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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verübel bis verumbruchen (Bd. 25, Sp. 2021 bis 2024)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verübel, adv., vereinzelt im 14. jahrh. (Hermann v. Fritzlar), häufiger im 15. u. 16. statt für übel, vgl. th. XI, 2, sp. 20; schriftsprachlich bald wieder ausgestorben, aber mundartlich lebendig: schwäb. Fischer 2, 1835, bayr. Schmeller-Fr. 1, 747, tirol. Schöpf 779, kärnt. Lexer 245, ostfr. Fromman 6, 95, nordböhm. 6, 175, schles. 3, 415, jüd.-deutsch Gerzon 88.
v. haben: habt ez nicht verübel (1423) Bayerns mundarten 2, 394; das hab wir dir sere verübel Arigo decamerone 480 lit. v.; hand mir nichts verubel und verzeicht mir H. Sachs 22, 29 G. v. nehmen: daz nam di vrowe verubele und wart disen herren vîent Herm. v. Fritzlar in deutsche mystiker 1, 152 Pfeiffer; das verdrusz nun den von Argun und nam die wort so hoch verübel chron. d. d. städte (Augsburg 1468) 5, 201. vereinzelt verübel rechnen: das aber Birckeymerus Germaniam bisz über die Weixel in Poln bisz an den Thanaim ausz der authoritet der alten weltschreiber erstrecket, soll im niemant verübel, noch disz den Teütschen zur uneer rechnen (oder verübeln statt verübel?) Franck chron. Germ. (1538) 278a.
zusammensetzungen: verübelhaben, imputare, improperare voc. inc. teut., -haberisch Schöpf 788, -habig Hintner beitr. z. tirol. dialectforsch. 6, -haft, -haftigkeit Unger-Khull 228a; schau, du verübelhafte jungfrau Rosegger 14, 184, -mäszig, 'empfindlich, leicht verargend' Schöpf 779.
 
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verübeln, v.
1) in älterer zeit zuweilen unmittelbar von übel abgeleitet:
a) sich gegen etwas vergehen: wers sach, das ein auszberger auszgesessen man mutwillig füre oder fiele, und verübelt in solchem der obgenannten herrn freiheit und herrligkeit, was derselbe verbrochen hett (1476) weisthümer 5, 696.
b) übel darstellen, schlecht machen: ja dise alle habend die sach also beschwärt und verüblet, das ein ersamer rat unser statt genöt worden ist, darinnen z handlen Zwingli v. freih. d. speisen 4 ndr.
c) böse machen, erzürnen: bis dasz man im rat ganz über sy verüblet ward Zwingli deutsche schr. 1, 37. reflexiv: das die phariseier, so sy das wort gehört, sich verbösret haben und verüblet v. freih. d. speisen 33 ndr.
2) seit dem 17. jahrh. (doch s. S. Franck unter verübel) als ableitung von verübel, etwas übel aufnehmen, einem etwas übel nehmen: male aliquid interpretari, vitio alicui aliquid dare Stieler 1375; im 18. jahrh. oft gebucht. mundartlich lebendig: schwäb. Fischer 2, 1395, els. Martin-Lienhart 1, 8, kärnt. Lexer 245, nordböhm. Frommann 6, 175, thür. Kleemann 3a, lux. mundart 461, cöln. Hönig 195a, cronenberg. Leihener 36b; jahrb. f. nd. sprachf. 34, 62.
nicht oft ohne bezeichnung der person:

so gleichfalls ist es auch mit deren thun bewandt,
die sich das alterthum gewöhnen durchzugrübeln.
man macht auf solche ahrt sich zwar der welt bekannt,
wenn nur nicht freund und feind es suchten zu verübeln
frau v. Brenner bei
Weichmann poesie d. Niedersachsen 3, 297.

gewöhnlich ist die verbindung mit dem dativ. als object stehen substantiva: also führen diese beide (Herodot und Aristoteles) den Donaustrom vom atlantischen bis zum

