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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertrechen bis vertrempeln (Bd. 25, Sp. 1968 bis 1980)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertrechen , obd. verb., zu trechen 'ziehen'. mhd. vertrëchen 'überziehen, verbergen' Lexer 3, 274; schweiz. Frisius (s. unten); Maaler 434c; schwäb. Fischer 2, 1386. wenn nd. lexicographen das wort aufweisen, so ist es ihnen augenscheinlich nicht geläufig, sondern dient zur verständigung mit oberdeutschen: Junius nomenclator 271a (nach Frisius 548b); occultum, verborgen, verhüllet, vertrochen Schöpper synon. c 4d. das wort erlischt in der schriftsprache des 16. jhs.
1) 'zudecken, verscharren': das zdecken, verträchen, oder bewarung der boümen, weynräben (mit erde), accumulatio Frisius 20b; (das strauszenei) ist undern sand verborgen und vertrochen, so kumpt die sonn .. und brütetz ausz Keisersberg emeis 13d; die kinder von Israel trugen ainen stab, so sy ihr notturft thäten, das sy es damit vertrüchen schiff der penitentz 29; dasz der von Wartenberg zu Arbon starb, an. 1273; ward daselbst in S. Gallen capell vertrochen ('begraben') Stumpf Schwytzerchron. 369a. lebendig im schwäb.: 'etwas verräumen, dasz man es nicht mehr findet' Fischer.
2) vom feuer, 'mit asche verdecken, ersticken': favilla, aschen, darinn das fheür vertrochen ist, erlöschner gneist, glunsen Frisius 548b; Maaler 187a; Junius (s. oben); dises fheür was in des künigs hertz wol vertrochen, aber nit gar erlöschen Stumpff Heinrichs IV. historie (1556) 3b;

lescht hertzen, und vertricht das feur,
das kompt dir an dem schlaff zu steur
Scheit Grobianus v. 2375.

noch schwäb. 'im backofen die gluth auseinander thun' Fischer.
3) übertragen, 'neigungen, laster, übelstände bemänteln': sein schand verträchen, sein eer widerumb bringen und erretten, extinguere suam infamiam Frisius 523b;

der sols z miner jugat (jugend) rächen,
mit miner kindtheit das verträchen schweiz. schausp. 3, 147, 96 Bächtold;

manchem hilff ich ein sach vertrechen,
der mir vor hat die händ geschmiert
Wickram 5, 89, 628;

altiu missewende wart vertrochen
Konrad v. Würzburg lieder 1, 105.

part. prät. 'verborgen, versteckt': die neigung, so in uns vertrochen ligt Keisersberg irrig schafe 6; denen, welcher ir irrthumb langest verdrochen ist Vigilius de rebus memorandis (1541) 71b. 'verstockt':

do warends all so gar verdrochen,
dasz keiner antwort geben wolt Augsburger quelle v. 1510 bei
Fischer.

über vertrechung, f., vgl. vertreckung.
 
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vertreck, n. , subst. zu vertrecken (s. d.): mnd. vortreck Lübben - Walther 529a; brem. wb. 5, 105; holst. Schütze 4, 278; ostfries. Stürenburg 316b; mnl. vertrec Verdam 641a; Kilian 607b; nl. vertrek Franck-Wijk 737b; ebenso flandrisch Frommanns zeitschr. 4, 433.

[Bd. 25, Sp. 1969]



1) 'abreise, aufbruch': he quam up mien vertreck to mi, 'als ich eben abreisen wollte' brem. wb.; up'n vertreck liggen sagt man sowohl von dem schiffer, der zum absegeln fertig liegt, als figürlich von einem, der zum sterben krank darniederliegt Schütze.
2) 'verzug, aufschub', vgl. vertrecken 3.
3) dem nl. entlehnt als ausdruck der schiffersprache: vertrecken eines schiffs, die kammern der offiziere Röding wb. d. marine 2, 843; in sien vertreck gaan, 'sich in sein zimmer begeben' brem. wb.; ostfries. Stürenberg. vgl. mnl. 'zuflucht' Verdam; locus quo in tutum se recipit exercitus Kilian; Franck-Wijk.
4) auszerdem findet sich ein hochdeutsches, dem nd. mit leichtem bedeutungswandel entlehntes vertreck 'vertrieb' vereinzelt bei Harsdörffer: wiewol jetzo kein vertreck und nachfrage der wolle, auch des herrn übersandte probe nicht so fein ist, als ich gemeinet secretarius 1, e ee via. vgl. verthanung, verthaunung bei demselben unter 3vertonen (sp. 1919). —
0 zu 1~~ vertreckbrief, m., ausdruck der schiffersprache: 'ein brief, worin die correspondenten den rhedern eines schiffes nachricht ertheilen, dasz der schiffer abgesegelt sei' Röding wb. der marine 2, 843; Beil techn. wb. 1, 630; vertrekk-breef brem. wb. 5, 106; nl. missio causaria Kilian.
 
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vertrecken, verb. , intensivbildung zu vertrechen, aber obd. neben diesem nur vereinzelt, md. und nd. allein herrschend. in der schriftsprache hat sich nur das dazu gehörige part. prät. vertrackt (s. d.) erhalten.
obd. vertrecken mhd. wb. 3, 90b; Lexer 3, 274; schweiz. verdrecken Stalder 1, 301. md. vortrecken Jelinek 851; virtrecken, procrastinare, protelare Diefenbach gloss. 461c, 467c; vertrecken, prorogare, retardare, telare 466c, 495c, 575c; köln. verträcke, part. vertrocke Hönig 195a. mnd. vortrecken Lübben-Walther 529a; nd. vertrecken brem. wb. 5, 105; götting. Schambach 268a; westfäl. Woeste 296b; altmärk. Danneil 240b; neumärk. zeitschr. f. d. mundarten 4, 75; ostfries. Stürenburg 316b. mnl. vertrecken Verdam 641a; Kilian 607b, 608a; narrare, recensere Diefenbach gloss. 375b, 486b; nl. vertrekken Franck-Wijk 737b.
die verschiedenen bedeutungen lassen sich von der bedeutung 'verziehen' ableiten; der gebrauch ist trans., intrans. und reflex.
1) vereinzelt wie vertrechen 3 'bemänteln': es konnen szo vil szunden nicht geschehen, sie (charitas) vertreckts, deckts und schweygt Luther 341, 447, 22 Weim. ebenfalls vereinzelt schweiz. 'die anschläge, das vorhaben eines anderen stören, hindern' Stalder. beide bedeutungen weisen auf eine faur-type hin, die übrigen auf eine fra-type.
2) 'verziehen, verzerren':

ouch was der frouwen runzît
vertwâlet unde vertrecket
Wolfram v. Eschenbach Parzival 256, 25.

auch mnl. Verdam, 'verschleppen': laszt die guter (des verstorbenen) beschreiben, das di nicht vortregt werden Iglauer rechtsprüche bei Jelinek; dasz die holtz-deube ihren willen haben, vieles holtz verschleppen und vertrecken Döbel jäger-practica 3, 92; 'so dasz es nicht zu finden ist': schweiz. Stalder; altmärk. Danneil; ostfries. Stürenburg. 'ein kind verziehen, verhätscheln' ebd. und in Bremen Frommanns zeitschr. 3, 376; auch westfäl. Woeste.
3) ohne üblen nebensinn: 'ausziehen' vom aussondern der pflänzlinge auf dem felde, so bei rüben; die schwachen wegnehmen, so dasz die kräftigen besser gedeihen können, vgl. jahrbuch f. nd. sprachforschung 34, 63a (Eilsdorf bei Halberstadt); zeitschr. f. d. mundarten 4, 75 (Neumark).
'hinziehen, verzögern' (s. oben Diefenbach): ind dit wart in eins und anderwerf allet vertreckt mit gutlichen reden d. städtechron. 12, 307, 19 (Köln); 13, 493, 41; auh reflex. Lübben-Walther; brem. wb.
'erzählen' nur nd. (Diefenbach s. oben): mnd.; mnl. Verdam.

