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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verunbilligen bis veruneinen (Bd. 25, Sp. 2025 bis 2027)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunbilligen, v., dissapprovare, non approvare Kramer 1, 112b; so haben doch die ... heydnische völcker ... dergleichen vermischung abhorrirt und verunbilliget Dannhawer catechismusmilch 3, 245; in welchem buch ... die schärfe unserer theologen sehr verunbilliget wird Löscher abgewiesener Demas 77. mit persönlichem dativ, einem etwas übel auslegen, verübeln: sol es doch niemant verunbillicht werden, der sollichs übel understat mit schriften, radt oder that z vorkommen Dietenberger das ander buch wider Martinum Luther A 1a; welches ihr uns verunbilliget, und solche wort (eines briefes) sehr frembde auffnemet Schütz hist. rer. pruss. 6, g 3a. —
 
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verundeuten, v., nur vereinzelt: der herr wolle mirs nicht misdeuten, verundeuten Kramer 1, 221a. —
 
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verundeutlichen, v., erst im 19. jahrh. belegt: mit nichtssagenden, oder selbst die gemeinsten und faszlichsten wahrheiten durch wortschwall verundeutlichenden floskeln Schopenhauer 4, 174 Gr.
 
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verundeutschen, v., Campe. meist von sprache, wörtern, namen: massen die nachwelt ausz denen verunteutschten namen, die sie ihren schriften vorzusetzen pflegen, sie mehr vor Griechen oder Lateiner als geborne Teutsche halten würde Grimmelshausen 4, 379 Kurz; wan sie (die deutsche sprache) ... sich verundeutschen lassen musz Schottel haubtsprache 110; dieser nachdruck unterscheidet sich von jenem mit nichts merkwürdigem, als dasz s. 134 'verbat' mit 'depreciret' verbessert, wir wollten sagen, verundeutschet ... worden allgem. deutsche bibl. 24, 271; er (der name Almuth) musz sich in eine Alma verundeutschen lassen Allmers marschenbuch (1891) 187. sonst selten: man hat die universitäten so verundeutscht Jahn briefe 333. —
 
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verunechten, v., neuerer ausdruck der historischen quellenkunde: ob sie (die geschichtsquellen) nicht etwa ganz oder zum teil gefälscht, verunechtet sind Bernheim einl. i. d. geschichtswiss. 114; dazu verunechtung 115; 119.

[Bd. 25, Sp. 2026]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunedeln, v. , mhd. unbelegt, mnd. vorunedelen Schiller-Lübben 5, 480, nhd. Adelung, Campe, Veith bergwb. den hd. mundarten fremd.
1) seit dem 16. jahrh. als bergmännischer ausdruck: verunedlet ist wenn eine kluft zum gängen kömmt und das gute ertz verschiebet Junghans gräublein ertz f 2b; gang übergiebt seine ertzliche kraft; der gang verunedelt sich Schönberg berginformation 2, 36; daferne aber zufallende faule geschicke den frischen gang durchsetzen, so heiszet es: der gang verunedelt sich Herttwig bergbuch 154a; andre gänge verunedlen ihn Novalis 4, 121 Minor. bildlich: wie aber im ehestand oft ein theil das ander verunedelt, ... so gehet es auch im berge zu Mathesius ausgew. w. 4, 209. — dazu verunedlung Veith bergwb. 164.
2) sonst erst seit mitte des 18. jahrh. im gebrauch:
a) unedel machen: herr und diener, beide verunedlen einander wechselsweise Schlözer öffentl. u. privatleben 126. reflexiv: das gesichte des ewigen lachens wird unausstehlich und musz sich verunedlen Lavater physiogn. fragm. 1, 93. von geistigem: wo die wirkenden, die mitwirkenden kräfte verunedelt und aufgelöset sind Herder 30, 203 S. von reinheit des blutes: es kann ... einer unter 24 stammmüttern leicht etwas menschliches wiederfahren seyn, dasz also das edle geblüt durch einen fremden zuflusz verunedelt worden Sonnenfels ges. schr. 2, 359.
dazu verunedlung: und gereichet nachgehends der edlen jägerey zur verunedelung, wenn schlechte jäger sich überall unter die guten mit einmischen Heppe aufrichtiger lehrprinz xx 3b; verfall, verunedlung, vergröberung, verderbnis Lavater physiogn. fragm. 1, 70; von der moralischen verunedlung Fichte 6, 231.
b) unedel auffassen, darstellen: welcher abstand von Luther und Christus — dem vielleicht veredelten Luther, dem gewisz verunedelten Christus! Lavater aus Herders nachlasz 2, 88. —
 
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verunehlichen, v.: ich sage, dasz man ohne noht unsre teutsche sprache mit frembden worten nicht verunehlichen soll Harsdörfer teutscher secretarius 1, 4.
 
