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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verunantwortlich bis verunehrlichen (Bd. 25, Sp. 2025 bis 2027)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunantwortlich, adj., unverantwortlich: aber disz halte ich für verunantwortlich, dasz wir ... Lohenstein Arminius 2, 22b.
 
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verunarten, v., transitiv, zu unart machen: dadurch also unsere teutsche wörter (durch eingeschobene ausländische brocken) zu unwörtern, die teutsche sprache sprachlos, der teutsche geist erfrömdet, die rechte art verunartet, verstaltet und in eine gantz andere form gegossen wird Schottel haubtspr. 167; ähnlich Neumark palmbaum 4. öfter intransitiv, entarten, ausarten: eine lobschrift, worein die zuschriften nach ietziger schmeichlerischer weltart in gemein verunarten Ryssel von dem seelenfrieden, widmung; ein jeder mensch, er wäre denn gar in ein wildes thier verunartet 96; das wahrscheinliche, ohne welches das wunderbare seine kraft zu ergetzen verliehret, und in das abentheurliche verunartet Breitinger crit. dichtkunst 1, 211.
 
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verunbilligen, v., dissapprovare, non approvare Kramer 1, 112b; so haben doch die ... heydnische völcker ... dergleichen vermischung abhorrirt und verunbilliget Dannhawer catechismusmilch 3, 245; in welchem buch ... die schärfe unserer theologen sehr verunbilliget wird Löscher abgewiesener Demas 77. mit persönlichem dativ, einem etwas übel auslegen, verübeln: sol es doch niemant verunbillicht werden, der sollichs übel understat mit schriften, radt oder that z vorkommen Dietenberger das ander buch wider Martinum Luther A 1a; welches ihr uns verunbilliget, und solche wort (eines briefes) sehr frembde auffnemet Schütz hist. rer. pruss. 6, g 3a. —
 
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verundeuten, v., nur vereinzelt: der herr wolle mirs nicht misdeuten, verundeuten Kramer 1, 221a. —
 
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verundeutlichen, v., erst im 19. jahrh. belegt: mit nichtssagenden, oder selbst die gemeinsten und faszlichsten wahrheiten durch wortschwall verundeutlichenden floskeln Schopenhauer 4, 174 Gr.
 
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verundeutschen, v., Campe. meist von sprache, wörtern, namen: massen die nachwelt ausz denen verunteutschten namen, die sie ihren schriften vorzusetzen pflegen, sie mehr vor Griechen oder Lateiner als geborne Teutsche halten würde Grimmelshausen 4, 379 Kurz; wan sie (die deutsche sprache) ... sich verundeutschen lassen musz Schottel haubtsprache 110; dieser nachdruck unterscheidet sich von jenem mit nichts merkwürdigem, als dasz s. 134 'verbat' mit 'depreciret' verbessert, wir wollten sagen, verundeutschet ... worden allgem. deutsche bibl. 24, 271; er (der name Almuth) musz sich in eine Alma verundeutschen lassen Allmers marschenbuch (1891) 187. sonst selten: man hat die universitäten so verundeutscht Jahn briefe 333. —
 
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verunechten, v., neuerer ausdruck der historischen quellenkunde: ob sie (die geschichtsquellen) nicht etwa ganz oder zum teil gefälscht, verunechtet sind Bernheim einl. i. d. geschichtswiss. 114; dazu verunechtung 115; 119.

[Bd. 25, Sp. 2026]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunedeln, v. , mhd. unbelegt, mnd. vorunedelen Schiller-Lübben 5, 480, nhd. Adelung, Campe, Veith bergwb. den hd. mundarten fremd.
1) seit dem 16. jahrh. als bergmännischer ausdruck: verunedlet ist wenn eine kluft zum gängen kömmt und das gute ertz verschiebet Junghans gräublein ertz f 2b; gang übergiebt seine ertzliche kraft; der gang verunedelt sich Schönberg berginformation 2, 36; daferne aber zufallende faule geschicke den frischen gang durchsetzen, so heiszet es: der gang verunedelt sich Herttwig bergbuch 154a; andre gänge verunedlen ihn Novalis 4, 121 Minor. bildlich: wie aber im ehestand oft ein theil das ander verunedelt, ... so gehet es auch im berge zu Mathesius ausgew. w. 4, 209. — dazu verunedlung Veith bergwb. 164.
2) sonst erst seit mitte des 18. jahrh. im gebrauch:
a) unedel machen: herr und diener, beide verunedlen einander wechselsweise Schlözer öffentl. u. privatleben 126. reflexiv: das gesichte des ewigen lachens wird unausstehlich und musz sich verunedlen Lavater physiogn. fragm. 1, 93. von geistigem: wo die wirkenden, die mitwirkenden kräfte verunedelt und aufgelöset sind Herder 30, 203 S. von reinheit des blutes: es kann ... einer unter 24 stammmüttern leicht etwas menschliches wiederfahren seyn, dasz also das edle geblüt durch einen fremden zuflusz verunedelt worden Sonnenfels ges. schr. 2, 359.
dazu verunedlung: und gereichet nachgehends der edlen jägerey zur verunedelung, wenn schlechte jäger sich überall unter die guten mit einmischen Heppe aufrichtiger lehrprinz xx 3b; verfall, verunedlung, vergröberung, verderbnis Lavater physiogn. fragm. 1, 70; von der moralischen verunedlung Fichte 6, 231.
b) unedel auffassen, darstellen: welcher abstand von Luther und Christus — dem vielleicht veredelten Luther, dem gewisz verunedelten Christus! Lavater aus Herders nachlasz 2, 88. —
 
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verunehlichen, v.: ich sage, dasz man ohne noht unsre teutsche sprache mit frembden worten nicht verunehlichen soll Harsdörfer teutscher secretarius 1, 4.
 
