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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertreugen bis vertripplistreicheln (Bd. 25, Sp. 1998 bis 2003)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertreugen, v., vertrocknen; oberd. unbekannt, md. vertrûgen, verdrûgen mhd. wb. 3, 119; Lexer 3, 277; Diefenbach 219a; nhd. vertreugen Stieler 2326; Steinbach 2, 868; schles. Weinhold hs. t 102a; cöln. verdrügen Hönig; nordthür. frtrī Hentrich. literarisch nur in älterer zeit: mhd. vertrugen sachsensp. 2, 56; chron. d. d. st. 13, 78; Hiob 7993 K. nhd.:

besser am galgen zu vertreugen,
denn das er solt mehr kinder zeugen
Waldis Esopus 1, 349 Kurz;

auch der feder saft vertreugt
Gryphius ged. 435 Palm;

das ist ein quell, der nie vertreugt
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. 3, 262.

seltener vertrögen:

es würden seine (des meeres) quellen
vertrögen über ihr (der liebesflamme)
Stieler geh. Venus 50 ndr.;

dazu mnd. vordrogen Schiller-Lübben; arefacere Diefenbach gl. 219b, nov. gl. 33; mndl. verdrogen, mundartlich verdrögen meckl. Mi 100b; westfäl. Woeste 290b; pomm. Dähnert 519b; fries. fordrœgje Dijkstra 1, 396.
 
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vertreulich, adj., s. vertraulich.
 
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vertrieb, m. , seit dem 16. jahrh. belegt, aber erst im 18. häufiger.

[Bd. 25, Sp. 1999]



1) vereinzelt zu vertreiben I:
a) zu I 1: e das beschach, waren vil uberlöuf, v., row und todschläg an geistlichen und weltlichen ergangen V. Anshelm Bernerchron. 4, 239 hist. ver.
b) zu I 4: zum v. der stunden Platen 2, 9 Hempel.
2) gewöhnlich zu vertreiben II 3, absatz, verkauf, umsatz von waren (ältester beleg Thurneisser, s. u.): Hulsius - Ravellus (1616) 359a; Dentzler 315b; Hübner zeitungslex. (1824) 4, 805a; weswegen ich einen (verleger) wünsche, der, wenn er mich auch übervortheilt, den v. recht gut versteht J. v. Müller in briefw. zw. Gleim, Heinse u. J. v. Müller 2, 345; die länder, die ihm rohe produkte zum v. liefern Herder 15, 32 S.; wir empfehlen ew. wohlgeb. den Phöbus, sowohl was die einsammlung der bestellungen, als den v. selbst betrifft, auf das angelegentlichste und dringendste Kleist 5, 363 E. Schm. eine ware hat, findet v.: als die allaun ihren guten und stettigen v. oder abgenge gehabt Thurneysser magna alchymia 70; obwohl meine beutel guten v. fanden Musäus volksm. 1, 64 Hempel. ebenso der hersteller oder verkäufer der ware: sie (eine fabrik) macht ziemlich gute waare, und hat so viel v., dasz alle dazu gehörigen anstalten und personen von dem vortheile erhalten werden Nicolai reise durch Deutschl. u. d. Schweiz 1, 184; er ... fand damit (mit bildern) guten v. Musäus volksm. 2, 111 Hempel. oft mit dem objectiven genitiv: von dem verlag, einfuhre und v. der bücher Leibnitz deutsche schr. 2, 281; einen groszen v. gesuchter waaren Göthe 25, 1, 108 W.; zu einem schwunghaften v. der gewerblichen producte Bismarck polit. reden 1, 133 Kohl.
häufig sind zusammensetzungen: vertriebsanstalt Menz deutsche buchhändler 29, -apparat 42, -arbeit 43; -artikel hwb. d. staatswiss. 72, 373; -aufgabe Menz 42; -form hwb. d. staatswiss. 72, 205; -gegenstand Menz 26, -kosten 31, -masznahme 33, -netz 39; -stelle Kayssler schauspielernotizen 2, 132; -thätigkeit Menz 26, -unkosten 75; -weise hwb. d. staatswiss. 22, 54; -werk Menz 33.
übertragener gebrauch ist selten: die nation, die eigne oder fremde ideen durch sprache und v. zu verbreiten sich von jeher angelegen seyn liesz Herder 23, 83 S.; zu den zeiten Paulis, wo die volksphantasie in aller art wucherte, wurden solche rätsel aus dem lebendigen vertriebe in druck gesammelt Gervinus gesch. d. d. dicht. 2, 27; der jetzt unter dem namen patriotismus (in den schulen) gepflegte v. gewisser politischer und historischer ansichten Lagarde d. schr. 232.
 
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vertriebeln, v., vereinzelte bildung: dasz sie (die flöhe) die weiber verrieblen und vertrieblen mögen, wie sie wollen Grimmelshausen 1, 406 Keller.
 
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vertriebenheit, f.
a) zu vertreiben I 1, der zustand des vertriebenen, verbannten: daz ich siner (des bösen geistes) vertribenheit ein vúrweser si in dinem (gottes) lobe Seuse 312 B.; nhd. nur vereinzelt: ... und ihn heimlocke aus seiner v. H. Stehr in neue rundschau 25 (1914), 210.
b) zu vertreiben II 2: auch die spiegelartige glätte und v. (der farben) ist noch quattrocentistisch Mackowsky Michelagniolo 46.
 
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vertriefen, v. , seit dem 16. jahrh. belegt, in den frühnhd. wb. selten (Faber thesaurus 316a), nicht bei Adelung; Campe 5, 391. auch mundartlich wenig gebräuchlich: Fischer 2, 1388 (veraltet); mnd. vordrepen Diefenbach-Wülcker 569.
1) durch triefen trocken werden: hernach schleifte ich ihn auf den mist, dasz er sich wieder ein wenig erholen und die kleidung vertrieffen möcht Grimmelshausen 3, 380 Keller. besonders in recepten: stells (die in ziegenmilch aufgeweichten schwämme) darnach auf ein sib, bisz sie vertrieffen Gäbelkover artzneybuch 2, 85; wasche es (das salzfleisch) fein aus der lacke, und lasz es vertrieffen, hänge es in rauch Noel Chomel 4, 196. sehr häufig ist frühnhd. einem die sporen vertriefen lassen, ihn warten lassen, bis die sporen trocken geworden sind: Agricola 750 teutscher sprichw. l 1b; schöne weise klugreden 92a; da liesz man ihm die sporen zuvor wol vertrieffen,

[Bd. 25, Sp. 2000]


ehe man ihm die thor geöffnet Spangenberg Mansf. chron. 133a; Fr. Wilhelms sprichw.-reg. Z β nr. 25; Kramer 2, 1141a; Schellhorn sprichw. 72; verallgemeinert: gott lest auch den frommen umb gewisser ursach willen die sporen manchmahl, sonderlich in zeitlichen und leiblichen sachen, wol vertrieffen Mathesius Syrach 3, 76a; sperabam iam deferbuisse adolescentiam, ich hoffte, es solten ihm die sporen nu vertroffen sein, er solte die kinderschue vertretten haben, der kützel solte ihm vergangen sein Bas. Faber thes. erud. 225b. vgl. die sporen ertriefen th. X 1, sp. 2681 f. schöne weise klugreden und Schellhorn erklären die nässe der sporen durch reiten in schnee und regen; man könnte auch an sporen denken, die durch wildes, ungestümes reiten blutig geworden sind.
2) andere gebrauchsarten sind mehr vereinzelt:
a) durch triefen hinschwinden, triefend vergehen:

aber wenns schmer ist vertroffen
und das bier auszgesoffen,
so hat sich auch der tellerlecker verlauffen
Herberger hertzpostille 1, 368;

ähnlich Lipperheide spruchwb. 225b; einer in wenig stunden vertriefenden begräbnüszfackel Lohenstein Arminius 1, 656a.
b) das part. prät. vertroffen vergossen: mein vertroffen blut Gryphius trauersp. 376 Palm.
c) in kummer (unter thränen?) dahinleben: damit ich ... meinen trauten fräund nicht länger im zweifel vertrühffen lahsse Zesen adr. Rosemund 59 ndr.
d) das leben v.:
α) armselig hinbringen: ir armselig leben jämerlich in eim spital vertrieffen und vertropfen Fischart binenkorb 50a.
β) triefend sterben:

... sich schaukelnd hackt er (der aras) des schnabels
spitzige krümmung mit gier tief in die schwellendste frucht (ananas),
und wo diese, zerfleischt, ihr leben vertriefet, dort nippt sich
einen tropfen sodann, flatternd der kolibri weg
Ferd. v. Saar 3, 72.


vertrieficht, adj., serescens, desiccans Stieler 2329.
 
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vertriegen, v., s. vertrogen.
 
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vertrillen, v., schriftsprachlich vereinzelt, unnütz hinbringen, vertrödeln:

ein dummes mägdechor ...
verklappert und vertrillt ...
den tag mit puppenwerk
Eschenburg beispielsammlung 2, 228.

es besteht wohl zusammenhang mit mundartlich vertrüllen 'zusammendrehen' schweiz. id. 1, 911; Stalder 1, 313; appenzell. Tobler 190b; els. verdrillen 'verdrehen, verwickeln' Martin - Lienhart 2, 753; vertrullen 'fäden oder haare zusammenflechten' 2, 754 und vertrollen 'schlecht spinnen, verspinnen' Stalder 1, 306; Fischer 2, 1390; Schmeller - Fr. 1, 661; vertröllern westerwäld. Schmidt 312. vgl. ein ähnliches bedeutungsverhältnis bei vertrödeln.
 
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vertrillern, v. Campe; vereinzelte bildung zu triller: es wird dann nur der wert der note bis zum punkt vertrillert und dann ohne nachschlag innegehalten Riemann musiklexikon 9 1219a.
 
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vertrinken, v. , seit ahd. zeit belegt (s. u.); mhd. wb. 3, 92; Lexer 3, 276; Jelinek 852; mnd. vordrinken. mundartlich lebendig, s. schweiz. id. 1, 910; Martin-Lienhart 2, 761; Fischer 2, 1389; Schmeller-Fr. 1, 668; lux. mundart 458; Woeste 290; Frischbier 2, 442; brem.-nieders. wb. 1, 247; holstein. Schütze 1, 256; Stürenburg 310b; Schmidt-Petersen 37b; im mitteld. anscheinend selten, ostmd. belege fehlen. mndl., ndl. verdrinken, fries. fordrinke Dijkstra 1, 396, ags. fordrincan.
1) in älterer zeit und mundartlich 'ertrinken', submergi voc. 1482 kk 1a; Diefenbach 358c, 560c; naufragare 376b. ahd.: da Pharao unte sin here inne verdranc Williram 15, 5 (lesart A, sonst irdrank). mnd. Schiller-Lübben 5, 345a; mhd. wb. Lexer: ê ers icht wizze, so ist er vortrunken

[Bd. 25, Sp. 2001]


als die von Egyptumlande altd. predigten 1, 44 Schönbach. nhd.:

sie maintend, der kaiser wer gstorben,
vertrunken mit seim hör hist. volkslieder 4, 228 Liliencron (1543).

sehr beliebt in sprichwörtern und redensarten: sinken aber nit v. Zinkgref apophthegmata 258; Kirchhofer schweiz. spr. 130; Fischer 2, 1389; Martin - Lienhart 2, 761; was an galgen gehört, vertrinkt nit Lüpkes seemannsspr. 124; Fischer; de besten swemmers vordrinken meist Tunnicius nr. 306; horae belg. 9, 13; daar verdrinken mehr inr glas as in de see Lüpkes 36; ähnlich Kern-Wilms Ostfriesl. 96; mit einem vordrunken kinde is quât spelen Tunnicius nr. 752; ähnlich horae belg. 9, 33; wann das kind vertruncken ist, ist es zu spät den brunnen zuzumachen Apherdianus methodus discendi 279; ähnlich Tunnicius nr. 27; horae belg. 9, 4; Kern - Wilms 30; Kirchhofer 284. in neuerer zeit literarisch ungewöhnlich: ein Cäsar läszt die heiligen vögel vertrinken, wenn sie nicht fressen wollen Möser 1, 42 (oder zu 2 gehörig?).
2) ungewöhnlich ist entsprechender transitiver gebrauch: submergere Diefenbach nov. gl. 353a; niederl. horae belg. 9, 34; ostfries. Stürenburg 310b; ebenso reflexiv he het sik verdrunken brem.-nieders. wb. 1, 247; holstein. Schütze 1, 256.
3) reflexiv: sich satt trinken, sich betrinken. mhd.:

comedite amici mei et inebriamini mi carissimi:
ezzet vaste nu zur stunde,
vortrinket uch mine liben vrunde, ...,
vortrinket uch an miner libe
Brun v. Schonebeck 8538;

dune solt dich nicht vortrinken des wins altd. predigten 1, 8 Schönbach. in neuerer zeit selten: wenn Weber toll geworden ist, so hat er sich nicht an der altdeutschen poesie vertrunken Jac. Grimm briefe der br. Grimm an Benecke 87. mnd. belegen Schiller-Lübben 5, 345 auch den entsprechenden transitiven gebrauch: wultu enen vordrynken, dat he sat werde.
4) nahe steht das part. prät.:
a) mnd. (Schiller-Lübben 5, 346b) und mhd. einer, der zu viel getrunken hat, betrunken:

lezistu scenken dinin win
den luten, die vertrungken sin
Werner v. Elmendorf 477.

nhd. nur ganz vereinzelt: Steinbach 2, 877.
dazu vertrunkenheit temulentia Diefenbach, ebrietas Diefenbach - Wülcker; pro trunkenheit Steinbach 2, 877; mnd. Schiller-Lübben; mhd.:

wan wer win trinket zu phlege
und vorchtet sin vortrunkenheit
(wan sy ist gar schentlich cleit),
der mischet den win zu maze buch Hiob 6057 K.


b) häufiger wie versoffen, einer der zu viel zu trinken pflegt, trunksüchtig, ebriosus: mnd. Schiller-Lübben, nhd. Frisius, Maaler 436b, Steinbach, Dentzler, mundartlich: schweiz. id. 1, 908, els. Martin-Lienhart, schwäb. Fischer (veraltet):

wo im hausz ist ein loser man,
vertruncken, bübisch und verspilt
H. Sachs 7, 152 K.;

in neuerer zeit ziemlich selten: ein zuchthaus, das eine versammlung liederlicher, vertrunkener, verlumpter müsziggänger ist Lavater physiogn. fragm. 1, 75; der stadtpfeifer, ein vertrunkener man G. Keller 5, 229.
dazu vertrunkenheit: fraszheit oder verdrunkenheit Oxforder benedictinerregel 22, 14; gewonheit voll ze seyn, ebriositas Maaler 436b; Schottel haubtspr. 345; Steinbach; veraltet Fischer 2, 1391.
5) mundartlich sich vertrinken, sich durch trinken einen schaden zuziehen: lux. mundart 458, Woeste 290a, brem.-nieders. wb. 1, 247.
6) mundartlich und in älterer zeit gewöhnlich ist verbindung mit näherem object, das die veranlassung zum trinken ausdrückt:

[Bd. 25, Sp. 2002]



a) mit persönl. object: das todtenvertrincken epulae ferales Frisius 551a; ähnlich die seel vertrincken H. Sachs 5, 271 K.; vertrincken die kinder also (bei der taufe) Till Eulenspiegel 5 ndr.; hierher wohl auch: verheiraten und zwar beim trinken, mich hat man jung vertrunken Frischbier.
b) mit sächl. object: einen weinkauf zu vertrincken Wickram 2, 246 B.; auch noch in neuerer zeit: seinen geniestreich im rheinwein zu vertrinken briefe von und an Herwegh 60. soldatensprachlich: wenn die nummer des gewehres eines soldaten mit der parole übereinstimmt, so wird die gewehrnummer vertrunken, ebenso auch die stuben-, regiments- oder kompagnienummer Horn soldatensprache 89.
7) auf jemandes kosten trinken, durch trinken schädigen. mnd.: welcke markgenote des weigerte, den mach men vordrinken up ses penninge (1339) Schiller-Lübben 5, 345b; brem.-nieders. wb. 1, 427; die armen leute verzehren und vertrinken Schmeller-Fr. 1, 668; wer aber saumig wurde, den sol man vertrinken umb ein zimblich taglohn (1504) Fischer 2, 1389.
8) gewöhnlich und heute schriftsprachlich allein lebendig: durch trinken verbrauchen, verzehren, verschwinden lassen: consumere potando Stieler 2331; rem potando minuere Dentzler, Steinbach.
a) das object bezeichnet:
α) zuweilen das getränk: ein gut fasz bier zu vertrincken Barth. Krüger Hans Clawert 27 ndr.; mehr wein als er vertrinken mochte Arnim 4, 250 Grimm.
β) häufiger das geld, das beim trinken draufgeht. mhd.:

min lieber gast, nu siz herzuo, vertrink ein halbez pfunt minnesinger 3, 295;

