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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertragung bis vertrauensamt (Bd. 25, Sp. 1943 bis 1958)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertragung, f. , ist als abstractbildung zu vertragen nicht üblich, wie schon Adelung feststellt.
1) statt übertragung im anschlusz an vertragen I 1: traportamento, traporto Kramer 2, 1112b; es hatte seit der auswanderung zwischen mutter- und tochterland nie an den berührungen gefehlt, die einen austausch, eine vertragung der wälschen und bretagnischen sagen möglich machten Gervinus gesch. d. d. dichtung 1, 253.
2) in üblem sinne veraltet schweiz. für austragung (vgl. vertragen I 4): crimen, anklag, schmaach, vertragung, zredung; criminatio, beschältung, fürzug, lesterung, vertragung, schmähung Frisius 344a, 345a; Maaler 435a. ebenfalls veraltet 'verschwendung' (zu vertragen I 2): prodigalitas, effusio Stieler 2314.
3) zu vertragen II 5 gehört das veraltete 'nachsicht, duldung': vertragung, leidensamkeit, tolerantia voc. 1482 kk 1a; Stieler; an der ... zähmungs-kunst ligt viel, so da geschicht .. τροποφορίαν, durch vortragung und erlernung der sitten Dannhawer catechismusmilch 3, 327.
4) zu vertragen III: mnd. vordreginge, 'vereinigung' Schiller-Lübben 5, 344a. 'vereinbarung': reconciliatio, ein widerversünung, gütliche vertragung Calepinus 1231a; md.: (wir) thun kund, das wir uns mit dem .. ertzebischoffe zu Mentze .. eine gutliche vertragunge .. geineynander vortragen und vorschrebin habin. solche vortracht die vorgen. tzcit .. festiclich zu halden urkunde v. 1440 (quelle nicht nachweisbar). 'verträglichkeit': comportement, vertragung Wächtler (1714) 110; jedoch sol man ... nicht die warhaffte vertragung des leibes und der seelen .. verneinen Prätorius blocksberg 232. von verträglichkeit geschieden: ob ihre vertragung ('aussöhnung') seiner liebe mit der deinigen eine verträglichkeit habe? ist die liebe nicht eine vereinbarung zweyer hertzen? Lohenstein Arminius 2, 134a.
 
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verträllern, verb., wie versingen, 'trällernd verbringen, vertreiben': das mädchen verträllerte den morgen wie eine junge lerche Campe. literarisch nicht nachweisbar.
 
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vertrampeln, vertrampen, verb., 'zertreten, zerstampfen', vulgärer ausdruck. beide formen bei Campe: die blumenbeete vertrampeln, eine spur im sande vertrampen. in obd. wie nd. mundarten vertreten: schweiz. vertrampen, conculcare, conterere Dentzler 314b; Stalder 1, 296; elsäss. schwäb. vertrampen, vertramplen (das gras, den boden) Martin-Lienhart 2, 757b, 758a; Fischer 2, 1383, 1384; lothring. vertramplen Follmann 155b; in Estland vertrampeln Sallmann 73b; auch dem preusz. geläufig; brandenburg. die ganze wiese ist verträmpelt jahrbuch f. nd. sprachforschung (1878) 40; ostfries. fertrampen, fertrampeln Doornkaat 1, 470a. aus nd. übertragung erklärt sich schwed. förtrampa vgl. Falk-Torp 1278. eine abweichende lautform weist eichsfeld. vertrameln, frtremələ auf Hentrich 16.

[Bd. 25, Sp. 1944]



literarische belege sind selten: so sind ... die verträmpelten örter aufzuhacken Döbel jägerpractica (1754) 3, 45; das vergantete und vertrampelte Matterhorn! .. aber so ein noch freier, unberührter, unverlästerter berg wie der Absomer, das ist was anderes! Federer berge u. menschen (1911) 36; dasz das schicksal, dieser alte ochse, uns unsere blumenbeete nicht vertrampelt Sudermann der gute ruf 151. subst. inf.: dann wird in der regel der reuter abgeworfen, und grade die kleinen pferdchen sind dann die schlimmsten mit abgrasen, vertrampeln Droste-Hülshoff briefe an Schücking 233.
in der bedeutung und zum theil auch in der form abweichend ist eine nur obd. gebrauchsweise: vertremplen, verträmplen, vertramplen Martin-Lienhart 2, 758a; Fischer 2, 1387, 1384; Stalder 1, 314: 'etwas stückweise und unnöthig ausgeben, zeit und geld vergeuden, vertrödeln, versäumen'; sindt zweintzig mine (für dise sengerin) verschlaudert, vertrempelet (periere) Boltz Terenz deutsch (1539) 103b; es müsse doch nach Michel sich umsehen, ob der eingerückt sei oder die sache vertrampelt hätte Gotthelf schriften 7, 111.
vgl. vertrappeln, vertrappen.
 
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verträndeln, vertrenseln, vertrenzen, verträntschen, verba des sinns 'vertrödeln', besonders von der zeit gebraucht: nd. verträndeln Campe; luxemb. siebenbürg. verträntelen lux. wb. 467a; lothring. vertränteln Follmann 155b; hess. verträndeln; nassauisch verträndeln, vertranzen Kehrein 1, 407; schles. vertrendeln, vertrenseln Weinhold handschr. nachlasz t 101a, 102a; in Posen verträndeln Bernd 339; waldeck. mit ablaut fertründelen Bauer-Collitz 32a; schwäb. vertrensen, vertrenslen, vertrentschlen Fischer 2, 1387; bair. östr. verträntschen, vertrenzen Schmeller 1, 671; vgl. tirol. Schöpf 755; da müssen wir uns in acht nehmen, dasz wir keine zeit vertrantschen Nestroy 3, 104; dann vertrenzen sich noch acht tag' bis zu der hochzeit, wie nix 251;

drum will ich ...
in angenehmer schauenlichkeit
verdrönsgen dieses restlein zeit
Mörike hutzelmännlein 91.

vgl. verträtschen.
 
