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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verunformung bis verunglimpfen (Bd. 25, Sp. 2028 bis 2029)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunformung, f.: die sowohl einheimische als fremde eigennamen sollen im vers ihren natürlichen wortthon behalten, und werden mit v. anders gethönet Birken teutsche redebind- und dichtkunst 56. —
 
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verunfreunden, v.: wenn freunde sich einmal v. Stieler 558; Kramer 1, 417b. —
 
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verunfrieden, v.: das sie zornen und wunderlich werden, sich und ander

[Bd. 25, Sp. 2029]


leut dadurch vorunfryden Luther 2, 103 W.; sich v. 'mit jemand in unfrieden, streit gerathen' Campe.dazu verunfriedung Campe.
 
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verungebärden, v.: insonderheit verungeberdeten sich die Ubier, Menapier, Eburoner und Gallier mit winseln, haar ausraufen und so weibischen wehklagen Lohenstein Arminius 2, 280a. —
 
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verungelten, verumgelten, v., zu ungelt, umgelt, s. th. XI, 3, sp. 732; mhd. Lexer 3, 281, Diefenbach 570, Scherz-Oberlin; mnd. vorungelden Schiller-Lübben 5, 480; in neuerer zeit nicht mehr üblich; die wörterbücher bringen nur ältere belege. object ist meist der gegenstand, für den ungelt bezahlt wird, 'etwas versteuern, verzollen' (Martin-Lienhart), besonders von getränk: zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 21, 148 (a. 1348 im stadtrecht von Feldkirch); wo er den wein (aus einem auswärtigen weingarten in die stadt) brechte, sol er denselben wie ein ander burger seinen hier erwachsenen wein verungelden (1543) thür. rechtsdenkm. 62 Michelsen.
 
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verungenieren, v., s. verruinieren. —
 
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verungenossen, v., unebenbürtig verheiraten; früh veraltet: Herrgott genealogia diplomatica gentis habsburgicae 2, 709 (1363). — ebenso verungenossamen: von der verheirathung von kirchlichen hintersassen mit weltlichen: weisthümer 1, 34 (1347); anzeiger f. kunde d. deutschen mittelalters 3, 251 (Reichenau 1456). —
 
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verungestalten, v., s. verunstalten. —
 
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verunglaubigen, v., als unglaubwürdig hinstellen: es haben die dechant, capitul und gemeine pfaffheit ... uns an unseren ehren, briefen, siegeln und glauben unterstanden zu verunglaubigen und zu schmehen (1524) Schannat hist. episcop. Worm. 2, 362. —
 
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verungleichen, v., ungleich machen; reflexiv: sich verungleichen dem göttlichen willen Geiler v. Keisersberg pater noster h4; transitiv:

dasz morgen wir zu neuem kampfe gehn,
du ohne den Bayard, ich ohne stute,
denn welche tapferkeit den ritter ehrt,
das rosz verungleicht immer ihren werth
Gries Bojardos verliebter Roland 1, 117;

auf eigensinnige art war der boden zwischen den verschiedenen zimmern verungleicht, es muszten immer stufen gestiegen werden, um aus einem zimmer ins andre zu gelangen Arnim 3, 398 Grimm.
 
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verunglimpfen, v. , seit dem 15. jahrh. (s. u. 2 a) belegt, seit dem 16. gebucht (Alberus a 3b, Frisius 57a, 395b, Maaler 436c), später allgemein. mundartlich selten: Fischer 2, 1395, Schmeller-Fr. 1, 1476.
1) auf personen bezogen, jemanden in ansehen, ehre, gutem ruf herabsetzen, schädigen: obscurare Alberus, derogare Frisius, disfamare, auszschreyen Hulsius, detrahere de fama Steinbach. selten geschieht verunglimpfung durch that, handlung: ein phrygischer priester, von den Athenern verunglimpft und getötet Gerhard akad. abhandl. 2, 99; der gute kaiser Franz hing einsam hinter dem ofen, von fliegen verunglimpft Laube 8, 214, fast immer durch wort oder schrift: der lügengeist weis wol, das er uns hiemit unrecht thut und solches allein darumb speyet, das er uns verunglympfe Luther 26, 264 W.; die gute frau an ihren ehren zu verunglimpfen (sie zu beschuldigen, ihre kinder wären nicht alle von ihrem mann) Schütz hist. rer. pruss. 2, j 3b; ihre obersten, ritmeister und befehlichshabere sollen sie in gebührlichem respect halten, dieselbe nicht verunglimpfen acta publ. 1, 113 Palm;

herr pfaff! uns soldaten mag er schimpfen,
den feldherrn soll er uns nicht verunglimpfen
Schiller 12, 38 (Wallensteins lager 594) G.;

herzog von München-Baiern, lasz deine späher peitschen, sie haben deine schwieger verunglimpft Hebbel 3, 195 W. meist liegt in v. der nebensinn des ungerechten, unverdienten angriffs gegen ansehen und ehre, es bedeutet oft geradezu verleumden: calonniare Kramer; man verleumbde und verunglimpfe sie Luther 33, 673 W.;

wenn man leugt auf die leut oft gern,
dardurch sie oft verunglimpft wern
H. Sachs 19, 79 G.