[Bd. 25, Sp. 2022]


pontischen meer und folgbar durch ganz Europa. es ist ihnen dieser sprung nicht zu verübeln Birken verm. Donaustrand 3; ich kann dir auch diesen eigennutz, diese heimliche freude nicht verübeln Tieck 6, 334; pronomina: die konigin Sulpitia kunte ihm solches nicht verüblen A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 143;

wills auch dem herrn nicht eben sehr verübeln
Lessing 3, 33 M.

sage das nicht weiter, es gibt leute, die es mir verübeln würden Göthe 19, 10 W.; abhängige sätze: so kan ich doch deren hochheiten nit verübeln, dasz sie demselben sich feind erzeiget haben, weil er anfangs ihnen ihre frl. schwester und braut vorenthielt Buchholtz Herculiscus 210; verübelt mir nicht, wenn ich euch verlasse maler Müller 2, 113; mit vorweggenommenem obj. es: verübelt mir es nicht, dass ich mich so geschwinde in euern abzug schicken lerne Ziegler asiat. Banise 154; warum sollte dieser greis es den jünglingen verübeln, dasz sie munter sind und tanzen? Herder 14, 104 S. ungewöhnlich ist verbindung mit dem inf.:

traun! es ist nicht zu verübeln den fuszgeharnischten Griechen
und den Troern, so viel ob solches weibes zu leiden
Stolberg ges. w. 11, 97.

vorwiegend steht das wort in negativem zusammenhang, anderes ist weit seltener:

bevor wir uns nicht selbst gefasst und was wir eigentlich ergrübelt,
wird uns der ausdruck 'es ist so und anders nicht' mit recht verübelt
Brockes ird. vergnüg. i. gott (1746) 8, 555;

dasz er (Herodes) an demselben (dem tempel in Jerusalem) einen goldenen adler anbrachte, wurde ihm mehr verübelt als alle von ihm verfügten todesurtheile Mommsen röm. gesch. 5, 506.
 
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verübelung, f. , wenig gebräuchlich:
a) verschlimmerung: sah er seinen brder Alarten under augen an, den fand er gantz bleych, darumb fiel im eyn verübelung inn hertzog Aymont d 2a.
b) zu verübeln 2: reprehensio, vituperatio, interpretatio durior, acceptio in malam partem Stieler 1376; Kirsch abund. 2, 315b; Campe.
 
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verüben, v. , seit dem 17. jahrh. gebucht: Sattler phraseologey 348, 459; Reyher thes. u 5 ra; Stieler stammb. 66. im 18. jahrh. allgem.; mundartlich wenig gebräuchlich: schwäb. Fischer 2, 1395.
1) nur ganz vereinzelt zu üben, durch übung ausbilden, vervollkommnen, vgl. th. XI, abt. II, sp. 66. in positivem sinne: praecolere Reyher. negativ werthend, durch übung verderben: nur wenige haben ihr gehör an Griechen und Römern weise geübt, einige haben es sogar an ihnen gelehrt verübet Herder 27, 279 S.
2) gleichfalls selten verfahren, handeln, durchweg in schlechtem sinne:

sie mördten männer, weib und kind,
auch was noch junge töchtern sind,
ganz grausam thätens verüben schweiz. volkslieder 2, 142 Tobler (1712).

etwas öfter der substantivierte infinitiv, verfahren, handlungsweise: das gestrige verüben nochmal zu entschuldigen A. U. v. Braunschweig Octavia 3, 1089;

lasz dich dein bethört verüben
nicht betrüben
Dach 145 Ö.


