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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verunfrieden bis verunglücken (Bd. 25, Sp. 2028 bis 2031)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunfrieden, v.: das sie zornen und wunderlich werden, sich und ander

[Bd. 25, Sp. 2029]


leut dadurch vorunfryden Luther 2, 103 W.; sich v. 'mit jemand in unfrieden, streit gerathen' Campe.dazu verunfriedung Campe.
 
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verungebärden, v.: insonderheit verungeberdeten sich die Ubier, Menapier, Eburoner und Gallier mit winseln, haar ausraufen und so weibischen wehklagen Lohenstein Arminius 2, 280a. —
 
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verungelten, verumgelten, v., zu ungelt, umgelt, s. th. XI, 3, sp. 732; mhd. Lexer 3, 281, Diefenbach 570, Scherz-Oberlin; mnd. vorungelden Schiller-Lübben 5, 480; in neuerer zeit nicht mehr üblich; die wörterbücher bringen nur ältere belege. object ist meist der gegenstand, für den ungelt bezahlt wird, 'etwas versteuern, verzollen' (Martin-Lienhart), besonders von getränk: zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 21, 148 (a. 1348 im stadtrecht von Feldkirch); wo er den wein (aus einem auswärtigen weingarten in die stadt) brechte, sol er denselben wie ein ander burger seinen hier erwachsenen wein verungelden (1543) thür. rechtsdenkm. 62 Michelsen.
 
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verungenieren, v., s. verruinieren. —
 
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verungenossen, v., unebenbürtig verheiraten; früh veraltet: Herrgott genealogia diplomatica gentis habsburgicae 2, 709 (1363). — ebenso verungenossamen: von der verheirathung von kirchlichen hintersassen mit weltlichen: weisthümer 1, 34 (1347); anzeiger f. kunde d. deutschen mittelalters 3, 251 (Reichenau 1456). —
 
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verungestalten, v., s. verunstalten. —
 
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verunglaubigen, v., als unglaubwürdig hinstellen: es haben die dechant, capitul und gemeine pfaffheit ... uns an unseren ehren, briefen, siegeln und glauben unterstanden zu verunglaubigen und zu schmehen (1524) Schannat hist. episcop. Worm. 2, 362. —
 
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verungleichen, v., ungleich machen; reflexiv: sich verungleichen dem göttlichen willen Geiler v. Keisersberg pater noster h4; transitiv:

dasz morgen wir zu neuem kampfe gehn,
du ohne den Bayard, ich ohne stute,
denn welche tapferkeit den ritter ehrt,
das rosz verungleicht immer ihren werth
Gries Bojardos verliebter Roland 1, 117;

auf eigensinnige art war der boden zwischen den verschiedenen zimmern verungleicht, es muszten immer stufen gestiegen werden, um aus einem zimmer ins andre zu gelangen Arnim 3, 398 Grimm.
 
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verunglimpfen, v. , seit dem 15. jahrh. (s. u. 2 a) belegt, seit dem 16. gebucht (Alberus a 3b, Frisius 57a, 395b, Maaler 436c), später allgemein. mundartlich selten: Fischer 2, 1395, Schmeller-Fr. 1, 1476.
1) auf personen bezogen, jemanden in ansehen, ehre, gutem ruf herabsetzen, schädigen: obscurare Alberus, derogare Frisius, disfamare, auszschreyen Hulsius, detrahere de fama Steinbach. selten geschieht verunglimpfung durch that, handlung: ein phrygischer priester, von den Athenern verunglimpft und getötet Gerhard akad. abhandl. 2, 99; der gute kaiser Franz hing einsam hinter dem ofen, von fliegen verunglimpft Laube 8, 214, fast immer durch wort oder schrift: der lügengeist weis wol, das er uns hiemit unrecht thut und solches allein darumb speyet, das er uns verunglympfe Luther 26, 264 W.; die gute frau an ihren ehren zu verunglimpfen (sie zu beschuldigen, ihre kinder wären nicht alle von ihrem mann) Schütz hist. rer. pruss. 2, j 3b; ihre obersten, ritmeister und befehlichshabere sollen sie in gebührlichem respect halten, dieselbe nicht verunglimpfen acta publ. 1, 113 Palm;