[Bd. 25, Sp. 2030]


wenn die ungerechtigkeit des verunglimpfens weniger stark im bewusztsein ist, liegt die bedeutung tadeln, beschuldigen näher: blâmer Frisch nouv. dict. 602;

doch so wil ich gleich eim frummen
zu diesen sachen schweigen stil,
niemandt ich verunglimpfen wil,
das es vor scham sich musz entpferben
H. Sachs 13, 279 K.-G.;

obgleich spätere Pythagoräer den Aristoteles wegen seiner darstellung verunglimpfen Hegel 13, 221; wir verunglimpfen niemand; doch konnte uns nicht verholen bleiben, wie ganze schichten und reihen der gesellschaft sich hier theilnahmlos erweisen Jac. Grimm kl. schr. 8, 448.
mit näherer bestimmung der person oder des kreises von personen, in deren achtung jemand herabgesetzt wird, meist bei einem v.: das er durch ettliche bey der kay. mt. unsern allergnedigsten hern, auch unser gnedigste frauwen der konigin regentin hoch angetragen und verunglimpft werd staatspapiere z. gesch. Karls V. 255 lit. v.;

da hab ich mich an in gerochen,
sie all für ehbrecher angsprochen,
sie bey irn weibern verunglimpft
H. Sachs 17, 163 G.;

ferner habe er (Hutten) den herzog bei hohen und niedern standespersonen hart und hoch verunglimpft D. Fr. Strausz 7, 96. in älterer zeit auch gegen: und torst in kainer gegen dem grafen versagen oder verunglümpfen Fortunatus 8 ndr.; ine gegen kay. ma. und den fursten zu furunglumpffen Luther 7, 842 W. (verhandl. auf dem reichstag zu Worms). selten vor: Joseph in Egypten ward vor seinem herren unverdient verunglimpfet Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) m 6a. Herder hat eine vorliebe für absoluten gebrauch: dasz man verunglimpfte, anschwärzte, verläumdete, verdammte, wo man untersuchen und widerlegen sollte 15, 508 S.; seine feinde verunglimpfend zu belügen 17, 178 S. ungewöhnlich ist: dasz er sie blosz christlich hätte verdammen, oder artig und wohlanständig darüber verunglimpfen sollen 3, 295 S.
2) auf sachen bezogen:
a) etwas übel aufnehmen, auslegen: den schimpf ... verunglimpfen Fischart 2, 20 H.; wenn zuweilen von auffallend guten handlungen die rede war, die man durch lieblose urtheile verunglimpfen und ihnen unedle motive unterlegen wollte Mendelssohn 1, 40. oft mit dativ der person: wir hoffen auch, das uns ein solchs nach unserm herkumen nymant verunglimpfen müg chron. d. d. städte 2, 73 (Nürnberg 1444); kein wunder, dasz Fischart in groszen zorn gerieth, als ihm einer diese that verunglimpfte Gervinus gesch. d. d. dicht.5 3, 189.
b) der bedeutung von 1) entsprechend: wie zu unser zeit unser widersacher unser evangelion nicht erger beschweren und verunglimpfen können, denn das sie sagen, es sey aufrhürisch Luther 28, 305 W.; ein hitziger neuling ... hette ... die poeterey sampt der philosophey spöttisch und hönisch verunglimpfet Mathesius Sarepta (1571) 133a; dasz sie dadurch Homers gesänge, wie man sie hatte, verunglimpfen wollten Herder 18, 449 S.; eine heilige angelegenheit, an welche er nicht denken kann, ohne sie zu verunglimpfen Gutzkow ges. w. 6, 317. oft mit gleichzeitiger beziehung auf eine person: wann doch mein ere und tugent niemant lebendigs mag verungelimpfen Hartlieb d. buch Ovidij v. d. liebe 22a; meine ehre ist verunglimpft Bäuerle kom. theater 2, 62. besonders namen, andenken v.: meinen namen nicht also ... verunglimpfen Jac. Böhme 6, 165; damit in deiner abwesenheit nur dein name nicht verunglimpft werde Tieck 14, 276; theaterklatsch, durch dessen aufwärmung ihr andenken nicht verunglimpft werden soll schr. d. Götheges. 6, 91.
verunglimpfer, m., obtrectator, calumniator, cavillator, traductor Stieler 673; Campe; eines neidigen verunglimpfers schantlicher schmachspruch von gedachtem glückschiff Fischart glückhaft schiff 1 ndr.; ein verunglimpfer ihres guten namens Klopstock gelehrtenrepublik

[Bd. 25, Sp. 2031]


61; gegen jenen kaiserlichen verunglimpfer deutscher frauentugend (Napoleon) Mommsen reden u. aufs. 63. — verunglimpferin Stieler.

 

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