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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertrischaken bis vertroppen (Bd. 25, Sp. 2003 bis 2007)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertrischaken, v., mundartl. 'verprügeln' Fischer 2, 1390, brem.-niedersächs. wb. 2, 107.
 
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vertrochen s. vertrechen, dazu vertrochenlich, adv., in abscondito, clam Scherz; v. und verborgenlich Geiler v. Keisersberg postill 3, 99.
 
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vertrocknen, v. , mhd. vertruckenen mhd. wb. 3, 119; Lexer 3, 276. noch im 16. jahrh. überwiegen formen mit u (vertrücknen mit umlaut Ryff spiegel u. reg. 16a), sind auch im 17. nicht selten (Hulsius-Ravellus 359b; Moscherosch Philander 2, 110; Treuer Dädalus 1, 829; Stieler 2326) und reichen bis ins 18. hinein (Kramer 2, 1156c, v. Fleming, s. u. 1 d α). doch haben schon Luther (s. u. 1 a, e, 2) und Fischart (1 d β) o, H. Sachs schwankt. bei Luther stets formen ohne n (vertrocken, vertrockte), auch bei Tauler vertruckent (s. u. 1 a). mundartlich vertrückne Fischer schwäb. wb. 2, 1390, verdrechenen luxemb. mundart 458. bedeutung und gebrauch:
1) weitüberwiegend ist intrans. gebrauch: 'trocken werden' Hulsius-Ravellus 359b, arescere Dentzler, Steinbach, interarescere Reyher, siccari Dentzler, exiccari Faber, aber nur selten schlechthin mit 'trocken werden' identisch: wie die thal, alldweil waszerbäch dreyn flieszen, vol sein, wenn aber die flt vergan, vertrocknen sie Ambach vom zusauffen c 3b; unter söricht th. 10, 1, 1811 beleg aus Mathesius Sarepta 35a. im allgemeinen gebraucht man vertrocknen nicht von allen dingen, welche eine feuchtigkeit verlieren (Stosch 3, 103), sondern nur von solchen, die durch den verlust an feuchtigkeit leiden oder zu grunde gehen: flacere Diefenbach; distabescere Reyher; die zum leben und dasein nöthige feuchtigkeit verlieren Voigtel 3, 543b.
a) von künstlichen und natürlichen gewässern: wanne die zisternen die fulent und vertruckent Tauler predigten 61 V.; am ersten tage des ersten monden vertrockte das gewesser auff erden Luther 24, 194 W.;

ein volck, plagt mit unfruchtbarkeit,
dem vertrucknen im land ir bech
H. Sachs 18, 419 G.;

wenn eine sechswöchnerin aus einem brunnen wasser holet, so ... vertrocknet der brunnen J. G. Schmidt rockenphilosophia 2, 306; nach und nach vertrocknete der see Laistner nebelsagen 118. oft übertragen: was aber nit ausz grund der schrift fleust, ..., ist ein mertzen quell, vertrucknet leichtlich Ambach von tantzen D 1b; in jahren, wo der lebensquell seiner geister schon stille steht oder zu vertrocknen anfängt Herder 5, 104 S.;

[Bd. 25, Sp. 2004]


alle hülfsquellen des staates (waren) vertrocknet Moltke ges. schr. 2, 54.
b) von feuchtigkeit: wer ubel dauet, ynn dem vertrucknet die naturliche feuchtigkeit Agricola 750 teutsch. sprichw. m 2a;

vertrknet ist wi scherben dur mein saft,
meine zng klebt am gaumen ob behaft
Schede psalmen 79 ndr.;

schüzzet diese zarte schrift, die nur ausz der feder fleusset,
derer jungen dintennässe kaum kaum noch vertruknet klebt
Stieler geharnschte Venus 62 ndr.;

das blut der unschuldigen, das zum himmel schrie, vertrocknete ungerächt Dahlmann gesch. v. Dänemark 3, 551. besonders von thränen: ich sah sie (die thräne) wie einen thautropfen am busen der jungen rose vertrocknen Pfeffel pros. versuche 5, 101; die spuren vertrockneter thränen überall auf dem gesicht Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 58, doch stellt sich diese verbindung häufiger zu a): die thränen hören auf zu flieszen wie eine quelle oder ein bach: vertrocknet war die quelle der thränen Klinger 4, 34; ehe (wird) mein leben zu ende laufen, als meine thränen über seinen todt vertrocknen A. U. v. Braunschweig Octavia 4, 594; Tieck 9, 155.
c) von gefäszen, die flüssigkeit enthalten:

sie stammeln und stottern und schwatzen zuletzt,
und gleich sind vertrocknet die krüge
Göthe 1, 207 W.;

am vertrockneten becken des springborns Geibel 5, 95.
d) von organischem, das innere oder äuszere feuchtigkeit braucht:
α) von menschen und thieren: der wird von seinen alten vorlebten eltern, derer leib schon erstorben und vertrucknet war, geborn Schaller theol. heroldt 201; etzliche setzen die krote in einen kefich, so mit rothen tuch beschlagen, stellen ihn etzliche tage an die heisse sonne, dasz sie allgemach vertruckne Fleming teutsche soldat 364a; die vertrocknete biene Lenz ged. 35 Weinhold; als alte jungfer zu vertrocknen Schopenhauer 5, 658 Gr.; den alten A. E., der in der trockenen, kalten alpenluft fast zur mumie vertrocknet war Rosegger 10, 335; was am galgen vertrocknen soll, ersäuft nicht im wasser Lüpkes seemannsspr. 124. übertragen: ich vertrockne seit einiger zeit, weil alle meine bücherquellen sich verstopfen Caroline 1, 34 Waitz; in dem scheinbar vertrockneten actenmenschen jahrb. d. Grillparzerges. 3, 24.
β) von einzelnen organen, körpertheilen: meine zunge vertrockne, wenn sie je einer deiner schwestern liebkoset Meiszner skizzen 2, 188; meine augen sollen vertrocknen, weinen sie noch einmal über Guelfos zweyten sohn Klinger 1, 26; da risz sie die vertrockneten augen weit auf Eichendorf 3, 58. öfter als bild für den durst: ihr seid warlich frisch munds, laszt in nur nicht vertrocknen Fischart geschichtsklitt. 208 ndr.; die vertrocknete dürre käl binenkorb 89b; im anblick eines meers vertrocknet meine zunge Arnim 16, 276 Grimm. übertragen:

kein ruh hab ich bey tag und nacht,
das marck inn bein verdrocknet
Fischer-Tümpel kirchenlied 1, 209;

die ader des Ronsard, der ein geborner poet war, vertrocknete ganze monate lang Ramler einl. i. d. schönen wissenschaften 1, 31; griesgrämliche richter mit vertrocknetem herzen Göthe 42, 2, 483 W.
γ) von pflanzen und pflanzentheilen: die ... sonnenstrahlen können bald das ende mit den blumen machen; ja wenn sich auch dieser keines begeben solte, würden sie doch von sich selbsten abfallen und vertrocknen Harsdörfer gesprechsp. 4, 344; vertrocknetes laub Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim 2, 83;

schnell vertrocknen zwei der dreien zweige
und der dritte blühet
Herder 25, 457 S.;

der hauptstamm, 12 fusz von der erde, war innwendig vertrocknet und morsch, ja wurmstichig Göthe IV 20,

[Bd. 25, Sp. 2005]


309 W.; ein vertrocknetes blumensträuszchen G. Keller 3, 197. übertragen: dasz dieser neue handelszweig ... vertrocknen würde v. Schubert verm. schr. 2, 215.
e) von sonstigen gegenständen, die einer gewissen feuchtigkeit bedürfen:

denn sie (die sonne) fürhin so scharpf und spitz
sticht, das ich (die erde) oft vor grosser hitz
zerreissen musz und gar vertrucken
Burkard Waldis Esopus 1, 349 Kurz;

nach dem weggeworfenen vertrockneten brode hungern Tieck 4, 276; die thüren zu dem üppigen wohnhause der königin sind vertrocknet Scherr Blücher 4, 1, 316.
f) von geistigem und seelischem: odder aber Myritianus kunst ist so seichte gewest, das sie so bald vertrocket ist und nichts mehr kan Luther 26, 552 W.;

dasz mir vertrucknet macht und kraft
und mir aussdorret aller saft
H. Sachs 18, 138 G.;

vertrocknend welkt alsdann all meine hoffnung hin
F. L. Hederich bei
Bode Montaigne 2, 71;

den zwar noch immer respectablen, aber zuletzt doch ganz mumienhaft vertrockneten byzantinischen stil Göthe IV 35, 300 W.; da der protestantismus ... in seinen cultusformen vertrocknet, in seiner verfassung unfertig und mithin keiner ausbreitung fähig war Treitschke d. gesch. 3, 215.
2) transitiver gebrauch ist seltener (im hochdeutschen ungewöhnlich Adelung), kommt aber bis zur neuesten zeit vor: exsiccare Diefenbach gloss.; arefacere nov. gloss.; da der herr, eur gott, das wasser des Jordans vertrockete für euch, bis ir hinüber gienget Luther bibel 2, 7 Bindseil; wie denn traurigkeit pflegt das leben zu verzeren wie eine schwindsucht und das marck aus dem leibe zu vertrocken 34, 2, 465 W.;

könnten unsre töne des armen Deutschlands
jammer stillen und seiner bittern thränen ströme vertrocknen!
Herder 27, 105 S.;

nur der frost der lässigkeit vertrocknet das herz Zimmermann über die einsamkeit 4, 162; wer ist es, der die reifen früchte von unsern bäumen schüttelt, der kuh die milch in dem euter vertrocknet ...? Klinger 2, 252; alle welt krankt hier an dem vertrocknenden frühjahre Pückler briefwechsel und tageb. 6, 118; freier: ein glühendes feuer ..., dessen glut uns ... den atem im munde vertrocknen will Eulenberg neue bilder 341.
3) ungewöhnlich ist reflexive verwendung:

er war eine der naturen,
die im centrum aller sonnen
feuer tragen in dem blute,
das sich in sich selbst vertrocknet
Brentano 3, 133.


 
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vertrocknung, f. , exalatio Diefenbach. häufiger erst in neuerer zeit.
a) der vorgang des vertrocknens: vertrocknung des öles Schubert verm. schr. 4, 356. übertragen: das phlegma eines überladenen gehirns ... vor einer gänzlichen vertrocknung zu bewahren Thümmel reise in die mittägl. prov. 3, 141.
b) der zustand des vertrocknetseins: die merkwürdige eigenschaft des wiederauflebens des gemeinen polypen nach langer vertrocknung Oken allg. naturgesch. 5, 52.
c) das ergebnis des vertrocknens: als veränderungen, verlängerungen, vertrocknungen der haut müssen die haare, federn, schuppen, nägel und hörner angesehen werden Oken allg. naturgesch. 4, 92.
vertroddeln, vertrodden, v., s. DWB vertrotteln.
 
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vertrödeln, v. , erst in neuerer zeit belegt, fehlt auch noch den wb. des 16. u. 17. jahrh.; ältester beleg bei Bastel v. d. Sohle (s. u. 3); gebucht erst bei Schwan nouv. dict. 2, 939a, Adelung, Campe, Kindleben. mundartlich häufig, z. th. in der form vertrüdeln, vertrudeln: schweiz. Stalder 1, 306; Martin-Lienhart 2, 742; thür. Hertel 247, 248; obersächs. Müller-Fraureuth 1, 252; 255; Albrecht leipz. ma. 231a; berl. Meyer 128a; Brendicke

[Bd. 25, Sp. 2006]


189a; mansf. Jecht 114a; wald. Bauer-Collitz 139; altmärk. Danneil 240b; steir. vertrotteln Unger-Khull 222a. nicht bei Fischer und Schmeller.
1) gewöhnlich zu trödel, altware: der mann mag seinen rock abtragen und die frau den ihrigen vertrödeln, sobald er nur einigermaszen aus dermode kommt Göthe 22, 144 W.; hier genosz sich der soldat, die gefangenen und die beute vertrödelnd und das geld vergeudend Niebuhr röm. gesch. 3, 584. bildlich: meine seele zum prunkkleid an narren vertrödeln maler Müller 1, 362. auf geistiges übertragen: herumlaufen und avisen vertrödeln J. G. Schmidt rockenphil. 2, 401. — dazu vertrödler: seinen alten freund Peters, den vertrödler seines schreins Gutzkow ritter v. geiste 5, 327.
2) in allgemeinerem sinne vom verkauf von büchern, wohl vom colportageverkauf ausgehend: durch die kolporteurs verkaufen und vertrödeln lassen Lessing 17, 303 M.; aber auch freier: einen nachdruck der büschingschen erdbeschreibung, der im reich vertrödelt wird allg. d. bibl. 105, 208.
3) in naheliegender bedeutungsnuancierung, 'um einen geringen preis verkaufen' (Kindleben), 'leichtsinnig verkaufen' (Bauer-Collitz), verthun: verkaufte das eine hausz, verpfendete das ander, und in der warheit vertrödelte sie alle Bastel v. d. Sohle Harnisch aus Fleckenland 83. geld leichtsinnig ausgeben: dasz sie das geld damit vertrödeln Chr. Reuter d. ehrl. fr. Schlampampe krankh. u. tod 107 ndr.; und vertrödelte man sogar noch extra 100 000 thaler für goldne bischofsmützen, festonnierte chorhemden, buntgestickte meszgewänder und ähnlichen kram Heine 3, 388 E. übertragen: die zeit zu vertrödeln schr. d. Götheges. 2, 341; allgemein, auch seine zeit v.; man vertrödelt das leben in allerlei übungsversuchen Göthe IV 31, 114 W.; freier: die lange weile auf der gasse vertrödeln Weise erznarren 36 ndr.
4) zu trödeln, zögern, saumselig sein; selten reflexiv: mit dem plaudern hab ich mich vertrödelt Holtei erz. schr. 17, 135. öfter trans., versäumen, vernachlässigen: in meinem leichtsinne hätte ich beinahe auch diese mir so naheliegende aufgabe vertrödelt Laube 1, 90; wenn V. seinen brief vertrödeln sollte Droste - Hülshoff briefe 50 Cardauns.
5) mundartlich zuweilen wie vertrillen, vertrollen, vertrüllen 'fäden verwirren, in unordnung bringen' Stalder 1, 306, ebenso vertrudeln Müller-Fraureuth 1, 255. — dazu vertrödelung: die zwei lachten unverschämt ob der wirren vertrödelung so heiliger verse Federer berge und menschen 28.
 
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vertrogen, adj. , eigentlich part. prät. zu vertriegen, das aber nur ganz vereinzelt mhd. belegt ist:

ab din kintheit vortruget dich,
daz du nicht komist zu mir, sich,
so kom zu mir in der jogunt
Brun v. Schonebeck 8921.

nhd. vertrügen fehlt. das part. prät. ist mhd. und im 16. jahrh. häufig (bei H. Sachs über 25 belege), später ausgestorben, während das gleichartige verlogen sich hielt.
a) heimlich, verschwiegen:

haimlich sitz vertrogen Friedrich v. Schwaben 4324;

sanguineus ist nit vertrogen und redt vil Fischer 2, 1390.
b) arglistig, heimtückisch: sophisticus Diefenbach; mhd:

wâriu lêre sprichet: bis wol gezogen,
gewonheit sprichet: bis gar vertrogen
Hugo v. Trimbeg renner 10 636 (lesart);

der vertrogen zauberer ernlosz Friedrich v. Schwaben 1577;

nhd:

vol bosheit, schalckhaftig, vertrogen
H. Sachs 1, 199 K.;

... arglistig und vertrogen 2, 134;

darzu war die schlang so vertrogen schausp. a. d. 16. jahrh. 1, 264 Tittmann;

[Bd. 25, Sp. 2007]



wo kommts im her, dem argen schalck?
war er doch vor nit so vertrogen
Ayrer 4, 2652 K.


vertrollen, v., mundartlich, schlecht spinnen, s. DWB vertrillen, vereinzelt zu trollen, sich davon machen: und unter dem hette sich gern der Luther vertrollet und ein ausflucht genommen theatrum diabolorum 137b. —
 
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vertrommeln, vertrommen, v., mundartlich, verprügeln: schweiz. zs. f. d. wortforsch. 2, 54; thür. Hertel 247; Kleemann 25. in der jüngsten kriegssprache ganz gewöhnlich durch trommelfeuer zerstören: der graben ist vertrommelt (durch feuer eingeebnet), die strasze ist v. (ungangbar gemacht).
 
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vertröpfeln, v., Kramer. mundartlich lebendig: Fischer 2, 1390; frankf. Askenasy 225; westerw. Schmidt 312; nassau. vertrippeln, vertröppeln Kehrein 1, 432; posen. vertrippeln Bernd 339. trans. tropfenweise vergieszen: wie er Eliezer als hauszvatter nach den gesprochenen lobsagungen ... einen grossen überguldten becher voll wein durchs gantze hausz vertröpfelte Grimmelshausen 4, 595 lit. v.;

wie ein zeuge der wahrheit, der unter unmenschlichen martern
langsam sein heiliges blut, zur ehre Jesu, vertröpfelt
Wieland I 2, 147 ak. ausg.

reflexiv, sich verzehren: meyn seel hat sich vortropfelt fur gremen Luther 8, 189 W. sich in tropfen auflösen: es (das quecksilber) ... verdünnt und vertröpfelt sich in unzählbarer vertheilung Bode Montaigne 6, 230. sich bei tropfenweiser verwendung einer flüssigkeit irren: manchmal vertröpfeln sie sich und überwürzen den wein, aber nicht hier Fontane briefe 2, 1, 360. intransitiv Fischer 2, 1390: die wolke ... scheint in regen zu vertröpfeln Schubart deutsche chronik (1787) 225.
 
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vertropfen, v. , stillare Dentzler; Campe.
a) trans. tropfend (weinend?) hinbringen: ir armselig leben jämerlich in eim spital vertriefen und vertropfen Fischart binenkorb 50a. vergieszen: und doch verzünden die menschen in ungeheurer mehrzahl ihren geist, vertropfen ihr herzblut Rosegger 2, 8, 410. umgangssprachlich auch durch tropfen beschmutzen: eine tischdecke, eine bluse wird vertropft.
b) intrans. 'tropfenweise abfallen' schweiz. id. 1, 910; welches (das blut) dann öfter gar vertropfte und die kinder auf das sänfteste einschlafen machte J. Riemer d. trunkene träumer 246. sich in tropfen auflösen, tropfend vergehen; stillando consumi Stieler 2330; ein helles warmes gewölk vertropfte silbern Jean Paul 15/18, 550 H.; übertragen: der ton, der im äther vertropft 257. durch tropfen trocken werden, vgl. DWB vertriefen: von einem, der in den brunnen gefallen ist:

lehnten in an die sonnen hin,
liesen wieder vertropfen in
H. Sachs 9, 532 K.;

er kehrt alle (schoppengläser) um, läszt sie vertropfen, dasz auch nicht ein einziger tropfen mehr darin bleibt Gotthelf 9, 168. —
 
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vertropfung, f.: naturwissenschaftliches; verstäubung, vertropfung, verdunstung Göthe III 7, 222 W.; an manchen pflanzen, ..., zeigt sich eine solche vertropfung selbst an den frühesten organen; die cacalia articulata entläszt sehr starke tropfen aus den jungen zweigen und blättern, die sie hervortreibt II 6, 201. —
 
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vertroppen, v., als tropus deuten, erklären: aber last uns ihm zugeben, das er diesen text also vertroppe: dieser becher ist ein zeichen des neuen testamentes in meinem blute, auf das blut hie nicht ein tropus, sondern recht blut sey Luther 26, 467 W., ferner 26, 485.

 

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