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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertrauenszeichen bis vertraunis (Bd. 25, Sp. 1959 bis 1965)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertrauenszeichen, -zeugnis, n., verdeutschungen für vertrauensvotum: ob Piemont ein vertrauenszeichen .. abweisen solle Treitschke aufsätze 2, 329; man erteilte ihm .. ein vertrauenszeugnis Alten heer u. flotte 3, 252.
 
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vertrauer, m., 'eine person, die vertraut, vertrauen hat und zeigt' Campe; nicht üblich. gott lässet seinen zuversichtlichen vertrauer nicht stecken Grimmelshausen 1, 330 Keller; er sah den herzlichen vertrauer auf die eigene kraft Benzel-Sternau bei Campe;

wohl zu bedauern sind leichtsinnige vertrauer,
die hier in's lustspiel gehn, und finden das der trauer
Rückert werke 8, 351.


 
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vertrauern, verb. , perfectivbildung zu dem verb. trauern; in verschiedenen bedeutungen.
1) obd.: elugeo, vertrauren, sein trauren enden, aufhören leid tragen Frisius 469a; Maaler 435a; Calepinus 473a; Dentzler 315a; Kramer 2, 1120a; ein frau vertraurt iren man bald Keisersberg granatapfel 29;

gott weisz wie ubel sie mich dauren,
mich dünckt, ich kön sie nit vertrauren
Nic. Frischlin d. dichtungen 18.

in der schriftsprache nicht üblich, doch noch mundartlich obd.: in Davos vartrûra 'verschmerzen' Bühler 1, 194; 2, 101; schwäb. vertrauren Fischer 2, 1386 (irrthümlich 'für einen trauer tragen').
2) 'etwas trauernd hinbringen, verlieren': bey diesen tönen wallt mein blut. schallen sie aus der ferne herüber, so mahlen sie mir die dinge, deren genusz ich hier vertraure, dasz härmende sehnsucht mich verzehrt Iffland theatral. werke 3, 260. üblich nur von der zeit, 'in trauer verbringen, zubringen' Campe; die in abgekommenen gewändern der alten zeit ihr leben verschwenden oder vertrauren Herder 14, 542; meine Amalia .. verseufzt und vertrauert ihr leben Schiller 2, 126 (räuber 3, 2);

(die) in enger kerkerhaft
der jugend schöne jahre musz vertrauern 12, 403 (M. Stuart 92);

welch leben ist's, das an der heil'gen stätte ...
ich nur vertrauern musz?
Göthe 10, 7 Weim. (Iphigenie 107);

wer hinter den herabgelassenen rouleaus seine tage vertrauert Fontane 4, 424.
3) ungewöhnlich ist intrans. gebrauch, 'in trauer sich abhärmen und daran zugrundegehn':

den gefangnen mein den geb ich dir nicht,
im thurm musz er vertrauren d. volkslieder 99 Mittler;

dasz du nicht ganz vertrauern muszt,
schau an mein bild in deinen wunden
Brentano 2, 270;

da seit der eltern tod der knabe einsam musz vertrauern
Arnim werke 19, 55.


4) den reflex. gebrauch in ähnlichem sinne hat Göthe geprägt vgl. Campe; ich, der ich mich vertrauern könnte, wenn so ein paar bäume in meinem hofe stünden Göthe 19, 122 Weim.;

habt eures ursprungs vergessen,
euch zu sklaven versessen,
euch in häuser vermauert,
euch in sitten vertrauert 16, 90 (Satyros 245);

[Bd. 25, Sp. 1960]



laszt in sorgen und in irren
nimmer den genius sich vertrauern
Hölderlin dichtungen 1, 215.


 
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verträufeln, verträufen, verb., kaum gebräuchlich. vgl. DWB vertriefen, DWB vertröpfeln, DWB vertropfen. nur Campe verzeichnet ein trans. verträufeln, verträufen, 'in kleinen tropfen vergieszen, fallen lassen; träufelnd erschöpfen'. literarische belege dafür finden sich nicht, wohl aber für den intrans. gebrauch: vertreufeln, liquore destitui, exstillari, stillando arere Stieler 2329; verträufeln, exstillare Steinbach 2, 862; Kirsch 2, 315a. Campe bezeichnet die form verträufen als unrichtig für vertraufen, 'aufhören zu traufen, traufend verlaufen'; es ist eine nebenform zu vertriefen; damit diese zeit über die darinn (in den bäumen) steckende feuchte ausdünsten und vertreuffen möge Hohberg georgica 1, 67;

allein ihr öl vertreufft wie wasser aus dem siebe
Lohenstein rosen 70;

wachs, schwingfedern, und mann verträufelten über dem meere
Bodmer Noah 161 (5, 696).


