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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertroppen bis vertrusten (Bd. 25, Sp. 2007 bis 2014)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertroppen, v., als tropus deuten, erklären: aber last uns ihm zugeben, das er diesen text also vertroppe: dieser becher ist ein zeichen des neuen testamentes in meinem blute, auf das blut hie nicht ein tropus, sondern recht blut sey Luther 26, 467 W., ferner 26, 485.
 
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vertrost, m., nur frühnhd. belegt (veraltet Fischer 2, 1390), zusicherung, versprechen: das ich ir vertrost und zusage gethan hab Götz v. Berlichingen 202. vertrauen, zuversicht: auf diesen vertrost und hoffnung gienge der könig Arban zu der königin Amadis 1, 375 K.dazu vertrostspil: es ist yn zeyt nút eygentlichers vertrostspiles himelischer wonung den dy gott in wolgemter frud lobend der ewigen wiszheit betbüchlin 63b.

[Bd. 25, Sp. 2008]



 
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vertröst, adj. u. adv., frühnhd. mehrfach belegte kurzform zu vertröstet, part. prät. von vertrösten, s. u. II 3 d.
 
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vertrösten, v. , ahd. fertrôsten Graff 5, 478; mhd. wb. 3, 117; Lexer 3, 276; Haltaus 1907; mnd. vortrôsten; frühnhd. sehr häufig gebucht; auch in den mundartwörterbüchern: schweiz. Stalder 1, 309; Bühler Davos 1, 193; Fischer 2, 1390; lux. mundart 468; cöln. Hönig 195; cronenb. Leihener 36b; westfäl. Woeste 297; götting. Schambach 268a; pommer. Dähnert 528b; mndl., ndl. vertroosten, fries. fortreastje Dijkstra 1, 423, mengl. fortrûsten Stratmann-Bradley, dän. fortrøste, schwed. förtrösta.
die mannigfachen, in neuerer zeit aber erheblich eingeengten gebrauchsarten gehn auf die beiden grundbedeutungen von trost, 'solacium' und 'spes, fiducia' zurück. scharfe scheidung ist jedoch nicht durchführbar. im gegensatz zum simplex ist bei v. 'spes, fiducia' die dominierende bedeutung, doch ist die stärkere lebenskraft der heute herschenden verwendung (s. u. II 3 a) wohl gerade darauf zurückzuführen, dasz hier neben der grundbedeutung 'spes, fiducia' der nebensinn 'solacium' gefühlt werden kann.
I. zu trost solacium:
1) immer nur vereinzelt ist das transitive einen v., mit nhd. trösten gleichbedeutend: consolare Hulsius (1618) 261a;

und dancken gott vor die wohlthat,
damit uns heut vertröstet hat
Burkard Waldis Esopus 2, 68 Kurz;

das tu ich auch nicht und verlang es nicht.
ich wollte dich nur ein bischen vertrösten
Graf Pocci lust. komödienbüchl. 2, 61.


2) ahd. und mhd. ist das reflexivum mit dem gen. der sache:
a) selten positiv, sich mit etwas abfinden:

der dinge man sich vertrœsten sol,
diu nieman erwenden kan Mai und Beaflor 15, 8.


b) meist negativ, sich mit dem verlust einer sache abfinden, Graff, mhd. wb., Scherz: fertrôste dih anderes kuotes ferlornes Notker 1, 123 Piper; alde wânet er, ube er iz ferliuset, taz er sih is fertrôsten muge 1, 85;

ich weiz ez rehte und zwîvels niht,
lebt er, daz er mich gesiht
ê ditz jâr verende sich.
geschiht ez niht, sô muoz ich mich
vertrœstet sînes lîbes hân
Rud. v. Ems gut. Gerh. 3177.