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vertränken, verb. , in der schriftsprache durch ertränken ersetzt. mhd. nur trans. vertrenken mhd. wb. 3, 94b; Lexer 3, 274; nhd. vertränken, in undis necare, suffocare Stieler 2332; von Campe als landschaftlich verzeichnet. obd. vertränken: schweiz. Seiler 106; Tobler 190; elsäss. Martin-Lienhart 2, 760b; schwäb. Fischer 2, 1384. mnd. vordrenken (auch intrans.) Schiller-Lübben 5, 344a; brem. verdränken, 'ersäufen' brem. wb. 1, 247; mnl. verdrenken Verdam 619a; Kilian 585b. dem mnd. entlehnt ist schwed. fördränka 'ertränken'.
1) 'tränken, völlig tränken': arme soole in den salzbergwerken mit salzsteinen vertränken, vergüten, mit steinsalz versetzen und sättigen, damit sie beim sieden mehr salz gibt, vgl. Jacobsson 4, 535; Campe; hirtzhorn mit wein verträncket Sebiz feldbau 71;

her bracht mich in sîn wînklûs,
und hete mich vortrenket gar
mit sîner lîbe
Brun v. Schonebeck hohelied 12220.


2) 'durch zu reichliches tränken schädigen', selten von menschen, 'trunken machen': dat vordrenken, inebriare 4 Mos. 6, 2 bei Schiller-Lübben. 'ein gebiet überschwemmen': eine wiese durch zu lange wässerung vertränken Campe (landschaftlich); das wasser auscziehen, das es nicht mit seinem uberflusse das neheste perkwerk vertrenke böhm. bergrecht (14. jh.) bei Jelinek 852; vgl. Veith bergwb. 541; auch risse die Weissel aus, zu Fürstenwerder, und vertrenckete das gantze werder bey Dantzke Schütz preusz. chron. 2, r iva; kein wasser soll so hoch .. aufgetrungen werden, dasz die straszen oder wege vertränkt, grundlos oder arg dadurch gemacht werden jülichische polizeiordnung bei Frisch 2, 381b; unmaszen es dann gleich also anfangen zu donnern und zu regnen, dasz es die fieterung sehr verthrenkht abdruck actenmäsziger hexenprocesse (Eichstatt 1811) 113 (quelle v. 1626). 'im wasser untergehen lassen':

[Bd. 25, Sp. 1945]


lieʒ Salomon versenken
diʒ holtz unde vertrenken md. paraphrase d. buch. Daniel 3980 Hübner;

wann ein schif .. scheiterte und gar vertränkt wurde quelle v. 1581 bei Lori bair. bergrecht 332. in Appenzell sagt man fürli vertrenka, wenn die knaben am funkensonntag den docht der harzfackel unter das wasser setzen, zum zeichen, dasz das arbeiten bei licht bald ein ende nehmen werde Tobler.
3) 'einen menschen ertränken': non me demergat tempestas aquae .. daʒ mich des waʒʒers ungewittere niht vertrenke und das mich die tfe niht vorsfe altd. predigten 1, 328, 6 Schönbach; der schucze von Gotswerder .., der vortrenket wart Marienburger treszlerbuch 287. ältere quellen bei Schiller-Lübben, Martin-Lienhart, Fischer; als solches Amulius erfuhr, verschaffet er sie lebendig zu vergraben, und die zwilling zu vertrencken Quad enchiridion cosmogr. (1604) 121; (da) wolte er sie in säcke stecken und vertrencken lassen Zinkgref-Weidner apophthegmata 3, 27; der schiffmann leuchtete hin, und fing an: ha, ha! seyd ihr die t ... kerls, die vor einigen wochen die zwei reisenden da unten vertränkt haben? Jung-Stilling 1, 282; ein bote .. berichtet, wie Agnes vertränkt worden ist Vischer auch einer 2, 228.
subst. inf.: meinen, sie wöllens mit blöcken, stöcken, verbrennen, vertrencken z wegen bringen Brunfels vom evangelischen anstosz b 1a. lebendig im obd.
reflex., 'den tod des ertrinkens finden':

sî mûstin sich vortrenkin
in der Wîʒil allintsam
Nic. v. Jeroschin preusz. chron. 7508.

mit anlehnung an trank 'durch einen trank vergiften':

man solde im vergift schenken
unde also vertrenken
sin leben, daʒ in was zu hart md. passional 220, 88 Köpke.


 
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vertranksteuern, verb., im 18. jh. bezeugt, 'die tranksteuer (s. d.) für oder von etwas entrichten': tributum hoc persolvere Frisch 2, 981b; den wein, das bier vertranksteuern Adelung; Voigtel wb. (1793) 3, 542b; von Campe nicht mehr angeführt.
 
