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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertriefen bis vertrödeln (Bd. 25, Sp. 1999 bis 2005)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertriefen, v. , seit dem 16. jahrh. belegt, in den frühnhd. wb. selten (Faber thesaurus 316a), nicht bei Adelung; Campe 5, 391. auch mundartlich wenig gebräuchlich: Fischer 2, 1388 (veraltet); mnd. vordrepen Diefenbach-Wülcker 569.
1) durch triefen trocken werden: hernach schleifte ich ihn auf den mist, dasz er sich wieder ein wenig erholen und die kleidung vertrieffen möcht Grimmelshausen 3, 380 Keller. besonders in recepten: stells (die in ziegenmilch aufgeweichten schwämme) darnach auf ein sib, bisz sie vertrieffen Gäbelkover artzneybuch 2, 85; wasche es (das salzfleisch) fein aus der lacke, und lasz es vertrieffen, hänge es in rauch Noel Chomel 4, 196. sehr häufig ist frühnhd. einem die sporen vertriefen lassen, ihn warten lassen, bis die sporen trocken geworden sind: Agricola 750 teutscher sprichw. l 1b; schöne weise klugreden 92a; da liesz man ihm die sporen zuvor wol vertrieffen,

[Bd. 25, Sp. 2000]


ehe man ihm die thor geöffnet Spangenberg Mansf. chron. 133a; Fr. Wilhelms sprichw.-reg. Z β nr. 25; Kramer 2, 1141a; Schellhorn sprichw. 72; verallgemeinert: gott lest auch den frommen umb gewisser ursach willen die sporen manchmahl, sonderlich in zeitlichen und leiblichen sachen, wol vertrieffen Mathesius Syrach 3, 76a; sperabam iam deferbuisse adolescentiam, ich hoffte, es solten ihm die sporen nu vertroffen sein, er solte die kinderschue vertretten haben, der kützel solte ihm vergangen sein Bas. Faber thes. erud. 225b. vgl. die sporen ertriefen th. X 1, sp. 2681 f. schöne weise klugreden und Schellhorn erklären die nässe der sporen durch reiten in schnee und regen; man könnte auch an sporen denken, die durch wildes, ungestümes reiten blutig geworden sind.
2) andere gebrauchsarten sind mehr vereinzelt:
a) durch triefen hinschwinden, triefend vergehen:

aber wenns schmer ist vertroffen
und das bier auszgesoffen,
so hat sich auch der tellerlecker verlauffen
Herberger hertzpostille 1, 368;

ähnlich Lipperheide spruchwb. 225b; einer in wenig stunden vertriefenden begräbnüszfackel Lohenstein Arminius 1, 656a.
b) das part. prät. vertroffen vergossen: mein vertroffen blut Gryphius trauersp. 376 Palm.
c) in kummer (unter thränen?) dahinleben: damit ich ... meinen trauten fräund nicht länger im zweifel vertrühffen lahsse Zesen adr. Rosemund 59 ndr.
d) das leben v.:
α) armselig hinbringen: ir armselig leben jämerlich in eim spital vertrieffen und vertropfen Fischart binenkorb 50a.
β) triefend sterben:

... sich schaukelnd hackt er (der aras) des schnabels
spitzige krümmung mit gier tief in die schwellendste frucht (ananas),
und wo diese, zerfleischt, ihr leben vertriefet, dort nippt sich
einen tropfen sodann, flatternd der kolibri weg
Ferd. v. Saar 3, 72.


vertrieficht, adj., serescens, desiccans Stieler 2329.
 
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vertriegen, v., s. vertrogen.
 
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vertrillen, v., schriftsprachlich vereinzelt, unnütz hinbringen, vertrödeln:

ein dummes mägdechor ...
verklappert und vertrillt ...
den tag mit puppenwerk
Eschenburg beispielsammlung 2, 228.

es besteht wohl zusammenhang mit mundartlich vertrüllen 'zusammendrehen' schweiz. id. 1, 911; Stalder 1, 313; appenzell. Tobler 190b; els. verdrillen 'verdrehen, verwickeln' Martin - Lienhart 2, 753; vertrullen 'fäden oder haare zusammenflechten' 2, 754 und vertrollen 'schlecht spinnen, verspinnen' Stalder 1, 306; Fischer 2, 1390; Schmeller - Fr. 1, 661; vertröllern westerwäld. Schmidt 312. vgl. ein ähnliches bedeutungsverhältnis bei vertrödeln.
 