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verunehren, v. , seit dem 16. jahrh. belegt und gebucht (ältere sprache gunêren): Pinicianus q 6c; Alberus xx 1a; y 2a; Frisius 1066b; Maaler 436b, später allgemein. mundartlich nicht häufig: veraltet Fischer 2, 1395 (daneben vertuneren 1393; schweiz. id. 1, 398; Martin-Lienhart 1, 61), ebenso Müller-Fraureuth 2, 618; lüb. Schumann 78.
1) von religiösem: profanare Frisius, Maaler, Stieler 362, Kramer 1, 273c; das wir aber sehen, wie gotes name geheiliget werde yn uns, wollen wir vorhin sehen, wie er vorunheiliget und voruneret wirt yn uns Luther 2, 87 W.; da er den tempel zu Jerusalem verunehrete 19, 404; die catholischen priester werden von den underthanen uberfallen, ... die heiligen sacramente verunehret acta publ. 2, 55 Palm; also wer den sohn und h. geist entehret, verunehret die gantze hochgelobte dreyeinigkeit Treuer Dädalus 1, 751; die das wort betschwester schon eine sünde nannten, weil der begriff des gebets dadurch verunehrt würde Gervinus gesch. d. d. dicht. 4, 88.
2) von menschen:
a) jemandem eine schmach zufügen: inhonestare Alberus xx 1a, Reyher, inhonorare Alberus, dishonorare Hulsius - Ravellus 359b, Kramer 1, 273c, dedecorare, dehonestare Dentzler; forchten, wyr mussen schand leyden, voruneret werden Luther 10, 3, 411 W.; wenn uns gleich der pöbel verunehrt Gellert sämtl. schr. 4, 275. reflexiv: niemals wird er sich durch eine niederträchtigkeit verunehren Ramler einl. i. d. schön. wissensch. 1, 109; ein mann soll seine frau nie schlagen, sonst verunehrt er sich selber Hebel 2, 212 B. von der verletzung weiblicher ehre: dasz ein gewaltiger schalck ... seine tochter Virginiam verunehren und sie mit gewalt schenden wolt Lorichius inspektion u. bericht 153; ohne dasz mädchen und frauen auf der strasze verunehrt und brutalitäten jeder art verübt werden Steub wanderungen im bayr. gebirge 37.

[Bd. 25, Sp. 2027]



b) jemanden in bösen ruf bringen, contumeliari Alberus, infamare Hulsius-Ravellus (1616) 359b: wer euch in ewer gegenwertigkeit am maisten ehret, ... der pflegt euch hinderrucks am meisten zu verunehren Albertinus zeitkürzer 41b; welcher auch für ein offenen strassenräuber berufft und verunehrt wäre Moscherosch Philander 2, 369.
3) von sächlichem:
a) persönlicher beziehung nahestehend sind fälle wie: einem, der desz kaysers bildnusz, in kupfer gestochen, mit der wüsten hand verunehret Moscherosch insomnis cura parentum 77 ndr.; verunehren sie sein andenken nur nicht Gottsched deutsche schaubühne 2, 254; gebeine werden ausgegraben und verunehrt Lichtenberg verm. schr. 2, 111. mit reflexiver bedeutung:

ihr habt vor diesem, liebste brüder,
verunehrt euren geist und glieder
Opitz opera (1690) 3, 133;

durch den mir so ehrwürdigen namen, den du verunehrest d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 7, 30; seine familie v. Schwan nouv. dict. 2, 939a; wenn ich nicht meinen stand verunehren will G. Keller 5, 327.
b) sonstiges: hurerey und ehebruch, das sind die rechten schandfleck, die das ehebette verunreinen, beflecken und verunehren Luther 34, 1, 68 W.; das du dem man sein hauss verunerest Schaidenreisser Odyssea 70a; wir alle leben in Solyma, im lande des friedens, und wir verunehrten dies land durch unsern sträflichen vorwitz Jung - Stilling 5, 216. ganz concret: wenn euer kind lange das bette also (durch bettnässen) verunehret J. G. Schmidt rockenphil. 1, 90.
von geistigem: das sie (manche autoren) es (manch schönes kurzes wort) vil mehr verderbt als geschärft, viel mehr verdunckelt und verunehret als verkläret haben Zinkgref apophthegmata b 5. durch beimischung von nicht zugehörigem v.: sie müssen ihre angeborne selbständige haubtsprach mit diesen bastartsprachen verunehren Moscherosch Philander 2, 127; damit man die gewiszheit mathematischer wahrheiten nicht mit untermengten irrthümern verunehre Reimarus wahrh. d. nat. rel. 17. — dazu verunehrer: dieser verunehrer des feuers (der gedroht hatte, das heilige feuer auszulöschen) Lohenstein Arminius 1, 1048a; einen verunehrer des heiligthums (der eine statue zertrümmert hatte) 2, 42b. —
 
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verunehrlichen, v., dishonorare, infamare vituperare, ..., v., zu schanden bringen, schänden Hulsius (1618) 2, 127b.

 

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