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vertrappeln, vertrappen, verb., auch mit umlaut; mit vertrampeln, vertrampen (s. d.) verwandt. 'mit den füszen zertreten, verderben, unkenntlich machen'; von Campe als landschaftlich verzeichnet. schweiz. vertrappen Stalder 2, 509; elsäss. schwäb. vertrappen, verträpplen Martin-Lienhart 2, 762a; Fischer 2, 1384; frankf. verdrappeln Askenasy 225; lothring. verdrappelt, 'versprochen, geirrt' Follmann 290b.
literarisch belegt nur in einigen obd. quellen: haund die rosz die saumen uff denn boden hinweg gfressen und als vertreppt und verhergt Seb. Fischer ulm. chron. 442; es konte auch hernach keine frucht daselbs herfür kommen, weil das land (von den heerhaufen) also vertreppelt war Lautenbach Flav. Josephus (Straszburg 1574) 75b; die wege seien da zum laufen, den klee vertrappe, den flachs verhürsche man nicht Gotthelf schriften 1, 149.
auch auf nd. boden: ostfries. fertrappen, fertrappeln Doornkaat 1, 470a; in Estland vertrappeln Sallmann 73b. nl. vertrappen.
 
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verträtschen, verb., 'ausschwatzen', aus schwäb. mundart (Fischer 2, 1384) durch Schiller in die schriftsprache eingeführt: ganze haufen böhmischer reuter schwadroniren im holz herum — der höllische blaustrumpf mus ihnen verträtscht haben 2, 97 (räuber 2, 3);

sicherlich ist die sache bereits verträtscht und im halben
flecken herum
Mörike werke 1, 259.

ferner schweiz. Stalder 1, 298; hessisch nassauisch westerwäld. Kehrein 1, 432; Schmidt 312. schweiz. auch in der bedeutung 'zertreten, zerstampfen', ebenso lothring. Follmann 155b; steir. 'verthun' Unger-Khull 222a.
 
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vertrau, n., österr. nebenform für das vertrauen: so viel vertrau hab ich zu dem menschen, dasz ich weisz, es kann dir nix böses überfahren Rosegger

[Bd. 25, Sp. 1946]


schriften II 6, 221; kein vertrau kann ich haben weltgift 391. schon im 16. jh.:

wöllen gott lassen walten,
auff den ich bau, setz mein vertrau,
er wirdt uns wol erhalten
Forster teutsche liedlein 29 neudr.


 
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vertrauen, verb. , eine ausgesprochene fair-bildung ohne mischung mit anderen typen; vgl. Wilmanns gramm. 2, § 127. ahd. sih fertrûen bei Notker ('confidere'), vgl. Graff 5, 471. mhd. vertriuwen, vertrûwen, vertrewen. mhd wb. 3, 110f.; Lexer 3, 277. nhd. vertrauen, im 16. jh. auch vertrauwen, vertreuen; voc. 1482 kk 3b; voc. inc. teut. ii 5b, 6a; Diefenbach gloss. 559a; Alberus 22b; Frisius (s. unten); Maaler 435a b; Stieler 342; Kramer 2, 1116; Dentzler 314b; 315a; Steinbach 2, 842; Frisch 2, 382b; Adelung, Campe. elsäss. vertraüen Martin-Lienhart 2, 736a; schweiz. Stalder 1, 300; schwäb. vertrauen Fischer 2, 1384; bair. Schmeller 1, 637, 639. mnd. vortruwen, vortrouwen Schiller-Lübben 5, 477 f.; nd. vertrouen brem. wb. 5, 116; 6, 377; ostfries. fertrôen Doornkaat 1, 470a; pomm. vertruwen Dähnert 528b; waldeck. fertrugen Bauer-Collitz 32a. mnl. vertrouwen Verdam 641a; confidere Kilian 608a; nl. vertrouwen in der bedeutung durch das mnd. mhd. beeinfluszt Frank-Wijk 737b. schwed. förtro, dän. fortro nach dem mnd. vgl. altengl. fortrûwian, praesumere, praecipitare Bosworth-Toller 325a.
I. intrans. verstärkend für trauen: man traut einem menschen, wenn man ihm nichts böses zutrautman vertraut ihm, wenn man mit sicherheit gutes von ihm erwartet, vgl. Eberhard-Lyon; ich vertraw, glaub, versehe mich Alberus; vertrauwen und gewüsz seyn, hoffen, confidere Frisius 291a; vertrawen, gewisz, ungezweiflet halten Calepinus 302b.
1) mit dativ, üblicher der person als der sache. sprichwörtlich:

wer schweigt, das man im vertrauet,
tht basz, dann der ein acker bauet
Tappius adagiorum centuriae septem (1545) p 7a;

wer gott vertraut,
hat wol gebaut
Eyering proverb. 3, 494;

yederman vertrauen ist thorheyt und leichtfertigkeyt, niemand vertrauen ist tyrannisch weise klugreden (1548) 78a; wer leicht vertraut, wird leicht betrogen Wander sprichw. 4, 1616; keiner vertrau seinem nechsten Franck beschreibung der Turckey m iib; derhalben so soll keiner keinem weybe vertrauen Schumann nachtbüchlein 62; vertraue keinem freunde, du habest in denn erkant in der not weish. Sal. 6, 7;

Teurdank der gedacht im mit nichten
args, dann er im wol vertrauet
Maximilian Teuerdank 103, 23;

ey, ich solts vor wol haben bedacht,
nicht vertraut dem verwegen weib!
Sachs 17, 75, 21 Keller-Götze;

vertraue gott und glaube fest
Opitz teutsche poemata 51 neudr.;

seitdem der könig seinen sohn verloren,
vertraut er wenigen der seinen mehr
Göthe 10, 9 Weim. (Iphigenie 158);

zu schiffen in dem wüth'gen see! das heiszt
nicht gott vertrauen! das heiszt gott versuchen
Schiller 14, 340 (Tell 1531).


mit sächlichem dativ: credere et fidem habere chirographis, handgeschrifften glauben und vertrauen; er hat meiner frombkeit vertrauwt Frisius 217b; 341b; ich hab vertruwt dinem wort in dem du sprichst Keisersberg bilgerschafft 20a; und ist solchen alten kugeln nimmermehr zu vertrauen, sondern sie zerspringen bald Speir kriegsordnung 116; kan man doch wieder den flieszenden strömen vertrauen Morhof unterricht 1, 788;

weswegen that sie das? weil sie den ränken
vertraut, den bösen künsten der verschwörung
Schiller 12, 404 (M. Stuart 113);

es scheint fast, als habe er dieser ermächtigung nicht vollkommen vertraut Ranke 14, 104; mit denen, die ihrer zeit vertrauen, hoffnungen auf sie setzen Gutzkow ritter 1, 3.

[Bd. 25, Sp. 1947]



'sich auf hilfsmittel verlassen': wie eyn furman seynen rossen und wagen vertrauet Luther 11, 275 Weim; die iren kopffen vertrauen, und nicht dem weg der warheit Paracelsus opera 1, 34 a;

inndes aber so setzt der has
ein weil sich nider in das gras
vertrauet seinen füsen wol
Fischart ehzuchtbüchlin 163, 13;

der mensch (im gebirge) ist mehr auf sich gestellt, seinen händen, seinen füszen musz er vertrauen lernen Göthe 24, 20 Weim. (Meister); die neulinge .. lernten ihren waffen im vereinzelten gefecht vertrauen Häusser deutsche geschichte 1, 621.
2) häufiger ist die verbindung mit präpos.; veraltet in: das wir nit seyen in uns vertrauwend wann in gott erste d. bibel 2, 110, 15 (cod. Tepl. 2, 41); Sachs 1, 217, 16 Keller; in weliches wir vertruwende und gloubende selig werdend Zwingli d. schriften 1, 35;

darumb vertrüw ich in min sach
N. Manuel Barbali 217;

seintemal wir hoffend vertrauen
in seines hailgen names kraft
Schede-Melissus psalmen 120 neudr.;

man vertraut in die eigenen kräfte Bettine Günderode 1, 89.
üblich ist auf einen, etwas vertrauen: es ist gut auff den herrn vertrauen, und nicht sich verlassen auff menschen ps. 118, 8; feyne gesellen, auff die wol z vertrauen ist Luther 11, 270 Weim.;

der brave mann denkt an sich selbst zulezt,
vertrau auf gott und rette den bedrängten
Schiller 14, 278 (Tell 140);

so dasz es den anschein gewann, als ob sie nur auf sich allein vertraute Keller 3, 32. gegen den brauch mit dativ: wirst du dich ihrer so sehr annehmen, als sie fest auf dir vertrauen Tieck schriften 5, 18.
acc. der sache: du vertrauest, oder verläszt dich auffs glück Alberus; auff eines zsag vertrauwen, fidem sequi Frisius 1203a; Croesus .. zu viel auff ... seine gewaltige kriegshauffen vertrauwete Kirchhof mil. disciplin 6; vertraue aber keines wegs auff nachdrucklichen zierschein meiner geringen wort Harsdörffer gesprechspiele 1, m iva;

wer auf das zeitliche vertraut,
der hat auf lauter sand gebaut
Schmolcke 2, 9;

was vermag alles ein mann, vertrauend auf seine kraft Laube 4, 171. vgl. sein vertrauen setzen in, auf etwas (s. unten IV 1).
3) nicht mehr geläufig mit abhängigem satz. in verbindung mit dativ: doch vertrauw ich dem frumen adel, das sie sich wol wissen darunder z halten Murner an den adel 35 neudr.; ich vertraue dem patriotismus des hohen hauses, dasz sie das .. gesetz annehmen werden Moltke 7, 50. alterthümelnd für das vertrauen haben zu einem: ich vertruw zu gott, dise schul des end-christs werd üch entsitzen Tschudi helvet. chron. 2, 34; ich vertraue zu deinem edelmuth, Hippias, dasz du .. ihnen hierin eher beförderlich sein als im wege stehen wirst Wieland werke (1794) 3, 171; so vertraue ich zu euch, dasz ihr mir nun geben wollet, was mir von gottes recht gebührt Grimm hausmärchen 2, 134.
ohne bezeichnung der person: wer da gleubt und vertrauet, er wölle gnad und reinigkeit am sacrament erlangen Luther 1, 255 Weim.; hoffe und vertraue, ihr werdet mir solche meine bitte nicht abschlagen Schumann nachtbüchlein 80; man vertraute, nach jener that müsse sich auch dieser gegen die decemvirn erklären Niebuhr röm. geschichte 2, 137; sie vertraue, dasz er ihr für eine viertelstunde einlasz bewilligen werde Keller 6, 127.
4) einige auffällige verbindungen. einem um, über einen oder etwas vertrauen: wo alsdann der clager dem gestrafften .. umb solich .. puszgelt nit porgen oder vertrauen ('credit geben') will Nürnberg. polizeiordnungen 49 Baader; nichtz sträflichs (ist) an im erfunden, so lang untz Hainrichen E. über in vertrauet worden

[Bd. 25, Sp. 1948]


ist ('mit seiner hut betraut') d. städtechron. 5, 323 anm. 3; thet Alexander alle nacht für seine schlaffkammer ... einen gewissen thürhüter legen, und vertrauwet sonst niemande uber seinen leib Heyden Plinius 197.
mit genitiv: seines schwurs vertrauend, band ich das diadem um seine stirne Klinger werke 2, 369.
wie glauben trans. behandelt: man dulde alle ding, man vertruwe alle ding, man hoffe alle ding Zwingli d. schriften 1, 298;

ich (Jesus) bin der menschen seligkeit,
das thut (ihr menschen) mir fest vertrauen
Ringwalt evangelia d 7a.


