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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verunglückseligen bis verunraten (Bd. 25, Sp. 2033 bis 2035)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunglückseligen, v. , heute nicht mehr gebräuchlich.
a) zu grunde richten: mein vorhaben ware noch länger in Venedig zu bleiben, imfall nicht einige pferd durch mich wären verunglückseliget worden Stranitzky reysbeschr. 32 Wiener ndr.
b) unglückselig machen: ich ... bate denselben (den capitän) inständig, mir doch diese hohe freundschaft zu erweisen (mich von Venedig nach Candia mitzunehmen), und mich bei dieser guten gelegenheit doch nicht so verunglückseligen Troilo orient. reisebeschr. 4. — verunglückseligung: nim also diese meine selbsteigene verunglückseligung (das bekenntnis dessen, was mit mir geschehn ist) für ein unverfälschtes zeugnisz auf, dasz ich lieber gehasst und verstossen sein wil, als meine liebe mit einiger unreinigkeit besudeln Lohenstein Arminius 1, 487a. — verunglückung, f. , s. verunglücken B 2 c. — verungnaden, v. , seltenes wort, fehlt den wb. bis auf Campe, vgl. mhd. verungenædigen Lexer 3, 281 (1406), mnd. vorungnaden Schiller-Lübben 5, 480.
a) mit dem dativ, einem ungnädig sein: e. f. g. wolt mir nit vorungnaden, das ich abirmals widerum schreib Luther in akten u. briefe z. kirchenpolitik Georgs v. Sachsen 1, 85; 2, 215.
b) in neuerer zeit vereinzelt transitiv: als ob sie geradezu vom könige verungnadet seyen W. H. Riehi

[Bd. 25, Sp. 2034]


gesch. a. alter zeit 2, 311. — dazu verungnadung Campe, verungnadigung: kunde von seiner v. Zschokke sämtl. ausg. schr. 24, 171. — verungnügen, v. in miszvergnügen versetzen: sintemal ... ihre (der fürsten) zu wasser werdenden anschläge sie mehr verungnügen als hundert beleidigungen Lohenstein Arminius 2, 708b. — verungültigen, v. , verungültigung, f. Campe.verungünsten, v. , in miszgunst bringen, veraltet: ich sey gegen eynem loblichen bund ... durch meyne myssgunder verungunstet, eingepildet und dargeben Götz v. Berlichingen bei Fischer 2, 1395. — verungünstigen, v. , vereinzelt im gegensatz zu begünstigen: Ägypten, welches wenigstens zum theil von der natur sehr verungünstigt ist Fr. Schlegel 6, 183. — verungütigen, v. , rapere in malam partem, ubel uff nemen, zum argen wenden, v. Schöpper synonyma e 4b, vgl. mundartlich verungüten schweiz. id. 2, 255, oberlaus. verunguten Anton 5, 13.
verunheiligen, v., seit dem 16. jahrh. belegt ( Luther), seit dem 17. gebucht (Stieler 887); 'im gemeinen leben für das edlere entheiligen' Adelung, ebenso Voigtel.
vereinzelt von personen, unheilig, gottlos machen: das sie nicht verunheiligt noch beschmeisset und verfurt werden in einigen irthum Luther 28, 146 W. meist von religiösen werthen: profanare, sacra violare, polluere Stieler; so musz auch war sein, wer gottis namen nit heiliget, das der yn vorunheilige Luther 2, 93 W.; ähnlich 2, 87; 7, 221; 10, 2, 397;

zum drittn klag ich: der gotlosz hat
auch verunheiligt den sabath
H. Sachs 11, 431 K.,

die, so die göttin verunheiliget hätten Heilmann gesch. d. pelop. krieges 142. von weltlichem: das die geschenke des glücks die gaben der weisheit v. allg. deutsche bibl. 69, 240. — dazu verunheiligung: ein v. des feiertags Lercheimer christl. bedencken u. erinnerung 138; alle v. und lästerung deines theuren namens Schupp schr. (1663) 1, 432; v. geweihter orte Welcker alte denkmäler 1, 323.
verunholden, v., vereinzelte bildung Fr. L. Jahns: alle werlt zu verzerrbilden, zu verfratzen und zu v. 2, 559. — verunhulden, v. , nur in älterer zeit:

zwar niemand fürzuwenden hat,
zu entschüldigen sein missethat,
damit den teuffel zu beschulden,
oder das glück zu verunhulden
Waldis Esopus 1, 255 Kurz.