3) gewöhnlich ausführen, ausüben, begehen: committere, agitare, perpetrare Stieler 66. — dazu verüber patrator Steinbach 2, 890, (eine that) die ihrem verüber einen 'neuen namen' einträgt Ratzel völkerkunde 2, 226. — verübung delictum, factitatio, facinus, opus, actio, factum Stieler, Kramer, patratio Steinbach.
a) überwiegend, aber nicht, wie Adelung angibt, ausschlieszlich in schlechtem sinne; gegenbeispiele sind häufig:

ein jeder sieht nach den planeten
und was die stern vom glücke reden;
man meynt es sey dort eingeschrieben,
was hier der mensch erst soll verüben Freistadter narrenspiegel bei
Brant narrenschiff 64 Zarncke;

[Bd. 25, Sp. 2023]


ihren gottesdienst ... unturbiret und unbeirret frey und offentlich verüben acta publ. 1, 72 Palm; rechtliches gefecht verüben und treiben Schottel haubtspr. 632; meiner (des Mars) verübten tapferkeit friedens sieg 18 ndr.;

komm, verübe deine pflicht
Dach 724 Ö.;

... die berühmten thaten,
die deine diener angerathen
und ohne dich verübt
Ramler fabellese 3, 17;

du kannst nunmehr den tanz nach lust verüben
Göthe 15, 1, 77 W. (Faust 6341);

gnade, die liebende,
schonung verübende 15, 1, 343.

in älterer zeit auch lust, freude v.: was lust soltet ihr alsdann eure schäfere in eurem schos verüben sehen Birken fortsetz. d. Pegnitzschäferey 1;

kommt lasset uns lieben, freude verüben
Zesen verm. Helikon 1, 59.

in neuerer zeit zuweilen ironisch: meiner frau die heldenthat (eine wahlrede in ganz unbekannter umgebung) erzählend, welche ich verübt Laube 16, 116;

auch thät er oft, vom geist getrieben,
herrliche zeichen und wunder verüben
Busch heil. Antonius 39.


b) das object bezeichnet eine that, handlung: es würden ... königliche städte aufgemahnet, die herrschaften eingenommen und derogleichen thätligkeiten mehr verübet acta publ. 1, 88 Palm; ein parr diebstück, ... die sie verübet Grimmelshausen 3, 46 lit. v.; alle mordthaten, die ich jemals im dienste der apostolischen kirche verübt hatte und noch verüben würde Göthe 43, 108 W.;

das meer, sagt man, verschlang den ungetreuen,
da er aufs neue weiberraub verübt
Schiller 15, 1, 32 G.;

er verübte einen spitzbubenstreich Hebel 2, 6 Behaghel.entsprechend verübung: v. aller hostiliteten v. Chemnitz schwed. krieg 1, 154; v. des verbrechens Haller restauration d. staatswiss. 1, 406.
c) ebenso bezeichnet das object einen allgemeineren begriff, der sich in der handlung verwirklicht: in erzehlung der verbten hurerey und unzucht Sandrub hist. u. poet. kurzweil 26 ndr.; die allerschröcklichste abgötterey ..., so die heyden jemals verübet Grimmelshausen 4, 693 lit. v.; dasz man auch ihm seinen verübten muthwillen und begangene bubenstükke vergebe Reinicke fuchs (1650) 154; jede unbill, welche innerhalb dieser mauern von seiten der jetzigen besatzung verübt werden könnte Moltke schr. u. denkw. 1, 60; in älterer zeit mehrfach rache v. Kramer 1171a; Ludwig 2183; laster v. J. G. Schmidt rockenphil. 1, 91; Schwan nouv. dict. 2, 939a.
d) ungewöhnlicher ist die verbindung mit einem object, das nicht neben dem allgemeineren begriff auch die einzelne handlung bedeutet, sondern lediglich eine wertung der handlung oder eine eigenschaft, die sich in der handlung ausdrückt (in diesem falle gewöhnlich ausüben): sie nie keine schande verübet Morhof unterricht 1, 534; vgl. dazu 3 a: lust (Birken), freude (Zesen) verüben;

was kann die feder nicht, die den das leben gibt,
an welchen todt und zeit hat ihre macht verübt
Gryphius trauersp. 22 Palm;

die eitelkeit, so ihr verübt
Dach 178 Ö.;

die natur verübt auch hierin die ihr eigene gerechtigkeit J. G. Forster 3, 165. ganz vereinzelt ist: einen schädlichen einflusz verüben Göthe 7, 115 W.
e) ebenso statt gewöhnlicherem ausüben mit objecten, die pflicht, amt, gewohnheit bedeuten: sein geistliches amt auch mit wohlwollen verübend Göthe 42, 2, 61 W.;

ich habe noch nicht vergessen,
den ihr verübtet, den brauch,
die hütte mir, wo ich gesessen,
zu wandeln in feuer und rauch
Rückert 1, 227;