herr pfaff! uns soldaten mag er schimpfen,
den feldherrn soll er uns nicht verunglimpfen
Schiller 12, 38 (Wallensteins lager 594) G.;

herzog von München-Baiern, lasz deine späher peitschen, sie haben deine schwieger verunglimpft Hebbel 3, 195 W. meist liegt in v. der nebensinn des ungerechten, unverdienten angriffs gegen ansehen und ehre, es bedeutet oft geradezu verleumden: calonniare Kramer; man verleumbde und verunglimpfe sie Luther 33, 673 W.;

wenn man leugt auf die leut oft gern,
dardurch sie oft verunglimpft wern
H. Sachs 19, 79 G.

[Bd. 25, Sp. 2030]


wenn die ungerechtigkeit des verunglimpfens weniger stark im bewusztsein ist, liegt die bedeutung tadeln, beschuldigen näher: blâmer Frisch nouv. dict. 602;

doch so wil ich gleich eim frummen
zu diesen sachen schweigen stil,
niemandt ich verunglimpfen wil,
das es vor scham sich musz entpferben
H. Sachs 13, 279 K.-G.;

obgleich spätere Pythagoräer den Aristoteles wegen seiner darstellung verunglimpfen Hegel 13, 221; wir verunglimpfen niemand; doch konnte uns nicht verholen bleiben, wie ganze schichten und reihen der gesellschaft sich hier theilnahmlos erweisen Jac. Grimm kl. schr. 8, 448.
mit näherer bestimmung der person oder des kreises von personen, in deren achtung jemand herabgesetzt wird, meist bei einem v.: das er durch ettliche bey der kay. mt. unsern allergnedigsten hern, auch unser gnedigste frauwen der konigin regentin hoch angetragen und verunglimpft werd staatspapiere z. gesch. Karls V. 255 lit. v.;

da hab ich mich an in gerochen,
sie all für ehbrecher angsprochen,
sie bey irn weibern verunglimpft
H. Sachs 17, 163 G.;

ferner habe er (Hutten) den herzog bei hohen und niedern standespersonen hart und hoch verunglimpft D. Fr. Strausz 7, 96. in älterer zeit auch gegen: und torst in kainer gegen dem grafen versagen oder verunglümpfen Fortunatus 8 ndr.; ine gegen kay. ma. und den fursten zu furunglumpffen Luther 7, 842 W. (verhandl. auf dem reichstag zu Worms). selten vor: Joseph in Egypten ward vor seinem herren unverdient verunglimpfet Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) m 6a. Herder hat eine vorliebe für absoluten gebrauch: dasz man verunglimpfte, anschwärzte, verläumdete, verdammte, wo man untersuchen und widerlegen sollte 15, 508 S.; seine feinde verunglimpfend zu belügen 17, 178 S. ungewöhnlich ist: dasz er sie blosz christlich hätte verdammen, oder artig und wohlanständig darüber verunglimpfen sollen 3, 295 S.
2) auf sachen bezogen:
a) etwas übel aufnehmen, auslegen: den schimpf ... verunglimpfen Fischart 2, 20 H.; wenn zuweilen von auffallend guten handlungen die rede war, die man durch lieblose urtheile verunglimpfen und ihnen unedle motive unterlegen wollte Mendelssohn 1, 40. oft mit dativ der person: wir hoffen auch, das uns ein solchs nach unserm herkumen nymant verunglimpfen müg chron. d. d. städte 2, 73 (Nürnberg 1444); kein wunder, dasz Fischart in groszen zorn gerieth, als ihm einer diese that verunglimpfte Gervinus gesch. d. d. dicht.5 3, 189.
b) der bedeutung von 1) entsprechend: wie zu unser zeit unser widersacher unser evangelion nicht erger beschweren und verunglimpfen können, denn das sie sagen, es sey aufrhürisch Luther 28, 305 W.; ein hitziger neuling ... hette ... die poeterey sampt der philosophey spöttisch und hönisch verunglimpfet Mathesius Sarepta (1571) 133a; dasz sie dadurch Homers gesänge, wie man sie hatte, verunglimpfen wollten Herder 18, 449 S.; eine heilige angelegenheit, an welche er nicht denken kann, ohne sie zu verunglimpfen Gutzkow ges. w. 6, 317. oft mit gleichzeitiger beziehung auf eine person: wann doch mein ere und tugent niemant lebendigs mag verungelimpfen Hartlieb d. buch Ovidij v. d. liebe 22a; meine ehre ist verunglimpft Bäuerle kom. theater 2, 62. besonders namen, andenken v.: meinen namen nicht also ... verunglimpfen Jac. Böhme 6, 165; damit in deiner abwesenheit nur dein name nicht verunglimpft werde Tieck 14, 276; theaterklatsch, durch dessen aufwärmung ihr andenken nicht verunglimpft werden soll schr. d. Götheges. 6, 91.
verunglimpfer, m., obtrectator, calumniator, cavillator, traductor Stieler 673; Campe; eines neidigen verunglimpfers schantlicher schmachspruch von gedachtem glückschiff Fischart glückhaft schiff 1 ndr.; ein verunglimpfer ihres guten namens Klopstock gelehrtenrepublik

