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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertröster bis vertrusten (Bd. 25, Sp. 2011 bis 2014)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertröster, m., mehrfach gebucht, aber in der literatur nur vereinzelt belegt, meist in juristischem sinne, bürge: confirmator, expromissor, fideiussor, praes, sponsor, responsor, vadis Frisius 292b, 520b, 745a, 1044a, 1154b, 1342b, 1347b, Maaler 436a; vas vertroster, burg am leib. ... fideiussor, fursprecher, vertroster oder burg Junius nomencl. (1577) 342; Calepinus XI ling. 1507b, 1513b; Dentzler; do nun der rechtstag nahet, und der (Damon) noch nit kummen was, höneten sye den vertröster und bürgen seiner torheit halb Franck chron. zeytbuch 27a. nur vereinzelt zu vertrösten II 3 a: promissor, spe lactans inani Stieler stammb. 2343. —
 
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vertröstlich, adj., Haltaus 1908; Sattler 475; Campe; gte und vertröstliche wort Berthold v. Chiemsee tewtsche theol. 586.
 
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vertröstung, f. , seit dem 15. jahrh. belegt, in frühnhd. zeit häufig gebucht: Schöpper syn. b 1c; Frisius 291a, 1342b; Maaler 436a; Hulsius (1618) 261a; Sattler 371; Corvinus 682; Kramer 2, 1152b; Dentzler; Steinbach; Adelung. mundartlich: schwäb. Fischer 2, 1390 (veraltet); davos. Bühler 2, 68.
1) selten zu vertrösten I, solacium: da ich kein vertröstung der klage weisz volksb. v. dr. Faust 114 Br.; es bedurfte dieser traulichen vertröstung des älteren freundes nicht, die geister der leidenschaft in mir zu bannen G. Keller 3, 264.
2) zu vertrösten II 1, bürgschaft: vadimonium Frisius, Maaler; schweiz. Stalder 1, 310.

[Bd. 25, Sp. 2012]



3) in älterer zeit sehr häufig zu vertrösten II 2: verheissung, zusag, versprechung Sattler 371, auch in späterer zeit noch lebendiger als vertrösten in gleicher bedeutung: und hilten nicht ir vertröstung, so sie den steten getan hetten chron. d. d. st. 2, 126; darumb begehre, was du wilt, es solle dir von mir nicht abgeschlagen werden. solcher gnedigen vertrostunge ward der Peter hertzlichen erfreuet Warbeck Magelone 57 Bolte; sollte der gott, der seinen freund hier geliebt, der ihn mit vertröstungen bis an den rand seines grabes geführt hatte, sollte er ihn im grabe verlassen? Herder 11, 372 S. mit dem genitiv: dessen ward ihnen vom könige gute vertröstung gegeben Spangenberg mansf. chr. 60b. mit infinitiv: mit der vertröstung, wo sie ihm hülfen den sieg erhalten, ihnen ein gut theil des thüringischen landes einzugeben Binhardus thür. chr. 19; es ist auch schon einstens an einem orte die vertröstung gemacht worden, sie (eine abhandlung) ebenfalls einmal im drucke zu sehen Gottsched beyträge z. krit. historie 1, 156. mit abhängigem satz: mit grossen fodder vol vertröstung, als solts dem evangelio fodderlich sein, das er (Georg v. Sachsen) bisher verfolget Luther 23, 31 W.; mit vertröstung, sie sollen unbekümmert seyn, er wolle sie wol auf den rechten weg führen Widmann Faust 137 lit. v.
insonderheit von der zusage einer anstellung: item dasz kein hammermaister dem andern kein schmidmensch abdingen soll vor ostern, noch mit keinem kein vorrede thun vor der zeitt, ..., noch kein vertröstung thun ungewarlich Lori bair. bergrecht 78 (1464); vertröst- und versprechung v. Fleming d. vollk. teutsche soldat 107. von zusicherung von freiem geleit: ich werde heut jämerlich, schentlich und verräterlich under des keysers vertröstung und gleydt umbbracht hertzog Aymont e 5a. von heiratsversprechen: Vasaces gleich vermutete, er würde noch einige gute vertröstung wegen der Neronia erlanget haben A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 539; weil er nach ... schon erhaltener guten vertröstung dennoch den korb bekommen Hahn einl. z. d. teutschen staatshistorie 4, 75.
4) wie vertrösten II 3 a am lebendigsten in dem sinne dasz die vertröstung von zweifelhaftem werte ist: so haben wir durch unser menigfeltig zusagen und vertrostung den schuldnern by inen und auch durch sy gegen ander den glauben ganz verloren urk. z. gesch. Maximilians 108 lit. v. die v. steht im gegensatz zur erfüllung: sintemal bishero der generaln nervus auf vertröstung und aufhaltung mit guten worten mehr dan wirklicher satisfaction der soldatesca bestanden v. Chemnitz schwed. krieg 2, 73; wenn ich mir nur von dem noch übrigen wege mehr zu versprechen hätte. aber vertröstungen, und wieder vertröstungen und nichts als vertröstungen! Lessing 13, 392 M.; von Wien kommt nichts als leere vertröstung Laube 14, 264; mit v. hinhalten und ähnliche wendungen: v. Chemnitz schwed. krieg 1, 153; du must ihn nur mit allerley vertröstungen hin halten Lichtenberg briefe 1, 154 L. v. auf ungewisse zukunft: deine vertröstung auf eine zeit, wo ich triumphiren werde, musz bald in erfüllung gehen Pückler briefwechsel u. tageb. 6, 259; die vertröstung auf die zukunft, die der herr abg. Lasker uns gestern gegeben hat, an deren bedeutung sind schon zweifel in erheblichem masze geltend gemacht worden Bismarck pol. reden 4, 374 Kohl. — vertröstungsschreiben v. Chemnitz schwed. krieg 2, 961.
5) entsprechend vertrösten II 2 b: spes, hoffnung, vertraen, zversicht, vertrauung, vertröstung, zuwverlasz Schöpper; spes Dentzler, Steinbach; darumb gelt es gleich, sy thuon pss oder gts, und schöpfen ine domit ain vertrstung, es lige aufm sünder weder sünd noch schuld, weder missetat noch straf Berthold v. Chiemsee tewtsche theologey 534;