ahd. auch mit stärker betonter activität, auf etwas verzichten: diê aber gotes pîtent unde werltsâldon sih fertrôstent Notker 2, 128 Piper; die sih fertrôstent Jerusalem unde die temporalia minnent fure terna 2, 573.
II. zu trost fiducia:
1) spätmhd. u. frühnhd. juristisch, bürgen, verbürgen, Lexer 3, 276, vadari Frisius, Maaler, fidejubere Dentzler; cavere, praecipue per fideiussores Haltaus; veraltet Adelung; schweiz. Stalder 1, 309, schwäb. Fischer 2, 1390.
a) für einen v.: sit du hast vertrost für mich Herm. v. Sachsenheim Altswert 110 lit. v.; und vertroste ouch der marggrave für in mit sime hangenden ingesigele chron. d. d. städte 9, 1021 (1353).
b) zum rechten v., vor gericht gehen: als ... derselbig amman ... im anmtet, um obgemelts verrfs willen zu dem rechten gan Worb z vertrösten Thüring Frickart quell. z. schweiz. gesch. 1, 19.
c) etwas vertrösten:
α) eine that v., bürgen, dasz sie gesühnt wird: welicher ain buosz oder frevel versalt, den selben frevel sol man von stund an vor gricht mit aim insessen vertrösten weisth. 1, 215 Grimm; Fischer.
β) ein versprechen vertrösten: daz er vertrösten solt ein urfech, daz er wider das rich noch des richs stett

[Bd. 25, Sp. 2009]


hinfür nimer tn solt Richental chr. d. Const. concils 90 lit. v.
2) allgemeiner, versprechen: eine wohlthat mit worten vertrösten, mit der that beweisen Faber thes. erud. 467b; des herren gnade ..., die er mir reichlichen vertröstete Schweinichen denkw. 118; er könte bey so gestalten sachen und vertröstetem secours zur ergebung noch nicht verstehen v. Chemnitz schwed. krieg 2, 164; da ich denn allererst mit vertrösteter wiederkehr abschied nam Lohenstein Arminius 1, 463b. mit inf.: das pferd, so wir uwer liebe zu schicken vertrostet hadten privatbriefe des mittelalters 1, 113 Steinhausen (1473); so ihm auch der bauer zu thun vertröstetete mediz. maulaffe 943. reflexiv: was volcks wir uns aus deiner verwaltung zu unserm romzug, wie obsteet, und versehung und beseczung unserer land vertrosten sullen urk. z. gesch. Maximilians I. 427 lit. v., was man selbsten nicht verrichtet, davon sol man ihm auch keinen groszen nahmen vertrösten Treuer Dädalus 1, 48. vgl. dazu auch fürtrosten:

und wil fürtrosten sicherlich,
daz ich ir gebot wil halten
Herm. v. Sachsenheim Altswert 1 K.


3) die weiteste verbreitung hat die verbindung mit persönlichem accusativobject, einem hoffnung, zuversicht, vertrauen einflöszen: facere spem Alberus bb 4a; Faber thes. erud. 213b; spem injicere Maaler 436a; Frisius 899a; expectationem afferere alicui Dentzler. doch ist auch dieser gebrauch in neuerer zeit stark beschränkt.
a) wirklich lebendig ist nur die bedeutung, durch erwecken von hoffnungen hinhalten, einem durch vertröstung auf zukünftiges, entfernteres über eine gegenwärtige nichterfüllung von wünschen, über eine gegenwärtige unbefriedigende lage oder leistung hinwegzuhelfen suchen: man findt aber vil böser zaler, die es wol hetten, ..., kan doch mit lieb noch güten niemandt nichts von in bringen, liegen und vertrösten für und für H. Sachs 22, 59 G.; rühmlicher ist nichts zusagen als vertrösten Lehmann florileg. polit. (1662) 1, 6;

der schiffmann zagt, Columbus kann
den kranken steuermann nun länger nicht vertrösten das neueste a. d. anmuth. gelehrs. 1, 819;

ich habe sie mit keiner falschen hoffnung vertröstet Schiller briefe 1, 368 J.; ich bitte mir zu glauben, dasz ich ungerne hinhalte und vertröste Jac. Grimm kl. schr., vorwort. reflexiv: man vertröstete sich von jahr zu jahr, aber sein sturz wollte nicht kommen Reich ausgew. werke 1, 293; was dir heute unerreichbar ist, fällt dir morgen von selbst in den schosz. so vertröstete ich mich Ebner-Eschenbach 4, 250. mit abhängigem satz: diese (predigt) abzuschreiben, dazu habe ich nicht recht kommen können, und es war mir unmöglich mich hinzusetzen und einen brief anzufangen, wo ich sie hätte vertrösten müssen, dasz es noch erst geschehn würde aus Schleiermachers leben 1, 111. nicht mehr recht geläufig ist die verbindung mit dem infinitiv, der den inhalt des vertröstens ausdrückt: dasz er mich biszher von einem tag zum andern vertröstete, mich in ihre bekanntschaft zu bringen Göthe IV 1, 3 W., oder auch die dadurch bezweckte absicht: dasz die garnison gestern bey der parole vertröstet worden, sich nur noch bis auf den 1ten zu gedulden, da denn Laudon ganz gewisz zum entsatze kommen werde Lessing 18, 441 M. am häufigsten ist ergänzung durch eine verbindung mit auf. sie bedeutet
α) ein erwünschtes oder erhofftes ereignis: die deutsche nation auf ein frey gemein christlich concilium vertrösten Mathesius ausgew. w. 3, 254; ohne zweifel will er die trauernden christen auf eine wiedereroberung vertrösten Scherer lit. gesch. 96.
β) begehrte gegenstände:

vertröst sie auch auf grosses gut
Rollenhagen froschmeuseler (1595) o 7a;

auf gute beute vertrösten Fleming d. vollk. teutsche soldat 265; von tag zu tag, liebste Silvie, hat man mich

[Bd. 25, Sp. 2010]


auf die seegeschöpfe vertröstet, die sie zu einem so frommen gebrauch verlangten, es sind aber deren bis jetzt noch keine angekommen Göthe IV 20, 283 W.
γ) den zeitpunkt, der besserung oder erfüllung von wünschen bringen soll: er verspricht mir ... alles ... zue zurichten, allein kündt er mich auf keine gwisse zeit vertrösten Hainhofer (1610) quellenschr. für kunstgesch., neue folge 6, 27; jemanden auf bessere zeiten v. Adelung umst. lehrgeb. 2, 164;

auf eine zeit, die alles lösen werde,
hat er von jahr zu jahren sie vertröstet
Schiller 14, 44 G;

alle schuster, schneider, bäcker, schlächter sind auf den heutigen tag vertröstet Arnim 15, 288 Grimm; so muszte ich dem Armenier rathen, noch zu warten, und ihn auf eine zukunft vertrösten, die er kaum erleben wird Moltke ges. schr. u. denkw. 5, 5.
b) in älterer zeit heiszt v. auch schlechthin einem hoffnung, zuversicht, vertrauen einflöszen (veraltet Adelung), ohne dasz der in a) bezeichnete nebensinn in erscheinung tritt: si Judas non venisset und sie vertröstet, ipsi non fuissent so keck Luther 34, 1, 192 W.; der nit gdar alle ding essen, sol den essenden nit urteilen, dann got hat in angenommen und vertröst Zwingli von freiheit der speisen 23 ndr. häufig ist verbindung mit dem genitiv:

swelch fürste in des vertrôst hât,
daz er im wider mich gestât herzog Ernst b 1173;

das er ... uns grosser freud vertröst H. Sachs 11, 377 K.; ich ... vertröstete sie meiner balden wiederkunft Grimmelshausen 4, 521 lit. v. mit präpositionaler verbindung:

... ich auf erden keinen mann
zur seligkeit vertrösten kan
Dedekind d. christl. ritter e 1b.

mit abhängigem satz: und haben sie vertrostet, das sie, wenn sie in der kappen begraben, von mund (vgl. th. 6, 2680f.) auf wurden gen himel faren Luther 34, 1, 46 W.; denn der wirdige herr und magister Johan Sturtz ... hat mich vertrost, das eüch dises zuschreiben zu kaynem ungefallen geraichen wurde Carlstadt welche bücher biblisch seind a 1b; sie (die engel) ... vertrösteten die h. apostel, das der herr widerkommen werde Butschky Pathmos 175. mit dem infinitiv: sie (die wirtin) verschlosz sich alsbald in einen stall, vertröstete aber zuvor die gäste, auf dem abend einen hasen zu speisen, und ergriff eine junge ziege, zog ihr die haut ab und richtete dieselbe in gestalt eines hasens zu Joh. Riemer polit. maulaffe (1680) 85.
c) sehr gebräuchlich ist das reflexivum:
α) sich einer sache versehen: so haben sich eheleut aller gnaden und hülfe zu gott in allen ihren nöten zu versehen und vertrösten Luther 26, 225 W.; wir söllid uns zu sr. keiserlichen majestät vertrösten aller gnaden V. Anshelm Bernerchronik 4, 54 hist. ver.; von weme ich mich eyniges beystandes zu vertrösten habe Lindenborn Diogenes 2, 77.
β) sich auf eine sache oder person verlassen; mit genitiv: sie ... vertrosten sich der meng und sterk der leüt Luther 34, 2, 83 W.; es soll sich niemant vertrösten des blossen christlichen namens Dietenberger der leye d 5a; dasz wir uns von einem solchen, dessen wir uns etwann viel und hoch vertröstet, wider recht und billichkeit verunrüwiget und angegriffen sehen und erfahren Fischart geschichtsklitt. 332 ndr. mit präpositionaler wendung:

der ist eyn narr der sich vertröst
uf won, und meynt er sig der gröszt
Brant narrenschiff 31 Z.;

alle wort gottis sind durchfeuret und eyn schild allen, die drauf sich vertrosten Luther 10, 2, 86 W.;

auf dich wir uns vertrösten herr,
uns sol miszlingen nimmermehr
Waldis psalm 20;

hab mich vertröst auf mein geschoss
Spreng Ilias 56a.

[Bd. 25, Sp. 2011]


selten mit in: so wir uns allein in sine wort und gheis vertröstend und lassend Zwingli von freiheit d. speisen 10 ndr.
γ) zuweilen sich auf etwas berufen: wie wol sich der gt meister Ulrich vil in sinen reden und geschriften vertröst uf einen text, den er gefunden hat Zwingli d. schr. 1, 163; so wöllend sie (die gegner der messe) alle gten propheten zu zügen stellen und vertrösten sich stark uf die epistel z den Hebreern Nic. Manuel 219 Bächtold.
δ) auf etwas stolz sein; mit dem genitiv: wiewol wyr uns unser werck nicht vertrösten, vermessen oder erheben sollen Luther 15, 116 W.; so sich villeicht yemands seiner boszheit vertröstet Boltz Terenz 141b. mit auf: David erat dives, Salomon sapiens, sie vertrosteten sich aber nicht darauf coram deo et hominibus Luther 29, 585 W.
ε) mit abhängigem satz, hoffen: er mag auch gäntzlich glauben, verhoffen und sich vertrösten, was an ime und an sein reu, peycht und ps abgeet, dasselb werde durch der pes sacrament erfüllt und ime z statten kommen Berthold v. Chiemsee tewtsche theol. 499; so vertröst ich mich auch, das ich nichts in meinem büchlin geschriben hab, das mir möcht ainichen nachthayl oder schaden bringen Montanus 138 B. so auch vereinzelt in neuerer zeit: Reinhold: ist meine schwester todt? — Hans: ach nein, zu lebendig, auf und davon mit einem spielmann — ich vertröste mich noch, es wird der Leopold von Friedheim seyn Tieck 5, 134. selten mit dem infinitiv: da sich Luther vertröst, sein fünftes evangelium durch empörung und aufrr der bauren in die welt auszubraitten Nas antipap. eins und hundert 111b.
d) ähnlich wie das reflexivum wird das part. prät. gebraucht: vertröst gmüt, fidens, fidus animus, auf sein stercke vertröst, ... audax viribus Maaler 436a;

in eygnem gwalt vertröst allein
Hutten 3, 190 Böcking;

auf die vile deiner gnad vertröstet bibel (Zürich 1531) 2, 16b; (das wort gottes) macht sy (die seele) in gott vertröst Zwingli d. schr. 1, 81; ich bin eines ritters vertröst gewesen Wickram 1, 164 B. einer sache sicher: so was hie der Franzos siner fröd nit so gar vertröst Valerius Anshelm Bernerchronik 4, 143 hist. v. adverbial: ein gwüsse leer, dero wir vertröst und on zwyfel mögen und söllend anhangen Zwingli von freiheit d. speisen 10 ndr.
 
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vertröster, m., mehrfach gebucht, aber in der literatur nur vereinzelt belegt, meist in juristischem sinne, bürge: confirmator, expromissor, fideiussor, praes, sponsor, responsor, vadis Frisius 292b, 520b, 745a, 1044a, 1154b, 1342b, 1347b, Maaler 436a; vas vertroster, burg am leib. ... fideiussor, fursprecher, vertroster oder burg Junius nomencl. (1577) 342; Calepinus XI ling. 1507b, 1513b; Dentzler; do nun der rechtstag nahet, und der (Damon) noch nit kummen was, höneten sye den vertröster und bürgen seiner torheit halb Franck chron. zeytbuch 27a. nur vereinzelt zu vertrösten II 3 a: promissor, spe lactans inani Stieler stammb. 2343. —
 
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vertröstlich, adj., Haltaus 1908; Sattler 475; Campe; gte und vertröstliche wort Berthold v. Chiemsee tewtsche theol. 586.
 
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vertröstung, f. , seit dem 15. jahrh. belegt, in frühnhd. zeit häufig gebucht: Schöpper syn. b 1c; Frisius 291a, 1342b; Maaler 436a; Hulsius (1618) 261a; Sattler 371; Corvinus 682; Kramer 2, 1152b; Dentzler; Steinbach; Adelung. mundartlich: schwäb. Fischer 2, 1390 (veraltet); davos. Bühler 2, 68.
1) selten zu vertrösten I, solacium: da ich kein vertröstung der klage weisz volksb. v. dr. Faust 114 Br.; es bedurfte dieser traulichen vertröstung des älteren freundes nicht, die geister der leidenschaft in mir zu bannen G. Keller 3, 264.
2) zu vertrösten II 1, bürgschaft: vadimonium Frisius, Maaler; schweiz. Stalder 1, 310.

[Bd. 25, Sp. 2012]



3) in älterer zeit sehr häufig zu vertrösten II 2: verheissung, zusag, versprechung Sattler 371, auch in späterer zeit noch lebendiger als vertrösten in gleicher bedeutung: und hilten nicht ir vertröstung, so sie den steten getan hetten chron. d. d. st. 2, 126; darumb begehre, was du wilt, es solle dir von mir nicht abgeschlagen werden. solcher gnedigen vertrostunge ward der Peter hertzlichen erfreuet Warbeck Magelone 57 Bolte; sollte der gott, der seinen freund hier geliebt, der ihn mit vertröstungen bis an den rand seines grabes geführt hatte, sollte er ihn im grabe verlassen? Herder 11, 372 S. mit dem genitiv: dessen ward ihnen vom könige gute vertröstung gegeben Spangenberg mansf. chr. 60b. mit infinitiv: mit der vertröstung, wo sie ihm hülfen den sieg erhalten, ihnen ein gut theil des thüringischen landes einzugeben Binhardus thür. chr. 19; es ist auch schon einstens an einem orte die vertröstung gemacht worden, sie (eine abhandlung) ebenfalls einmal im drucke zu sehen Gottsched beyträge z. krit. historie 1, 156. mit abhängigem satz: mit grossen fodder vol vertröstung, als solts dem evangelio fodderlich sein, das er (Georg v. Sachsen) bisher verfolget Luther 23, 31 W.; mit vertröstung, sie sollen unbekümmert seyn, er wolle sie wol auf den rechten weg führen Widmann Faust 137 lit. v.
insonderheit von der zusage einer anstellung: item dasz kein hammermaister dem andern kein schmidmensch abdingen soll vor ostern, noch mit keinem kein vorrede thun vor der zeitt, ..., noch kein vertröstung thun ungewarlich Lori bair. bergrecht 78 (1464); vertröst- und versprechung v. Fleming d. vollk. teutsche soldat 107. von zusicherung von freiem geleit: ich werde heut jämerlich, schentlich und verräterlich under des keysers vertröstung und gleydt umbbracht hertzog Aymont e 5a. von heiratsversprechen: Vasaces gleich vermutete, er würde noch einige gute vertröstung wegen der Neronia erlanget haben A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 539; weil er nach ... schon erhaltener guten vertröstung dennoch den korb bekommen Hahn einl. z. d. teutschen staatshistorie 4, 75.
4) wie vertrösten II 3 a am lebendigsten in dem sinne dasz die vertröstung von zweifelhaftem werte ist: so haben wir durch unser menigfeltig zusagen und vertrostung den schuldnern by inen und auch durch sy gegen ander den glauben ganz verloren urk. z. gesch. Maximilians 108 lit. v. die v. steht im gegensatz zur erfüllung: sintemal bishero der generaln nervus auf vertröstung und aufhaltung mit guten worten mehr dan wirklicher satisfaction der soldatesca bestanden v. Chemnitz schwed. krieg 2, 73; wenn ich mir nur von dem noch übrigen wege mehr zu versprechen hätte. aber vertröstungen, und wieder vertröstungen und nichts als vertröstungen! Lessing 13, 392 M.; von Wien kommt nichts als leere vertröstung Laube 14, 264; mit v. hinhalten und ähnliche wendungen: v. Chemnitz schwed. krieg 1, 153; du must ihn nur mit allerley vertröstungen hin halten Lichtenberg briefe 1, 154 L. v. auf ungewisse zukunft: deine vertröstung auf eine zeit, wo ich triumphiren werde, musz bald in erfüllung gehen Pückler briefwechsel u. tageb. 6, 259; die vertröstung auf die zukunft, die der herr abg. Lasker uns gestern gegeben hat, an deren bedeutung sind schon zweifel in erheblichem masze geltend gemacht worden Bismarck pol. reden 4, 374 Kohl. — vertröstungsschreiben v. Chemnitz schwed. krieg 2, 961.
5) entsprechend vertrösten II 2 b: spes, hoffnung, vertraen, zversicht, vertrauung, vertröstung, zuwverlasz Schöpper; spes Dentzler, Steinbach; darumb gelt es gleich, sy thuon pss oder gts, und schöpfen ine domit ain vertrstung, es lige aufm sünder weder sünd noch schuld, weder missetat noch straf Berthold v. Chiemsee tewtsche theologey 534;

die vertröstung, rhum zu erjagen
Fischart glückh. schiff 13 ndr.;

mit dem genitiv: ein gebet für den zorn gottes mit vertröstung der gnaden Waldis psalter 7a; mit auf: wo

[Bd. 25, Sp. 2013]


er eynige vertröstung uf euern schuez hette Hutten 2, 120 Böcking.
 
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vertrotteln1, v.; mit troddeln versehen: in Kalbs blauem rock mit gelben knöpfen, rothem kragen und vertrotteltem kreuz Göthe IV 3, 12. — älter vertrodden: einen schwarzen vertrodten rock Schweinichen 522 Ö.vertrotteln 2, v., zum trottel werden: mundartlich Unger-Khull 222a; denn ich mag im groszvaterstuhl durchaus nicht vertrotteln Feuerbach briefe an seine Mutter 1, 147; einen hoch musikalischen, aber völlig vertrottelten alten sonderling Eulenberg schattenbilder 124. — vertrotzen, vertrutzen, v.:
1) vereinzelt durch trotz versäumen:

die sichre kühnheit höhnt abwesende gefahr,
scherzt, wo sie fürchten soll, vertrotzt die theure stunde,
da rettung möglich war
Haller gedichte 190 Hirzel.


2) trotzig machen: wenn das (ein strengeres vorgehen) so auf ein ruck kommt, das vertrutzt und verstockt die leut Anzengruber 3, 173. häufiger reflexiv: wenn du dich gegen mich vertrutzen kannst 10, 272; die mädchen vertrotzten sich und sagten, das wäre ganz gleichgültig, wie ein mensch sein geld verdiene Frenssen Klaus Hinrich Baas 105. dazu das part. prät. vertrotzt, trotzig: als ich in dieser stimmung fröhliche lieder mitzusingen mich auszerstande sah und mich ein wenig vertrotzt dessen weigerte Sudermann bilderbuch meiner jugend 226.
3) in älterer zeit vereinzelt vertrutzt wie verdrossen:

heut wird ich von diesem geschmecht,
morgen von einr andern partei;
dann so wird ich so vertrutzt dabei,
das ich nit weisz, was ich ton sol
Seb. Wild in schausp. a. d. 16. jahrh. 1, 214 Tittmann.


 
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vertrüben, v. , mnl. verdroeven.
1) glänzendes, strahlendes trübe machen oder erscheinen lassen, mhd.:

ob in (den stern) die wolken habind vertriebt minnereden 136 Matthäi;

nhd.: Bernhart d. philos. mystik d. mittelalters 44.
2) unklar, undeutlich machen: dürfte nicht vielleicht, dacht ich, bey allen menschen eine grundphysiognomie seyn? durch die ebbe und fluth der zufälle und leidenschaften verschwemmt? vertrübt? Lavater physiognom. fragm. 2, 34.
3) trüben, beeinträchtigen, von freude und freudigen ereignissen: wan nicht zwo widrige zeitungen uns diesen sieg vertrübet hätten A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 126;

den deckel drauf! damit uns nicht
der miszduft die freude vertrübet
Heine 2, 491 E.


4) betrüben: die träume führen unstreitig eine kraft bey sich, durch welche sie das menschliche gemüth nicht allein erheitern oder vertrüben, sondern auch sogar den leib ermuntern oder erschweren und entstellen können Lindenborn Diogenes 1, 323. dazu vertrübung: das grosze allgemeine übel, die cholera, entweicht zwar allmählich, aber es hinterläszt viel vertrübung und bekümmernis Heine 5, 106 E. (lesart). — vertrüllen, v. , s. vertrillen. — vertrümmern, v. , statt gewöhnlichem zertrümmern Veith bergwörterbuch 541; Fischer 2, 1390 (veraltet): die bürger, so ... ihre höfe vertrümmern lassen (1609);

daz hat der antichrist verruckt,
den rechten lauf hat er verzuckt,
in der welt gar vertrimmert
Wackernagel deutsches kirchenlied 3, 463.

dazu vertrümmerung: Vindonissa und Aventicum habe ich mit aller vertrümmerung persönlich kennen gelernt schles. zeitung 7. febr. 1914. — vertrumpeln, vertrümpeln, v., wie vertrempeln, vertrampeln, verträmpeln (s. o. sp. 1944) 'in kleinen portionen ausgeben' schweiz. id. 1, 907; Stalder 1, 314; Fischer 2, 1390. vertrödeln: du hast dies teuere stück, ..., deinem patron getreulich überliefert, da du es nicht allein im nonnenhof können vertrumpeln um einen pfifferling ..., sondern

[Bd. 25, Sp. 2014]


konntest vor kaiser und könige gehn damit Mörike 3, 185 Maync.vertrumpfen, v.
1) v. heiszt: die wegen einer hindurchgehenden treppe, eines schornsteins etc. abgeschnittenen balken in ein starkes querholz (den wechsel), das seinerseits in 2 lange balken eingelassen ist, mit einem brustzapfen einsetzen, dasz sie auf demselben ihre auflage haben Hoyer wb. d. kriegsbaukunst 3, 236; Helfft wb. d. landbaukunst 395. dazu vertrumpfung Hoyer - Kreuter technol. wb.5 1, 813; Mothes baulex. 1, 203.
2) in älterer zeit mit dem genitiv, um etwas bringen: daz er seiner sachen nicht vertrumpft werde weisthümer 2, 569 (1497).
3) durch trumpfen, trumpf zugeben die trümpfe alle machen, sich v., alle seine trümpfe verbrauchen Campe.vertrunken und vertrunkenheit s. vertrinken 4 a, b. — vertrusten, v. , seltene moderne ableitung von trust: in dieser verfilzten, vertrusteten, vergenossenschafteten ... welt Frank Thiesz das tor zur welt (1926) 166. weit häufiger vertrustung, f.: die vertrustung der deutschen industrie Jenaer zeitung vom 5. oct. 1926; wo eine kapitalsmäszige verschmelzung der unternehmungen, eine vereinigung des aktienmäszigen regimes, eine direkte vertrustung ... stattfindet Leipziger neueste nachr. 1926 nr. 264.

 

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