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vertrillern, v. Campe; vereinzelte bildung zu triller: es wird dann nur der wert der note bis zum punkt vertrillert und dann ohne nachschlag innegehalten Riemann musiklexikon 9 1219a.
 
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vertrinken, v. , seit ahd. zeit belegt (s. u.); mhd. wb. 3, 92; Lexer 3, 276; Jelinek 852; mnd. vordrinken. mundartlich lebendig, s. schweiz. id. 1, 910; Martin-Lienhart 2, 761; Fischer 2, 1389; Schmeller-Fr. 1, 668; lux. mundart 458; Woeste 290; Frischbier 2, 442; brem.-nieders. wb. 1, 247; holstein. Schütze 1, 256; Stürenburg 310b; Schmidt-Petersen 37b; im mitteld. anscheinend selten, ostmd. belege fehlen. mndl., ndl. verdrinken, fries. fordrinke Dijkstra 1, 396, ags. fordrincan.
1) in älterer zeit und mundartlich 'ertrinken', submergi voc. 1482 kk 1a; Diefenbach 358c, 560c; naufragare 376b. ahd.: da Pharao unte sin here inne verdranc Williram 15, 5 (lesart A, sonst irdrank). mnd. Schiller-Lübben 5, 345a; mhd. wb. Lexer: ê ers icht wizze, so ist er vortrunken

[Bd. 25, Sp. 2001]


als die von Egyptumlande altd. predigten 1, 44 Schönbach. nhd.:

sie maintend, der kaiser wer gstorben,
vertrunken mit seim hör hist. volkslieder 4, 228 Liliencron (1543).

sehr beliebt in sprichwörtern und redensarten: sinken aber nit v. Zinkgref apophthegmata 258; Kirchhofer schweiz. spr. 130; Fischer 2, 1389; Martin - Lienhart 2, 761; was an galgen gehört, vertrinkt nit Lüpkes seemannsspr. 124; Fischer; de besten swemmers vordrinken meist Tunnicius nr. 306; horae belg. 9, 13; daar verdrinken mehr inr glas as in de see Lüpkes 36; ähnlich Kern-Wilms Ostfriesl. 96; mit einem vordrunken kinde is quât spelen Tunnicius nr. 752; ähnlich horae belg. 9, 33; wann das kind vertruncken ist, ist es zu spät den brunnen zuzumachen Apherdianus methodus discendi 279; ähnlich Tunnicius nr. 27; horae belg. 9, 4; Kern - Wilms 30; Kirchhofer 284. in neuerer zeit literarisch ungewöhnlich: ein Cäsar läszt die heiligen vögel vertrinken, wenn sie nicht fressen wollen Möser 1, 42 (oder zu 2 gehörig?).
2) ungewöhnlich ist entsprechender transitiver gebrauch: submergere Diefenbach nov. gl. 353a; niederl. horae belg. 9, 34; ostfries. Stürenburg 310b; ebenso reflexiv he het sik verdrunken brem.-nieders. wb. 1, 247; holstein. Schütze 1, 256.
3) reflexiv: sich satt trinken, sich betrinken. mhd.:

comedite amici mei et inebriamini mi carissimi:
ezzet vaste nu zur stunde,
vortrinket uch mine liben vrunde, ...,
vortrinket uch an miner libe
Brun v. Schonebeck 8538;

dune solt dich nicht vortrinken des wins altd. predigten 1, 8 Schönbach. in neuerer zeit selten: wenn Weber toll geworden ist, so hat er sich nicht an der altdeutschen poesie vertrunken Jac. Grimm briefe der br. Grimm an Benecke 87. mnd. belegen Schiller-Lübben 5, 345 auch den entsprechenden transitiven gebrauch: wultu enen vordrynken, dat he sat werde.
4) nahe steht das part. prät.:
a) mnd. (Schiller-Lübben 5, 346b) und mhd. einer, der zu viel getrunken hat, betrunken:

lezistu scenken dinin win
den luten, die vertrungken sin
Werner v. Elmendorf 477.

nhd. nur ganz vereinzelt: Steinbach 2, 877.
dazu vertrunkenheit temulentia Diefenbach, ebrietas Diefenbach - Wülcker; pro trunkenheit Steinbach 2, 877; mnd. Schiller-Lübben; mhd.:

wan wer win trinket zu phlege
und vorchtet sin vortrunkenheit
(wan sy ist gar schentlich cleit),
der mischet den win zu maze buch Hiob 6057 K.