[Bd. 25, Sp. 2024]


vgl. oben 3 a: den tanz (Göthe), pflicht (Dach), gottesdienst verüben (acta publ.); — dazu vorubung der evangelischen religion acta publ. 2, 319 Palm.
f) die von der handlung betroffene person oder sache wird meist durch eine verbindung mit an ausgedrückt: ehe ich solche untreu an meinem herrn verüben wollte schausp. d. engl. comöd. 114 Creizenach; alle deine an mir verübte betriegereyen Lessing 2, 144 M.;

die freunde, die ich geküszt und geliebt,
die haben das schlimmste an mir verübt
Heine 2, 103 E.

seltener ist gegen: ob nicht hernach die verfallenen ordentlichen lehrer ... gegen die zeugen der warheit etwas anderes verübet, als wieder die vermeinten kätzer ... gebräuchlich ist? Arnold kirchen- u. ketzerhist. (1699) 4a; die gräuel ..., die seine Spanier gegen die eingebohrnen Indiens verübten Herder 18, 238 S.; vereinzelt mit: es musz ... ein dummer junge ... einen jux mit uns verübt haben Immermann 1, 35 H.
4) das object bezeichnet das ergebnis einer handlung; v. bedeutet dann anrichten:

liebe kaufte neulich tuch, ihren mantel zu erstrecken,
weil sie, was durch dreiszig jahr krieg verübt, soll alles decken
Logau sinnged. 384 lit. v.;

der Schweden prahlen
und muth zerflattert in der luft;
was er verübt, musz er bezahlen einhundert hist. volksl. 26 Ditfurth;

nur durch ihre aufrichtigkeit kann es (ein frauenzimmer) dem schaden vorbauen, den seine schönheit verüben würde Lessing 2, 22 M. (misogyn 2, 2); so werden sie in der stadt selbst gar vielerlei unheil verüben Schleiermacher Platons werke 6, 453.
5) ganz vereinzelt ist das part. prät. verübt, üblich: solchen gewalt, entsetzung unserer possesz und verübten spolii Ayrer hist. proc. juris 25.
 
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verüberdrüssigen, v., vereinzelt: wo nicht zugleich mit der zeit ... die lust verüberdrüssiget werde Neumark fortgepflanzter musik.-poet. lustwald 2, 30. —
 
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verübig, adj., boshaft, nur vereinzelt: Fischer schw. wb. 2, 1395 (veraltet): je hailiger die zeit, je verüebiger der teufel Bürster beschreib. des schwed. kriegs 123. —
 
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verübnuss, f., vereinzelte nebenform zu verübung (s. verüben 3, 3 a, b, e): die aller welt bekanndte händel und verübnussen, welche in solchen orten (bädern) zu geschehen pflegen Moscherosch Philander 1, 340. —
 
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verübrigen, v., erübrigen: schweiz. id. 1, 61; Fischer 2, 1395; das sie so viel nicht solten verübriget haben, das sie einen tag sich behelfen könten Pape bettel- u. garteteufel k 5r.
 
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verulken, v., 'spott mit jemandem treiben' Müller-Fraureuth 2, 594; Bruns volkswörter d. prov. Sachsen2 72; René-Delcourt 172; ganz junge bildung, nicht bei Adelung, Campe, Sanders: nun war es kein verbrechen mehr, dramen zu schreiben, und wer mich damit verulkte, der sollte sich nur in acht nehmen Sudermann bilderbuch meiner jugend 227. —
 
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verulmen, v., s. verolmen. —
 
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verumbruchen, v., bergmännischer ausdruck: einen bruch, einen bau v., einen umbruch darum treiben Veith bergwb. 541; 'einen umbruch herstellen' Lueger lex. d. ges. technik 7, 765. —

 

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