die vertröstung, rhum zu erjagen
Fischart glückh. schiff 13 ndr.;

mit dem genitiv: ein gebet für den zorn gottes mit vertröstung der gnaden Waldis psalter 7a; mit auf: wo

[Bd. 25, Sp. 2013]


er eynige vertröstung uf euern schuez hette Hutten 2, 120 Böcking.
 
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vertrotteln1, v.; mit troddeln versehen: in Kalbs blauem rock mit gelben knöpfen, rothem kragen und vertrotteltem kreuz Göthe IV 3, 12. — älter vertrodden: einen schwarzen vertrodten rock Schweinichen 522 Ö.vertrotteln 2, v., zum trottel werden: mundartlich Unger-Khull 222a; denn ich mag im groszvaterstuhl durchaus nicht vertrotteln Feuerbach briefe an seine Mutter 1, 147; einen hoch musikalischen, aber völlig vertrottelten alten sonderling Eulenberg schattenbilder 124. — vertrotzen, vertrutzen, v.:
1) vereinzelt durch trotz versäumen:

die sichre kühnheit höhnt abwesende gefahr,
scherzt, wo sie fürchten soll, vertrotzt die theure stunde,
da rettung möglich war
Haller gedichte 190 Hirzel.


2) trotzig machen: wenn das (ein strengeres vorgehen) so auf ein ruck kommt, das vertrutzt und verstockt die leut Anzengruber 3, 173. häufiger reflexiv: wenn du dich gegen mich vertrutzen kannst 10, 272; die mädchen vertrotzten sich und sagten, das wäre ganz gleichgültig, wie ein mensch sein geld verdiene Frenssen Klaus Hinrich Baas 105. dazu das part. prät. vertrotzt, trotzig: als ich in dieser stimmung fröhliche lieder mitzusingen mich auszerstande sah und mich ein wenig vertrotzt dessen weigerte Sudermann bilderbuch meiner jugend 226.
3) in älterer zeit vereinzelt vertrutzt wie verdrossen:

heut wird ich von diesem geschmecht,
morgen von einr andern partei;
dann so wird ich so vertrutzt dabei,
das ich nit weisz, was ich ton sol
Seb. Wild in schausp. a. d. 16. jahrh. 1, 214 Tittmann.