[Bd. 25, Sp. 1970]



4) intrans. 'ausziehen, wegziehen, abreisen' ist am häufigsten: mnd. Lübben - Walther; brem. wb.; westfäl. Woeste; köln. Hönig; ostfries. Stürenburg. in der schiffersprache vertrecken oder absegeln Röding wb. der marine 2, 843.
reflex. von gewittern und geschwülsten, die sich vertheilen und vergehen ostfries. Stürenburg; westfäl. Woeste; götting. Schambach; altmärk. Danneil.
0 zu 3~~ gehört der bedeutung nach, zu vertrechen der form nach vertrechung, f.: md. virtrechunge, frist, prorogatio Diefenbach gloss. 466c.
 
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vertreib, m., alte abstractbildung zu vertreiben, lebendig nur noch in dem compositum zeitvertreib (s. d.). Kramer verzeichnet 2, 1129a vertreib neben vertreibung, vertrieb. mhd. vertrîp 'vertreibung' Lexer 3, 276; (es) waren vil uberlöuf, vertrib, row und todschläg .. ergangen; derhalb .. kam ir land in keyserliche acht Anshelm Berner chron. 4, 239, 22. mnl. verdrijf in demselben sinne Verdam 619a. vgl. vertrieb.
 
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vertreiben, verb. , schon in ältester zeit üblich und verbreitet: altsächs. fardrîan, exigere, excludere, pellere Gallée vorstudien 65; ahd. fartrîban, firdrîban, fertrîben, repudiare, refutare, repellere vgl. Graff sprachschatz 5, 485 f.; captivaverat, in ellenti (elilenti, ellentuom) virtreip glossen 1, 700b Steinmeyer - Sievers; mhd. vertrîben in reicher bedeutungsverzweigung vgl. mhd. wb. 3, 88a; Lexer 3, 275; nhd. vertreiben: depellere, expellere, repellere, propellere, propulsare voc. 1482 kk 1a; abigere, repudiare, divorciare voc. inc. teut. ii 6a; abigere, expellere, exterminare, exulare, infringere, pellere, perdere, perpellere, propellare, refugare, repellere, repudiare, revellere, tribulare, vexare Diefenbach gloss. 3a, 218a, 220ac, 297c, 421b, 425a, 428c, 465b, 490a, 492c, 493c, 497a, 595a, 616c; repello, ich vertreib, verstosz, treib hinder mich, treib ausz, hinweg, verjag, stosz hinausz Alberus 12a; agitare, jagen, vertreyben; arcere, vertreyben, abtreyben Frisius 68b, 113b; Maaler 435b c d, 436a; prodo, hinstoszen, verstoszen, vertreiben Calepinus 1161b; vertreiben, austreiben, verjagen, ausstoszen, ausjagen Sattler phraseologey 371; abolere, abigere, discutere, amovere, exterminare, exigere Stieler 2322; Kramer 2, 1128b c; Dentzler 289b, 315a; Steinbach 2, 858; Frisch 2, 384c; Adelung; Campe. zum ersatz der fremdworte discutiren (zerstreuen, erwegen) Spanutius 213; delogiren (in der kriegskunst, wenn ein feind den andern aus seiner stellung verjagt) Jacobsson techn. wb. 8, 84a; exiliren (verweisen) Kinderling reinigkeit 260.
mnd. vordriven Lübben - Walther 498a; mnl. verdriven Verdam 619b; verdryven Kilian 585b; nl. verdrijven. ins dän. fordrive, schwed. fördrifva übernommen.
auch in den deutschen mundarten zu hause: schweiz. elsäss. vertriben zeitschr. f. d. mundarten 2, 312 (Habkern; auch 'verhandeln, besprechen'); Martin-Lienhart 2, 738b; schwäb. bair. vertreiben Fischer 2, 1386; Schmeller 1, 641; henneberg. Spiesz 270; westmitteldeutsch verdreiwen, verdriven: luxemb. wb. 458; Leihener Cronenberg 33b; Bauer-Collitz Waldeck 32a; nd. verdriven: westfäl. Woeste 290b; altmärk. Danneil 237a; pomm. Dähnert 519b; lübisch Schumann 52; ostfries. Stürenburg 310a.
vereinzelt eine schwache form: wär' uns nit lieb, wenn wir ihnen von da vertreibeten Anzengruber 10, 82. intrans. verwendung ist nur nd. nachzuweisen in dem sinne von 'abtreiben, umhertreiben, verschlagen werden' vgl. Lübben - Walther; Verdam; anno 1493 war ein greulicher norden sturm, zerreisz das bolwerck, da vertrieben die steine mit sandt, und verterbte das tieff Hennenberger preusz. landtaffel (1595) 115; ein schiff wird vertrieben, 'wenn es von widrigem winde oder von einem meerstrome von seinem wege getrieben wird' Campe.
reflex. verwendung findet sich nur mhd., vgl. Lexer; reciproke dagegen ist nhd. häufig. im übrigen ist das verbum stets transitiv. der gröszere theil der bedeutungen weist auf eine fra-type zurück, ein kleinerer auf eine fair- type.

[Bd. 25, Sp. 1971]



I. in der regel liegt eine fra - type zu grunde wie bei verjagen, verstoszen. im vergleich zu den synonymen ausdrücken verbannen, verweisen, verjagen hat vertreiben den gröszten bedeutungsumfang, da es von menschen, thieren und leblosen erscheinungen gebraucht wird, die man mit gewalt entfernt bzw. zur flucht nöthigt, vgl. Eberhard-Lyon nr. 1370.
1) 'austreiben, ausstoszen, verbannen, verweisen'. in der regel mit persönlichem object. 'teufel austreiben': ahd. daʒ ér tôton erquíkta ... tûiuela uertrêib Williram 93, 11; nhd. wenn du wirst die leber vom fisch auf die glüenden kolen legen, so wird der teufel vertrieben werden Tobias 6, 20;

in meinem nahmen vertreiben
sie den satan aus den besesznen
Klopstock Messias (1780) 510.


