt, eine eigenschaft bethätigt:
α) reflexiv: aber inwendig sint si vol unkäusch mit gir und treibent ir unfuor mit küssen, mit unzimlichen reden und mit mærlein und verunrainent sich lesterleich und pœsleich Konrad v. Megenberg b. d. natur 250, 19 Pf.; da widder sie (die mönche) ... sich von in (ihren angehörigen) söndern, und eben damit sie wollen am reinisten sein, sich fur gott aufs schentlichste verunreinen Luther 32, 327 W.;

habt ihr in der sünden pfuhle,
draus ihr jetzt zurücke
kehret, habt ihr in der schule
des verraths, der tücke
euch verunreint?
Rückert 1, 127;

ein unrein hertz verunreiniget und versündigt sich in allen dingen Luther 17, 1, 111 W.; dasz eine nonne den Terenz studierte, damit sich andere durch die lesung desselben nicht verunreinigen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 2, 87. sich durch berührung, umgang mit andern v.: das du in eim frembden land bist? das du dich verunreinigst unter den todten Luther bibel 5, 144 Bindseil; kein kastenunterschied, ..., keine furcht, sich durch andre zu verunreinigen Ritter erdkunde 3, 734.
β) passivisch:

si selbe (die Juden) wol behûten
daz si sich icht dâ mûten
in daz râthûs ze wandern,
daz si mit enander
wurden icht verunreint
von snôden sachen und vermeint
Joh. v. Frankenstein kreuziger 5823;

und meynen, wenn sy fleisch essen, sie werden verunreynet Luther 10, 3, 26 W.;

sie (die Juden) gingen, um zum fest verunreint nicht zu werden,
ins richthaus nicht hinein, sie standen vor dem haus
Rückert 11, 174.


γ) activ: seele, gewissen v.: ir ... solt nicht euer seelen verunreinigen an irgend einem kriechenden thier, das auf erden schleicht Luther bibel 1, 229 Bindseil; wir würden gewisz unser gewissen verunreinigen Schleiermacher I 12, 109.
δ) eine handlung, eigenschaft verunreinigt den, der sie ausübt, bethätigt; wie unrain die gedancken des menschen sein, mügen sy in nit verunrainen, so die

[Bd. 25, Sp. 2038]


vernuft nit darein verwilligt A. v. Eyb spiegel der sitten 25a; wie aussm hertz ausgeen pœs gednck, eepruch, hererey und mer andere stuck, die den menschen verunrainigen Berthold v. Chiemsee 370; so sieht nun Aristoteles auch die leidenschaften an als etwas den menschen verunreinigendes Solger vorlesungen über ästhetik 16. ebenso das object einer handlung: was zum mund eingeet, das verunrain nit den menschen Berthold v. Chiemsee 530, ähnlich H. Sachs 22, 19 G. und mit verunreinigen: Luther bibel 6, 37 Bindseil; Nas antipap. eins u. hundert 2, h 1b; Sachs 22, 70; Arnim 9, 206 Grimm. für den menschen selbst stehn auch hier ähnliche begriffe wie oben γ: alle sunden wundent di seele, di unkusze virunreinet lib und seele heilige regel 6, 32 Priebsch; nie hat der gedanke mitzuwirken meine seele verunreinigt Kotzebue dram. w. 35, 133.
b) die verunreinigung wirkt nach auszen.
α) auf menschen: durch verführung, böses beispiel: dise frucht (die hoffart) ist denn warlich ain same des teüffels. dadurch manig hertz verunraint wirt Tauler sermones (1508) 47b;

solche (irrlehrer und sünder) er meyden soll auf erd,
das er nit mit verunraint werd
H. Sachs 1, 372 K.;

so du wenest, dich hab got beraten, so hat dich verunrainiget der teüfel A. v. Eyb deutsche schr. 2, 81; schon hat der heidnische sauerteig dich verunreinigt Kotzebue dram. w. 3, 77. durch umgang und berührung: durch seine gegenwart, und dasz im heiligthum das böse übel ihn ergriff, sind wir verunreint Göthe 39, 375 W.; dasz die frau in manchen beziehungen als unrein und verunreinigend gilt Ratzel völkerkunde 2, 275.
β) auf geistige, meist religiöse werthe: profanare Diefenbach, Faber; dise verunreinen den namen der gantzen dryfaltigkeit Geiler v. Keisersberg pater noster f 5b; das keyn befleckung der ketzerey odder argwohn in dem römischen reiche unsern heyligen glauben verunreyne bei Luther 15, 256 W.; alle dergleichen flecken, wie beflecken, wie verunreinigen sie deine religion Lavater verm. schr. 2, 363. besonders von heiligthümern, heiligen stätten: wie sie das gotshauss mit irem sündtlichen leben verunreint hette Montanus 414 B.;