[Bd. 25, Sp. 2031]


61; gegen jenen kaiserlichen verunglimpfer deutscher frauentugend (Napoleon) Mommsen reden u. aufs. 63. — verunglimpferin Stieler.
 
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verunglimpfung, f. , seit ende des 15. jahrh. belegt (Riederer, s. u. 2), aber erst im 18. u. 19. jahrh. sehr häufig.
1) anklage, beschuldigung, schmähung, fast immer in dem sinn des ungerechten, verleumderischen: damit aber nun dieser last täglicher beschuldigung und verunglimpfung, als ob ain rate pündtischer ordnung, bevelh und mandaten zugegen, wider ire pundtgenossen zu handeln genaigt say, von inen gewendet ... werd (1527) Strobel neue beiträge 2, 408; diejenigen, die durch schriftliche oder mündliche v. mich angegeben haben Thomasius ernsth. ged. u. er. 3, 8; dasz verunglimpfungen zurückgenommen, nöthigenfalls abgebeten werden können Schopenhauer 4, 415 Grisebach; die öffentlichen verunglimpfungen, denen ich ausgesetzt war Hebbel briefe 6, 71 W. sehr oft mit dem objectiven genitiv: ohn nachteil und v. kayserl. hochheit Buchholtz Herkuliskus 728; dasz sie ihn (Spinoza) nicht anders als zur v. Leibnitzens und andrer treflicher geister zu nennen wuszten Herder 16, 405 S.; verunglimpfungen der königlichen absichten Hegel 16, 352. ebenso mit dem subjectiven genitiv: der künig (Heinrich V.) verantwurt gegen allen potentaten sins vatters v. in geschrift mit bescheidenen worten Tschudi chron. helv. 1, 48; ein gancz ungenediges schreiben, so aus sonderbarer vergifteter v. unserer feinde herrühret acta publ. 1, 160 Palm. auch mit doppeltem gen.: alle französischen staatsmänner klagen über Ecksteins verunglimpfungen Frankreichs Gutzkow ges. w. 7, 220.
2) selten mit einer ergänzung, die inhalt oder grund der v. angibt: dem frässigen nythart in üwerm gemüt nyemer soviel statt ze geben, das ir in üwer eignen clag und in v. eines andern lasters üwer hertz sehen lassen, mit laster besetzt sin Riederer spiegel d. w. rhet. (1493) 21a; der reim war auszer sich über die verunglimpfungen von eintönigkeit, von klinglern u. s. w. A. W. Schlegel Athenäum 1, 68.
3) zuweilen unrecht, schädigung: er (der miszgünstige nachbar) ... nimmt sieben andere zu sich, die ärger denn er ist, mit denselbigen reitet er so lange auf die garrie, schmidet so lange rathschläge, bisz er ihn entweder abgezehret und durch andere verunglimpfungen gestürtzet hat Reinicke fuchs (1650) 345; raupen ..., welche die oben geschilderten verunglimpfungen (an blättern) vornehmen Brehm thierleben 9, 468 P.-L.zusammenzetzungen: verunglimpfungssache A. W. Schlegel in schr. d. Götheges. 13, 82, -schrift F. L. Jahn 1, 539 E.
 