verunken, v., vereinzelt reflexiv, wohl: sich das unken (vgl. th. XI, 3, 1084) zur gewohnheit werden lassen: die hochschuljahre bleiben des angehenden mannes wanderjahre. da soll er sich weder einpferchen noch v. Fr. L. Jahn 2, 1009 E.verunkeuschen, v. , unkeusch machen; reflexiv: du hast vil unkúschekeit getriben und dich verunkúschet Tauler predigten 287 Vetter. transitiv: wo in (den menschen) der gebreste rre in allen sinen sinnen und sinnelichen dingen, domitte er verunkúschet wurt 13; das mensch kan auch den keuschesten verunkeuschen Stieler 956. in neuerer zeit nicht mehr üblich.verunkosten, verunkösten, v., transitiv: aufwenden, ausgeben: das wollen wir auch nicht umsonst verunköstet haben Mörike 3, 390 Maync. reflexiv: sich in unkosten stürzen, aufwand treiben: die meisten, sonderlich der gemeine mann, verunkostet sich nicht hoch A. Olearius persian. reisebeschr. 103a. — ebenso verunköstigen Fischer schwäb. wb. 2, 1395, mnd. vorunkostigen Schiller - Lübben 5, 480; und zwingen sie, das sie sich verunköstigen Wicelius wider den unchristl. wucher E 7a. — verunkrauten, v. , schwäb. Fischer 2, 1395; der tatarische buchweizen ... verunkrautet ... die äcker Schlechtendal - Hallier flora v. Deutschl. 9, 119; auf verunkrautetem boden Schwerz prakt. ackerbau 142. — dazu verunkrautung 136. — verunlautern, v. , veraltet: incestari Diefenbach; alles das den grunt verunlútert hat in deheiner besitzunge Tauler pred. 332 Vetter.verunleumden, v. , veraltet, gleichbedeutend mit verleumden, mhd.

[Bd. 25, Sp. 2035]


Lexer 3, 281: ob er (der pfarrer) nit geleert gnug wär ... oder bennig wär oder in offen sünden verunlaymdet Geiler v. Keisersberg granatapfel C 3a; und wenn du in dem mund aller menschen verunleimbt wurdest himml. offenbarung d. heil. wittiben Birgitten 4, 4. — verunlustigen, v. , in unlust versetzen, zuweilen im 17. jahrh.: damit ich aber auch meinen fräund mit solcher weitläuftigen erzählung nicht färner verunlustige Zesen adriat. Rosemund 63 ndr.; wann er mit nichts als groszsprecherey, prahlen ... die benachbarten verunlustiget Hohberg georg. cur. 1, 142. — verunmenschlichen, v.; nur das part. prät. vereinzelt belegt: o die verstimmte, verunmenschlichte menschheit! Lavater phys. fragm. 3, 121. — in älterer zeit verunmenschen abominari, detestari Jelinek 853, mnd. vorunminschen Schiller-Lübben 5, 480. — verunmöglichen, v. , junge bildung: die verwirklichung dieses projektes zu verunmöglichen Berner bund, 7. aug. 1904; frachttarife ..., welche den warenverkehr verunmöglichen schles. zeit., 2. juli 1910. — verunmüszigen, v. , in anspruch nehmen: dann die herrschaft und ritterschaft wöllen die bürger darzu nicht verunmssigen Sturba beheimische landordnung 375. entsprechend verunmüszigung Olmützer gerichtsordnung 13; veraltet.verunnamen, v. , mit übernamen, spottnamen belegen: Haltaus 1908; Reyher thes. u 5 ra; Stieler stammb. 1326; Campe; schwäb. Fischer 2, 1395; thür. Hertel 171. vgl. verāname schweiz. id. 4, 723. — verunnaturen, v. , vereinzelt: der, um die newtonische darstellung zu retten, dieselbe epitomisirt und mit der wunderlichsten intrigue, indem er das geschäft zu vereinfachen glaubte, noch mehr verunnaturt hat Göthe II 2, 267 W.verunnüchtern, v. , refl.: 'ein gelinderer (studentischer?) ausdruck für sich berauschen' Schütz Siegerländer sprachidiom 2, 24. — verunnützen, v. , 'nutzlos machen, zu grunde richten' schweiz. id. 4, 892;

das mir die unflät nüt umbkarten
oder sunst anders verunnutzt schweiz. schausp. d. 16. jahrh. 1, 221 Bächtold.

'vergeuden, verthun' oberhess. Crecelius 879; Schöner Eschenrod 92. — verunordnen, v. , vereinzelt: ein verunordneter zustand der seele Herder 8, 106 S.verunraten, v. , nur in älterer zeit und mundartlich. zu unrat 1 c (s. o. XI, 3, sp. 1232); transitiv: conspurcare Frisius, conspurcare, disperdere, inquinare, foedare, devenustare, maculare Maaler; intrans. 'ganz unrat, unratvoll werden' schweiz. id. 6, 1581. zu unrat 2, mnd. vorunraden, verwahrlosen, vernachlässigen; unnütz ausgeben, nicht zu rate halten Schiller-Lübben 5, 480.

 

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