b) häufiger wie versoffen, einer der zu viel zu trinken pflegt, trunksüchtig, ebriosus: mnd. Schiller-Lübben, nhd. Frisius, Maaler 436b, Steinbach, Dentzler, mundartlich: schweiz. id. 1, 908, els. Martin-Lienhart, schwäb. Fischer (veraltet):

wo im hausz ist ein loser man,
vertruncken, bübisch und verspilt
H. Sachs 7, 152 K.;

in neuerer zeit ziemlich selten: ein zuchthaus, das eine versammlung liederlicher, vertrunkener, verlumpter müsziggänger ist Lavater physiogn. fragm. 1, 75; der stadtpfeifer, ein vertrunkener man G. Keller 5, 229.
dazu vertrunkenheit: fraszheit oder verdrunkenheit Oxforder benedictinerregel 22, 14; gewonheit voll ze seyn, ebriositas Maaler 436b; Schottel haubtspr. 345; Steinbach; veraltet Fischer 2, 1391.
5) mundartlich sich vertrinken, sich durch trinken einen schaden zuziehen: lux. mundart 458, Woeste 290a, brem.-nieders. wb. 1, 247.
6) mundartlich und in älterer zeit gewöhnlich ist verbindung mit näherem object, das die veranlassung zum trinken ausdrückt:

[Bd. 25, Sp. 2002]



a) mit persönl. object: das todtenvertrincken epulae ferales Frisius 551a; ähnlich die seel vertrincken H. Sachs 5, 271 K.; vertrincken die kinder also (bei der taufe) Till Eulenspiegel 5 ndr.; hierher wohl auch: verheiraten und zwar beim trinken, mich hat man jung vertrunken Frischbier.
b) mit sächl. object: einen weinkauf zu vertrincken Wickram 2, 246 B.; auch noch in neuerer zeit: seinen geniestreich im rheinwein zu vertrinken briefe von und an Herwegh 60. soldatensprachlich: wenn die nummer des gewehres eines soldaten mit der parole übereinstimmt, so wird die gewehrnummer vertrunken, ebenso auch die stuben-, regiments- oder kompagnienummer Horn soldatensprache 89.
7) auf jemandes kosten trinken, durch trinken schädigen. mnd.: welcke markgenote des weigerte, den mach men vordrinken up ses penninge (1339) Schiller-Lübben 5, 345b; brem.-nieders. wb. 1, 427; die armen leute verzehren und vertrinken Schmeller-Fr. 1, 668; wer aber saumig wurde, den sol man vertrinken umb ein zimblich taglohn (1504) Fischer 2, 1389.
8) gewöhnlich und heute schriftsprachlich allein lebendig: durch trinken verbrauchen, verzehren, verschwinden lassen: consumere potando Stieler 2331; rem potando minuere Dentzler, Steinbach.
a) das object bezeichnet:
α) zuweilen das getränk: ein gut fasz bier zu vertrincken Barth. Krüger Hans Clawert 27 ndr.; mehr wein als er vertrinken mochte Arnim 4, 250 Grimm.
β) häufiger das geld, das beim trinken draufgeht. mhd.:

min lieber gast, nu siz herzuo, vertrink ein halbez pfunt minnesinger 3, 295;

60 ungarische guldin, dy in der meister gab zu vortrynken Marienburger tresslerbuch 110 J. nhd.: wenn aber jeder gelehrte auch nur das, was er verraucht und vertrinkt, dem buchhändler zutrüge Lagarde deutsche schr. 265. insonderheit gerichtsgebühren und strafgelder: do von (von den berufungsgebühren) sal der hofemeister iclichs vorsprochen (fürsprecher) 1 β θ widergebe zu vertrinken weisthümer 6, 104 (1415);

iedoch wirst du zu busz uns allen
ein gulden deins gelts lassen fallen,
den wir vertrincken, wenn uns dürst
H. Sachs 14, 231 K.-G.;

die bierstrafe ..., bey den handwerkern eine geringe strafe, ..., weil sie meistentheils im biere vertrunken wird Adelung 1, 1011.
γ) anderen besitz. mhd.: dû solt ir (der frau) guot nicht andern wîben geben, noch verspiln, noch vertrinken Berthold v. Regensburg 1, 319 Pf.; 1, 431. nhd.: und haben die knaben umb speise gegeben und die maidlin umb wein verkauft und vertrunken Luther bibel 4, 383 Bindseil; wollen wir unser erbe verspielen oder vertrinken? Hauff 4, 216.
b) das getränk wird durch eine verbindung mit in ausgedrückt; in älterer zeit mit dem accusativ: und vertrinckt das gelt in bayrischen wein Lindener katzipori 120 lit. v.; da het er in das bier vertruncken und in die würst verfressen achtzig pfenning Schumann nachtbüchlein 239 B. in neuerer zeit mit dem dativ:

'ja', seufzte der kleine, 'pater, mich friert auch gar zu sehr,
hab keinen rock und höslein und auch kein hemde mehr,
ich habe das alles vertrunken in altem, süszem wein'
Freytag 1, 331.

daneben begegnet auch an: das gelt am guten wein vertrincken Moscherosch Philander 2, 258.
c) mehrfach ist übertragener gebrauch:
α) den verstand v.:

swâ die sinne vertrinkt ein jüngelinc Haupts zeitschr. 8, 565 (der jüngling);

hab schier vertruncken witz und sin
H. Sachs 12, 520 K.


β) die gesundheit: durch solches gesundheitstrinken meine eigne zu vertrincken Lindenborn Diogenes 1, 39.

[Bd. 25, Sp. 2003]



γ) durch trinken versäumen: andere ... vertrincken und verschlaffen ihre horas oder tagzeiten treulich Albertinus Lucifers königreich 64, 2 Liliencron; sein glück v., négliger sa fortune en buvant Schwan nouv. dict. 2, 938b.
δ) die zeit trinkend hinbringen:

anakreontisch leben,
die edle zeit vertrinken,
beym weine sie verbuhlen das neueste a. d. anmuth. gelehrs. 6, 620;

wenn nach dem heftgen wirbeltanz
die nächte schmausend man vertrinket
Göthe 14, 15 W. (Faust 205).


ε) sich trinkend über etwas hinwegsetzen: derowegen sey der ungmut und ungfall zu oftermalen zu verlachen, zu verachten, zu versingen, verspringen, verdantzen, vertrincken, verpfeiffen, verspielen und auf andere weg zu verkurtzweilen und zu verjagen Fischart 2, 16 Hauffen;

gram und sorg auf einmal zu vertrinken
Göthe 2, 106 W.


 
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vertripplistreicheln, v., vereinzelt, mit trippeln und streicheln hinbringen:

behüte gott, das führt euch weit!
caffee und billard! weh dem spiel!
die mägdlein, ach sie geilen viel.
vertripplistreichelt eure zeit
Göthe 39, 282 W.


 
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vertrischaken, v., mundartl. 'verprügeln' Fischer 2, 1390, brem.-niedersächs. wb. 2, 107.
 
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vertrochen s. vertrechen, dazu vertrochenlich, adv., in abscondito, clam Scherz; v. und verborgenlich Geiler v. Keisersberg postill 3, 99.
 
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vertrocknen, v. , mhd. vertruckenen mhd. wb. 3, 119; Lexer 3, 276. noch im 16. jahrh. überwiegen formen mit u (vertrücknen mit umlaut Ryff spiegel u. reg. 16a), sind auch im 17. nicht selten (Hulsius-Ravellus 359b; Moscherosch Philander 2, 110; Treuer Dädalus 1, 829; Stieler 2326) und reichen bis ins 18. hinein (Kramer 2, 1156c, v. Fleming, s. u. 1 d α). doch haben schon Luther (s. u. 1 a, e, 2) und Fischart (1 d β) o, H. Sachs schwankt. bei Luther stets formen ohne n (vertrocken, vertrockte), auch bei Tauler vertruckent (s. u. 1 a). mundartlich vertrückne Fischer schwäb. wb. 2, 1390, verdrechenen luxemb. mundart 458. bedeutung und gebrauch:
1) weitüberwiegend ist intrans. gebrauch: 'trocken werden' Hulsius-Ravellus 359b, arescere Dentzler, Steinbach, interarescere Reyher, siccari Dentzler, exiccari Faber, aber nur selten schlechthin mit 'trocken werden' identisch: wie die thal, alldweil waszerbäch dreyn flieszen, vol sein, wenn aber die flt vergan, vertrocknen sie Ambach vom zusauffen c 3b; unter söricht th. 10, 1, 1811 beleg aus Mathesius Sarepta 35a. im allgemeinen gebraucht man vertrocknen nicht von allen dingen, welche eine feuchtigkeit verlieren (Stosch 3, 103), sondern nur von solchen, die durch den verlust an feuchtigkeit leiden oder zu grunde gehen: flacere Diefenbach; distabescere Reyher; die zum leben und dasein nöthige feuchtigkeit verlieren Voigtel 3, 543b.
a) von künstlichen und natürlichen gewässern: wanne die zisternen die fulent und vertruckent Tauler predigten 61 V.; am ersten tage des ersten monden vertrockte das gewesser auff erden Luther 24, 194 W.;