'ausstoszen': wan die swindekeit die verjaget und vertribet den heilgen geist zmole Tauler 106, 31 Vetter;

daʒ die vertribene geiste
mit der gotes volleiste
bî dem grâle wæren
Wolfram v. Eschenbach Parzival 798, 11;

darumb vertribe sy (Adam und Eva) got ausz dem paradise erste d. bibel 3, 462, 13; so söllend ir alle eynwoner vertreyben vor euwerem angesicht Zürcher bibel (1531) 4 Mos. 33 f; die von Nürmberg in meinten zu vertreiben d. städtechron. 2, 125; aber (die Wenden) fielen bald wider ab ..., vertriben die rhömischen bischoff und pfaffen Franck chron. Germaniae 88;

wen soll die setzen ein, die selber wird vertrieben?
Lohenstein Ibrahim (1680) 82, 394;

bis sie aus irem lande vertrieben, und in alle lande zerstreuet wurden Sirach 48, 16; ab seinem ort verstoszen oder verrucken, ausz seinem sitz vertreyben, commovere Frisius 262b; ich werd vertriben ins elend Alberus; einen aus dem land, von hausz und heimat vertreiben Dentzler; von haus und hof, ins elend vertreiben Steinbach; wie er .. den alten künig ausz dem lande vertreyb Arigo decamerone 73, 16; hätten die Venetier längst den Türcken durch mich ausz Constantinopel vertrieben Gryphius Horribil. 23 neudr.;

ich mein ein eigen haus, darausz mich mehr kein tod,
kein teuffel, kein tyrann vertreibt
Logau sinnged. 177 (69);

wer sind sie,
die mich aus meines königs gunst vertrieben?
Schiller Karlos 1093;

er liesz den harlequin feyerlich vom theater vertreiben, welches selbst die gröszte harlequinade war Lessing 8, 42; eine pöbelhafte anklage bezichtigte Fichte .. des atheismus und vertrieb ihn aus Jena Treitschke aufsätze 1, 123. subst. inf.: in Lear das umherziehen mit den rittern, das vertreiben von der thür Herder 5, 248.
älter mit genitiv der entfernung:

vertrîbet ir in der lande Alphart 62, 2;

ut regno exigatur, dasz er desz lands vertrieben werd Alberus; wie die keyserin desz lands vertrieben ward buch der liebe 3c; eer klaget uber di so yn des gantzen landes Israël vertraiben Schede-Melissus psalmen 42 neudr.; (als) ir mich der statt Rom vertriben hetten Carbach Tit. Liv. 58r;

daselbst solt prächtig sitzen bleiben,
kein gast wirt dich deins orts vertreiben
Scheit Grobianus 2742.

militärisch: sie (die batterie) war von oben vertrieben worden, und an der anderen seite der chaussee in einer schlucht heruntergegangen Göthe 33, 70 Weim.
selten in diesem sinne mit sächlich - abstractem object: gelt bet jetzt an ja jederman und würt gotsdienst vertriben Franck sprüchw. (1541) 1, 119b; hat das tüfelisch gebot die göttlichen fryheit vertriben Zwingli d. schriften 1, 44;

der eigen nutz vertreibt all recht,
all frintschafft, lieb, sipschafft, geschlecht
Brant narrenschiff 13, 19;

es mag sich auch Achilleus tapfferkeit
aus liebes-brunst verhülln ins weiber-kleid:
doch dieses wird sein ansehn nicht vertreiben,
Achilles wird wohl ein Achilles bleiben
Ziegler Banise 823;

[Bd. 25, Sp. 1972]


andre deutsche völker haben .. ihre andern länder besetzt, ihre sprache vertrieben und ihren namen verschlungen Herder 14, 263; wer die lehre von der gnade aus der bibel vertreibt, der vertilgt die ganze bibel F. H. Jacobi 6, 192.
besonders ín den wendungen, die bedeuten 'gleiches mit gleichem vergelten': wenn gewalt mag man wol mit gewalt vertryben Keisersberg bilgerschafft B vic; sie beschlossen ... die sturmglocke anzuziehen und gewalt mit gewalt zu vertreiben Ranke 2, 131; vim vi repellere Maaler, Kramer; eysen musz man mit eysen vertreiben Lehman florileg. 1, 60; wann der lon ist der arbait gelych, und würt schmach mit schmach vertriben Steinhöwel Äsop 126; man musz bösz mit bösz vertreiben Lehman florileg. 1, 84; Franck sprüchw. (1545) 1, 18a; noch schwäb. Fischer;

doch du hast gehöret viel,
dasz ein bösz das ander vertreibt
Fischart Eulenspiegel 6857;

dann list mus man mit list vertreiben
Eyering proverb. 2, 186; 3, 180.


2) 'etwas ausscheiden', vom ausschmelzen der metalle (vgl. seigern th. 101, 202): die meisten kupffer aber, so man in disen landen machet, seigert, vertreibet, und verarbeit, sind ungerische kupffer Mathesius Sarepta 71a. vgl. vertreibung 2.
'etwas störendes mit gewalt entfernen': ein maasen (flecken) in kleideren vertreyben, eluere Frisius 469a; flecken aus kleidern Stieler, Kramer; noch heute üblich;

die flecken aus den kleidern ich
vertreiben kundt gar meisterlich
Mangold marckschiff E iiij;

eine andere sasze und asze kohlen, ... damit sie die lebhafte farbe (des gesichts) vertreiben .. möchte Moscherosch Philander 1, 124; dem weyn den bösen geschmack vertreiben, odorem deteriorem vini demere Maaler, Dentzler.
'abtreiben': discutere, wenn die artzet die feüchte desz leybs on sundere auflösung durch die verborgnen schweyszlöcher und geng vertreybend und hinnemmend Maaler; depello, abtreiben, vertreiben Calepinus 398b; ein kind vertreiben, abtreiben Kramer; erzney, damit man kindlin vertrybt schwäb. quelle v. 1486 bei Fischer; das .. nonnen und beginen mit träncken und artzney ihre frucht vertreiben, ehe das sie geboren werden Fischart binenkorb 168a; in diesem sinne durch abtreiben verdrängt. auf nd. boden nur bei Kilian: verdreven de draght, abigere partum venenis, expellere medicamentis. heute noch lebendig im elsäss. Martin Lienhart.
von krankheiten schon ahd.:

thie síechun quamun álle zo themo ábande.
firdreib er ál thio suhti joh iro úmmahti
Otfrid 3, 14, 56.

nhd.: einen alten husten haben ir viel mit saltzlecken zerteilet und vertrieben Faber thesaurus 453a; tentipellium, ein artzney das die runtzlen vertreibt Calepinus 1452a; Reyher u 5 vb; fieber, krankheit, schmerzen, husten, schnupfen Stieler, Kramer; knobloch gesotten mit essig ... vertreibt die würm in dem bauch Vachenberg margarita medicine 2v; mannpfeffer oder katzenkraut. vertreibt die kröpfe Neumark palmbaum 253; wie zwen einem pfaffen das podegram vertriben Wickram 3, 77;

da sol man euch wol zwagen und reiben,
den kurtzen athem euch vertreiben
Sachs 21, 8, 15 Götze;

(es) vertreibt die gifft, verjagt den fluch,
und giebt ein heilsam öle
Silesius seelenlust 94 neudr.;

ein altes weib, das warzen und sonnenflecke vertreibt, verstehe mehr von der sympathie als ich Göthe 8, 56 Weim. (Götz); eine alte .. frau .. vertrieb hier den kindern die drüsen Gutzkow werke 1, 99; die ärzte leiten flüsse, die sie nicht vertreiben können, an minder gefährliche orte ab Hippel kreuz- u. querzüge 1, 272;

