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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertummeln bis vertuschung (Bd. 25, Sp. 2014 bis 2021)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertummeln, vertümmeln, v. , in der neueren schriftsprache sehr selten.
1) zu sich tummeln, herumtummeln:
a) wie dieses reflexiv Fischer 2, 1391.
b) transitiv 'durch tummeln verbringen, hinbringen' Campe; er vertummelte den rest des tages (zu pferd)

[Bd. 25, Sp. 2015]


auf dem Brunnthaler wiesengrund Kürnberger novellen 2, 193.
2) vertauschen Fischer; wann man eheweiber möchte wider verkaufen oder vertummeln Barth weiberspiegel n 6b.
3) leichtsinnig durchbringen: ob ich schon das geld mit guten gesellen verthumle Paracelsus opera (1616) 1, 1092; dazu verdumulieren verspielen Unger-Khull 222b.
4) das part. prät. vertummelt, vertümmelt wie vertaumelt (s. o. sp. 1866), betäubt: els. ich bin ganz vertummelt im kopf Martin-Lienhart 2, 684; zuerst traf er Rulanden mit dem gere, also das Ruland aller erschrocken und vertümmelt was Fierabras f 5a; sie wurden beidsamment als verdummelt, das inen das gesicht verging b 6; das mädchen inzwischen risz mich so vertummelt herum, dasz ich in kurzem sinnlos von einer wand zu der andern platschte Bräker 1, 96.
5) das verbum finitum 'verwirren, betäuben' lothr. Follmann; sonst nur übertragen, halt- und besinnungslos in etwas verstricken: wer berücksichtigt bei uns allen unsere ehre, unsere ambition und den tumult, in den uns auch die edle leidenschaft vertümmelt? Goltz typen der gesellschaft 1, 86. hierher wohl auch: die kinder ... verdummeln sich selber Lindener 143 lit. v.
 
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vertünchen, v., übertünchen: verworfen wand oder verdinchte Pinicianus promptuarium a 1c; — dazu vertünchung Hoyer-Kreuter 1, 782. übertragen: etliche vertheidigen, beschönen, vermenteln, decken und vertuschen den alten unflat und vertünchen ire lügen und schandflecken Mathesius Sarepta (1571) 122b. —
 
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vertürken, v.: die Griechen ... sind fast zu sehr vertürkt Zschokke sämtl. ausgew. schr. 40, 256. —
 
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verturnieren, v.: rem decoquere Stieler 2366; verderben, zerreiszen Fischer 2, 1393.
vertusch, m., wort der gaunersprache, wie vertuschen in verschiedenen formen belegt: vertusch Grolman 74, Kluge rotwelsch 389, vertuss Avé-Lallemant 2, 93; 195, Kluge 413, verdust Kluge 168, 170, 187: 'die verdeckung einer handlung durch vornahme einer andern, welche die aufmerksamkeit der anwesenden in anspruch nimmt' (Avé-Lallemant), 'das gedränge, von den taschendieben veranlaszt, um stehlen zu können' (Kluge). dazu vertuschen (übertragen 'einen diebstahl ausführen'), verthusten Kluge 165, vertussen Avé-Lallemant 4, 619, vertusser Avé-Lallemant 2, 74; 195; 204, Kluge 348, verthuster 165; vertussmacher Avé-Lallemant 2, 74, Kluge 413; vertussmacherin 'hehlerin, kupplerin' Avé-Lallemant 4, 619, Castelli wb. d. mundart in Österreich 122.
 
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vertuschen1, v. , seit dem 13. jahrh. (Gottfried v. Straszburg) belegt, in den nhd. wörterbüchern allgemein, auch mundartlich weit verbreitet. form.
es begegnen die mannigfaltigsten formen: vertuschen mhd. wb. 3, 156; Lexer 3, 279; nhd. allgemein, mundartlich Klein prov. wb. 2, 219, schweiz. id. 1, 906, els. Martin-Lienhart 2, 724, lothr. Follmann 155; schwäb. Fischer 2, 1393, bair. Schmeller-Fr. 1, 629, öst. Castelli 122, tirol. Schöpf 778, kärnt. Lexer 79, thür. Hertel 249, henneberg. Reinwald 1, 184, obersächs. Müller-Fraureuth 1, 269, schles. Weinhold hs. t 149, luxemb. ma, 468, westerwäld. Schmidt 313, köln. Hönig 195, osnabr. Strodtmann 262, berlin. Meyer 128, altmärk. Danneil 240b, neumärk. zeitschr. f. d. ma. 4, 75, meckl. Mi 103, pomm. Dähnert 528, preusz. Frischbier 2, 443.
vereinzelt ist starkes part. prät. verduschen Sachs 8, 413 K. neben verduschet 6, 366 u. ö. häufig ist umgelauteter vocal, auch entrundet: vertuschet: gemischet Johann v. Würzburg 2508; Burkard Waldis psalm 140, 2; vertischet Valerius Anshelm Berner chronik 3, 94 hist. ver.; verdüschen: erwischen Fischart 2, 131 H.; vertuschen und vertüschen bei Frisius 274a, 277b, 318b u. ö. im 17. jahrh. wird der umlaut selten (vertüschen Schottel haubtspr. 647, verdüschet Moscherosch

[Bd. 25, Sp. 2016]


Philander 1, 379 neben vertuschen 2, 94), im 18. vereinzelt (vertüschen Dentzler). mundartlich belegen ihn schweiz. id., Hönig, Mi. anlautend d neben t mundartlich und in älterer zeit häufig, noch im 18. jahrh. verduscht Chr. F. Weisze lustspiele 3, 349.
daneben vertuscheln und vertüscheln Frisius 852b, Maaler 436b, schwäb. Fischer, niederhess. Hofmann 252, westerwäld. Schmidt 313, thür. Hertel 249, wald. Bauer-Collitz 32a, mansfeld. Jecht 115a, preusz. Frischbier 2, 443, verdütscheln Kehrein 1, 422, vertütscheln Reinwald 1, 183, vertutscheln Estor 3, 1421, Askenasy 225. ferner vertutschen, vertütschen: Scherz, Maaler 436b; vertütscht Rüte fastnachtsspiel l 1, vertutscht Rompler von Löwenhalt erstes gebüsch 53; schweiz. Stalder 1, 332; appenzell. Tobler 190a, els. Martin - Lienhart 2, 724, 733, nürnb. Sartorius 131, auch vertötscha Tobler, verdötsche Hönig 191.
auszerdem konkurrieren mundartlich und in älterer zeit formen mit ss, st, s, zuweilen neben sch beim selben autor: vertüsset, vertüssen (hs. vertüschet, vertüschen, aber reimworte geküsset, küssen) Johann v. Würzburg 9950, 18788 neben vertuschet: gemischet 2508; vertuscht Franck chron. zeytbuch 493a, vertüstet 60b, 103b; vertust: wust Waldis Esopus 2, 36, mit gift vertüst und vertüscht Stumpf Schweytzerchronik 217a, 486b. zwischen ss und st ist in den am häufigsten belegten formen auf -t mit synkopiertem mittelvocal nicht zu unterscheiden, sonst begegnen vertuset Frauenlob lieder 2, 7; verdussen : kussen Rosengarten c 202, 251 v. d. Hagen u. Primisser; mnd. vortussen; niedersächs. vertussen brem. wb. 5, 134; schwäb. Fischer; vertuse Martin-Lienhart 2, 724; votuschen im reim auf nussen volksschausp. in Bayern u. Öst. 193 Hartmann; vertüste (präsens) Fischart 3, 105 H., schwäb. verdüsten, verdusten Fischer, rotwelsch verthusten Kluge 165, s. o. unter vertusch.
frühnhd. auch vertutzen (vgl. oben sp. 263): vertutzend Thüring Frickart (s. u. 3 a), vorthutzt Amnicola (s. u. 3 b); ist vertuckt und vertütst Frisius 1054a; dazu mnd. vordutten Schiller-Lübben 5, 347; vortutten Nic. v. Jeroschin (s. u. 1).
diese mannigfaltigkeit gleichbedeutender formen läszt es unmöglich erscheinen, zu einer gesicherten etymologie zu gelangen. es ist durchaus zweifelhaft, ob es sich ursprünglich um eín wort handelt mit secundärer lautlicher differenzierung oder um verschiedene ableitungen von einem stamm oder um mehrere von hause aus verschiedene wörter, die sich mehrfach gegenseitig beeinfluszt haben müszten; vgl. mhd. wb. 3, 155; oben th. XI, sp. 208, th. XII sp. 263; Paul, Kluge, Andresen5 342; abzulehnen ist die erklärung von Hirt etymologie (1921) 344: 'aus der malerei stammen kaschieren und vertuschen'; höchstens die möglichkeit secundärer bedeutungsbeeinflussung (Andresen, Seiler lehnwort 3, 310) kommt in betracht. bedeutung und gebrauch:
1) selten intrans., verderben, zu grunde gehn (schwerlich 'auszer fassung geraten, verdutzt werden' mhd. wb. 3, 155 oder 'betäubt werden, vor schrecken verstummen, auszer fassung kommen' Lexer 3, 279, was zwar zu dem mhd. und mnd. belege, aber nicht zu den nhd. passen würde):

vernunft volgt mir unraine
und all mein sinn vertust,
daz ich nicht wil verschrenken
den giftikleichen wurm,
der mir die sel maint krenken
schärfleich mit hertem sturm
Oswald von Wolkenstein 91, 44 Schatz;

(eine wunde)
dâvon im daz geweide
sich ûz dem lîbe schutte.
idoch dô nicht vortutte
sîn mût von dem getwange
Nicolaus v. Jeroschin 22 283.

nhd.: wie ein butz oder füncklin feuwer gegen dem meer, dareyn geworffen, in einem augenblick vertust Seb. Franck bei Fischer 2, 1394; in wenigen tagen trübte der rüsselkäfer die schönen hoffnungen des baumzüchters,

[Bd. 25, Sp. 2017]


so dasz die apfelblüte schnell vertuschte schwäb. Merkur 21. mai 1859.
2) trans. vernichten, zerstören, mhd. nur in der form vertusen, vertussen und lediglich auf geistiges und seelisches bezogen:

nu sehet, daz ich tumber
mir selbe sus vertuset han
mine sinne
Frauenlob lieder 2, 7;

so wär mein laid vertust
Oswald v. Wolkenstein 19, 6 Schatz;

ir baider lust
wart pald vertust,
da ez gieng an ain schaiden
Hätzlerin 1, 27, 350;

z úch hat sy ein grossen lust,
ir hand ir dick grosz leid vertust schausp. d. ma. 2, 188 Mone.


frühnhd. nicht häufig, aber mannigfaltiger in form und bedeutung:
a) allgemein: vertütschen extinguere Maaler 436b; daz er ire götzen, die sy mit grossen kosten in ein ordnung gestelt het, täglich sahe ausz gemustert und vertuscht werden S. Franck chron. zeytb. 493a. übertragen:

ich sich, du und Fridbert all beid
kein andre freüd begeren mer
dann zu studieren und der ler.
das ist bey meinem son verdust,
dann er hat zu der schul kein lust
Wickram 6, 297 B.


b) mit gift ums leben bringen: diser Constantinus ward von Martina seiner stiefmter ... mit gift vertüst Stumpf Schweytzerchr. 217a; als Fridericus der keyser in Apulia durch Manfredum seinen bastard mit gift vertüscht ward 486b.
c) verstoszen, verdammen: die gottlosen werdind ze schanden und in die hell vertüscht Züricher bibel (1531) 2, 23; dazu elsäss. vertusch mich! 'verdamm mich', von Martin-Lienhart zu vertauschen gestellt.
in neueren mundarten schwäb. 'vernichten, zerstören' Fischer, kärnt. 'verderben' Lexer, schweiz. vertötscha, vertütscha, 'durch stosz zu grunde richten und verderben' Tobler appenzell. sprachsch. 190a (s. u. 13).
3) unterdrücken:
a) mit persönl. object nur frühnhd.: si (die reisigen und der adel von Bern) rümend, wie sy inen die spysz erhalten, den fyenden verhalten, alle ding erkundiget, ..., grosse ding die sy inen zugebend und uns ander all vertutzend Thüring Frickart quellen z. schweiz. gesch. 1, 138; diser Cyrus, der den groszmechtigen künic Babilonie vertüstet S. Franck chron. zeytb. 60b; so gott ein gotgelerten etwa erweckt hat, so ist er, als bald er auf hat geragt, von disen kuttenbuben verdruckt und vertust worden 354a; in dem wolt der lantpfleger in Gallia keiser sein, warff sich auff, aber er ward bald vertüschte Germania (1539) 55a.
b) mit sächl. object: der bapst vertütscht alle bücher Rüte fasznachtsspiel L 1; (Luther) stewerth sich alleyne an den glauben, vorwirft, vorthutzt und vorlesteret gottes dinste, messen und alle gutte werck Amnicola zu errettung den schwachen ordenpersonen c 4b; die reysigen hielten vor dem tempel, ob sich wider ein lerme von den Römern wolt erheben, das sie den vertusten S. Franck Germ. chron. (1538) 156b;

wann ides frevel und arg list
gedult würd und nicht bald vertüst
Fischart 1, 79 H.;

das ich ... dis eingewurzelte ubel ... vertüste und beinah gar austreibe 3, 105; das feuer vertüschen Frisius 922b; sprichwörtlich:

lieb, feur, husten
kan man nicht vertuschen
Guarinonius greuel d. verwüstung 284;

die klag ist vertüscht und undergeschlagen Maaler 436b; da sie (die Griechen und Römer) ... allweg ir eigen lob bisz an den himel erhebt, der Teutschen rum aber vertüst haben Stumpf Schweytzerchr. 58a; etliche

[Bd. 25, Sp. 2018]


worte im lesen vertuschen Kramer 2, 1164a; die katholischen sachen (schriften) soviel wie möglich zu vertuschen und vom allgemeinen verkehre auszuschlieszen Görres briefe 3, 150.
lebendig geblieben ist die wendung einen streit v., beilegen, beschwichtigen: daruss folgt grosser span (spannung) ... und ward kümmerlich one krieg zerlegt und vertüscht Tschudi chron. helv. 2, 213; so fand ich oft genug gelegenheit zu vermitteln, zu vertuschen, den wetterstrahl abzuleiten Göthe 27, 113 W.; die wackere frau, mit dem ersten probestück des ausgleichens und vertuschens wohl zufrieden 28, 92 W.; der streit des menschen mit dem individuum in sich ...., wenn er sich nicht ... vertuschen, nicht kompensieren läszt O. Ludwig ges. schr. 5, 173.
4) sowohl mit der bedeutung unterdrücken, als auch mit zum schweigen bringen (s. u. 5) und verbergen, geheimhalten (s. u. 6) berühren sich wendungen wie ein gerücht, ein gerede vertuschen: famam premere, reprimere, supprimere Frisius, Maaler; vertussen 'machen, dasz etwas nicht unter die leute kommt' brem.-nieders. wb. 5, 134; vertütschen 'unterdrücken, was ruchbar, offenbar werden will' Stalder schweiz. id. 1, 332.
5) zum schweigen bringen: ein schreiendes kind verdüsten Fischer;

papirs natur ist rauschen
und rauschen wil es vil,
man kans nit wol vertuschen,
denn es stäts rauschen wil volkslieder nr. 263 Uhland.


6) am häufigsten verbergen, verheimlichen: contegere, obruere Frisius, verdecken und heimlich halten, obsigillare, contegere Maaler 436b, tegere, abscondere, ..., dissimulare Stieler 2266. nicht ganz sicher ist die zugehörigkeit der belege im Rosengarten des Dresdner heldenbuchs (v. d. Hagen)

ein halsen und ein kussen
gab im die kongein,
des kunt sie nit verduschen,
gab im ein krentzlein 202; 251;


a) reflexiv:

dâ mite treib er in umbe
manege engestlîche krumbe
von boumen ze buschen,
dâ muose er sich vertuschen
Gottfried v. Straszburg 9032;

gar bald ich mich vertust
hinder ainem hagendorn liedersaal 2, 294 Laszberg;

nhd. selten: damit wenn er (gott) kompt, wir ... nicht ... uns zu verkriechen und zu vertuschen unterstehn mögen Schaller theolog. heroldt 224.
b) selten transitiv auf personen bezogen:

iedoch sô wurdens in daz her
vertüschet und gemischet,
daz si von den gewischet
dâ wâren, die si triben dar
Konrad v. Würzburg troj. kr. 35 315;

dasz Cäsar, welcher alle tage nur buhlschaften suchte und mit dem ersten anblicke sich in die gefangene Eunoë verliebt hatte, sie in Italien vertuschte (statt sie den friedensbedingungen entsprechend auszuliefern) Lohenstein Arminius 1, 1000a; unter eines andern namen vertuscht Kramer 2, 1164b.
c) in älterer zeit häufiger auf concrete gegenstände:

ohn gfehr hat da ein fuchsz sein wesen
in einem loch mit dorn verdüscht
Waldis Esopus 2, 226 Kurz;

sein geld vertuschen Kramer 2, 1164a; Steinbach 2, 883; (die kahlheit) mit einer barocka v. Abr. a s. Clara reimb dich (1691) 26; wer weisz, wie viel buhlerbriefe du unter ihnen vertuscht hast? Günther ged. (1735) 1002; sündfluthen, die die erde vertuschen Schönaich ästhetik in einer nusz 73 lit. denkm.
d) meist auf ereignisse, thaten, zustände, die geheimgehalten werden sollen: wer sich in grosser leute heuser helt, der musz viel leiden, verschweigen, vertuschen

[Bd. 25, Sp. 2019]


und ihm gefallen lassen Mathesius Syrach 3, 57a; daher auch: die wahrheit v. allgem. haushaltungslex. 1, 54b. verbindung mit dem dativ der person: wie werdet ihr dem herrn Jesu so gar nichts vertuschen können! Dilherr heilige sonn- und festtagsarbeit 5a; einem etwas v. Kramer 2, 1164a; ihm musz ich das unheil vertuschen Langbein sämtl. schr. 31, 136. in neuerer zeit häufig das absolute part. präs.: ihr vertuschendes stillschweigen Voss antisymbolik 2, 68; mit versöhnlicher, aber auch vertuschender tendenz D. Fr. Strausz 6, 36.
gegenstand des vertuschens ist:
α) ein unangenehmes ereignis, unglück, eine that, ein verbrechen, vergehen, eine schlechte eigenschaft; mhd. Lexer 3, 280;

er gedahte dik, wie
verdúschet wurd dirr mort der sælden hort 2022;

nhd.:

auf das verdust der diebstal blieb
Fischart 1, 168 Kurz;

etliche vertheidigen, beschönen, vermenteln, decken und vertuschen den alten unflat und vertünchen ire lügen und schandflecken Mathesius Sarepta (1571) 122b; (diejenigen), so dem könige aufgewartet und sich dabey befunden, auch dessen todt nicht allein nicht vertuschet, sondern vielmehr uberall ausgebreitet hatten Chemnitz schwed. krieg 1, 466; seine schwangerschaft vertuschen Kramer 2, 1164a; dasz wir seine streiche nur noch vertuschen möchten Lessing 3, 343 M.;

unsre poeten sind seicht, doch das unglück liesz sich vertuschen,
hätten die kritiker nicht, ach! so entsetzlich viel geist
Göthe 5, 250 W.;

um eine begangene sünde zu vertuschen G. Keller 4, 171; dies elend zu vertuschen 8, 196.
β) seltener eine gute eigenschaft: dann einmahl last sich alte teutsche redlichkeit und auffrichtigkeit nicht bergen noch vertuschen Moscherosch Philander 2, 94.
γ) umstände, art und weise, ursache eines vorgangs: 'und warumb, lumpenhund', sprach einer von den teuflen, 'sagst du nicht die gründtliche wahre ursachen, welche ihr je und allwegen verdüschet und verhälet' Moscherosch Philander 1, 379; dasz die rechten und wahrhaftigen umstände dieses kriegs vertuschet worden Thomasius ernsth. ged. u. er. 2, 179; das 'wie' seines todes wurde vertuscht Fontane I 4, 409.
δ) inneres erleben und seine äuszerungen, mhd.:

swie michel was diu huote,
diu minnecliche guote
im dicke dar diu augen schoz,
dar uz ir riwik wazzer vloz
durch dünniu vel gemischet.
iedoch ez wart vertuschet,
daz sin nieman inne wart
Joh. v. Würzburg 2508;

lait v. 9950; die lieb vertüssen 18 788; nhd.: seine zuneigungen kann er auf eine lange zeit bergen und vertuschen Butschky Pathmos 317; gemüthsregungen, die sie aber vertuscheten irrgarten der liebe 391.
7) 'heimlich auf die seite schaffen' Schöpf tirol. id. 778, unterschlagen:

ir testament verduschen was
H. Sachs 8, 413 K.;

auf das im nichts werd abgetragen,
heimlich verduschet und verschlagen 6, 366;

depositum reddendum est, non abnegandum, nec supprimendum die beylage soll man liefern, nicht verleugnen noch underschlagen oder vertuschen Comenius janua (1640) 276. 'heimlich verkaufen' Fischer: weder zu verkaufen noch zu vertuschen (1535); ob sie nichts von ihres mannes seeligen hinterlassenschaft vertuscht oder aber durch andere zu vertuschen gestattet v. Lilienberg metamorphosis telae judicariae 131. vereinzelt ganz allgemein, in fremden besitz gelangen lassen: wie dann deszhalben ain yedes wäschwerk besonderbar von uns begnadt und gefreyt wirdet, ..., und wider dieselb unser

[Bd. 25, Sp. 2020]


freyhait ... nyemands anderm verkauft, gegeben noch in ander weg vertuscht ... werden Lori bair. bergrecht (1532) 235.
8) unklar darstellen: aber die alten poeten haben ir historien so vertuschen und vermenteln wöllen, damit die leser desto fleissiger den historien und iren geheimnussen nachdechten Mathesius Sarepta (1571) 161a. in neuerer zeit in anlehnung an tuschen, farbe auftragen: er vertuschte und verpinselte die verhältnisse Gutzkow ges. w. 10, 262.
9) beschönigen, mildern: dasz man das, was allenfalls noch zu direct gegen die decenz geht, mildere und vertusche Göthe IV 17, 242 W.; alles vertuschen und verzierlichen zu wollen Dahlmann im briefw. zw. Jac. u. W. Grimm, D. u. Gervinus 1, 154.
10) wieder gut machen, eine ungünstige wirkung aufheben: ob die unglückliche schlacht vertüst sei durch die glückliche Carbach Livius 249b;

daz ende krönt ein werck, vertuscht ein schlimmes leben
Lohenstein Arminius 1, 81b;

ob du auch sie (die beleidigung) mit liebkosungen vertuschen willst Grabbe 3, 594 Blumenthal.
11) verfälschen: das die ungelerten, unbeständigen lerer heylige schrift, wo sy hart ze versteen ist, daselbs vertuschen und z irem vortail, auch z irem aigen verderben brauchen Berthold von Chiemsee tewtsche theologey 96.
12) gaunersprachlichen gebrauch s. vertusch.
13) nur mundartlich mit der grundbedeutung stoszen, schlagen: berlin. H. Meyer 128, schwäb. Fischer, appenzell. vertötscha, vertütscha 'durch einen stosz zu grunde richten oder verderben' Tobler 190 (vgl. o. 2); vertütschen, aufquetschen, verquetschen Stalder 1, 332 (vgl. mhd. tuzzen Lexer 2, 1592).
 
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vertuschen, v. , zu tuschen, farbe auftragen: mit farben tuschen, abtuschen ò vertuschen Kramer 2, 1164b; Campe; die farben sind ... ineinander vertuscht Auerbach schr. 10, 19. meist von naturfärbung:
a) reflexiv: die färbung verliert sich, geht in eine andere über: vier ... querbinden, die sich sanft in das aschblau vertuschen Naumann naturg. d. vögel (1822) 1, 251; die illumination (der aurikel) musz am auge gleichsam abgeschnitten sein, und sich von da nach dem rande sanft vertuschen Schlechtendal-Hallier flora v. Deutschl. 19, 277.
b) entsprechend das part. prät. vertuscht: der wasserpieper ist auf der oberseite dunkel olivengrau, mit vertuschten, schwarzgrauen längsflecken gezeichnet Brehm thierleben (1890) 4, 250; mit ... gelbbräunlich vertuschten ... muschelflecken Naumann 8, 295.
vertüschenlich, adj., verborgenlich Calepinus XI ling. 1445b. — vertuscher, m.
a) vertüscher qui cele, recele, cache ou tient secret Hulsius - Ravellus (1616) 359b; dissimulator, oppressor Stieler 2266;

falscher Cupido, vertuscher der pfeile abgewechselte liebesflammen (1672) h 2 a.

dazu vertuscherin Stieler.
b) althändler Altenstaig vocabularius; Grolman spitzbubensprachen 74; Pansner schimpfwörterbuch 75b; Klenz scheltenwb. 4b.
c) gehilfe beim diebstahl u. ä., s. vertusch. — vertuscherei, f. : vor euch brauch ich keine vertuscherei Rosegger I 9, 193; was soll denn diese verdammte vertuscherei? III 8, 399. — vertuschicht, adj. : obscuratus, abstrusus, reconditus, tectus, captiosus, dissimulans Stieler 2267. — vertuschieren, v. , mundartlich 'einen durch die hechel ziehen, auslästern, verleumden' Tobler appenzell. sprachsch. 190b; 'verunglimpfen' schweiz. id 1, 911; 'verleumden' Fischer schwäb. wb. 2, 1394; 'anrühren', auch 'verstellen, durcheinander bringen' Martin-Lienhart els. wb. 2, 723.

[Bd. 25, Sp. 2021]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertuschung, f., seit dem 16. jahrh. gebucht und belegt: suppression, unterdruckung, vertuschung Roth dict. p 8a; vertüschung celement Hulsius - Ravellus 359b; Stieler 2266; interversio Kirsch abund. 2, 315b; aber die sach ist zweit kummen gewesen und solche vertuschung nit mer helfen wöllen Nas antipap. eins u. hundert 1, 79a; vertuschung des osiandrischen schwarms Irenäus von selzamen wundergeburten Kk 3a. verheimlichung: vertüschung (geheimhaltung) des erlittnen schadens Fronsperger kriegsbuch (1573) 1, 230a. beschwichtigung: die vertuschung der kirchlichen gegensätze Riehl naturgesch. d. volkes 1, 321. — zusammensetzungen: vertuschungssystem Ebner - Eschenbach ges. schr. 4, 194; -theorie Rosegger II 2, 416; -zweck Wackernell altd. passionsspiele aus Tirol ccciv.

 

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