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verunglücken, v. , seit dem 17. jahrh. belegt und gebucht (Schöpper d 8c, Schottel 648), älter im nd.: Schiller-Lübben 5, 480. mundartlich selten gebucht: schweiz. s. u.; schwäb. Fischer 2, 1395; cronenberg. Leihener 35a; samländ. E. L. Fischer 158.
A. vereinzelt transitiv:
1) unglücklich machen: so aber werde ich durch seinen verlust nicht nur verunglückt, sondern durch seine untreue, als eine seiner nicht würdige liebhaberin beschimpfet Lohenstein Arminius 2, 140a.
2) mundartlich 'durch miszgeschick verlieren' schweiz. id. 2, 622.
B. gewöhnlich intransitiv:
1) einen unglücksfall erleiden: ich verunglückte bald darauf auf der hirschspur Zendorius à Zendoriis teutsche winternächte 529; sie wäre nicht durch ihrer feindin tapferkeit, sondern durch einen blossen fehltritt des pferdes verunglückt Lohenstein Arminius 1, 199b; er verunglückte, zwey meilen von hier mit seinem wagen Lessing 2, 195 M.; wenn die Königsberger post einmal verunglückte Fr. Schlegel Athenäum 1, 2, 26. häufig das part. prät.: die durch dergleichen wasserschaden verunglückten personen Schwabe belustigungen

[Bd. 25, Sp. 2032]


3, 214; er bringe ihm einen auf der see verunglückten lutherischen prediger aus Deutschland Nicolai Nothanker 3, 7; sie ist, wo immer ein feuer ausbricht, sogleich bei der hand, wo sie dann die armen verunglückten mit ansehnlichen summen unterstützt Eichendorf 2, 107; in die heide hinauszuziehen und nach verunglückten zu spähen Steub drei sommer in Tirol 2, 22. übertragen: bei den verunglückten weibspersonen deutsche schaubühne 4, 288.
2) 'durch unglück oder unfall vergehen oder verderben' Schottel haubtsprache 648.
a) von personen: die prinzessin Parthenia in Scythien verunglücket, da sie ihr viertes jahr erreichet A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 95; man vermuthete, dasz es (das kind) bei seinem klettern zwischen den felsen verunglückt sei Göthe 23, 274 W. das part. prät.: des verunglückten literati besonderen briefwechsel Schnabel insel Felsenburg, vorrede 7 lit. denkm.; in der Schweiz werden steine über den gräbern verunglückter aufgethürmt Peschel völkerkunde 25.
b) häufig von schiffen und andern verkehrsmitteln: die flachen sand- oder felsenbänke, daran schiffe verunglücken können Gottsched beobachtungen 250; die trümmer verunglückter schiffe Haller Alfred 237; diligencen mit pferden und menschen verunglückten Moltke ges. schr. u. denkw. 1, 221. freier: gepäck verunglückte beim gefährlichen übersetzen über die reiszenden ströme Ritter erdkunde 1, 374.
c) andere beziehungen auf sächliches sind seltener: und würde es mich sehr niederschlagen, wenn ich eine frau hätte, der ein nagel während der ehe verunglücken sollte Hippel über die ehe 133; die torte ist verunglückt (auf die erde gefallen und dadurch verdorben) Iffland theatr. w. 2, 123; unglücklicher weise aber war dieselbe (eine lebensbeschreibung) schon 1598 bei einem brande zum gröszten theile verunglückt v. Ranke s. w. 39, 46. — dazu verunglückung Schottel 393; des Drusus verunglückung A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 621; verunglückungen deutscher seeschiffe hwb. d. staatswiss.2 6, 1016. — verunglückungsfall Campe, -statistik hwb. d. staatswiss.2 6, 1029.
3) ins unglück gerathen: mein vater war kaufmann — er verunglückte Meisl theatr. quodlibet 2, 140. gewöhnlich das part. prät.: die verunglückten häupter der welt Lohenstein Arminius 2, 1110b; eine verunglückte (verarmte und verschuldete) familie Laroche gesch. d. fräul. v. Sternheim 1, 280; wie die vorsehung den verunglückten und leidenden nachhilft Herder 15, 303 S.
4) keinen erfolg haben, scheitern: male succedere Schöpper.
a) von personen:
α) mit bezug auf die gesammte existenz, den lebensberuf: eine art von verunglücktem genie Kleist 5, 261 E. Schm.; wir sehen nicht selten männer, die in andern ständen verunglücken, sich hinterdrein dem lehrgeschäft als einer ihnen noch gebliebenen zuflucht widmen Jac. Grimm kl. schr. 1, 228; einen herabgekommenen, verunglückten studenten Steffens was ich erlebte 3, 168.
β) mit bezug auf bestimmte handlungen, versuche, unternehmungen: eine art der gedichte ..., in welcher alle seine vorgänger, einen einzigen ausgenommen, ... verunglücket sind das neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 3, 770; wie gern er immer ein wenig gelehrsamkeit zeigen will, und wie sehr er meistentheils damit verunglückt! Lessing 10, 15 M., dasz wir, die wir so grosze dinge unternehmen, auch in den kleinsten verunglücken W. v. Humboldt 1, 25.
b) von sächlichem: weil die neugebohrne liebe nun entweder aus einer kindischen schamhaftigkeit oder aus einer beysorge zu verunglücken sich so sehr in ihre gedancken als die eule in die finsternüss verstecket Lohenstein Arminius 2, 13b;