[Bd. 25, Sp. 1973]


vielleicht vertreibt die see, die neuen länder,
sammt wandelbaren gegenständen ihm
diesz etwas, das in seinem herzen steckt Shakespeare 3, 238 (Hamlet 3, 1).

vgl. auch II 1.
'einem übermuth und unarten mit gewalt austreiben, abgewöhnen': inhibere aviditatem, den lust vertreyben Frisius 142b; einem den mutwillen, kitzel, schelmerei, kurzweil, narrenpossen vertreiben Kramer; Christus wird ihn das lachen bald vertreiben Luther 302, 178 Weim.;

das plären tet man in vertriben ältere schweiz. bibliothek I 5, 90;

wer mir den kitzel gar vertreibt,
so er die fies im bad mir reibdt
Murner badenfahrt 20;

und wolt ir auch mit kirschenholtz
vertreiben disen poch und stoltz
Sachs 17, 153, 16 Keller-Götze;

ich wil inen den mutwillen vertreiben buch der liebe 377a; darumb musz man ihnen (den kapaunen) das krähen mit dem bratspiesz vertreiben Fischart binenkorb 7a; einen doctor zu agiren, und dem menschen das schnarren zu vertreiben Weise erznarren 118 neudr.; fängst du an, mir über den kopf zu wachsen? ich will dir den kitzel vertreiben Shakespeare 4, 160 (wie es euch gefällt 1, 1);

wollt' eure dummen köpf belehren
und euren weibern die mücken wehren,
die ihr nicht gedenkt ihnen zu vertreiben
Göthe 16, 104 Weim. (Satyros 479);

namentlich war diesem das selbstgefällige lächeln des kleinen kerls in einer art zuwider, dasz er's ihm gerne durch eine ohrfeige vertrieben hätte Meyr aus dem Ries 1, 279. schwäb. einem die mucken vertreiben Fischer.
3) 'verscheuchen, entfernen'. thiere: das die frösche von dir, und von deinem haus vertrieben werden 2 Mos. 8, 9 (auch Zürcher bibel 1531); dann ... solcher rauch vertreibt die schlangen Sebiz feldbau 107; denn man wenig häuser findet, in welchen man nicht siehet die schwalben nisten, daraus man sie nicht ... vertreibet Prätorius winterflucht 4; dasz die raben vom Kyffhäuser vertrieben und dasz der tag der deutschen einheit nahe herbeigekommen ist Bismarck erinnerungen 1, 232.
selten von personen: einem (wirth oder kaufmann) die kunden, käuffer, abkäuffer vertreiben Kramer; sie ist mein gast, und Sie sind mein gast. einer darf den andern nicht vertreiben (durch unverträglichkeit) Benedix störenfried 2, 6. mundartlich henneberg.: geh', der vertreibt dich ganz und gar, 'stellt dich in schatten, überbietet dich', im guten wie im schlimmen sinne Spiesz.
'erscheinungen meist unangenehmer art beseitigen'. von naturerscheinungen: den vergifften lufft reinigen und vertreyben (aër) Frisius 50b; der wind vertreibt den regen, den schnee Kramer; die sonne vertreibt den nebel Steinbach; wie ein staub vom winde verstreuet, und wie ein dünner reiffe von eim sturm vertrieben weish. Sal. 5, 15; nachher vertrieben wir den moderigen geruch mit schieszpulver Arnim werke 11, 87.
defendo frigus, ich vertreib die kelt Alberus; mit den herin túchern, mit den sy vertreyben die hitze der sunnen erste d. bibel 5, 8, 18; wer solt doch nicht lachen, das die glocke von Benno geweyhet das wetter vertreybe? Luther 15, 189, 27 Weim.; so der regen nicht gar gewaltig ist in seiner operation, er wirdt vom dürren vertrieben und verzehrt ('in seiner wirkung aufgehoben') Paracelsus opera 2, 85 b;

ihr seyd mit mir das licht der welt,
den schatten zu vertreiben
Günther ged. 37;

zur rechten zeit vertreibt der sonne lauf
die finstre nacht, und sie musz sich erhellen
Göthe 2, 113 Weim. (22, 256);

siehe, da sind alle schrecken der wüste, des meers und der nacht durch einen lichtstrahl vertrieben Herder 6, 8; wo die genossenschaft am feuer sitzen und durch scherz und gespräch die ungunst des wetters vertreiben konnte Alexis hosen 1, 103.

[Bd. 25, Sp. 1974]



abstractes: tegeliche gebresten die .. das hertze zerstrouwent und andacht vertrîbent und hinderent, und den heiligen trôst benimment und vertrîbent Tauler 126, 26 Vetter; also mus man des todes bitterkeit vertreiben 1 Sam. 15, 32; (so) fragte dieser, und die nachkommenden gesprächigen pfarrleute vertrieben die antwort Jean Paul werke 7/10, 50. besonders 'trübe stimmungen verscheuchen': ein unglück oder unfal mit singen vertreyben, levare Frisius 182a; melancholey, betrübnis, traurigkeit, verdrusz Kramer; sich die grillen mit einem glase wein vertreiben Steinbach; alle bittercheit soltu vortriben von dinem herzen Leipz. predigten 36, 21 Schönbach;

lâ guoten muot den bœsen muot von dir vertrîben
Walther v. d. Vogelweide 37, 28;

wir trincken drumb den guten wein,
die sorgen zu vertreiben
Fischart Garg. 127 neudr.;

so vertreibt doch alle morgen
meinen gram, und meine sorgen,
Sylvia, dein süszer kusz
Neukirch ged. 31;

jede grille zu vertreiben,
das sey unsre sorg' allein
Gökingk ged. 1, 52;

es läszt sich denken, dasz alle zweifel bald aus seinem herzen vertrieben wurden Göthe 21, 93 Weim. (Meister).
körperliche bedürfnisse: hunger und durst Konrad v. Megenberg bei Lexer; mit einem trunck wasser den durst löschen oder vertreyben, sitim avertere Frisius 139a; hunger, müdigkeit Stieler;

ich muesz als den hunger vertreyben tirol. passionsspiele 474 Wackernell

ein guter armer mann kan viel gesünder bleiben,
als einer dem sein geld den hunger musz vertreiben
Opitz opera (1690) 1, 106;

sich vor dem schlaaf hüten, den schlaaf vertreiben, abducere Frisius 4a; dieser käszhandel mit der bäurin hat mir den schlaff ganz vertrieben Grimmelshausen 2, 369, 2 Keller.
4) während bisher die sinnliche anschauung des verjagens zu grunde lag, kommt vertreiben im folgenden auch in verblaszter verwendung vor. veraltet und spärlich ist die bedeutung 'betreiben, vollführen': wie Florio mit seiner gesellschafft gen Montorio ritte, allda ihr weydwerck mit jagen zu vertreiben buch der liebe 128c;

so grosz ist auch eur schmertz,
es ist der feder zug unmüglich zu beschreiben,
am allerwenigsten mit reden zu vertreiben
Pietsch schriften 219.