ein volck, plagt mit unfruchtbarkeit,
dem vertrucknen im land ir bech
H. Sachs 18, 419 G.;

wenn eine sechswöchnerin aus einem brunnen wasser holet, so ... vertrocknet der brunnen J. G. Schmidt rockenphilosophia 2, 306; nach und nach vertrocknete der see Laistner nebelsagen 118. oft übertragen: was aber nit ausz grund der schrift fleust, ..., ist ein mertzen quell, vertrucknet leichtlich Ambach von tantzen D 1b; in jahren, wo der lebensquell seiner geister schon stille steht oder zu vertrocknen anfängt Herder 5, 104 S.;

[Bd. 25, Sp. 2004]


alle hülfsquellen des staates (waren) vertrocknet Moltke ges. schr. 2, 54.
b) von feuchtigkeit: wer ubel dauet, ynn dem vertrucknet die naturliche feuchtigkeit Agricola 750 teutsch. sprichw. m 2a;

vertrknet ist wi scherben dur mein saft,
meine zng klebt am gaumen ob behaft
Schede psalmen 79 ndr.;

schüzzet diese zarte schrift, die nur ausz der feder fleusset,
derer jungen dintennässe kaum kaum noch vertruknet klebt
Stieler geharnschte Venus 62 ndr.;

das blut der unschuldigen, das zum himmel schrie, vertrocknete ungerächt Dahlmann gesch. v. Dänemark 3, 551. besonders von thränen: ich sah sie (die thräne) wie einen thautropfen am busen der jungen rose vertrocknen Pfeffel pros. versuche 5, 101; die spuren vertrockneter thränen überall auf dem gesicht Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 58, doch stellt sich diese verbindung häufiger zu a): die thränen hören auf zu flieszen wie eine quelle oder ein bach: vertrocknet war die quelle der thränen Klinger 4, 34; ehe (wird) mein leben zu ende laufen, als meine thränen über seinen todt vertrocknen A. U. v. Braunschweig Octavia 4, 594; Tieck 9, 155.
c) von gefäszen, die flüssigkeit enthalten:

sie stammeln und stottern und schwatzen zuletzt,
und gleich sind vertrocknet die krüge
Göthe 1, 207 W.;

am vertrockneten becken des springborns Geibel 5, 95.
d) von organischem, das innere oder äuszere feuchtigkeit braucht:
α) von menschen und thieren: der wird von seinen alten vorlebten eltern, derer leib schon erstorben und vertrucknet war, geborn Schaller theol. heroldt 201; etzliche setzen die krote in einen kefich, so mit rothen tuch beschlagen, stellen ihn etzliche tage an die heisse sonne, dasz sie allgemach vertruckne Fleming teutsche soldat 364a; die vertrocknete biene Lenz ged. 35 Weinhold; als alte jungfer zu vertrocknen Schopenhauer 5, 658 Gr.; den alten A. E., der in der trockenen, kalten alpenluft fast zur mumie vertrocknet war Rosegger 10, 335; was am galgen vertrocknen soll, ersäuft nicht im wasser Lüpkes seemannsspr. 124. übertragen: ich vertrockne seit einiger zeit, weil alle meine bücherquellen sich verstopfen Caroline 1, 34 Waitz; in dem scheinbar vertrockneten actenmenschen jahrb. d. Grillparzerges. 3, 24.
β) von einzelnen organen, körpertheilen: meine zunge vertrockne, wenn sie je einer deiner schwestern liebkoset Meiszner skizzen 2, 188; meine augen sollen vertrocknen, weinen sie noch einmal über Guelfos zweyten sohn Klinger 1, 26; da risz sie die vertrockneten augen weit auf Eichendorf 3, 58. öfter als bild für den durst: ihr seid warlich frisch munds, laszt in nur nicht vertrocknen Fischart geschichtsklitt. 208 ndr.; die vertrocknete dürre käl binenkorb 89b; im anblick eines meers vertrocknet meine zunge Arnim 16, 276 Grimm. übertragen:

kein ruh hab ich bey tag und nacht,
das marck inn bein verdrocknet
Fischer-Tümpel kirchenlied 1, 209;

die ader des Ronsard, der ein geborner poet war, vertrocknete ganze monate lang Ramler einl. i. d. schönen wissenschaften 1, 31; griesgrämliche richter mit vertrocknetem herzen Göthe 42, 2, 483 W.
γ) von pflanzen und pflanzentheilen: die ... sonnenstrahlen können bald das ende mit den blumen machen; ja wenn sich auch dieser keines begeben solte, würden sie doch von sich selbsten abfallen und vertrocknen Harsdörfer gesprechsp. 4, 344; vertrocknetes laub Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim 2, 83;

schnell vertrocknen zwei der dreien zweige
und der dritte blühet
Herder 25, 457 S.;

der hauptstamm, 12 fusz von der erde, war innwendig vertrocknet und morsch, ja wurmstichig Göthe IV 20,

[Bd. 25, Sp. 2005]


309 W.; ein vertrocknetes blumensträuszchen G. Keller 3, 197. übertragen: dasz dieser neue handelszweig ... vertrocknen würde v. Schubert verm. schr. 2, 215.
e) von sonstigen gegenständen, die einer gewissen feuchtigkeit bedürfen:

denn sie (die sonne) fürhin so scharpf und spitz
sticht, das ich (die erde) oft vor grosser hitz
zerreissen musz und gar vertrucken
Burkard Waldis Esopus 1, 349 Kurz;

nach dem weggeworfenen vertrockneten brode hungern Tieck 4, 276; die thüren zu dem üppigen wohnhause der königin sind vertrocknet Scherr Blücher 4, 1, 316.
f) von geistigem und seelischem: odder aber Myritianus kunst ist so seichte gewest, das sie so bald vertrocket ist und nichts mehr kan Luther 26, 552 W.;

dasz mir vertrucknet macht und kraft
und mir aussdorret aller saft
H. Sachs 18, 138 G.;

vertrocknend welkt alsdann all meine hoffnung hin
F. L. Hederich bei
Bode Montaigne 2, 71;

den zwar noch immer respectablen, aber zuletzt doch ganz mumienhaft vertrockneten byzantinischen stil Göthe IV 35, 300 W.; da der protestantismus ... in seinen cultusformen vertrocknet, in seiner verfassung unfertig und mithin keiner ausbreitung fähig war Treitschke d. gesch. 3, 215.
2) transitiver gebrauch ist seltener (im hochdeutschen ungewöhnlich Adelung), kommt aber bis zur neuesten zeit vor: exsiccare Diefenbach gloss.; arefacere nov. gloss.; da der herr, eur gott, das wasser des Jordans vertrockete für euch, bis ir hinüber gienget Luther bibel 2, 7 Bindseil; wie denn traurigkeit pflegt das leben zu verzeren wie eine schwindsucht und das marck aus dem leibe zu vertrocken 34, 2, 465 W.;

könnten unsre töne des armen Deutschlands
jammer stillen und seiner bittern thränen ströme vertrocknen!
Herder 27, 105 S.;

nur der frost der lässigkeit vertrocknet das herz Zimmermann über die einsamkeit 4, 162; wer ist es, der die reifen früchte von unsern bäumen schüttelt, der kuh die milch in dem euter vertrocknet ...? Klinger 2, 252; alle welt krankt hier an dem vertrocknenden frühjahre Pückler briefwechsel und tageb. 6, 118; freier: ein glühendes feuer ..., dessen glut uns ... den atem im munde vertrocknen will Eulenberg neue bilder 341.
3) ungewöhnlich ist reflexive verwendung:

er war eine der naturen,
die im centrum aller sonnen
feuer tragen in dem blute,
das sich in sich selbst vertrocknet
Brentano 3, 133.