dein geist verunreint dieses paradies
Göthe 10, 160 W.;

wie verödet
und verunreint jetzt die stätte,
wo am boden noch die lichtspur
von dem fusze der propheten
Heine 1, 446 E.;

daz bild der göttin nehmlich sey durch Orests raserey verunreinigt Schiller 6, 262 G.
weltlich: das die red eyne speis des gemütes und der seelen ist, welche speyse der menschen bosheyt pflegt zu verunreynigen Fischart 3, 310 H.; dasz der miszbrauch die den helden gebührende ehre bey den meisten völckern sehr verunreinigt ... hätte Lohenstein Arminius 1, 342a; sie dichten, um leidenschaften zu empören, oder gar zu verunreinigen Herder 24, 373 S.; weil mir die heilige idee der kunst verunreinigt war Gutzkow ges. w. 4, 69. auf örtliches bezogen: falschú lere, mit der alles land wurdi verunreinet mit kezerlichem unflat Seuse 68 Bihlmeyer; die ungeheuer, die sie (die erde) durch ihre laster verunreinigen Fr. Th. v. Schubert verm. schr. 4, 153.
II. in älterer zeit oft mit krankheitsstoff oder gift v., anstecken, vergiften; inficere Diefenbach, gemma gemmarum; intoxicare voc. inc. teut.; sich v., inficere se, venenari Dentzler; mundartlich Fischer, schweiz. id. 6, 990 (di vischwaiden vergiften und v.), hierher auch sich veruneinen, vergiften, von thieren 1, 276. die (schlange) verunraint daz wazzer mit ihr vergift Konrad v. Megenberg b. d. natur 274, 32 Pf.; da kam eines nachtes ein vergifter wurm und verunreinet im sein beyn heil. leben i. d. winterteil 95a; wenn sich die schafe oder lämmer nach ostern von der neuen weyde verunreinigen viehbüchlein 58; daz er (der speichel) alles verunreiniget, was

[Bd. 25, Sp. 2039]


er anrieret. die leftzen entpfingend eyssen darvon, und warden die backen geletzet und verwundet Murner bei Hutten 5, 409 Böcking. auch in diesem sinne von der luft: dasz ... letstlich der luft (durch eine seuche) in diser stat verunraint werden möchte chron. d. d. städte (Augsburg 1563) 33, 221. bildlich: also auch diese geistliche lepra vergiftet die seel und verunreynet sie vor gottes augen Luther 9, 557 W.
III. zur grundbedeutung rein, frei von fremden bestandtheilen:
1) körperlich: dasz er nichts nimpt, dasz dem goldt zuwider ist, oder dasselbige verunreine oder verlezte Ercker erzt u. bergwerksarten 81b; verunreyniget wein Sebiz feldbau 414; (der bergteer) ist ... oft mit erde und sand verunreiniget Zappe mineral. handlex. 1, 121; reines oder wenig verunreinigtes kupfer K. E. v. Bär reden u. versch. aufs. 3, 315. ungewöhnlicher: der homogenen, nie zu homogenisierenden lichter nicht zu gedenken, welche sich einander verwirren, verunreinigen, in einander greifen, sich stören Göthe II 2, 107 W.
2) von geistigem, namentlich von der sprache: dass wir unser reine muttersprache auss fremdgierigkeit nicht sollen verunreinen Harsdörfer frauenzimmergesprechspiele 3, 309; es wird aber nicht allein die teutsche sprache ... durch die vielfaltigen frömbden wörter verunreiniget Schottel haubtsprache 144; wenn nämlich die schriftsprache eines volkes auch noch so sehr verunreiniget wäre Kinderling reinigkeit d. deutsch. spr. 6. von andern geistigen werthen: je mehr die göttliche güte rein, und je weniger selbige von einigem eigennutze verunreiniget ist d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 1, 805; aber im verlauf der zeit verunreinigt sich die christliche lehre, ketzereien mischen sich ein Göthe 41, 1, 176 W.; während doch das wahrhafte durch das unmittelbar sinnliche verunreinigt und versteckt wird Hegel 10, 1, 13.
 
