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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertrüben bis vertugenden (Bd. 25, Sp. 2013 bis 2014)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertrüben, v. , mnl. verdroeven.
1) glänzendes, strahlendes trübe machen oder erscheinen lassen, mhd.:

ob in (den stern) die wolken habind vertriebt minnereden 136 Matthäi;

nhd.: Bernhart d. philos. mystik d. mittelalters 44.
2) unklar, undeutlich machen: dürfte nicht vielleicht, dacht ich, bey allen menschen eine grundphysiognomie seyn? durch die ebbe und fluth der zufälle und leidenschaften verschwemmt? vertrübt? Lavater physiognom. fragm. 2, 34.
3) trüben, beeinträchtigen, von freude und freudigen ereignissen: wan nicht zwo widrige zeitungen uns diesen sieg vertrübet hätten A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 126;

den deckel drauf! damit uns nicht
der miszduft die freude vertrübet
Heine 2, 491 E.


4) betrüben: die träume führen unstreitig eine kraft bey sich, durch welche sie das menschliche gemüth nicht allein erheitern oder vertrüben, sondern auch sogar den leib ermuntern oder erschweren und entstellen können Lindenborn Diogenes 1, 323. dazu vertrübung: das grosze allgemeine übel, die cholera, entweicht zwar allmählich, aber es hinterläszt viel vertrübung und bekümmernis Heine 5, 106 E. (lesart). — vertrüllen, v. , s. vertrillen. — vertrümmern, v. , statt gewöhnlichem zertrümmern Veith bergwörterbuch 541; Fischer 2, 1390 (veraltet): die bürger, so ... ihre höfe vertrümmern lassen (1609);

daz hat der antichrist verruckt,
den rechten lauf hat er verzuckt,
in der welt gar vertrimmert
Wackernagel deutsches kirchenlied 3, 463.

dazu vertrümmerung: Vindonissa und Aventicum habe ich mit aller vertrümmerung persönlich kennen gelernt schles. zeitung 7. febr. 1914. — vertrumpeln, vertrümpeln, v., wie vertrempeln, vertrampeln, verträmpeln (s. o. sp. 1944) 'in kleinen portionen ausgeben' schweiz. id. 1, 907; Stalder 1, 314; Fischer 2, 1390. vertrödeln: du hast dies teuere stück, ..., deinem patron getreulich überliefert, da du es nicht allein im nonnenhof können vertrumpeln um einen pfifferling ..., sondern

[Bd. 25, Sp. 2014]


konntest vor kaiser und könige gehn damit Mörike 3, 185 Maync.vertrumpfen, v.
1) v. heiszt: die wegen einer hindurchgehenden treppe, eines schornsteins etc. abgeschnittenen balken in ein starkes querholz (den wechsel), das seinerseits in 2 lange balken eingelassen ist, mit einem brustzapfen einsetzen, dasz sie auf demselben ihre auflage haben Hoyer wb. d. kriegsbaukunst 3, 236; Helfft wb. d. landbaukunst 395. dazu vertrumpfung Hoyer - Kreuter technol. wb.5 1, 813; Mothes baulex. 1, 203.
2) in älterer zeit mit dem genitiv, um etwas bringen: daz er seiner sachen nicht vertrumpft werde weisthümer 2, 569 (1497).
3) durch trumpfen, trumpf zugeben die trümpfe alle machen, sich v., alle seine trümpfe verbrauchen Campe.vertrunken und vertrunkenheit s. vertrinken 4 a, b. — vertrusten, v. , seltene moderne ableitung von trust: in dieser verfilzten, vertrusteten, vergenossenschafteten ... welt Frank Thiesz das tor zur welt (1926) 166. weit häufiger vertrustung, f.: die vertrustung der deutschen industrie Jenaer zeitung vom 5. oct. 1926; wo eine kapitalsmäszige verschmelzung der unternehmungen, eine vereinigung des aktienmäszigen regimes, eine direkte vertrustung ... stattfindet Leipziger neueste nachr. 1926 nr. 264.
 
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vertrutzig, adj. , wohl durch trotz, trutz beeinfluszte nebenform zu verdrüssig, s. o. sp. 256, auch verdrutzig Fischer 2, 1106:

mit miet und gar grossen gaben
muos man die amptlüt all laben,
das si icht vertrützig werdint
und die puren machind blind des teufels netz 8685 lit. v.;

bei Seb. Franck neben verdrüssig im gebrauch: das sie den natürlichen brauch verenderten, kein frau keins manns mer achtet, die mann der frauen vertrutzig waren, sondern ein mann brann gegen den andern von dem greüwelichen laster der trunckenheit a 3b; wann man desz worts gottes nicht achtet und, wie die kinder Israel desz himmelbrots, vertrutzig wirdt c 1a. — vertubeln, v. , schmollend verschmähen schweiz. id. 1, 909; Mädi vertubelte das essen und ging ungegessen wieder auf das feld Gotthelf 22, 41; dazu schweiz. vertäuben 'erzürnen' (s. o. sp. 1865), vertäubeln 'aufhören zu schmollen' schweiz. id. 1, 906. — vertuchen, v.
a) 'zu tuch verarbeiten' Fischer 2, 1391: wollen zu kaufen, doch ... nit mehr, dann einer ... verarbeiten und vertüchen ... mag sammlung der würt. gesetze 12, 163 Reyscher (1549).
b) rotwelsch 'verprügeln' Fischer; zeitschr. f. d. wortforsch. 10, 213. — vertuckeln, verduckeln, v. , verheimlichen, verbergen; ahd. fartuchlan, fertuchelan gl. 2, 104; mhd. unbelegt, in nhd. mundarten lebendig: schwäb. verducklen Fischer 2, 1107; vertuckeln (z. th. verduckeln) thür. Hertel 248; henneb. Reinwald 1, 183; westerw. Schmidt 312; nassauisch Kehrein 1, 432; dazu verduk holstein. Schütze 1, 266. — vertücken, v. , vereinzelt bei Luther: es ist nichts verkerets noch vertuckt (geändert in falsches) drynnen bibel 1, 573 W., wohl zu tücke gehörig.vertuffen, v. , mildern, ausgleichen: die sauren gewächse haben kraft abzukühlen, zusammenzuziehen, durchzutringen und zu zertheilen, ..., alle schärfe zu vertuffen, das ungeschmack und süsz kräftig und angenehm zu machen Muralt eydgnöss. lustgarte 25. pommerisch verdüffen, heimlich unterschlagen und auf die seite bringen Dähnert 520a. — vertugenden, v. : er ist ganz vertugendet, delevit, extinxit sanctitatis lumen, mira pravitate animi atque ingenii in praecipitia conversus est Stieler 273.

 

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