 
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vertrüben, v. , mnl. verdroeven.
1) glänzendes, strahlendes trübe machen oder erscheinen lassen, mhd.:

ob in (den stern) die wolken habind vertriebt minnereden 136 Matthäi;

nhd.: Bernhart d. philos. mystik d. mittelalters 44.
2) unklar, undeutlich machen: dürfte nicht vielleicht, dacht ich, bey allen menschen eine grundphysiognomie seyn? durch die ebbe und fluth der zufälle und leidenschaften verschwemmt? vertrübt? Lavater physiognom. fragm. 2, 34.
3) trüben, beeinträchtigen, von freude und freudigen ereignissen: wan nicht zwo widrige zeitungen uns diesen sieg vertrübet hätten A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 126;

den deckel drauf! damit uns nicht
der miszduft die freude vertrübet
Heine 2, 491 E.


4) betrüben: die träume führen unstreitig eine kraft bey sich, durch welche sie das menschliche gemüth nicht allein erheitern oder vertrüben, sondern auch sogar den leib ermuntern oder erschweren und entstellen können Lindenborn Diogenes 1, 323. dazu vertrübung: das grosze allgemeine übel, die cholera, entweicht zwar allmählich, aber es hinterläszt viel vertrübung und bekümmernis Heine 5, 106 E. (lesart). — vertrüllen, v. , s. vertrillen. — vertrümmern, v. , statt gewöhnlichem zertrümmern Veith bergwörterbuch 541; Fischer 2, 1390 (veraltet): die bürger, so ... ihre höfe vertrümmern lassen (1609);

daz hat der antichrist verruckt,
den rechten lauf hat er verzuckt,
in der welt gar vertrimmert
Wackernagel deutsches kirchenlied 3, 463.

dazu vertrümmerung: Vindonissa und Aventicum habe ich mit aller vertrümmerung persönlich kennen gelernt schles. zeitung 7. febr. 1914. — vertrumpeln, vertrümpeln, v., wie vertrempeln, vertrampeln, verträmpeln (s. o. sp. 1944) 'in kleinen portionen ausgeben' schweiz. id. 1, 907; Stalder 1, 314; Fischer 2, 1390. vertrödeln: du hast dies teuere stück, ..., deinem patron getreulich überliefert, da du es nicht allein im nonnenhof können vertrumpeln um einen pfifferling ..., sondern

[Bd. 25, Sp. 2014]


konntest vor kaiser und könige gehn damit Mörike 3, 185 Maync.vertrumpfen, v.
1) v. heiszt: die wegen einer hindurchgehenden treppe, eines schornsteins etc. abgeschnittenen balken in ein starkes querholz (den wechsel), das seinerseits in 2 lange balken eingelassen ist, mit einem brustzapfen einsetzen, dasz sie auf demselben ihre auflage haben Hoyer wb. d. kriegsbaukunst 3, 236; Helfft wb. d. landbaukunst 395. dazu vertrumpfung Hoyer - Kreuter technol. wb.5 1, 813; Mothes baulex. 1, 203.
2) in älterer zeit mit dem genitiv, um etwas bringen: daz er seiner sachen nicht vertrumpft werde weisthümer 2, 569 (1497).
3) durch trumpfen, trumpf zugeben die trümpfe alle machen, sich v., alle seine trümpfe verbrauchen Campe.vertrunken und vertrunkenheit s. vertrinken 4 a, b. — vertrusten, v. , seltene moderne ableitung von trust: in dieser verfilzten, vertrusteten, vergenossenschafteten ... welt Frank Thiesz das tor zur welt (1926) 166. weit häufiger vertrustung, f.: die vertrustung der deutschen industrie Jenaer zeitung vom 5. oct. 1926; wo eine kapitalsmäszige verschmelzung der unternehmungen, eine vereinigung des aktienmäszigen regimes, eine direkte vertrustung ... stattfindet Leipziger neueste nachr. 1926 nr. 264.

 

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