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verunreinigung, f. , inquinamentum voc. 1482 kk 1a; Hulsius-Ravellus 359b, Adelung, Campe.
a) zu verunreinigen I, beschmutzung, befleckung: beschädigung oder verunreinigung der wagen verkehrsordn. für d. eisenbahnen Deutschlands § 23; v. von flüssen Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 813. übertragen: sintemal er ohne eigene verunreinigung mit Ismenen keine gemeinschaft mehr unterhalten könte Lohenstein Arminius 2, 524b; mit einem von ihnen zu sprechen, soll mir verunreinigung sein Wieland Lucian 1, 90; diese v. des glaubens Hegel 1, 105; eine art v. und entweihung des kunstwerkes O. Ludwig ges. schr. 5, 43.
b) zu verunreinigen II, verunreinigung durch infection, ansteckung: zu dem vergifften erbgrindt und andern dergleichen schädtlichsten verunreinigungen desz haupts Wirsung artzneybuch 57a.
c) zu verunreinigen III, beimischung von nicht zugehörigem: v. der fettsäure Muspratt chemie 1, 1269 Stohm. u. Kerl. übertragen: mit ihrer (der sprache) bereicherung ist auch die v. fast unzertrennlich verknüpft Kinderling reinigkeit d. deutsch. spr. 4.
 
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verunruhen, v. , im älteren nhd. neben verunruhigen im gebrauch, aber bald durch dieses verdrängt. daneben verunrugen Luther 50, 422 W., verunrügen 15, 725 W., verunrüwen variante (s. u. 5). — verunruhigen, v. , seit dem 16. jahrh. in gebrauch, im 17. und zu anfang des 18. häufig, später selten, gebucht bei Schöpper g 6a, Orsäus 116, Corvinus 27, 690, Duez le vrai guidon 77, Reyher, Ludwig, Rädlein, Spanutius 134; 338; 349, Aler, Frisch, Krünitz, Adelung; veraltet Campe. mundartlich schweiz. id. 6, 1910; schwäb. Fischer 2, 1396 (veraltet). nebenformen verunrwigen Schöpper, Fischart (s. u.), verunrugigt Schütz hist. rer. pruss. 1, g 4c.
der gebrauch, mit verunruhen völlig identisch, entspricht beunruhigen, in unruhe versetzen:
1) durch angriff, feindseligkeit: verunrhwiget und angegriffen Fischart geschichtsklitt. 332 ndr.; die seeräuber verunruhigen unsere küste Ludwig teutsch-engl. lex. 2148.

[Bd. 25, Sp. 2040]



2) durch stiften von unfrieden, zwietracht:

dann welches schreit ausz seinem stand,
dasselb zerreist das menschlich band,
schafft unwill und grosz miszverstand
und verunrühigt statt und land
Fischart 1, 400 H.;

mancherley ubersatz und widersprechens, dardurch oft gantze nachbarschaften verunruhiget ... werden Hohberg georg. cur. 1, 37.
3) durch belästigung, ruhestörung: bitte also mich mit dergleichen ferners nicht zu verunruhen Harsdörfer d. teutsche secretarius 1, 377; indem e. excell. mit gegenwärtiger aufwartung bey später abendzeit verunruhiget wird Chr. Weise polit. redner (1677) 57; gib achtung, ..., dasz mich keine fliege verunruhige d. grünend. jugend überflüssige gedanken 203 ndr.; sie ... schlugen thüren auf und thüren zu, wodurch der eigenthümer in seinen vier pfählen verunruhigt und aus dem schlafe gestört wurde Musäus volksmärchen 4, 113 H.
4) durch körperliche beschwerden: durch gewisse schmertzen stillende arztneyen die galle zu corrigieren, welche sie in den mesenterio concentriret hat und das miltz unaufhörlich verunruhiget ollapatrida 265 Wiener ndr.; damit der leib von denenselben (den winden) nicht also verunruhiget werde mediz. maulaffe 304.
5) am häufigsten geistig und seelisch in unruhe versetzen: damit seines herzen freude und crocodilissche rachgir nicht bemühet und verunruget würde Luther 50, 422 W.; durch welliche (sünden) die gewissen beflegket, betrübet und verunrüget wirt 15, 725 W.;

noch creatur noch gott kan dich in unruh bringen,
du selbst verunruhst dich (o thorheit!) mit den dingen
Angelus Silesius cherub. wandersmann 43 ndr.;

selsame gelüst, wollüst, einbildungen, won, forcht, verwirrung, begirden, lib, hasz, neid, miszgonst, angst und andere dergleichen anfechtungen und laster, die selten oder gar nimmer das gemüt in rechter rhue lasen, sonder on aufhör umbtreiben, verwickeln und verunruigen Fischart 3, 96 H.; frey von reue und scham, zwey sehr wiedrigen affecten, die den menschen nicht wenig verunruhigen Chr. Wolff gedancken v. d. menschen thun u. lassen 158. specieller, in sorge versetzen: wi sehr mich dises schreiben verunruhiget Zesen Rosemund 37 ndr.; ängstige dich nicht, dasz ich böse bin, mein liebling, über das ausbleiben von briefen; ich bin nur verunruhigt Bismarck briefe an braut und gattin 202.
verunruhigung, f., selten gebraucht: anfechtung, bekömmernus und verunrhuigung des gemüts Fischart 3, 295 H.; an verunruhigung der religionsverwandten ein herczliches gefallen tragen acta publica 1, 245 Palm.
verunsaubern, verunsäubern, v.; die unumgelautete form von frühnhd. zeit (Schöpper synonyma e 1a; Calepinus XI ling. 264a; 734a) bis ins 19. jahrh. (Tieck) in concurrenz mit der umgelauteten: voc. 1482 kk 1b; Pinicianus q 6d; Frisius 318b; 1052a; 1227a; Maaler 436c; Apherdianus 191; Campe. veraltet Fischer schwäb. wb. 2, 1396. gleichbedeutend mit verunreinigen: wann du ein klar und hell wasser verunsauberst Lonicerus berichtbüchlin i 1a; soll mein haus oder meine wohnung mit dem geruche von bären oder stieren verunsaubert werden...! Tieck 12, 219. übertragen: an dir verunreinige ich mein schwert nicht, sagte Hutten zu dem berüchtigten Hoogstraten. ... ebenso sollte Semler in ansehung Piderits denken: an dir verunsaubere ich meine feder nicht allg. deutsche bibliothek 30, 306. entstellen: auf das du nit deine klare augen und das zarte angesicht mit wainen verunsauberst Scheidenraisser Odyssea 18b. übertragen: reiner und verunsäuberter glaube Bierbaum prinz Kuckuck 3, 494. — dazu verunsauberung: ein helles spiegelglasz ohne v. Treuer Dädalus 1, 324.
verunschicken, v., 'durch ungeschicklichkeit, auch fahrlässigkeit verderben, zu schanden werden lassen, durch zufall verlieren, aus den händen kommen lassen' schweiz.

[Bd. 25, Sp. 2041]


id. 8, 500; schwäb. Fischer 2, 1396 (veraltet): verzeih mir, ... wenn ich was verunschicke Auerbach 1, 96; einen deutschen edelmann, ..., welcher bis gegen sein fünfzigstes jahr hin sein leben so weit verunschickt hatte, dasz er den boden unter den füszen verlor Keller nachgel. schr. 181. — verunschönen, v. , vereinzelt: die prinzessin liesse ..., damit es (das säulenwerk) nicht von den vorbeigehenden verunschönet würde, ein eisern verguldtes gitter herumführen Birken Teutonia 26. — verunseligen, v. , vereinzelt: die menschen schwächend oder verunseligend durch die beängstigenden gewissenszweifel Meyern hinterl. kl. schr. 3, 256. — verunsichern, v.
a) unsicher machen schweiz. id. 7, 179; die streifende rotten haben das gantze land verunsichert Schottel haubtspr. 648; weil er die gantze see ... mit seiner flotte ... verunsicherte Happel akad. roman 404.
dazu verunsicherung: verunsicherungen der straszen acta publ. 6, 195 Palm.
b) als unsicher hinstellen: Procacci giebt dies märchen selbst nicht für wahrheit aus und verunsichert es mit einem: man sagt Wieland bei Campe.
verunsichtbaren, v.: wenn der graf nicht das geheimnisz besasz, sich selbst nebst seiner reisegesellschaft zu verunsichtbaren. ... er verunsichtbarte die flüchtige karawane durch die finsternisz eines dunkeln kellers Musäus volksmärchen 1, 119 H.; gott war von ewigher dies centrum und hat ... könige zu stellvertretern des verunsichtbarten centrums gemacht v. Löben lotosblätter 1, 249. — verunsittlichen, v. : rechtliche oder unrechtliche, sittliche oder verunsittlichende qualificationen Meyern hinterl. kl. schr. 1, 101.

 

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