60 ungarische guldin, dy in der meister gab zu vortrynken Marienburger tresslerbuch 110 J. nhd.: wenn aber jeder gelehrte auch nur das, was er verraucht und vertrinkt, dem buchhändler zutrüge Lagarde deutsche schr. 265. insonderheit gerichtsgebühren und strafgelder: do von (von den berufungsgebühren) sal der hofemeister iclichs vorsprochen (fürsprecher) 1 β θ widergebe zu vertrinken weisthümer 6, 104 (1415);

iedoch wirst du zu busz uns allen
ein gulden deins gelts lassen fallen,
den wir vertrincken, wenn uns dürst
H. Sachs 14, 231 K.-G.;

die bierstrafe ..., bey den handwerkern eine geringe strafe, ..., weil sie meistentheils im biere vertrunken wird Adelung 1, 1011.
γ) anderen besitz. mhd.: dû solt ir (der frau) guot nicht andern wîben geben, noch verspiln, noch vertrinken Berthold v. Regensburg 1, 319 Pf.; 1, 431. nhd.: und haben die knaben umb speise gegeben und die maidlin umb wein verkauft und vertrunken Luther bibel 4, 383 Bindseil; wollen wir unser erbe verspielen oder vertrinken? Hauff 4, 216.
b) das getränk wird durch eine verbindung mit in ausgedrückt; in älterer zeit mit dem accusativ: und vertrinckt das gelt in bayrischen wein Lindener katzipori 120 lit. v.; da het er in das bier vertruncken und in die würst verfressen achtzig pfenning Schumann nachtbüchlein 239 B. in neuerer zeit mit dem dativ:

'ja', seufzte der kleine, 'pater, mich friert auch gar zu sehr,
hab keinen rock und höslein und auch kein hemde mehr,
ich habe das alles vertrunken in altem, süszem wein'
Freytag 1, 331.

daneben begegnet auch an: das gelt am guten wein vertrincken Moscherosch Philander 2, 258.
c) mehrfach ist übertragener gebrauch:
α) den verstand v.:

swâ die sinne vertrinkt ein jüngelinc Haupts zeitschr. 8, 565 (der jüngling);

hab schier vertruncken witz und sin
H. Sachs 12, 520 K.


β) die gesundheit: durch solches gesundheitstrinken meine eigne zu vertrincken Lindenborn Diogenes 1, 39.

[Bd. 25, Sp. 2003]



γ) durch trinken versäumen: andere ... vertrincken und verschlaffen ihre horas oder tagzeiten treulich Albertinus Lucifers königreich 64, 2 Liliencron; sein glück v., négliger sa fortune en buvant Schwan nouv. dict. 2, 938b.
δ) die zeit trinkend hinbringen:

anakreontisch leben,
die edle zeit vertrinken,
beym weine sie verbuhlen das neueste a. d. anmuth. gelehrs. 6, 620;

wenn nach dem heftgen wirbeltanz
die nächte schmausend man vertrinket
Göthe 14, 15 W. (Faust 205).


ε) sich trinkend über etwas hinwegsetzen: derowegen sey der ungmut und ungfall zu oftermalen zu verlachen, zu verachten, zu versingen, verspringen, verdantzen, vertrincken, verpfeiffen, verspielen und auf andere weg zu verkurtzweilen und zu verjagen Fischart 2, 16 Hauffen;

gram und sorg auf einmal zu vertrinken
Göthe 2, 106 W.


 
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vertripplistreicheln, v., vereinzelt, mit trippeln und streicheln hinbringen:

behüte gott, das führt euch weit!
caffee und billard! weh dem spiel!
die mägdlein, ach sie geilen viel.
vertripplistreichelt eure zeit
Göthe 39, 282 W.

 

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