Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verunehren bis verunformung (Bd. 25, Sp. 2026 bis 2028)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunehren, v. , seit dem 16. jahrh. belegt und gebucht (ältere sprache gunêren): Pinicianus q 6c; Alberus xx 1a; y 2a; Frisius 1066b; Maaler 436b, später allgemein. mundartlich nicht häufig: veraltet Fischer 2, 1395 (daneben vertuneren 1393; schweiz. id. 1, 398; Martin-Lienhart 1, 61), ebenso Müller-Fraureuth 2, 618; lüb. Schumann 78.
1) von religiösem: profanare Frisius, Maaler, Stieler 362, Kramer 1, 273c; das wir aber sehen, wie gotes name geheiliget werde yn uns, wollen wir vorhin sehen, wie er vorunheiliget und voruneret wirt yn uns Luther 2, 87 W.; da er den tempel zu Jerusalem verunehrete 19, 404; die catholischen priester werden von den underthanen uberfallen, ... die heiligen sacramente verunehret acta publ. 2, 55 Palm; also wer den sohn und h. geist entehret, verunehret die gantze hochgelobte dreyeinigkeit Treuer Dädalus 1, 751; die das wort betschwester schon eine sünde nannten, weil der begriff des gebets dadurch verunehrt würde Gervinus gesch. d. d. dicht. 4, 88.
2) von menschen:
a) jemandem eine schmach zufügen: inhonestare Alberus xx 1a, Reyher, inhonorare Alberus, dishonorare Hulsius - Ravellus 359b, Kramer 1, 273c, dedecorare, dehonestare Dentzler; forchten, wyr mussen schand leyden, voruneret werden Luther 10, 3, 411 W.; wenn uns gleich der pöbel verunehrt Gellert sämtl. schr. 4, 275. reflexiv: niemals wird er sich durch eine niederträchtigkeit verunehren Ramler einl. i. d. schön. wissensch. 1, 109; ein mann soll seine frau nie schlagen, sonst verunehrt er sich selber Hebel 2, 212 B. von der verletzung weiblicher ehre: dasz ein gewaltiger schalck ... seine tochter Virginiam verunehren und sie mit gewalt schenden wolt Lorichius inspektion u. bericht 153; ohne dasz mädchen und frauen auf der strasze verunehrt und brutalitäten jeder art verübt werden Steub wanderungen im bayr. gebirge 37.

[Bd. 25, Sp. 2027]



b) jemanden in bösen ruf bringen, contumeliari Alberus, infamare Hulsius-Ravellus (1616) 359b: wer euch in ewer gegenwertigkeit am maisten ehret, ... der pflegt euch hinderrucks am meisten zu verunehren Albertinus zeitkürzer 41b; welcher auch für ein offenen strassenräuber berufft und verunehrt wäre Moscherosch Philander 2, 369.
3) von sächlichem:
a) persönlicher beziehung nahestehend sind fälle wie: einem, der desz kaysers bildnusz, in kupfer gestochen, mit der wüsten hand verunehret Moscherosch insomnis cura parentum 77 ndr.; verunehren sie sein andenken nur nicht Gottsched deutsche schaubühne 2, 254; gebeine werden ausgegraben und verunehrt Lichtenberg verm. schr. 2, 111. mit reflexiver bedeutung:

ihr habt vor diesem, liebste brüder,
verunehrt euren geist und glieder
Opitz opera (1690) 3, 133;

durch den mir so ehrwürdigen namen, den du verunehrest d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 7, 30; seine familie v. Schwan nouv. dict. 2, 939a; wenn ich nicht meinen stand verunehren will G. Keller 5, 327.
b) sonstiges: hurerey und ehebruch, das sind die rechten schandfleck, die das ehebette verunreinen, beflecken und verunehren Luther 34, 1, 68 W.; das du dem man sein hauss verunerest Schaidenreisser Odyssea 70a; wir alle leben in Solyma, im lande des friedens, und wir verunehrten dies land durch unsern sträflichen vorwitz Jung - Stilling 5, 216. ganz concret: wenn euer kind lange das bette also (durch bettnässen) verunehret J. G. Schmidt rockenphil. 1, 90.
von geistigem: das sie (manche autoren) es (manch schönes kurzes wort) vil mehr verderbt als geschärft, viel mehr verdunckelt und verunehret als verkläret haben Zinkgref apophthegmata b 5. durch beimischung von nicht zugehörigem v.: sie müssen ihre angeborne selbständige haubtsprach mit diesen bastartsprachen verunehren Moscherosch Philander 2, 127; damit man die gewiszheit mathematischer wahrheiten nicht mit untermengten irrthümern verunehre Reimarus wahrh. d. nat. rel. 17. — dazu verunehrer: dieser verunehrer des feuers (der gedroht hatte, das heilige feuer auszulöschen) Lohenstein Arminius 1, 1048a; einen verunehrer des heiligthums (der eine statue zertrümmert hatte) 2, 42b. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verunehrlichen, v., dishonorare, infamare vituperare, ..., v., zu schanden bringen, schänden Hulsius (1618) 2, 127b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verunehrung, f., seit dem 17. jahrh. (Hulsius-Ravellus 359b) belegt und gebucht. meist von religiösem: profanatione Kramer; profanation, entheiligung, entweihung, v. Sperander; ich geschweige der unverschämten begrüssungen und anrufungen, oder vielmehr verunehrungen der hochgelobten jungfrauen Marien in ... dergleichen gebeten Rätel Curäi chronica 369; seine ehrerbietung werde dessen (des leibes Christi) herrlichkeit weder vermehren, noch seine v. dieselbe schmeleren Zinkgref apophthegmata 447; für die v. der synagoge zahlt der christ dem woywoden zwei steine pfeffer als strafe Moltke schr. u. denkw. 2, 104. sonstiges: die v. unserer weiber Lohenstein Arminius 1, 19a; seinen guten nahmen von allen flecken der v. zu saubern 2, 645a; v. der scharfrichter in Teutschland Thomasius ernsth. ged. u. erinn. 3, 194; die leiche zu verbrennen und der v. durch den feind zu entziehen Mommsen röm. gesch. 5, 42. ungewöhnlich mit dem subjectiven genetiv: auf die verunehrungen des königs antwortete sie ihm mit edler kühnheit Becker weltgesch. 5, 78.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
veruneinen, v., selteneres synonymon zu veruneinigen: darüber man sich so heftig veruneinet Herder 8, 254 S.; mit sich selbst veruneint Göthe 24, 243 W.; da keiner sonst ... übergeblieben, den er nicht verunglimpft und mit den andern veruneint Alexis Roland v. Berlin 3, 184.

