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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertrauensselig bis vertrauern (Bd. 25, Sp. 1958 bis 1959)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertrauensselig, adj.,
 
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-seligkeit, f.: wie sie .. die empörendste komödie mit dem vertrauensseligen gatten gespielt habe Keller 5, 140; von der echt deutschen sünde vertrauensseliger gutmüthigkeit Treitschke aufsätze 1, 196; seine vertrauensseligkeit, womit er in die nächste zukunft sah Hoffmann v. Fallersleben mein leben 6, 27. —
 
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vertrauensstellung, f.: dasz man ... ihnen vertrauensstellungen von rang und bedeutung gegeben habe Ranke 16, 314. —
 
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vertrauensverrath, m.: der nach solchem vertrauensverrath die keckheit gehabt hätte, wieder öffentlich auf der strasze zu erscheinen Florencourt zustände in Deutschland (1840) 201. —
 
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vertrauensvoll, adj., adv., subst.:

denn diesz vertrauens-volle zeichen
gewährt dir ja dein gottes-hausz
Henrici ged. 3, 38;

aus dem bunten weltbeginnen
wende deinen holden blick
so vertrauensvoll nach innen
Göthe 4, 7 Weim.,

[Bd. 25, Sp. 1959]


uns vertrauensvolleren musz es scheinen Nietzsche 1, 498. —
 
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vertrauensvotum, n., geläufiger ausdruck im parlamentarischen leben, vgl. vertrauensbeweis, -zeichen, -zeugnis: das von einem landtag oder einer sonstigen körperschaft abgegebene urtheil, ob man zu einer bestimmten person vertrauen hege: bekanntlich war das frühere budget auf ein jahr abermals bewilligt, und dieses war, so zu sagen, ein vertrauensvotum Wilh. Grimm an Jacob, briefwechsel 1, 160; selbst die heutigen vertrauensvoten, die ich von der tribüne gehört habe, haben mich kalt gelassen Bismarck polit. reden 4, 178. —
 
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vertrauenswort, n.: der spanische ambassadore wird dir das vertrauenswort mittheilen Laube 14, 124. —
 
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vertrauenswerth, -würdig, adj.: dasz er ... ein vertrauenswerthes gemüth ungetrübt sich erhalten werde Göthe IV 40, 147 Weim.; ein schätzbares lehrbuch, ein vertrauenswürdiger lehrer II 7, 195. —
 
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vertrauenszeichen, -zeugnis, n., verdeutschungen für vertrauensvotum: ob Piemont ein vertrauenszeichen .. abweisen solle Treitschke aufsätze 2, 329; man erteilte ihm .. ein vertrauenszeugnis Alten heer u. flotte 3, 252.
 
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vertrauer, m., 'eine person, die vertraut, vertrauen hat und zeigt' Campe; nicht üblich. gott lässet seinen zuversichtlichen vertrauer nicht stecken Grimmelshausen 1, 330 Keller; er sah den herzlichen vertrauer auf die eigene kraft Benzel-Sternau bei Campe;

wohl zu bedauern sind leichtsinnige vertrauer,
die hier in's lustspiel gehn, und finden das der trauer
Rückert werke 8, 351.


 
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vertrauern, verb. , perfectivbildung zu dem verb. trauern; in verschiedenen bedeutungen.
1) obd.: elugeo, vertrauren, sein trauren enden, aufhören leid tragen Frisius 469a; Maaler 435a; Calepinus 473a; Dentzler 315a; Kramer 2, 1120a; ein frau vertraurt iren man bald Keisersberg granatapfel 29;

gott weisz wie ubel sie mich dauren,
mich dünckt, ich kön sie nit vertrauren
Nic. Frischlin d. dichtungen 18.

in der schriftsprache nicht üblich, doch noch mundartlich obd.: in Davos vartrûra 'verschmerzen' Bühler 1, 194; 2, 101; schwäb. vertrauren Fischer 2, 1386 (irrthümlich 'für einen trauer tragen').
2) 'etwas trauernd hinbringen, verlieren': bey diesen tönen wallt mein blut. schallen sie aus der ferne herüber, so mahlen sie mir die dinge, deren genusz ich hier vertraure, dasz härmende sehnsucht mich verzehrt Iffland theatral. werke 3, 260. üblich nur von der zeit, 'in trauer verbringen, zubringen' Campe; die in abgekommenen gewändern der alten zeit ihr leben verschwenden oder vertrauren Herder 14, 542; meine Amalia .. verseufzt und vertrauert ihr leben Schiller 2, 126 (räuber 3, 2);

(die) in enger kerkerhaft
der jugend schöne jahre musz vertrauern 12, 403 (M. Stuart 92);

welch leben ist's, das an der heil'gen stätte ...
ich nur vertrauern musz?
Göthe 10, 7 Weim. (Iphigenie 107);

wer hinter den herabgelassenen rouleaus seine tage vertrauert Fontane 4, 424.
3) ungewöhnlich ist intrans. gebrauch, 'in trauer sich abhärmen und daran zugrundegehn':

den gefangnen mein den geb ich dir nicht,
im thurm musz er vertrauren d. volkslieder 99 Mittler;

dasz du nicht ganz vertrauern muszt,
schau an mein bild in deinen wunden
Brentano 2, 270;

da seit der eltern tod der knabe einsam musz vertrauern
Arnim werke 19, 55.


4) den reflex. gebrauch in ähnlichem sinne hat Göthe geprägt vgl. Campe; ich, der ich mich vertrauern könnte, wenn so ein paar bäume in meinem hofe stünden Göthe 19, 122 Weim.;

habt eures ursprungs vergessen,
euch zu sklaven versessen,
euch in häuser vermauert,
euch in sitten vertrauert 16, 90 (Satyros 245);

[Bd. 25, Sp. 1960]



laszt in sorgen und in irren
nimmer den genius sich vertrauern
Hölderlin dichtungen 1, 215.

 

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