5) das part. präs. geht in adj., subst., adv. gebrauch über: fretus, vertrauwende und auff etwas verlassende oder bauwende, wol getröst Frisius 588a; Calepinus 592a; vertrauend konnte der wanderer sich nähern und fühlte sein vertrauen erwidert Göthe 25, 22 Weim. (Meister); wäret ihr von jeher vertrauender gegen alle gewesen Stifter 1, 317; er soll kein blind vertrauender thor .. sein Ebner-Eschenbach 1, 159; den gefahrvollen strand, an dem der bedachtlos vertrauende zufällig scheitert Pückler briefwechsel 1, 143.
II. die trans. verwendung ist nur noch beschränkt gebraucht, ähnlich die neben ihr hergehende reflexive.
1) obd. 'einem etwas zutrauen'. mit genitivobject (vgl. Schmeller): nach dem ich dann meinem geringen verstand nit aller ding da vertrauwen dörffen Fronsperger kriegsbuch 1, a 3r;

da ich die alt erstlich beschaut,
het ich ir der dück nit vertraut
Sachs 21, 25, 6 Götze (8, 167, 14).

mit acc. (vgl. Schmeller, Fischer):

da stund der schwartz Dominicus
gantz pfudelnasz im grösten flus ...
er ruffet dem Francisco laut,
das er im das nicht hett vertraut
Fischart S. Dominici leben v. 358;

als ob er desz keysers gter freund sei, und im nichts args vertrau Franck chron. Germaniae 139; vgl. Aurbacher volksbüchlein 94. mit abhängigem satz: nun het ich das meiner frauen nicht vertrauet, dasz sie het andere mann z ir ligen lassen Lindener rastbüchlein 32; dem Guarda Stagno, dem er soliches nicht vertrauet hete, sein leben ze nämen Arigo decamerone 297. noch elsäss. lebendig: s vertraüens ihm all, 'es halten ihn alle für den schuldigen' Martin-Lienhart.
mit inf. wie sich zutrauen, sich getrauen: do ich sy (diese meinung) vertruwt hab kommlicher und kürzer ze sagen, hab ich sy hie widrum gehandlet Zwingli d. schriften 1, 311; er vertraue mir auch weyter nicht zu helffen Krafft reisen 260 (bei Fischer); weder die consuln wagten .. zu den waffen zu rufen, noch vertraute das volk seine wohnungen zu verlassen Niebuhr röm. geschichte 2, 56.
dazu tritt reciproker dativ. noch lebendig bair.-österr. Schmeller;

drum han i már aft
á kain frag mehr votraut
Stelzhamer dichtungen 1, 36 Rosegger;

vertruwt er im nit gng sin, von einiger junckfrowen form ze nemmen das, so er z vollbringung sins wercks begert Riederer spiegel a IIa; das er nach sinem rat oder meinung und krefften sich sölichs erfült haben vertruwt Zwingli von freiheit der speisen 16 neudr.; so ich mir darinnen vertrauen dürfft ('ein urtheil zumuthen') Schwarzenberg teutsch Cicero 68; es sol im keiner selbst zuviel vertrauen Fr. Wilhelm sprichwörterregister l a (375); dasz alsdann die künstler sich weniger vertrauen, mit gesellen und kennern lange conferenzen halten Göthe 25, 13 Weim. (Meister);

sobald du dir vertraust, sobald weiszt du zu leben 14, 96 (Faust 2062).

in älterer sprache findet sich vereinzelt reflex. verbindung mit genitiv des obj.: der .. alle übele würcket des sich nyemant z im vertraut het Arigo decamerone 265. vgl. ahd.: diê sih fertrúent iro sélbero chréfte, qui confidunt in virtute sua Notker ps. 48, 7.

[Bd. 25, Sp. 1949]



2) vorübergehend wird ein reflex. sich vertrauen mit etwas gebildet, auch sich vertraulich machen mit etwas (s. vertraulich 1); beide aber schwinden vor dem heute allein üblichen sich vertraut machen mit etwas (s. unten iii 2). mit dem eifrigsten wunsche, den nur zu besizen, mit dem sich meine seele schon so ganz vertraut Schiller 1, 31 (rede über freundschaft); wir .. vertrauten uns immer näher mit den gesinnungen und denkweisen (des orients), bis wir uns endlich damit völlig verbrüdern könnten Göthe 7, 238 Weim. (noten zum divan);

so bittet er inständig euch ...,
dasz ihr mit dem gedanken euch vertraut
Ludwig 3, 253 (Scudery 4, 12).