 
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vertrocknung, f. , exalatio Diefenbach. häufiger erst in neuerer zeit.
a) der vorgang des vertrocknens: vertrocknung des öles Schubert verm. schr. 4, 356. übertragen: das phlegma eines überladenen gehirns ... vor einer gänzlichen vertrocknung zu bewahren Thümmel reise in die mittägl. prov. 3, 141.
b) der zustand des vertrocknetseins: die merkwürdige eigenschaft des wiederauflebens des gemeinen polypen nach langer vertrocknung Oken allg. naturgesch. 5, 52.
c) das ergebnis des vertrocknens: als veränderungen, verlängerungen, vertrocknungen der haut müssen die haare, federn, schuppen, nägel und hörner angesehen werden Oken allg. naturgesch. 4, 92.
vertroddeln, vertrodden, v., s. DWB vertrotteln.
 
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vertrödeln, v. , erst in neuerer zeit belegt, fehlt auch noch den wb. des 16. u. 17. jahrh.; ältester beleg bei Bastel v. d. Sohle (s. u. 3); gebucht erst bei Schwan nouv. dict. 2, 939a, Adelung, Campe, Kindleben. mundartlich häufig, z. th. in der form vertrüdeln, vertrudeln: schweiz. Stalder 1, 306; Martin-Lienhart 2, 742; thür. Hertel 247, 248; obersächs. Müller-Fraureuth 1, 252; 255; Albrecht leipz. ma. 231a; berl. Meyer 128a; Brendicke

[Bd. 25, Sp. 2006]


189a; mansf. Jecht 114a; wald. Bauer-Collitz 139; altmärk. Danneil 240b; steir. vertrotteln Unger-Khull 222a. nicht bei Fischer und Schmeller.
1) gewöhnlich zu trödel, altware: der mann mag seinen rock abtragen und die frau den ihrigen vertrödeln, sobald er nur einigermaszen aus dermode kommt Göthe 22, 144 W.; hier genosz sich der soldat, die gefangenen und die beute vertrödelnd und das geld vergeudend Niebuhr röm. gesch. 3, 584. bildlich: meine seele zum prunkkleid an narren vertrödeln maler Müller 1, 362. auf geistiges übertragen: herumlaufen und avisen vertrödeln J. G. Schmidt rockenphil. 2, 401. — dazu vertrödler: seinen alten freund Peters, den vertrödler seines schreins Gutzkow ritter v. geiste 5, 327.
2) in allgemeinerem sinne vom verkauf von büchern, wohl vom colportageverkauf ausgehend: durch die kolporteurs verkaufen und vertrödeln lassen Lessing 17, 303 M.; aber auch freier: einen nachdruck der büschingschen erdbeschreibung, der im reich vertrödelt wird allg. d. bibl. 105, 208.
3) in naheliegender bedeutungsnuancierung, 'um einen geringen preis verkaufen' (Kindleben), 'leichtsinnig verkaufen' (Bauer-Collitz), verthun: verkaufte das eine hausz, verpfendete das ander, und in der warheit vertrödelte sie alle Bastel v. d. Sohle Harnisch aus Fleckenland 83. geld leichtsinnig ausgeben: dasz sie das geld damit vertrödeln Chr. Reuter d. ehrl. fr. Schlampampe krankh. u. tod 107 ndr.; und vertrödelte man sogar noch extra 100 000 thaler für goldne bischofsmützen, festonnierte chorhemden, buntgestickte meszgewänder und ähnlichen kram Heine 3, 388 E. übertragen: die zeit zu vertrödeln schr. d. Götheges. 2, 341; allgemein, auch seine zeit v.; man vertrödelt das leben in allerlei übungsversuchen Göthe IV 31, 114 W.; freier: die lange weile auf der gasse vertrödeln Weise erznarren 36 ndr.
4) zu trödeln, zögern, saumselig sein; selten reflexiv: mit dem plaudern hab ich mich vertrödelt Holtei erz. schr. 17, 135. öfter trans., versäumen, vernachlässigen: in meinem leichtsinne hätte ich beinahe auch diese mir so naheliegende aufgabe vertrödelt Laube 1, 90; wenn V. seinen brief vertrödeln sollte Droste - Hülshoff briefe 50 Cardauns.
5) mundartlich zuweilen wie vertrillen, vertrollen, vertrüllen 'fäden verwirren, in unordnung bringen' Stalder 1, 306, ebenso vertrudeln Müller-Fraureuth 1, 255. — dazu vertrödelung: die zwei lachten unverschämt ob der wirren vertrödelung so heiliger verse Federer berge und menschen 28.

 

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