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verunehren, v. , seit dem 16. jahrh. belegt und gebucht (ältere sprache gunêren): Pinicianus q 6c; Alberus xx 1a; y 2a; Frisius 1066b; Maaler 436b, später allgemein. mundartlich nicht häufig: veraltet Fischer 2, 1395 (daneben vertuneren 1393; schweiz. id. 1, 398; Martin-Lienhart 1, 61), ebenso Müller-Fraureuth 2, 618; lüb. Schumann 78.
1) von religiösem: profanare Frisius, Maaler, Stieler 362, Kramer 1, 273c; das wir aber sehen, wie gotes name geheiliget werde yn uns, wollen wir vorhin sehen, wie er vorunheiliget und voruneret wirt yn uns Luther 2, 87 W.; da er den tempel zu Jerusalem verunehrete 19, 404; die catholischen priester werden von den underthanen uberfallen, ... die heiligen sacramente verunehret acta publ. 2, 55 Palm; also wer den sohn und h. geist entehret, verunehret die gantze hochgelobte dreyeinigkeit Treuer Dädalus 1, 751; die das wort betschwester schon eine sünde nannten, weil der begriff des gebets dadurch verunehrt würde Gervinus gesch. d. d. dicht. 4, 88.
2) von menschen:
a) jemandem eine schmach zufügen: inhonestare Alberus xx 1a, Reyher, inhonorare Alberus, dishonorare Hulsius - Ravellus 359b, Kramer 1, 273c, dedecorare, dehonestare Dentzler; forchten, wyr mussen schand leyden, voruneret werden Luther 10, 3, 411 W.; wenn uns gleich der pöbel verunehrt Gellert sämtl. schr. 4, 275. reflexiv: niemals wird er sich durch eine niederträchtigkeit verunehren Ramler einl. i. d. schön. wissensch. 1, 109; ein mann soll seine frau nie schlagen, sonst verunehrt er sich selber Hebel 2, 212 B. von der verletzung weiblicher ehre: dasz ein gewaltiger schalck ... seine tochter Virginiam verunehren und sie mit gewalt schenden wolt Lorichius inspektion u. bericht 153; ohne dasz mädchen und frauen auf der strasze verunehrt und brutalitäten jeder art verübt werden Steub wanderungen im bayr. gebirge 37.

[Bd. 25, Sp. 2027]



b) jemanden in bösen ruf bringen, contumeliari Alberus, infamare Hulsius-Ravellus (1616) 359b: wer euch in ewer gegenwertigkeit am maisten ehret, ... der pflegt euch hinderrucks am meisten zu verunehren Albertinus zeitkürzer 41b; welcher auch für ein offenen strassenräuber berufft und verunehrt wäre Moscherosch Philander 2, 369.
3) von sächlichem:
a) persönlicher beziehung nahestehend sind fälle wie: einem, der desz kaysers bildnusz, in kupfer gestochen, mit der wüsten hand verunehret Moscherosch insomnis cura parentum 77 ndr.; verunehren sie sein andenken nur nicht Gottsched deutsche schaubühne 2, 254; gebeine werden ausgegraben und verunehrt Lichtenberg verm. schr. 2, 111. mit reflexiver bedeutung:

ihr habt vor diesem, liebste brüder,
verunehrt euren geist und glieder
Opitz opera (1690) 3, 133;

durch den mir so ehrwürdigen namen, den du verunehrest d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 7, 30; seine familie v. Schwan nouv. dict. 2, 939a; wenn ich nicht meinen stand verunehren will G. Keller 5, 327.
b) sonstiges: hurerey und ehebruch, das sind die rechten schandfleck, die das ehebette verunreinen, beflecken und verunehren Luther 34, 1, 68 W.; das du dem man sein hauss verunerest Schaidenreisser Odyssea 70a; wir alle leben in Solyma, im lande des friedens, und wir verunehrten dies land durch unsern sträflichen vorwitz Jung - Stilling 5, 216. ganz concret: wenn euer kind lange das bette also (durch bettnässen) verunehret J. G. Schmidt rockenphil. 1, 90.
von geistigem: das sie (manche autoren) es (manch schönes kurzes wort) vil mehr verderbt als geschärft, viel mehr verdunckelt und verunehret als verkläret haben Zinkgref apophthegmata b 5. durch beimischung von nicht zugehörigem v.: sie müssen ihre angeborne selbständige haubtsprach mit diesen bastartsprachen verunehren Moscherosch Philander 2, 127; damit man die gewiszheit mathematischer wahrheiten nicht mit untermengten irrthümern verunehre Reimarus wahrh. d. nat. rel. 17. — dazu verunehrer: dieser verunehrer des feuers (der gedroht hatte, das heilige feuer auszulöschen) Lohenstein Arminius 1, 1048a; einen verunehrer des heiligthums (der eine statue zertrümmert hatte) 2, 42b. —
 
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verunehrlichen, v., dishonorare, infamare vituperare, ..., v., zu schanden bringen, schänden Hulsius (1618) 2, 127b.
 
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verunehrung, f., seit dem 17. jahrh. (Hulsius-Ravellus 359b) belegt und gebucht. meist von religiösem: profanatione Kramer; profanation, entheiligung, entweihung, v. Sperander; ich geschweige der unverschämten begrüssungen und anrufungen, oder vielmehr verunehrungen der hochgelobten jungfrauen Marien in ... dergleichen gebeten Rätel Curäi chronica 369; seine ehrerbietung werde dessen (des leibes Christi) herrlichkeit weder vermehren, noch seine v. dieselbe schmeleren Zinkgref apophthegmata 447; für die v. der synagoge zahlt der christ dem woywoden zwei steine pfeffer als strafe Moltke schr. u. denkw. 2, 104. sonstiges: die v. unserer weiber Lohenstein Arminius 1, 19a; seinen guten nahmen von allen flecken der v. zu saubern 2, 645a; v. der scharfrichter in Teutschland Thomasius ernsth. ged. u. erinn. 3, 194; die leiche zu verbrennen und der v. durch den feind zu entziehen Mommsen röm. gesch. 5, 42. ungewöhnlich mit dem subjectiven genetiv: auf die verunehrungen des königs antwortete sie ihm mit edler kühnheit Becker weltgesch. 5, 78.
 
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veruneinen, v., selteneres synonymon zu veruneinigen: darüber man sich so heftig veruneinet Herder 8, 254 S.; mit sich selbst veruneint Göthe 24, 243 W.; da keiner sonst ... übergeblieben, den er nicht verunglimpft und mit den andern veruneint Alexis Roland v. Berlin 3, 184.

 

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