Campe setzt in demselben sinne sich vertraulichen, 'familiarisieren' an, das überhaupt nicht üblich geworden ist.
3) in der bedeutung des heutigen anvertrauen: 'übergeben, anheimstellen'. schon Kramer läszt anvertrauen als häufiger vor vertrauen hervortreten; Adelung bezeichnet anvertrauen als auch üblich, Campe als bestimmter wie vertrauen. wann ihr ihnen solches heimgestellt und vertrauet hätten, weren ihr schon vorlengist entscheiden Sattler phraseologey 239; committere, empfelhen, vertreuwen Schöpper syn. g i ja; befohlen, gelobt, einem anderen vertraut, commendatus Calepinus 276b; er hat sin person ganz in mich vertrüwt und glouben in mich gesetzt buch der beispiele 36, 35 Holland;

wir müssen das der zeit vertrauen,
dasz wir die gärten wider bauen
Scheit frölich heimfahrt b ivb;

hier vertraute
man ihren leib dem kühlen sand
Pfeffel poet. versuche 8, 100.


'einen auftrag, ein amt in jemandes hände legen': eim ein sach befelhen, vertrauwen und ubergäben, ein eerenampt geben und vertrauwen, credere, committere Frisius 201b, 259b; nach dem herrlichen euangelio des seligen gottes, welches mir vertrauet ist 1 Timoth. 1, 11; das heilige volck gottes, dasz ihnen unser himlischer siegsz und kriegszfürst als sein eigenthumb auff ihre seelen vertrauet Rinckhart christlich ritter 7 neudr.; es werden inen auch etwan unterweilen .. besonder befelch vertrauwt Fronsperger kriegsbuch 1, a 3r; wollen wir .. dem Horribilicribrifax aber eine corporalschaft tragoner in der vorstadt vertrauen Gryphius Horribil. 83 neudr.;

Lorenzo, ich vertrau' in eure hand
die wirthschaft und die führung meines hauses Shakespeare 4, 98 (kaufmann v. Venedig 3, 4);

dem die durchlaucht des fürsten wiederum
die führung ruhmvoll, wie bei Rathenow,
der ganzen märk'schen reuterei vertraut
Kleist 3, 37 (Homburg 275);

hier wollt' ich nachstammeln der natur, .. soviel gott auffassungskraft meinen nerven vertraut maler Müller 1, 357.
mit infinitivzusatz: eim ein kriegsheer oder zeüg ze füren vertrauwen, exercitum ducendum dare Frisius 438a; das ihm .. bemelts keysers tochter zu erziehen vertrauwt ward Stumpf Schwytzerchron. 402a; auf eine zeit aber ward ihm botschaft an einen groszen herrn auszurichten vertrauet Grimm deutsche sagen 1, 129.
mit concretem object: ire in creditum, eim vertrauwen, leyhen und fürsetzen; creditum, vertrauwt gält, schuld Frisius 342a; deposito, gelder auff zinse geben, oder zu getreuen händen vertrauen Harsdörffer secretarius 1, D d d Ib; ich vertraue ihm nicht einen pfennich, credo Steinbach; Petrus der fürst der aposteln, dem die schlüssel sonder vertraut worden sind Franck chron. Germaniae 57; er vertrauete mir erstlich seine säu Simpl. 10 Kögel;

der ists, dem wir das reich und gut und halsz vertraun!
Gryphius trauersp. 31 (Leo 1, 4, 302);

vertraut sei euch des reiches innrer boden
Göthe 15, 65 Weim. (Faust 6133);

wo war die überlegung,
als wir dem rasenden das schwert vertraut ...?
Schiller 12, 79 (Piccolomini 304);

[Bd. 25, Sp. 1950]



in weisze nachtgewande eingehüllt,
das dunkle haupt der schönen hand vertrauend
Droste-Hülshoff 2, 228;

er vertrauet ihr das kostbare unterpfand seines lebens Lessing 10, 12.
reflex. gebrauch: 'seine person, sicherheit, wohlfahrt in jemandes gewalt geben' Adelung; selten mit präpos. zusatz: der dornbusch sprach .. so kompt und vertrauet euch unter meinen schatten richter 9, 15; der wolt zletst dich haimschen, oder sich z dir vertrauen Schaidenraisser Odyssea 38a; wo ein fürst sich auff ein diener oder dienerin .. vertrauwet Amadis 19 Keller. gewöhnlich mit dativ: commendare, vertrauen, 'sich dem schutz eines andern auftragen, sich der gerichtsbarkeit eines andern unterwerfen, mit der bedingnis seiner huld' Westenrieder gloss. 628; sich einem vertrauen, conferre se in alicuius fidem Reyher thesaurus u 5 vb; die weil er ... von jedermann gehasset ward, lert er seine töchter bart schären, dann er dorfft sich nit vertreüwen den schärern Münster cosmograph. 288;

das wir uns dir allain vertrauen,
dan kainer, der dir traut, verschmacht
Fischart gesangbüchlein 198;

drum der sich ihr (der welt) vertrauet,
hat für ein schönes bild ein stinckend aas erschauet
Logau sinnged. 47 (169);

ich wolte mich dem lose vertrauen Weise comödienprobe 71; würde ich muth genug haben, mich der see zu vertrauen? Lessing 2, 268 (Sara 1, 7); diese redliche seele glaubt dem Neoptolem, vertraut ihm seine waffen, vertraut sich ihm in seiner krankheit Herder 3, 44; und wenn wir uns ihm, einem guten weisen könige, ganz vertrauten, sagt er uns für seine nachkommen gut? Göthe 8, 268 Weim. (Egmont); er muszte sich mehr der kraft und sicherheit seiner hände .. vertrauen Ludwig 1, 368;

flott will ich leben und müszig gehn, ...
mich dem augenblick frisch vertrauen
Schiller 12, 24 (Wallensteins lager 243);

vertraust du dich doch sorglos
täglich dem wilden meer
Heine 1, 99.


4) in engerer bedeutung vertraut man jemand etwas, wenn es ihm in zuversichtlicher erwartung seiner verschwiegenheit entdeckt wird Adelung. veraltet mit genitivobject: der abt het einen münch, dem er aller seiner geheime vertrauet Arigo decamerone 220. sonst: eim sein hertz gantz entdecken, sein heimligkeit vertrauwen und offnen, credere animum Frisius 95b, 342a; Stieler; Kramer; Steinbach; bedenck in deim hohen verstand, wer doch der sey, dem du all dein geheim vertruwest Eberlin v. Günzburg 1, 5 neudr.; (man soll) seinem weib nichts heymlichs vertrauen Fischart ehzuchtbüchlin 269, 2; es sind einige ursachen meiner besorgnisz, die ich der feder nicht vertrauen darf Leibniz d. schriften 2, 124;

dasz er mit unbescheidenheit
erfaren het die heimligkeit,
die dem könig vertrauet was
Sachs 17, 232, 1 Keller-Götze;

ihr dürft
mir doch auch wohl vertrauen, wer mich gern
genauer kennen möchte?
Lessing 3, 28 (Nathan 1, 565);

dich drückt ein brudermord wie jenen; mir
vertraute diesz dein jüngster bruder schon
Göthe 10, 47 Weim. (Iphigenie 1074);

darum kann ich euch wohl sagen, was ich nicht jedem vertrauen möchte Hauff 1, 148; ein herr, welcher mir gelegentlich eine solche (mittheilung) vertraute Bismarck erinnerungen 1, 254. sprichwörtlich: alles vertraue, nur keine heimlichkeit Wander 4, 1616.
reflex. sich jemand vertrauen, sich ihm entdecken, ihm sein anliegen offenbaren Adelung; in der hoffnung, dasz er theilnehmen, auch wohl rathen und helfen werde Campe; wem sy sich wölt uf tn, offnen und vertrüwen Wyle translationen 28; (da) vertrauete er sich endlich dem Macro A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 269; weiszt du kein mittel, dich mir zu vertrauen, ohne von miszgünstigen ohren belauscht zu werden? Gaudy 13, 109;

[Bd. 25, Sp. 1951]


doch, sultan, eh ich mich dir ganz vertraue,
erlaubst du wohl, dir ein geschichtchen zu
erzählen?
Lessing 3, 90 (Nathan 3, 390).


5) in der mhd. periode ist vertrauen 'verloben, vermählen' am häufigsten: despondere, desponsare, maritare, nubere Diefenbach gloss. 176c, 349c, 384a. der gebrauch ist nach 1700 nur noch vereinzelt nachweisbar. vertrauen in der Lutherbibel ersetzen Eck und die Zürcher bibel (1531) durch vermählen, vermächlen vgl. Kluge von Luther bis Lessing 4 91. vertrauen in diesem sinne bedeutet ursprünglich allgemein 'verpflichten, geloben':

daʒ wirt von mir vertriuwet
in iuwer hant mit stæte
Ulrich v. Türheim Willehalm 153d;

uber die pflicht, ayd und glubde, damit er diser wirdigen statt ratt und gemain .. vertraut und verwandt gewesen ist d. städtechron. 22, 440, 5 (Augsburg).
a) die verengung der bedeutung verknüpft sich mit trans. rection; eine braut (sich) vertrauen bedeutet wohl 'sie in ehren zu halten geloben'; daher bisweilen ein zusatz:

daʒ iuwer tohter
ze manne hât vertriuwet mich
und ich si ze einem wîbe
Konrad v. Würzburg troj. krieg 28760;

das er sie z eynem ehelichen gemahel vertrauet, und beschlieff Carbach Tit. Liv. 184r. ohne eine solche angabe: da Reynhardt die junckfrau vertrauet het, fürt er sie gen Montabon Aymon (1535) i iiiia; entvoret we eine juncfrowen de he nicht vortruwet heft (necdum desponsatam) 2 Mos. 22, 15 (Halberstädter bibel bei Schiller-Lübben). reciprok: uxorem sibi adjungere, ihm ein weib vertrauen lassen, ein weib nehmen Faber thesaurus 978b; ein weib wirst du dir vertrauen, ein andrer wird bey ihr schlafen 5 Mos. 28, 30; selbst vom kriege sprach der menschliche gesetzgeber jeden mann frei, .. der ihm ein weib vertrauet und sie noch nicht heimgeholet hatte Herder 12, 109 (nach 5 Mos. 20, 7);

wer mir die junckfrau hin wil füren,
der musz mir hie das leben lon,
weyl ich mir sie vertrauet hon
Sachs 2, 9, 20 Keller;

er dencket, wann er sich zum bette gesellet,
desz abends an seine verstorbene frau,
desz morgens, wie er ihm eine andre vertrau
Logau sinnged. 128 (557).


b) 'eine jungfrau zur ehe einem andern anverloben, vergeben': als Maria seine mutter dem Joseph vertrauet war, ehe er sie heim holet Matth. 1, 18; Maximiliani tochter ward zweyjährig .. Carolo dem knaben .. vertrauet Franck zeytbch 214a;

siehstu schon den liebsten stehen,
den dir Amor hat vertraut
Fleming ged. 1. 66.