'sein ende finden':

er g'steckte in eim graben tief ...
sin end mst er
allein im graben vertriben ält. schweiz. bibliothek I 5, 68.

'abnutzen, abtreiben, verbrauchen':

si (die ritter) wâren mit strîte sô verriben
unt diu ors mit sporn alsô vertriben,
daʒ die vrechen ritterschaft
iedennoch twanc der müede kraft
Wolfram v. Eschenbach Parzival 93, 20;

(die mäuse haben)
das gelt zernaget und zerbissen,
so gar vertragen und vertrieben,
ist nit ein pfenning uber blieben
Waldis Esopus 1, 406;

idoch es ihr (der wirthin) gar schlim behagt,
wenn ihr fein grob besitzen bleibt,
und unbezalet bier vertreibt ('verzehrt, vertilgt')
Ringwalt lauter warheit 207.

'ein land verwüsten': die slang vertreibt ain ganzeʒ lant und macht daʒ wüest Konrad v. Megenberg buch der natur 265, 12; den groszen mangel, so si gehept hettend in iren vertribnen land ält. schweiz. bibliothek I 1, 188.
lebendig erhalten hat sich allein die anwendung auf die zeit in gleicher beliebtheit seit der mhd. periode, 'hinbringen': vgl. Lexer; schwäb. quellen seit 1290 bei Fischer; ebenso mnd. mnl. Lübben - Walther, Verdam; ich vertreib die zeit mit lesen, exigo Alberus; die nacht in fröuden (agere), den summer etwan an einem ort verschleyssen oder vertreyben (consumere) Frisius 67a, 317b; lange weyl vertreyben, eblandiri 456b; Maaler, Stieler, Kramer,

[Bd. 25, Sp. 1975]


Steinbach, Frisch, Adelung; da er dann vil jar in dem dienst gottes sin leben vertraib Oheim Reichenauer chron. 38, 12; so .. vertreiben sie ir leben mehr mit müssigang, schlaffen und essen, dann mit jagen Franck chron. Germaniae 5; sie vertriebent diesen tag bisz abent an (ohne) alle speis d. städtechron. 3, 143; in diser marterlicher wise vertreib er sin tag und nahte Seuse 45, 23;

ich selbs, das ich die worheyt sag,
mit disen narren hab vil tag
vertriben
Brant narrenschiff 50, 37;

got will denn erzögen sinen zorn
den, die hie hand ir zitt verlorn
und unnützlich vertriben der jüngste tag 314 (1, 283 Mone);

in solchem hader, not und jammer
vertrieb er mit ir dreyszig jar
Sachs 9, 434, 30 Keller-Götze;

hiemit habt kurtzlich ihr beschriben,
wie er sein jugend hab vertriben
Fischart Stauffenberg v. 308;

Michael. ist er bey uns lang in dem zimmer blieben?
wächter. er hat schier so viel zeit als ich allhier vertrieben
Gryphius trauersp. 87 (Leo 3, 5, 328);

dasz man .., den kindern die zeit zu vertreiben, schöne mährlein musz erzehlen Moscherosch insomnis cura 79 neudr.; wenn aber doch jemand will die zeit nützlich vertreiben, so nehme er ein geistliches buch in die hand und lese was Abraham a S. Clara 4, 297 Strigl; mit der tochter meiner wirthin .. vertrieb ich mir manche stunde Gellert 4, 219;

doch mit bedingnisz, dir die zeit,
durch meine künste, würdig zu vertreiben
Göthe 14, 71 Weim. (Faust 1433);

spielen heiszt, die zeit vertreiben Riehl deutsche arbeit 6; die menschen wissen nicht, wie sie sich die zeit vertreiben sollen, dieselbe zeit, die sie (später) gerne festhalten möchten Tieck schriften 10, 33. heute sind nicht mehr wendungen in dem allgemeinen sinne 'verbringen, fristen' üblich, sondern nur in verbindung mit persönlichem dativobject 'einem die zeit angenehm und unbemerkt vergehen machen, da sie ihm ohne dies langsam zu vergehen geschienen haben würde' Campe. vgl. zeitvertreib.
II. in einigen anderen gebrauchsarten läszt sich vertreiben nur als 'umtreiben', hin und her treiben' verstehen und weist damit auf eine fair-type hin (vgl. Leopold germ. abh. 27, 179). es fehlt im ahd. und älteren nd. und erscheint auch auf hochdeutschem boden erst gegen 1400.
1) in bildlicher anschauung, eine schwellung 'durch hin und her streichen behandeln' (vgl. verstreichen I sp. 1794): für uberflusz der milch (bei frauen). milch zu vertreiben. streich ihr mit einer feder .. umb die brüst fürniesz (firnis) Gäbelkover artzneybuch 2, 71; etwas zerteilen und fürkommen oder vertreyben, das z einem geschwär wolt werden, digerere Frisius 416a; den schwulst, eine geschwulst vertreiben Stieler, Kramer. vgl. auch I 2 (sp. 1972).
ähnlich: so dasz alle die feinen säfte gehörig vertrieben ('in umlauf gebracht') und in blumengeist verwandelt werden Tieck novellenkranz 4, 259; der immer den schweif hängen läszt, um seine spuren zu vertreiben ('durch hin und her wedeln zu verwischen'), und der seinen schleichgang eben damit desto sichrer verräth Herder 3, 391.
2) während dieser gebrauch nur noch in abgestorbenen resten nachweisbar ist, ist ein andrer als fachausdruck seit 1700 lebendig: die farben vertreiben in einem gemäl Kramer; als die mahler die farben in einander vertreiben, adoucir Frisch nouv. dict. 601; Schwan 2, 938a; vertriebene farbe, couleur rompue, lavée 938b; die farben auseinandertreiben, damit sie stufenweise an stärke abnehmen, und sich endlich gar verlieren; die umrisse vertreiben Adelung; die farben verdünnen und mehr und mehr verbreiten Campe; das untereinanderbringen der beim untermalen eines ölgemäldes aufgetragenen farben mittelst des pinsels, so dasz sie ineinander verschmelzen und nur eine, aus vielen zusammengesetzte, farbe

[Bd. 25, Sp. 1976]


ausmachen Otte archäol. wb. 132; Mothes baulex. 4, 426. in der miniatur selbst wird nichts vertrieben, sondern jeder punkt behält die farbe, wie sie auf der palette war Sulzer theorie 3, 396; die lichtfarben impastirte man auf den hohen stellen sehr stark und vertrieb sie gegen den schatten zu Göthe ii 1, 354 Weim.; der natur dieser (öl-)farben und der behandlungsweise, welche sie zulassen, gemäsz wurde nun alles nach und nach weichlicher, mehr vertrieben, gesättigter 3, 356; es ist die schöne elliptische linie, die in allen theilen ihre bahn verändert, die nie gewaltsam unterbrochen, nie stumpf vertrieben, nie scharf abgeschnitten, sich mit pracht und schönheit um den körper gleichsam umherwälzet Herder 4, 64; sie klekset die farben auf, ich vertreibe sie Klopstock grammat. gespräche 41; der dichter (Lessing) hat nicht verstanden, jene derbe farbe zu vertreiben und die handlungsweise des historischen Saladin mit dem Saladin des stückes zu vereinbaren Schiller 10, 545; in welcher (scene) ich meinem freunde einige allzu kühn croquirte pinselstriche zu lindern und mit dem übrigen in eine sanftere haltung zu vertreiben wol raten möchte Lessing 9, 267; den stolz und die bescheidenheit, mit dem pinsel jener schelmerey so durch einander vertiefen, vermischen, vertreiben und vereinigen Möser patriot. phantasien 3, 06.
3) waaren vertreiben stellt eine begrenzung des begriffs verkaufen dar, derart dasz von dem vorrath vieles an mehrere und besonders an käufer, die voneinander entfernt sind, abgesetzt wird vgl. Eberhard-Lyon nr. 1389. es geht zurück auf die anschauung 'im ganzen lande umherführen, hin und her führen und an den mann bringen'. mercari Diefenbach gloss. 357a; distraho, verkauffen und vertreiben Calepinus 440a; vertreiben, verkauffen, debiter, spacciare Hulsius-Ravellus 359a; exactus, das vertreiben der wahr Corvinus 34; Rädlein (1711) 950b; Kramer; Dentzler; Steinbach; Kirsch 2, 315b; Schwan 2, 938a; unter die leute bringen, absetzen Adelung, Campe; im kleinen verkaufen Schmeller. ältere urkunden bei Lexer, Schmeller, Fischer; Schirmer kaufmannssprache 205. allgemein: verkauffen, verganten und vertreiben ebd.; auch sol kein unser burger .. einichem gast .. pfenwert oder ware hie nit verkauffen oder vertreiben Nürnberg. polizeiordnungen 130; der kaufman bei in seins gewerbs über lant nicht geraten mocht, auch der handwerckman sein arbeit nit vertreiben solt d. städtechron. 2, 125; auff das unser land und leute, so mit fischen handeln, ihr gewerbe haben und ihre wahre vertreiben mügen und nicht zu schaden komen Luther 26, 586 Weim.; vil schwaczen und als die hund bellen, bis das sie iere war vertryben Steinhöwel de claris mulieribus 131, 9; ich glaub, wann ir auf einen marckt kemen und solch gt masz geben, ir wurden eüwer war bald vertriben haben Wickram 3, 40, 30; (dasz man) die frücht anderszwo hin könt verfüren, .. fürnämlich bey einer feinen statt, darinn alles höher und besser vertriben wird Sebiz feldbau 20;

da bey mag mann nit lang zeit bleiben,
theur kauffen, und wolfeil vertreiben
Brant narrenschiff 51, 66;

mein wahr offt nicht vertreiben kan
Sachs 17, 260, 21 Keller-Götze;

weil man sich von handelsleuten
offt betrügen lassen musz, ...
also sei kein land vorhanden,
da man echte waar vertreibt
Zinzendorf die letzten reden 85;

kauften die fabrikate der kaiserlichen fabriken und vertrieben sie unter die barbaren Freytag bilder 1, 287. einzelne artikel:

nim hin, du vertreibst in wol
('bringst den verdächtigen pfennig
in umlauf und bei anderen an') Sterzinger pass. v. 1500 bei
Schmeller;

man vertreibt sein geld, bringt es unter die leute, wenn man es durchbringt, mit unnützen unüberlegten ausgaben verthut Campe; daʒ sie ouch daʒ selbe altgewant hinnanvürme selber verkoufen und vertriben süllent Straszburger zunftordnungen 249 Brucker; damit er den win

[Bd. 25, Sp. 1977]


dester fürderlicher vertriben mocht, hette er im ain gasthus ze buwen fürgnomen Watt hist. schriften 2, 292; sonst aber vertreibt Gallien mehr grobes segeltuch Lohenstein Arminius 2, 187b; das er solch obangezeigt bch im truck vollenden, offenlich auszgeen und vertreyben lassen mag Boner Plutarch, privileg; (dasz die buchhändler) falsche, schädliche und ärgerliche schriften zu verlegen, einzuführen und zu vertreiben sich nicht entsehen Leibniz 2, 281; auszerdem können wir sie (die schrift) wenigstens durch verschenkte exemplare im norden sogleich vertreiben Dahlmann an J. Grimm, briefwechsel 1, 112; des schiefers, den er weit in das land und über dessen grenzen hinaus vertreibt Ludwig 1, 144; mit dem orden zu brechen, der .. den ablas in aller welt predigte und vertrieb Ranke 1, 187; wenn die bank .. auszerhalb des .. angewiesenen gebiets ihre noten vertreibt oder vertreiben läszt bankgesetz (14. 3. 1875) § 50. subst. inf.: so dasz der anschlägige kopf .. sich eines colonialwaarenhändlers .. zum vertreiben seiner artikel bediente Gutzkow werke 1, 207. statt dessen gewöhnlich der vertrieb (s. d.).
übertragen, 'anbringen': was wäre Winckelmann .., wenn er ... seine archäologie in der stillen berufsthätigkeit eines professors oder in lateinischen reden .. vertrieben hätte Justi Winckelmann 1, 235. mit persönlichem object und in reflex. verbindung:

myn kindt kan ich mir gwinlich machen,
myn lieben kindt also vertryben,
das sy by der kirchen blyben (er will seine töchter an geistliche verschachern)
Murner narrenbeschwörung 98, 57 neudr.;

doch kann er vier lateinscher wort,
die würfft er usz an allem ort,
das er by synen eren blybt,
für einen gelerten sich vertrybt 190, 37.


4) zweifelhaft ist die einordnung der bedeutung 'umgehen, umfahren': mnd. den tollen vordriven Lübben-Walther; sie hettin im den .. zoll vertriben schwäb. quelle v. 1397 bei Fischer; uber die maut mit ochsen ader sust mit anderm vih vortriben, der sol von iczlichem haupt VI gr. pusz geben nach gnaden Iglauer stadtbücher 3, 39b (bei Jelinek 852); es sollen die zölle nicht vertrieben werden, den vertreibern aber sollen richter und zöllner nachjagen und das vertriebene abnehmen waldeck. quelle v. 1581 bei Bauer-Collitz 138; dafern gedachter Ilmenauischer zoll verfahren oder vertrieben würde Gothaer urkunde v. 1670 bei Diefenbach-Wülcker 570. vgl. DWB den zoll verfahren sp. 290 (10).
III. das part. prät. vertrieben ist als adj. und subst., zu I 1 gehörig, im gebrauch. schon ahd.: actus, pulsatus, compulsus, fartripaner, fartribane glossen 2, 465b; 657b; 670a; 733b Steinmeyer-Sievers; acta, repudiata, repulsa, firtribiniu, fartribaniu 4, 29a; 1, 344b; 2, 306b.
1) adj. 'verbannt': exulatus, propulsus, proscriptus, pulsus, repulsus Diefenbach gloss. 220c, 466b, 467a, 472c, 493c; exulo, ich bin vertriben, im elend Alberus; vertriben und flüchtig ausz Asia, desertor Asiae Frisius 389a; Kramer 2, 1129a; Dentzler; Steinbach. auch mnl. verdreven, pulsus, propulsus Verdam 619a; Kilian 585b; teileten den raub gleich unter sich, und unter die vertriebene weisen, wittwen und alten 2 Macc. 8, 30; Gisippus ... wie er von Athena ein vertryben mann was Montanus schwankbücher 124; schreiben vertriebener frau Germanien an ihre söhne Fleming ged. 1, 102; Hannibal als eyn vertribner und verweister mann von seinem vatterlandt Carthago Carbach Tit. Liv. 417v;