[Bd. 25, Sp. 2028]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) veruneinigen, v. , seit ende des 16. jahrh. in der literatur, seit 1700 in den wb. belegt: Kramer 1, 286a; Ludwig, Steinbach, Adelung (in der edleren schreibart entzweien), Campe. mundartlich nicht häufig: Tobler appenz. sprachsch. 190 (im schweiz. id. dafür veruneinse); Fischer 2, 1395.
1) am häufigsten ist reflexiver gebrauch:
a) sich mit andern v.: darnach veruneinigten sich die gebietiger mit dem hohemeister und den conventen Schütz hist. rer. pruss. 5, e 4e; ich habe mich mit meinen brüdern in dem walde veruneiniget Lessing 1, 226 M. auch geradezu in streit gerathen: esz soll sich keiner auf zug oder wache, oder bey fliegender fahn mit einem andern veruneinigen, noch im läger ... mit ... mördlichen wehren, angreiffen oder schieszen acta publ. 1, 111 Palm; mit den stadtsoldaten hatten sich junge leute veruneinigt, es war nicht ohne thätlichkeiten abgelaufen Göthe 27, 194 W.
b) subject sind beide parteien, die sich v.: sich miteinander zu veruneinigen J. G. Schmidt gestriegelte rockenphilosophia 1, 314; sie (die protestanten) sollten sich weniger untereinander veruneinigen Nicolai reise d. Deutschland u. d. Schweiz 2, 511; können sie denn nicht miteinander reden, ohne sich zu veruneinigen? Chr. F. Weisze lustsp. 1, 328. sich über etwas v.: dasz die wiedrigen götter sich übern trunck veruneiniget Prätorius katzenveit g 6a; da ihr euch doch eigentlich über die farbenlehre veruneinigt hättet Göthes gespräche 3, 317 Biedermann.
2) transitiv. das subject ist:
a) persönlich: es ist mir ein rechter trost sie zu sehen. — man hat uns veruneinigen wollen Schiller 14, 229 G.; die Franzosen thaten ihr möglichstes, Deutschland zu veruneinigen Fr. L. Jahn 2, 525 E.
b) der gegenstand oder grund der veruneinigung: kein glaubenszwiespalt darf ein groszes volk, das sich wieder fühlt und aufrecht erhalten will, veruneinigen Jac. Grimm kl. schr. 7, 562.
dazu veruneiniger: der beständige veruneiniger des menschen mit gott Schelling 2, 4, 250. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
veruneinigung Kramer 1, 286a; discordia Steinbach; Adelung; so laue veruneinigungen verdienten nun nicht den nahmen einer feindschaft Lohenstein Arminius 2, 1245b; v. der vernunft mit sich selbst Kant 3, 323 ak. ausg.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verunendlichen, v.: so dasz es (das endliche) in seiner verbindung mit dem unendlichen ... gegen seine nicht verschwundene, vielmehr perennierende bestimmung verunendlicht werde Hegel 3, 158; die ... einbildungskraft verunendlicht noch weit mehr die schrecken als die wonnen Vischer altes u. neues 1, 215. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verunengeln, v.: gottes geschöpfe zu v. Kretschmann 5, 373. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verunfallen, v., seltene, von der zeitschr. d. allg. d. sprachvereins mehrfach (19, 338; 25, 125) beanstandete bildung: im dienst verunfallte wehrpflichtige botschaft d. Schweizer bundesrats v. 16. juni 1900; der verunfallte nahm sogleich seinen beruf wieder auf Wiener klinische wochenschrift 1910 st. 6. über verwechselung mit dial. verûffallen (schweiz. idiot. 1, 737) s. zs. f. d. ma. 2, 312. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verunflätigen, v.; spätmhd. Lexer, Jelinek, inquinare, sordidum reddere Stieler 495: seyn (des teufels) angesichte was furig und also greszlich, das sich der knecht vor engisten vorunfletigete Rothe dür. chr. 336; mit falschem schmuck, anstrich und kreussen verderben, besudlen und verunfletigen Vigilius de rebis memorandis 4a; übertragen: wie in (den mönch) des teufels argelist vorunfletiget und vorraten hette J. v. Neumarkt leb. d. hl. Hieronymus 213 bibl. d. mhd. lit. in Böhmen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verunformung, f.: die sowohl einheimische als fremde eigennamen sollen im vers ihren natürlichen wortthon behalten, und werden mit v. anders gethönet Birken teutsche redebind- und dichtkunst 56. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: