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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertrutzig bis verturnieren (Bd. 25, Sp. 2014 bis 2015)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertrutzig, adj. , wohl durch trotz, trutz beeinfluszte nebenform zu verdrüssig, s. o. sp. 256, auch verdrutzig Fischer 2, 1106:

mit miet und gar grossen gaben
muos man die amptlüt all laben,
das si icht vertrützig werdint
und die puren machind blind des teufels netz 8685 lit. v.;

bei Seb. Franck neben verdrüssig im gebrauch: das sie den natürlichen brauch verenderten, kein frau keins manns mer achtet, die mann der frauen vertrutzig waren, sondern ein mann brann gegen den andern von dem greüwelichen laster der trunckenheit a 3b; wann man desz worts gottes nicht achtet und, wie die kinder Israel desz himmelbrots, vertrutzig wirdt c 1a. — vertubeln, v. , schmollend verschmähen schweiz. id. 1, 909; Mädi vertubelte das essen und ging ungegessen wieder auf das feld Gotthelf 22, 41; dazu schweiz. vertäuben 'erzürnen' (s. o. sp. 1865), vertäubeln 'aufhören zu schmollen' schweiz. id. 1, 906. — vertuchen, v.
a) 'zu tuch verarbeiten' Fischer 2, 1391: wollen zu kaufen, doch ... nit mehr, dann einer ... verarbeiten und vertüchen ... mag sammlung der würt. gesetze 12, 163 Reyscher (1549).
b) rotwelsch 'verprügeln' Fischer; zeitschr. f. d. wortforsch. 10, 213. — vertuckeln, verduckeln, v. , verheimlichen, verbergen; ahd. fartuchlan, fertuchelan gl. 2, 104; mhd. unbelegt, in nhd. mundarten lebendig: schwäb. verducklen Fischer 2, 1107; vertuckeln (z. th. verduckeln) thür. Hertel 248; henneb. Reinwald 1, 183; westerw. Schmidt 312; nassauisch Kehrein 1, 432; dazu verduk holstein. Schütze 1, 266. — vertücken, v. , vereinzelt bei Luther: es ist nichts verkerets noch vertuckt (geändert in falsches) drynnen bibel 1, 573 W., wohl zu tücke gehörig.vertuffen, v. , mildern, ausgleichen: die sauren gewächse haben kraft abzukühlen, zusammenzuziehen, durchzutringen und zu zertheilen, ..., alle schärfe zu vertuffen, das ungeschmack und süsz kräftig und angenehm zu machen Muralt eydgnöss. lustgarte 25. pommerisch verdüffen, heimlich unterschlagen und auf die seite bringen Dähnert 520a. — vertugenden, v. : er ist ganz vertugendet, delevit, extinxit sanctitatis lumen, mira pravitate animi atque ingenii in praecipitia conversus est Stieler 273.
 
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vertummeln, vertümmeln, v. , in der neueren schriftsprache sehr selten.
1) zu sich tummeln, herumtummeln:
a) wie dieses reflexiv Fischer 2, 1391.
b) transitiv 'durch tummeln verbringen, hinbringen' Campe; er vertummelte den rest des tages (zu pferd)

[Bd. 25, Sp. 2015]


auf dem Brunnthaler wiesengrund Kürnberger novellen 2, 193.
2) vertauschen Fischer; wann man eheweiber möchte wider verkaufen oder vertummeln Barth weiberspiegel n 6b.
3) leichtsinnig durchbringen: ob ich schon das geld mit guten gesellen verthumle Paracelsus opera (1616) 1, 1092; dazu verdumulieren verspielen Unger-Khull 222b.
4) das part. prät. vertummelt, vertümmelt wie vertaumelt (s. o. sp. 1866), betäubt: els. ich bin ganz vertummelt im kopf Martin-Lienhart 2, 684; zuerst traf er Rulanden mit dem gere, also das Ruland aller erschrocken und vertümmelt was Fierabras f 5a; sie wurden beidsamment als verdummelt, das inen das gesicht verging b 6; das mädchen inzwischen risz mich so vertummelt herum, dasz ich in kurzem sinnlos von einer wand zu der andern platschte Bräker 1, 96.
5) das verbum finitum 'verwirren, betäuben' lothr. Follmann; sonst nur übertragen, halt- und besinnungslos in etwas verstricken: wer berücksichtigt bei uns allen unsere ehre, unsere ambition und den tumult, in den uns auch die edle leidenschaft vertümmelt? Goltz typen der gesellschaft 1, 86. hierher wohl auch: die kinder ... verdummeln sich selber Lindener 143 lit. v.
 
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vertünchen, v., übertünchen: verworfen wand oder verdinchte Pinicianus promptuarium a 1c; — dazu vertünchung Hoyer-Kreuter 1, 782. übertragen: etliche vertheidigen, beschönen, vermenteln, decken und vertuschen den alten unflat und vertünchen ire lügen und schandflecken Mathesius Sarepta (1571) 122b. —
 
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vertürken, v.: die Griechen ... sind fast zu sehr vertürkt Zschokke sämtl. ausgew. schr. 40, 256. —
 
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verturnieren, v.: rem decoquere Stieler 2366; verderben, zerreiszen Fischer 2, 1393.
vertusch, m., wort der gaunersprache, wie vertuschen in verschiedenen formen belegt: vertusch Grolman 74, Kluge rotwelsch 389, vertuss Avé-Lallemant 2, 93; 195, Kluge 413, verdust Kluge 168, 170, 187: 'die verdeckung einer handlung durch vornahme einer andern, welche die aufmerksamkeit der anwesenden in anspruch nimmt' (Avé-Lallemant), 'das gedränge, von den taschendieben veranlaszt, um stehlen zu können' (Kluge). dazu vertuschen (übertragen 'einen diebstahl ausführen'), verthusten Kluge 165, vertussen Avé-Lallemant 4, 619, vertusser Avé-Lallemant 2, 74; 195; 204, Kluge 348, verthuster 165; vertussmacher Avé-Lallemant 2, 74, Kluge 413; vertussmacherin 'hehlerin, kupplerin' Avé-Lallemant 4, 619, Castelli wb. d. mundart in Österreich 122.

 

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