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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertretungsstaat bis vertriebenheit (Bd. 25, Sp. 1998 bis 1999)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertretungsstaat, m. : in seiner philosophie steht er (F. Schlegel) schroff gegen die linke seite des zeitgeistes, gegen den vertretungsstaat, in dem er nur eine hölzerne regel des blos mechanischen gleichgewichts sieht Gervinus gesch. d. d. dichtung 5, 554. — vertretungssystem, n. : der musz ein gegner des französischen vertretungssystems sein, der ein wirklich freisinniger mann ist W. H. Riehl naturgeschichte des volkes 2, 13. — vertretungsverbindlichkeit, f. : ihre vertretungsverbindlichkeit (der gewerbetreibenden für ihre angestellten) erstreckt sich ... auf den vollen umfang der zollschuldigkeit hdwb. der staatswissenschaften 7, 985. — vertretungszeit, f. : dasz ja auch schlechte wahlen von volksvertretern möglich sind, dasz es diesen einfallen kann, ... ihre vertretungszeit nach belieben zu verlängern Dahlmann franz. revolution 258.
sonst zu 5, 'stellvertretung'. vertretungsstunde, f., hat vicariatstunde verdrängt: eine vertretungsstunde in prima zeitschr. d. d. sprachvereins 26, 293. — vertretungsweise, adv. : seine schönsten stunden kamen, wenn er vertretungsweise einmal in einem anderen fache als im zeichnen unterrichten durfte Th. Mann Buddenbrooks 2, 519; er hat die leitung des technischen betriebes nur vertretungsweise in seinen händen.
 
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vertreuen, v., s. vertrauen.
 
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vertreugen, v., vertrocknen; oberd. unbekannt, md. vertrûgen, verdrûgen mhd. wb. 3, 119; Lexer 3, 277; Diefenbach 219a; nhd. vertreugen Stieler 2326; Steinbach 2, 868; schles. Weinhold hs. t 102a; cöln. verdrügen Hönig; nordthür. frtrī Hentrich. literarisch nur in älterer zeit: mhd. vertrugen sachsensp. 2, 56; chron. d. d. st. 13, 78; Hiob 7993 K. nhd.:

besser am galgen zu vertreugen,
denn das er solt mehr kinder zeugen
Waldis Esopus 1, 349 Kurz;

auch der feder saft vertreugt
Gryphius ged. 435 Palm;

das ist ein quell, der nie vertreugt
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. 3, 262.

seltener vertrögen:

es würden seine (des meeres) quellen
vertrögen über ihr (der liebesflamme)
Stieler geh. Venus 50 ndr.;

dazu mnd. vordrogen Schiller-Lübben; arefacere Diefenbach gl. 219b, nov. gl. 33; mndl. verdrogen, mundartlich verdrögen meckl. Mi 100b; westfäl. Woeste 290b; pomm. Dähnert 519b; fries. fordrœgje Dijkstra 1, 396.
 
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vertreulich, adj., s. vertraulich.
 
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vertrieb, m. , seit dem 16. jahrh. belegt, aber erst im 18. häufiger.

[Bd. 25, Sp. 1999]



1) vereinzelt zu vertreiben I:
a) zu I 1: e das beschach, waren vil uberlöuf, v., row und todschläg an geistlichen und weltlichen ergangen V. Anshelm Bernerchron. 4, 239 hist. ver.
b) zu I 4: zum v. der stunden Platen 2, 9 Hempel.
2) gewöhnlich zu vertreiben II 3, absatz, verkauf, umsatz von waren (ältester beleg Thurneisser, s. u.): Hulsius - Ravellus (1616) 359a; Dentzler 315b; Hübner zeitungslex. (1824) 4, 805a; weswegen ich einen (verleger) wünsche, der, wenn er mich auch übervortheilt, den v. recht gut versteht J. v. Müller in briefw. zw. Gleim, Heinse u. J. v. Müller 2, 345; die länder, die ihm rohe produkte zum v. liefern Herder 15, 32 S.; wir empfehlen ew. wohlgeb. den Phöbus, sowohl was die einsammlung der bestellungen, als den v. selbst betrifft, auf das angelegentlichste und dringendste Kleist 5, 363 E. Schm. eine ware hat, findet v.: als die allaun ihren guten und stettigen v. oder abgenge gehabt Thurneysser magna alchymia 70; obwohl meine beutel guten v. fanden Musäus volksm. 1, 64 Hempel. ebenso der hersteller oder verkäufer der ware: sie (eine fabrik) macht ziemlich gute waare, und hat so viel v., dasz alle dazu gehörigen anstalten und personen von dem vortheile erhalten werden Nicolai reise durch Deutschl. u. d. Schweiz 1, 184; er ... fand damit (mit bildern) guten v. Musäus volksm. 2, 111 Hempel. oft mit dem objectiven genitiv: von dem verlag, einfuhre und v. der bücher Leibnitz deutsche schr. 2, 281; einen groszen v. gesuchter waaren Göthe 25, 1, 108 W.; zu einem schwunghaften v. der gewerblichen producte Bismarck polit. reden 1, 133 Kohl.
häufig sind zusammensetzungen: vertriebsanstalt Menz deutsche buchhändler 29, -apparat 42, -arbeit 43; -artikel hwb. d. staatswiss. 72, 373; -aufgabe Menz 42; -form hwb. d. staatswiss. 72, 205; -gegenstand Menz 26, -kosten 31, -masznahme 33, -netz 39; -stelle Kayssler schauspielernotizen 2, 132; -thätigkeit Menz 26, -unkosten 75; -weise hwb. d. staatswiss. 22, 54; -werk Menz 33.
übertragener gebrauch ist selten: die nation, die eigne oder fremde ideen durch sprache und v. zu verbreiten sich von jeher angelegen seyn liesz Herder 23, 83 S.; zu den zeiten Paulis, wo die volksphantasie in aller art wucherte, wurden solche rätsel aus dem lebendigen vertriebe in druck gesammelt Gervinus gesch. d. d. dicht. 2, 27; der jetzt unter dem namen patriotismus (in den schulen) gepflegte v. gewisser politischer und historischer ansichten Lagarde d. schr. 232.
 
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vertriebeln, v., vereinzelte bildung: dasz sie (die flöhe) die weiber verrieblen und vertrieblen mögen, wie sie wollen Grimmelshausen 1, 406 Keller.
 
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vertriebenheit, f.
a) zu vertreiben I 1, der zustand des vertriebenen, verbannten: daz ich siner (des bösen geistes) vertribenheit ein vúrweser si in dinem (gottes) lobe Seuse 312 B.; nhd. nur vereinzelt: ... und ihn heimlocke aus seiner v. H. Stehr in neue rundschau 25 (1914), 210.
b) zu vertreiben II 2: auch die spiegelartige glätte und v. (der farben) ist noch quattrocentistisch Mackowsky Michelagniolo 46.

 

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