auch frölich dann, wann seine saat
verunglückt
J. A. Cramer sämmtl. ged. 3, 301;

[Bd. 25, Sp. 2033]


unter dem Maximilian war es (das reichsregiment) zwar schon einmal verunglückt und bald nach seiner errichtung wieder eingegangen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 5, 40; zwei verunglückte schwangerschaften H. v. Kahlenberg die familie Barchwitz 17. am häufigsten von versuchen, unternehmungen, absichten: dasz auch das nützlichste, unter ähnlichen umständen unternommene werk verunglücken sollte und müszte Lessing 10, 218 M.; dasz die gröszten unternehmungen um solcher ursachen willen verunglücken Kästner verm. schr. 1, 4; seine absicht ist ihm auch nicht verunglückt Bode Montaigne 6, 321; so verunglückte meiner schwiegertochter ein versuch, durch reiten ihre gesundheit zu verbessern Göthe IV 41, 34 W.; die jämmerliche kreuzfahrt gegen die junge litteratur ist zwar in sich selber verunglückt, zersprengt und zerfallen Pückler briefwechsel u. tagebücher 3, 330. das part. prät.: so viel halbe, so viel verunglückte unternehmungen! Göthe 8, 80 W.; diesen verunglückten versuch neuer bekanntschaft 33, 284; einen verunglückten angriff auf England Schiller 8, 98 G.; die verunglückte expedition der englischen entdeckungsreise zum Zaireflusz Ritter erdkunde 1, 256; den verunglückten aufstand Herman Grimm Michelangelo 1, 172.
5) mit bezug auf das ergebnis von arbeit, unternehmung, versuch: schlecht ausfallen, schlecht gerathen: denn die verfasser ... schrieben doch wenigstens nicht fürs publicum, und so ist schon zehn gegen eins zu wetten, dasz sie weit weniger verunglücken müssen als unsre neuere zierliche versuche Frankf. gel. anzeigen (1772) 518 lit. - denkm.; beefsteaks zu rösten, ... die er sich am besten in Europa zu machen einbildet, ob sie ihm gleich die meisten male verunglücken Tieck 4, 259; bis jetzt verunglücken doch alle briefstellerbücher Fr. L. Jahn 1, 130 E. am gebräuchlichsten ist das part. prät., besonders in beziehung auf geistige, insonderheit literarische und künstlerische, aber auch auf wissenschaftliche erzeugnisse: schade, dasz die meisten (von Junkers Christusköpfen) sehr verunglückt sind Lavater physiogn. fragm. 4, 437; dasz die deutsche geschichte sich gar nicht halbgriechisch oder halbfranzösisch behandeln lasse — ein thema, das ich an anderm orte mit verunglückten beispielen beweisen werde Herder 3, 471 S.; sogar einige (heldengedichte), aber sehr verunglückte, in achtfüszigen trochäen Eschenburg entwurf einer theorie u. lit. d. schön. wissensch. 127; der verunglückte ontologische beweis Kant 3, 404 ak. ausg.; Zriny ist eine verunglückte kopie des Wallenstein Hebbel 9, 51 W.

 

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