scheinst du dir hier vertrieben und verwais't?
Göthe 10, 6 Weim. (Iphigenie 75);

nicht ohne blut räumt er das feld, ja selbst
vertrieben bleibt er furchtbar noch dem land
Schiller 14, 335 (Tell 1431);

aber das ist ja schrecklich, ... nahm der aus all' seinen himmeln vertriebene Anton das wort Holtei erz. schriften 11, 130.
2) subst.: exterris, exul, ein vertrybner gemma (1508) i 4b; apolis, extorris, bandit, vertribner Frisius 104b, 524b; extorris, exul, ein vertriebner eines landts, ein

[Bd. 25, Sp. 1978]


bandit, ein vertribner ausz seinem vatterlandt Calepinus 531a, 533b; vertriebener, verjagter Hulsius-Ravellus 359a; Zehner 118; Dentzler; Steinbach; vertriebener, flüchtling, refugié; vertriebener und verwiesener, exilirt, exulant Moritz gramm. wb. 4, 285. nl. verdrevener, exsul, extorris Kilian 585b. deshalb war er alls ein vertribner verursacht worden, dagegen zu handlen verhandlungen über Absberg 9;

die vertriebend wurden ergetzt
ires elends
Sachs 2, 142, 28 Keller;

niemand sich sein annimbt, und meinet jederman,
gott nehme sich auch selbst keines vertriebnen an
Zinkgref ged. 64;

es ist auch nit unser fürnemmen, ein jeglichen verdorbnen oder vertribnen zu eim artzt zu machen Paracelsus chirurg. schriften 278 A; die besten fabeldichter ... fanden sich glücklich, wenn sie der nackten vertriebnen (der wahrheit) ein .. gewand verschaft hatten Herder 15, 556; ihr (vögel) indesz, wie armselige vertriebene, .. werdet auf euerm eignen boden .. als unkraut behandelt Göthe 17, 102 Weim. (vögel);

die unglückselige, die ...
als eine hilfesuchende, vertriebne,
bei der verwandten schutz zu suchen kam
Schiller 12, 403 (M. Stuart 88);

die thränen der vertrieb'nen,
des feldherrn dumpfe gruft,
verschwinden vor'm beschrieb'nen
stein unter'm lindenduft
Rückert werke 1, 76;

dasz scharen von vertriebenen jenseits der grenzen umherzogen Keller 2, 161; endlich glaubte der vertriebene doch die rückkehr wagen zu dürfen Treitschke deutsche geschichte 3, 54.
3) in besonderem sinne bedeutet vertrieben 'umhergetrieben, durchtrieben, verschlagen' und läszt sich ebenso von dem eben behandelten gebrauch wie etwa von II 3 aus verstehen. sicherlich bezeichnet das adj. verschlagen auch von hause aus einen menschen, der weit umhergekommen ist und sich dabei witz gekauft hat (gegen die erklärung auf sp. 1091). vgl. bildungen wie πολύτροπος, versutus, callidus ('schwielig').
mit seiner frau, die er 'eine harte unleidliche bremse und ein abtrünniges, vertriebenes weib' nennt schwäb. quelle d. 16. jhs. bei Fischer; so ain vertribner arglistiger schmaychler an dich gerathen sölte Schwarzenberg teutsch Cicero 78; du bist wanckelhafftiger oder vertriebener als eine töpfferscheibe Meyfart teutsche rhetorica (1653) 136. lebendig bezeugt als lübisch: dörchdreben, verdreben Schumann. etwas anders ostfries. verdräven uutseen 'verstört aussehen wie ein landstreicher' Stürenburg.
in der zusammensetzung kommt nur vertreibpinsel, m., vor, 'pinsel zum vertreiben der farben' (s. II 2) Campe; vertreib- sive schlichtpinsel, temperatorius Stieler 1425; runde lackir-, vertreib- und anstreich-pinsel werden auch öfters .. mit dem stiele verbunden Prechtl techn. encyclop. 11, 139; Beil techn. wb. 1, 630; Mothes baulex. 1, 414. auch nl. verdrijfpenseel. vgl. vertreiber 6.
 
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vertreiber, m. , gebräuchliches subst. zu vertreiben.
1) gewöhnlich zu I 1, 'einer, der verjagt, austreibt, in die verbannung treibt': ahd. exterminatore, vertrîbære glossen 3, 419b Steinmeyer-Sievers; Graff 5, 487; mhd. vertrîber, repulsor, expulsor voc. inc. teut. ii 5b; Diefenbach gloss. 493c; nhd. vertreiber, exterminator voc. 1482 kk 1b; Frisius 523a; Maaler 435d; depulsor, expulsor, propulsator, ein abtreiber, vertreiber, verstoszer Calepinus 398b, 1173a; Hulsius-Ravellus 359a; exactor, expulsor Stieler 2322; Kramer 2, 1129a; expulsor, exterminator, exactor Steinbach 2, 858; Campe. (eine schrift) gegen die vertreiber der republikaner Jean Paul ebd.; dem vertreiber der Mongholen kaiser aus China Ritter erdkunde 6, 705; die menschen oder helden treten auf als vertilger, vertreiber der riesen J. Grimm kl. schriften 2, 404. mit abstractem genitiv: worinn er ein vertreiber der vandalischen barbarey ... genennt wird M. J. Schmidt gesch d. Deutschen 1, 192. nl. verdrijver.

[Bd. 25, Sp. 1979]



2) 'einer, der unangenehmes verscheucht' (zu I 3):

Licnita sey gegrüst, du bangigkeit vertreiber
Opitz teutsche poemata 220 neudr.;

seine munterkeit (wird) ein vertreiber unsers traurens seyn Schwabe belustigungen 1, 401.
3) in perfectivem sinne nur in der zusammensetzung zeitvertreiber (s. d.) Stieler; Kramer.
4) 'einer, der sachen in umlauf bringt, waaren absetzt' (zu II 3): die reichsten producenten in England würden dann mit den emsigsten vertreibern in Holland verbunden sein, und beide vereinigt allem teutschen handel völlig den garaus machen Görres schriften 2, 398.
5) 'ein umfahrer des zolls' (zu II 4) s. Bauer-Collitz (sp. 1977).
6) wie vertreibpinsel (sp. 1978) wird auch vertreiber gebraucht (zu vertreiben II 2): pinsel mit weichen haaren, um aufgetragene farben auseinanderzureiben und abzuschwächen Müller-Mothes archäol. wb. 2, 963b; breiter, weicher malpinsel zum abtönen, verbreitern von farben Kronthal techn. lex. 2, 963a; Mothes baulex. 4, 426.
 