 
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vertraulich, adj. und adv. , berührt sich vielfach mit vertraut (s. d.). es erscheint zuerst in adverbialer form als vertrawenlîchen, vertrawenlich, vertrewlichen in der Zimmerischen chron. vgl. Lexer 3, 276; Fischer 2, 1385; die form vertraulichen zum letzten mal bei Schweinichen: darum es auch niemanden vertraulichen zu lesen gegeben 7. die form verträulich, richtiger vertreulich geschrieben auf grund von mhd. vertriuwelîch, hält sich obd., schriftsprachlich noch bei Bodmer Noah 15 (1, 311); Hafner lustspiele 2, 4; Ayrenhoff werke 4, 286; rein mundartlich österr. fadraili Castelli 122;

kám mainst, as wird wiedá
voträulig und recht,
da sötzts in dá christenhait
gfámmát und gfecht
Stelzhamer dichtungen 1, 221;

elsäss. verträulich, schwäb. verträulich neben vertraulich Martin-Lienhart 2, 736b; Fischer 2, 1385 f. im ganzen ist das wort wohl wenig verbreitet in rein mundartlicher ausdrucksweise. Kramer 2, 1116 f. setzt die form verträulich allein an; die übrigen lexicographen nur vertraulich: Calepinus 303a, 561b; Dentzler 315a; Steinbach 2, 842 f.; Frisch 2, 382b; Adelung; Campe. ins nl., fries., dän., schwed. aus dem deutschen aufgenommen: nl. vertrouwelijk; helgoländ. fərtráuəlk Siebs 219a; dän. fortrolig; schwed. förtrolig.
vertraulich berührt sich zwar verschiedentlich mit vertraut (sp. 1952ff.), ist aber im heutigen gebrauch vielfach davon geschieden.
1) die bedeutung 'zuverlässig' ist mit sicherheit nur vereinzelt nachzuweisen: fiduciaria tutela, vertrauliche vormundschafft Frischlin nomenclator 237a; ein fürst könne kein bessern oder vertraulichern leibschützen oder trabanten haben, als die lieb seiner underthanen Zinkgreff apophthegmata 62.
veraltet und durch vertraut ersetzt ist die verwendung 'nahe bekannt mit etwas' (vgl. vertraut 2 sp. 1952f.):

ihr mit dem kommenden weltgerichte vertrauliche seelen,
hört mich
Klopstock Messias 1, 22;

nach und nach wurde unser volk vertraulich mit ihnen Wieland Agathon 1, 22; um sich mit allem, was gefahr heiszt, vertraulich zu machen Lessing 2, 254 (Minna 5, 9); diese fortwährende erinnerung machte mich insgeheim immer kecker und vertraulicher mit ihrem bilde Keller 1, 284.
ebenso in der verbindung 'intimer freund' (vgl. vertraut 3 sp. 1953): mein vertraulicher freund schausp. engl. com. 273, 26 Creizenach;

ist das nicht, o Jedidda, der holde vertrauliche lehrer?
Klopstock Messias 1, 694.

auch subst. 'die vertrauten': die alten vertreulichen seyn schon nicht viel nütze, bey der jungen leute zusammenkunften Butschky Pathmos 34; wanns ja zum schiffbruch kommen solte, wolten wir als alte vertrauliche einander in die arme schlieszen Olearius reisebeschreibungen 33;

[Bd. 25, Sp. 1961]


du deinen freunden liebster Quintilius,
der unverstellten wahrheit vertraulichster
Klopstock oden 1, 24.

elsäss. noch vertroülichi fründ Martin-Lienhart.
2) die bedeutung 'zuversichtlich, zutraulich, offenherzig, vertrauensvoll', bei vertraut (sp. 1952) nur vereinzelt und veraltet, ist bei vertraulich ganz üblich.
von thieren wie vertraut: der hirsch geht vertraulich, wenn er auf der weide langsam herumzieht und sich wenig umschaut vgl. Heppe lehrprinz 127; jäger 383a; Weber öcon. lex. 616b; österr. von wilden thieren, die man zahm gemacht hat Castelli; das scheue wild weidet noch vertraulich neben den menschen Göthe 48, 160 Weim.; als die hunde nahrung empfingen, fügten sie ihr nicht das geringste leid zu, sondern wurden ganz vertraulich und zahm Bürger 1, 267b.
von menschen: confident Wächtler 114; offenherzig, redlich, wenn man sich einem andern gänzlich entdeckt und alles heimliche heraussagt vgl. Gottsched beobachtungen 221; vertraulich einem seyn Reyher thesaurus u 5 vb;

wem soll ich jetzt mein elend klagen?
wem soll ich jetzt vertraulich seyn? d. volkslieder 3, 77 Erlach;

und noch viele freundes herzen,
ihr und ihrem herrn vertraulich,
folgten treu dem zug der schmerzen
Brentano 2, 545;

nach dem, so wüntsch ich mir, dasz nach uns so dein kind
und mein kind, wie auch du und ich, verträulich sind
Logau sinnged. 183 (798; vgl. dazu
Lessing 7, 406);

gegen welchem wir uns vertraulich erweisen, denselbigen gewinnen wir darmit Fischart ehzuchtbüchlin 169.
einen vertraulich machen: insonderheit liebkosete Tiberius dem Flavius, umb ihn verträulich ... zu machen Lohenstein Arminius 2, 514b; doch machen wir sie vertraulich, dasz sie an uns gewohnen Weise comödienprobe 238;

ein titel musz sie erst vertraulich machen,
dasz eure kunst viel künste übersteigt
Göthe 14, 95 Weim. (Faust 2029).


3) adverbial, 'im vertrauen': confidenter, fidenter, vertraulich, standhafftiglich, sicherlich Calepinus; simpliciter et candide, bona fide Dentzler; darumb welle ich ... mich und mein absolution dem allmächtigen bevelhen und vertraulich glauben Berthold v. Chiemsee theologey 516; nicht einen .., darauff er sich vertraulich verlassen dörffte Fischart discours B 1b; das wir umb die ding, so wir sonst nicht on scham bitten dürfften, frey und vertreulich E. M. bitten Luther Kei. Maj. schreiben an bapst Adrianum 2, 176a;

durchleuchtiger könig, weil du mich liebest
und mir vertreulich untergiebest
dein reych sambt dem gemeinen nutz
Sachs 11, 133, 26 Keller-Götze;

so werd' ich ihn dürffen vertreulich umbfassen?
Silesius seelenlust 49 neudr.;

ihr fingt soeben an, vertraulicher
mit ihm zu sprechen
Lessing 3, 67 (Nathan 2, 619);

weisz man die männer, die er mehr als andre
begünstigt, die sich ihm vertraulich nahn?
Göthe 10, 130 Weim. (Tasso 626).

bisweilen tritt der sinn 'insgeheim' hinzu: es wardt graf G. W. vertrauenlich zu wissen gethon Zimmer. chron. 4, 158; dasz eüch jemand ... euere fehler vertraulich anzeigete Moscherosch insomnis cura 38 neudr.; ihm Vasaces vertreulich entdecket, wie sein könig sich in Rom befände A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 33; er hat mir vertraulich geschrieben Steinbach; immer mehr, fügte er vertraulich hinzu, werde die hinterlist des papstes dem kaiser bekannt Ranke 4, 216.
dann nimmt vertraulich den sinn 'intim' an: familiär, bekannt, gemein Spanutius 251; communicatif Schwan 2, 937b; familiär Campe verdeutschungswb. 311b; vertraulich gegen wenige, höflich gegen alle Wander sprichw. 4, 1617; vertraulich mit einem sein, leben, umgehen Kramer, Frisch, Steinbach, Adelung; einen alten bekannten .., mit welchem er vor diesem auf universitäten gantz vertraulich gelebt hatte Weise erznarren

[Bd. 25, Sp. 1962]


61 neudr.; wir gingen vertraulich zusammen, faszten uns bald bei der hand Göthe 25, 46 Weim. (Meister). besonders vom umgange bei personen zweierlei geschlechts, wo die nöthige zurückhaltung und wohl gar sittsamkeit mangelt Campe; eine ledige weibsperson .. macht sich mit den manns-bildern nicht .. verträulich Abraham a St. Clara etwas für alle 2, 344. subst.: folglich alles niedrige, vertrauliche (in der ausdrucksweise) ... hier verwerflich wird Adelung magazin 21, 128.
4) als attribut bei sächlichem subst. 'zuversichtlich, vertrauensvoll': diesen streflichen handel zeigen wir euer edelkeit vertreulicher guter meynung ... an verhandlungen über Absberg 303; mit was christlichem gemüt und vertreülichem hertzen mag doch ein mensch sagen, das er seiner seligkeit halben seinen eltern nachvolge reformations - flugschriften 2, 362 Clemen; in diesen gesinnungen täuschten sie alle vertrauliche hoffnungen des volcks Niebuhr röm. geschichte 2, 138;

vergebens harren wir schon jahre lang
auf ein vertraulich wort aus deiner brust
Göthe 10, 5 Weim. (Iphigenie 68).


'intim':

und ein vertraulich band umschlinge fortan
die kronen Frankreich und Brittannien!
Schiller 12, 451 (M. Stuart 1223);

schlieszet er mit Planco eine verträuliche freund- und brüderschafft Harsdörffer gesprechspiele 2, 83; sich einer mehrern, nähern, vertreulichern verständnusz und zusammensetzung mitteinander .. zu vergleichen Chemnitz schwed. krieg 1, 4; dann wir unsz die uhralte vortrau- und nachbarliche correspondentz gern .. erhalten helffen wollen acta publica 1, 35 Palm; mein herr, sie beschimpfen mich jetzt mit dieser vertraulichen benennung Lessing 2, 243 (Minna 4, 6); die einfalt des ausdrucks und der empfindung in seinen vertraulichen briefen Treitschke deutsche geschichte 1, 290; euch mit dem 'vertraulichen du' zu begrüszen Gutzkow werke 10, 196;

aber an die stelle
huldreich vertraulicher herablassung
war feyerliche förmlichkeit getreten
Schiller 12, 97 (Piccolomini 656).


'heimlich, traulich. anheimelnd':

dir nur, liebendes herz, euch, meine vertraulichsten thränen,
sing' ich traurig allein diesz wehmütige lied
Klopstock oden 1, 31;

da geht der vertrauliche becher herum
Kretschmann 1, 69;

sagte sie im vertraulichen landesdialekt Keller 3, 66; weder das licht der sonne noch eine vertrauliche kerze wird ihr holdes angesicht jemals wieder erleuchten Göthe 23, 101 Weim. (Meister); vorm angesicht des vertraulichen mondes Herder 15, 276; aber hier am Zürchersee ... ist alles näher, lieblicher, vertraulicher, freundlicher, inniger Zimmermann einsamkeit 4, 87; ich stelle mir eure lebensart recht still, vertraulich und heimlich vor Bettine Günderode 2, 196;

so vertraulich ist die nacht
und voll zaub'rischer gewalten
Eichendorff werke 4, 290;

gehört sie (die that) jenen tück'schen mächten an,
die keines menschen kunst vertraulich macht
Schiller 12, 216 (Wallensteins tod 191).


als neutrales subst. bedeutet es bald 'geheimes', bald 'anheimelndes': dieweil aber der wirth und hauszknecht stets ab- und zugiengen, konten wir einander nichts verträuliches erzehlen Simpl. 367 Kögel; die feierliche stille, das vertrauliche, welches die nacht der gesellschaft einflöszt, alles giebt dem auftritt einen besonsonderen reiz aus einem briefe bei O. Jahn Mozart 3, 201 anm.
 
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vertraulichen, verb., vgl. unter vertrauen II 2 (sp. 1949).
 
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vertraulichkeit, f. , subst. zu vertraulich, seit dem 16. jh. gebräuchlich: vertrauligkeit, amicitia Reyher thesaurus u 5 vb; vertreulichkeit, familiaritas, intima consuetudo Stieler 342; verträulichkeit, confidenza, familiarità Kramer 2, 1117a; Belemnon 53; vertraulichkeit Dentzler 315a; Spanutius 251; Apinus 148;

[Bd. 25, Sp. 1963]


Kirsch 2, 315a; Steinbach 2, 843; Frisch 2, 382b; Adelung; Campe. dem deutschen entlehnt ist nl. vertrouwelijkheid, schwed. förtrolighet, dän. fortrolighed.
1) ältester beleg: welche gifftige süchten die verzweyfflung und eytel vertreuligkeyt ('selbstvertrauen') auszgereynigt und weg gethan werden, wenn die vertreüligkeit ('zuversicht') und die empfindtligkeit der barmhertzigkeyt gotes die hertzen trifft und berürt ... die verheyszungen sein vertreuligkeyten, und die traunuszen sein merungen der forcht Melanchthon annotationes über 1 Kor. 12.
veraltet für vertrauen: habe gott in einigkeit des geistes, in gesamter christlicher vertrauligkeit angeruffen und gedient schulpossen, apologia (103) bei Zacher sprichwörtersamml. 44; welche der vertrauligkeit und redligkeit den letzten stosz gegeben Butschky Pathmos 44;

dasz weder lieb, freindschafft, auffrichtigkeit,
dasz weder treu, glaub noch verträulichkeit
mehr in der welt zu finden
Weckherlin ged. 2, 24;

diese geberden und gramanzen nehmen alle vertraulichkeit hienweg Moscherosch Philander 2, 93; dasz sie die gunst, und endlich selbst die vertraulichkeit der Aspasia erhielt Wieland Agathon 1, 147; leicht gewann ich da ihre vertraulichkeit Göthe 37, 21 Weim.; dasz er .. sich nicht allein in die gnade der fürsten, sondern auch in deren innerste vertraulichkeit zu bringen wissen Besser schrifften 1, 131; einen seiner vertraulichkeit würdigen Frisch.
sprichwörtlich: vertrauligkeit wohnt im hundsstall; ist in der arca Noë in flore gewest; die neu vertrauligkeit hatt die alt des reichs verwiesen Lehmann bei Wander 4, 1617.
statt des jüngeren vertrautheit (s. d.) 'innige bekanntschaft mit etwas' (vgl. vertraulich 1 sp. 1960): ich erwarte .. eine hinlängliche vertraulichkeit mit meinem fache Schiller briefe 2, 245; aus dem gebrauch griechischer mythologie in der kunst läszt sich vertraulichkeit mit den griechischen dichtern folgern Niebuhr röm. geschichte 1, 88.
2) 'zutraulichkeit' (vgl. vertraulich 2 sp. 1961). von thieren: damit das wildpret .. beständig in seiner vertraulichkeit gelassen werden möge Heppe lehrprinz 132; Naumann naturgeschichte der vögel 9, 132. von mädchen: hinter diesem baume will ich mich verbergen, um ihre reize anzuschauen, ohne ihre vertraulichkeit zu stören Forster 9, 180.
in poetischer ausdrucksweise 'anheimelnd, traulich': der abend legte sich mit süszer vertraulichkeit über die gegend Novalis 4, 32.
'vertrauensverhältnis, freundschaft': die vertraulichkeit gehört zur wahren freundschaft, wenn sie zu einem gewissen grade der höhe gestiegen ist Gottsched beobachtungen 371; das öftere beysammenseyn zeugte vertraulichkeit, und vertraulichkeit zeugte freundschaft Zimmermann einsamkeit 1, 268; in vertraulichkeit miteinander leben Kramer, Dentzler, Steinbach; so wir eynander nit anders, als inn aller vertraulichkeyt .. erkant haben Fischart ehzuchtbüchlin 124; was würde da von kindheit an vor eine lieb, treu und gute vertrauligkeit erwachsen Schupp schriften 82; ein geheimes pförtchen der vertraulichkeit und freundschaft Herder 15, 156; zu den malern trat er bald in eine grosze vertraulichkeit Immermann 20, 152; welchen die edle herzliche vertraulichkeit nicht gelingt Nietzsche 4, 245.
'eintracht': zwey mittel .., ohne welche nicht könne politischer fried und vertreuligkeit im selben königreich erhalten werden Heilbrunner Augspurg. confession 147; dasz uns das deutsche heer vom römischen nicht gantz aufgerieben ward, .. war wol fürnehmlich ... der verträuligkeit des kriegs-volckes zuzuschreiben Lohenstein Arminius 2, 1211a; wie gewisz sie bei ihm seines höheren berufs, eines göttlichen beistandes, seiner vertraulichkeit mit dem himmel werden Herder 19, 310; bey mir ist hertz und zunge in guter vertreuligkeit

[Bd. 25, Sp. 1964]


Gryphius lustspiele 90 (Horribil.); so dasz beide zusammen in der gröszten vertraulichkeit lebten Göthe 43, 89 Weim.; von der beständigen vertraulichkeit der beiden häuser (Habsburg und Hohenzollern) hange ihre wohlfahrt ab Ranke 27, 118.
3) in neuerer sprache insbesondere 'inniger, zwangloser, rückhaltloser verkehr': die thätige erweisung seines vertrauens zu jemandes liebe und wohlwollen ohne zurückhaltung Adelung; familiarität Campe verdeutschungswb. 311b;

doch eine würde, eine höhe
entfernte die vertraulichkeit
Schiller 11, 197;

schlimm ist vertraulichkeit da, wo vertrauen fehlt Rückert werke 8, 283; eröffnete der geist dem fahrenden schüler auch ausz besonderer guten vertraulichkeit, dasz .. Grimmelshausen 4, 524, 21 Keller; gern spräch sie mit ihnen eine viertelstunde in vertraulichkeit Arnim werke 2, 157; der kleine Victor .. schlang in kindlicher vertraulichkeit seinen arm um seinen hals Holtei erz. schriften 11, 145; was jene mit dem munde bey einer trunkenen vertraulichkeit gestunden Rabener 4, 97; warnt den könig .. vor seiner gefährlichen vertraulichkeit mit leuten, die kein vertrauen verdienen Dahlmann franz. revolution 88.
in verächtlichem sinne: die vertraulichkeit gebähret verachtung Abraham a St. Clara etwas für alle 2, 37; Kramer.
besonders von allzu zärtlichem und unerlaubtem verkehr zwischen den geschlechtern: die vertraulichkeit verursacht fleischliche gemeinschafft schausp. engl. com. 316, 4 Creizenach; lassen sie uns mit einander brechen .. mit beybehaltung eines grades von hochachtung, wie er sich zu unserer ehmaligen vertraulichkeit schickt Lessing 2, 323 (Sara 4, 4); Serlo ist wirklich mit der schönen Elmire öffentlich getraut, da der vater ihre heimliche vertraulichkeit nicht gut heiszen wollte Göthe 23, 91 Weim. (Meister); es hat sich .. nicht eine einzige frauensperson in die geringste unanständige vertraulichkeit mit den Europäern eingelassen Forster 2, 310;

gleich nach eurem abzug ward
die unbegreifliche vertraulichkeit
bemerkt, die Drago an die gräfin band
Hebbel 1, 207 (Genoveva 2436).


4) 'vertrauliche mittheilung, handlung, zeichen von vertraulichkeit': weil sie (monologe) mir die geheimen anschläge einer person vertrauen, und diese vertraulichkeit mich den augenblick mit furcht oder hoffnung erfüllet Lessing 9, 388; eine vertraulichkeit ist der andern werth! Weisze lustspiele 1, 186;

wenn sich kühn
vertraulichkeit von meinen lippen wagt
Göthe 10, 323 Weim. (natürliche tochter 1653);

so konnte sie (die freundschaft) durch jene vertraulichkeit (Posas) gegen den könig zwar beleidigt, aber nicht verrathen ... worden seyn Schiller 6, 57; dasz die wiederrufung des edicts von Nantes ... mit der zeit ihrer (der Maintenon) aufnahme zur nächsten vertraulichkeit des königes zusammentrift Herder 23, 46. nur in dieser bedeutung ist die mehrzahl üblich: zwar darf ich mich nicht rühmen, alle deine vertraulichkeiten genossen zu haben Kretschmann 2, 1; Rebekka verstand den zudringlichen vertraulichkeiten, womit er sie .. bestürmte, sehr geschickt auszuweichen Holtei erz. schriften 18, 88; sich allerlei vertraulichkeiten gegen jemanden erlauben Adelung; verräth das persönliche pronomen .. oft vertraulichkeit und geringschätzung lehrgebäude 2, 344.
5) in der zusammensetzung vertraulichkeitsausdruck, m.,
 
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-sucht, -wendung, f.: dem letzteren wort gab sie .. einen besonderen vertraulichkeitsausdruck Fontane 1, 544; dies 'wir' war nur eine vertraulichkeitswendung 1, 5; ein sich mit der wollust des schmerzes selbst preisgeben und die sich selbst geiselnde vertraulichkeitssucht Gutzkow zauberer 2, 63.

[Bd. 25, Sp. 1965]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verträumen, verb. , seit 1700 gebräuchliche bildung, meist in poetischer sprache: Stieler 2303; Adelung; Campe; schwäb. Fischer 2, 1386; ostfries. ferdrömen Doornkaat 1, 444b; nordfries. ferdremm Schmidt-Petersen 37b; nl. verdroomen scheint dem deutschen entlehnt. der gebrauch ist in der regel trans.
1) 'eine zeit träumend verbringen': vana spe ex insomniis addita laetari Stieler;

es fielen wachend mir die müden augen zu,
und suchend nach dem schlaff, verträumt ich meine ruh'
Warnecke poet. versuch 367;

wie süs verträumt ich nicht die jugendlichen stunden
einst in Sophiens arm
Göthe 9, 481 Weim. (mitschuldige 501).


vom vegetieren der pflanzen: obgleich .. hier nur winterkohlköpfe und eingewickelte rosenbäumchen den schlaf der gerechten verträumten Keller 5, 36. die erinnerung an träumen ist ganz geschwunden: ich .. habe mit musterung der blätter, .. des ganzen wuchses der bäume und pflanzen manche müszige stunde verträumt Herder 16, 550.
2) 'auf angenehme art über unangenehmes hinwegkommen, es vergessen und verschmerzen':

wo wie vor süszen zaubereien
der bürger seinen gram verträumet
Herder 23, 335;

(der) sein eigen schicksal in fremdem schicksal verträumt Schiller 2, 348; um des tages last und hitze zu verträumen Hippel kreuz- und querzüge 1, 576; lege dich noch einmal aufs ohr und verträume deine gefangenschaft Hauff 1, 94.
3) mit übergang zu üblem nebensinn, 'mit nichtsthun verbringen, verlieren, verscherzen': mir aber ist itzt nicht selten das ganze leben so ekel — so ekel! ich verträume meine tage mehr, als dasz ich sie verlebe Lessing 18, 46 (briefe); er hat sein glück vertreumet Stieler;

der in Karthago säumt,
und den verheisznen thron im arm der lust verträumt
Schiller 6, 396 (Äneide 335);

die schwärmerin verträumet
gar oft den glockenschlag
Uhland ged. 1, 51.


4) part. prät. 'ausgeträumt': so ist's — ja traum ists — bald verträumter traum Lavater bei Morris der junge Göthe 4, 107. 'träumend zugebracht': es geht im menschlichen leben so manche verträumte stunde verlohren Knigge umgang 1, 99. 'träumerisch, versonnen':

ringend in geheimer lust
kommt das wunderbare singen
an die süsz verträumte brust
Eichendorff werke 1, 686;

sein blick irrte verträumt in die dämmernde unendlichkeit Viebig das schlafende heer 2, 291. mit richtungshinweis: Kathrina ganz in seinen anblick verträumt Karl Hauptmann bergschmiede 36.
5) reflex. gebrauch, 'sich träumend verlieren, vergessen': schlaf und träume dich voll — verträume dich und schenke .. deine seele mir maler Müller Fausts leben 163 (99, 31 neudr.); du lieber gott, sie verträumte sich ja! sie sollte doch in die kirche hinauf Ginzkey geschichte einer stillen frau 33. schlieszlich auch intrans.: dessen seele da oben in der stillen heide in gefahr gewesen war, in dämmerung zu verträumen Frenssen Hilligenlei 507.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verträumnis, verträumtheit, f., substantivbildungen zum vorigen, die erste vereinzelt gebildet, die zweite erst kürzlich üblich geworden:

wie ein vermoostes waldgeheimnisz
ruht das geborstne riesenhaus
in schutt und schweigender verträumnisz
von dunkler vorzeit rätseln aus
Scheffel werke 6, 256;

die tatenscheue deutsche verträumtheit Gumppenberg im kunstwart (1913) 27, 232b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
vertraunis, auch vertraunüs, f., ältere abstractbildung zu vertrauen; 'verbindung, bündnis': vertraunis, copula Diefenbach-Wülcker 569 (ohne quellenangabe);

[Bd. 25, Sp. 1966]


zu beyder länder wohlfahrt ... sonderlich zu noch beszerer zusammensetzung der zuvor mit einander habenden vertraunüsz acta publica 2, 111 Palm (schles.).

 

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