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vertreiberin, f., meist zu vertreiber 2: expultrix Steinbach 2, 858;

hier ist mein der sonnen liecht,
das die helle tages-kertze,
die vertreiberin der nacht,
aller schwartz und tunkel macht
Opitz opera 1, 81 (Daphne 5);

so die natur der dingen ein vertreiberin ist der kranckheiten Paracelsus opera 1, 589 a; eine meisterin der warheit, .. ein vertreiberin der traurigkeit Johan Arnd Thomas a Kempis 148;

komm, auserwähltes götterkind!
vertreiberin so mancher plage
Gottsched ged. (1749) 2, 62;

(liebe) die vertreiberin der schmerzen,
immer ihres siegs gewisz
J. E. Schlegel 4, 253.


 
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vertreiblich, adj., veraltet. mhd. vertrîbenlich, 'verderblich, zu grunde richtend' Lexer 3, 276: vertrîbenlîcher coste und schade diplom. habsburg. 185 Chmel. nhd. vertreiblich, scacciabile: wol vertreibliche wahre, eine unvertreibliche krätze ('die vertrieben oder nicht vertrieben werden kann') Kramer 2, 1129a.
 
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vertreibnis, f., n., veraltete abstractbildung, durch vertreibung verdrängt. mhd. vertrîbnisse Lexer 3, 276; ein vertrîbnisse aller undinge keyserrecht (1372) 5 Endemann. nhd.: wie offt ich, aller liebster leser, mit diesem fürsten (vertreibnus von land und freunden ...) mitleidens gehabt hertzog Aymont (1535) a IIa.
 
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vertreibung, f. , von der ältesten bis zur jüngsten zeit verbreitete abstractbildung zu vertreiben in den verschiedenen bedeutungen. älteste glosse: firdribunga, repudium 1, 721a Steinmeyer-Sievers; Gallée vorstudien 65. mhd. vertrîbunge mhd. wb. 3, 89a; Lexer 3, 276. mnd. verdrivinge Verdam 619b; nl. verdrijving; schwed. födrifning.
1) zu vertreiben I 1, 'austreibung, verstoszung, verbannung, verweisung': repulsio, depulsio, repudium scilicet uxoris voc. inc. teut. ii 6a; vertreibung in das elend, liminium voc. 1482 kk 1a; Diefenbach gloss. 330, 493c; profugatio 463b; vertreybung, verbannung, verjagung, ausztreybung, eiectio, exactio Frisius 465b, 507b; Maaler 435d; exilium Calepinus 523b; Hulsius-Ravellus 359a; Stieler 2322; Kramer 2, 1129a; Frisch 2, 384c; Adelung; Campe.
das heilig creucz ist .. eyn vertreibung der abgötter der heyligen leben 34b b; zur vertreibung der bösen geister Mathesius Sarepta 127b; vertreibung des teufels Arnim trösteinsamkeit 204; das wäre dann freilich die vertreibung aus dem paradiese Fontane 5, 204.
das küniglich schwert zur vertribung der vienden Christi Tschudi helvet. chron. 1, 25; bey vertreibung aller fürsten des geblütes Lohenstein Arminius 2, 578b; mehr als seine .. kriege .. wirkte jene vertreibung der Hugenotten Herder 23, 77; er schwächte seine staaten

[Bd. 25, Sp. 1980]


durch vertreibung der Mauren Schiller 4, 109; seit vertreibung der Jesuiten giebt es .. keine ordentliche öffentliche schule Forster 1, 39; aus dem zeitraum, der unmittelbar auf die vertreibung der könige folgte Niebuhr röm. geschichte 1, 178.
wann Sidonius begerte .. die abty zu Sant Gallen, so wär er in vertribung Sant Ottmars den unrechten fürsten verwilligen Oheim Reichenauer chron. 39, 26; mit einem frescogemählde geziert, die vertreibung Heliodors vorstellend Göthe 31, 26 Weim. in passivem sinne: was nun diesem ehrlichen manne nach seiner vertreibung von Göttingen begegnet ist Liscow schriften, vorrede 36; wollte dein vater diese gelegenheit versäumen, so drohte uns .. gewaltsame vertreibung Holtei erz. schriften 27, 33.
2) 'ausscheidung von metallen' (vgl. vertreiben I 2): das korn enthält .. noch die arsenmetalle des kobalts und nickels mit einem überschusse von arsen, zu dessen vertreibung man das korn .. erhitzt Muspratt chemie 4, 1408.
'beseitigung von leiden' (zu I 2 und II 1): erugatio, vertreibung der runtzlen oder rumpffen Calepinus 494a; dorumb der ägyptisch Macarius so vil wunders gewirckt in vertribung viler kranckheit Hedio chronicon 208b; so würst du sein tugend erfahren in stärckung des gesichts und vertreibung der flüsz Gäbelkover artzneybuch 1, 111; die purgation .. gebet mir ein, zu vertreibung der unreinigkeit Albertinus zeitkürtzer 39b; das kräftige hartzt zur vertreibung des hustens Lohenstein Arminius 2, 310a; die erste wirkung war ... die vertreibung der geschwulst allg. d. bibliothek 8, 36.
das ich z vertrybung schwerer gedencken und fantasyen, dises gedichte z tütsch transferyerte Wyle translationen 248, 27; ein lustiges spectacul, so sie ... zu vertreibung der melancholiae .. sehen lassen wolten Grimmelshausen 4, 660, 26 Keller.
3) 'verscheuchung' (zu vertreiben I 3): sie (die kirche) beschwert auch die kertzen .., zu vertreibung des tonners und des plitzes Fischart binenkorb 16a; darauf: vertreibung der finsternisz Creuzer symbolik 2, 16; die Egyptier .. mahlen .. eine fliege zu vertreibung dieses geschmeiszes Lohenstein Arminius 2, 206a.
4) von der zeit (zu I 4): z vertreibung der langkweil Schaidenraiszer Odyssea 73a; ich thue es für die lange weile, wider, zu vertreibung derselben Adelung lehrgebäude 2, 144; worvon er ligerhafft worden, und zu vertreibung der zeit geistliche bücher gelesen Abraham a St. Clara Judas 1, 12; wenn ein abwesender cosmopolit .. keinen stoff zur vertreibung der zeit hergäbe Lichtenberg nachlasz 60. heute ersetzt durch zeitvertreib (s. d.).
5) von der farbenbehandlung (vgl. vertreiben II 2): die vertreibung der farben, l'adoucissement Schwan nouv. dict. 2, 938b; Beil techn. wb. 1, 630; das übrige (im gemälde) ... wird nach der gemeinen art durch pinselstriche und vertreibung der farben in einander gearbeitet Sulzer theorie 3, 396.
6) 'das inumlaufbringen, der umsatz von waaren' (zu II 3): von nützlicher consumirung und vertreibung des holtzes Döbel jägerpractica 3, 42; ein jude .., der sich zur vertreibung der loose erbot Hebbel briefe 6, 291.
einzige zusammensetzung (zu vertreiben I 2) vertreibungsmittel, n., 'beseitigungsmittel': abagmentum, depulsum Kirsch 2, 315b; vertreibungsmittel schützen nicht dagegen Schönermark-Stüber hochbau-lex. 115.
 
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vertrempeln, verb., s. vertrampeln.

 

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