'antrauen': unser sun, den du mir unwissentlich zu der ee geben und vertret hast Eybe schriften 1, 96; als ich aus Portugal geschifft binn, hatt man mich .. einer schönen züchtigen junckfrauen vertreuet Wickram 2, 251, 5;

dasz manche mit gewalt dem manne wird vertraut,
für dem ihr eben so, als für der hölle graut
Henrici ged. 1, 316;

er hier, den ihr vor mir schaut
liegen goldenklar,
sollt' als bräut'gam mir vertraut
werden am altar
Rückert werke 3, 28.


c) statt des heutigen trauen, besonders von der kirchlichen trauung: copulare, czufugin, vortreuin Heinrichauer voc. (schles., 15. jh., IV F 83) 261v; der priester, der dise praut vertreut ältere bair. quelle bei Schmeller; die ... wurden auch im selbigen jare beygelegt und vertrauet d. städtechr. 27, 112, 6; ich .. bút sin hant in din hant und din hant in sin hant und vertrúw úch z samen in gantzer, steter gemehellicher trúw Seuse 483; Jesus Christus als der rechte oberste hohepriester Adam den breutigam und Eva die brauth vertrauet und segenet Luther 171, 13, 19 Weim.; glückwunschlied, .. nach dem Belliflora mit ihrem Filamon ehlich vertrauet worden Neumark lustwald 1, 362;

wie lang fällt mir die zeit, seither ich eine braut,
ich zehle stund und tag, bisz dasz man mich vertraut
mit dem jungen Lavantin
Chr. Reuter Harlequins hochzeitschmaus 52 neudr.

[Bd. 25, Sp. 1952]



in Mecklenburg und Pommern noch üblich Dähnert.
d) reflex.: wan ein ander liphaber hat dich vorkomen, und deme habe ich mich vertruwet d. mystiker 1, 67, 19 Pfeiffer; Aschaffenburger urkunde v. 1504 bei Diefenbach-Wülcker 569; demnach er sich .. der h. kirchen, als seiner ehefrauen, einmahl vertrauet hat Fischart binenkorb 168a; (sie hat) ihne ausz der gefängnusz errettet, und sich ihm mit höchster desz lebens gefahr vertrauwen lassen Moscherosch Philander 2, 300;

ists nicht die hohe fürstenbraut,
der du dein treues herz ergeben,
und die sich heute dir vertraut?
Gottsched ged. (1751) 1, 71;

du salt vertruwen dich darobe
mit Agneten der guten passional 119, 6 Köpke;

ein keisers sohn würd sich doch schemen
sich mit mir armen jungfrauen,
die nit seins standts ist, zu vertrauen
Ayrer dramen 1909, 27 Keller;

das du dich mit der königin Sophoniszbe ehelich vertraut und vermehelt habt Carbach Tit. Liv. 185v.
'sich trauen lassen':

greiff dich jetzt, o freuden-mann
diesem paar zu ehren an,
das sich heut vertrauet
Dach ged. 508.

brem. sik vertrouen, 'sich verloben' brem. wb. 6, 377.
e) in übertragenem sinne von dem verhältnis zwischen gott oder Christus und der seele oder kirche:

die christlich gmain pedeut die praut,
die im in der tauff ist vertraut
Sachs 18, 192, 19 Götze;

meine seel ist ja die braut,
die du dir hast selbst erkohrn,
die dein vater dir vertraut
Silesius seelenlust 10 neudr.;

meine liebe braut
wird dem lamm vertraut;
übergab ihm ihre sinnen
Zinzendorf ged. 205;

geschauet
hab ich Rosarosens gruft,
wo sie heut' wird gott vertrauet,
bis der herr uns alle ruft
Brentano 4, 362.

reflex.: ich will mich mit dir verloben in ewigkeit, ich will mich mit dir vertrauen in gerechtigkeit Hosea 2, 19.
III. das part. prät. vertraut wird in nhd. zeit als selbständiges adj., adv., subst. gebraucht. Stieler, Steinbach, Adelung, Campe.
1) einige veraltete oder landschaftlich (obd.) oder berufssprachlich beschränkte verwendungen. 'beherzt, zuversichtlich': dapffer und wol vertrauwt, der kein forcht nit hat, fortis et fidens Frisius 560b; Maaler 435b; darum wir vertruwt uf sy mögend buwen Zwingli d. schriften 1, 54; do sölliche cristenliche vertruwte wort erhort Sintlas, verwillgott er im Oheim Reichenauer chron. 8.
'zuverlässig': es sollen auch die gefangenen nicht allein gelassen, sondern inen vertraute personen zugeordnet werden Fronsperger kriegsbuch 1, v 2r; nun ritt ich selbs mit einem guten vertrauten knecht Berlichingen 45 neudr. schweiz.: ein vertrauter mann, 'auf dessen worte oder versicherungen man trauen darf'; ein vertrautes ('sicheres') pferd Stalder 1, 300; elsäss.: vertroüti lüt an der hand haben; d post ist e vertroüti sach Martin-Lienhart 2, 736b.
'zutraulich' von thieren: vertraut nennt man alles wild, besonders rothwild, das vor menschen wenig scheu zeigt. es kommt vertraut, wenn es langsam heranzieht; es äst vertraut, wenn es sich von menschen nicht wesentlich stören läszt vgl. Behlen forstkunde 6, 144; Imme weidmannsprache 16, 41; Brehm thierleben 3, 464. elsäss. schwäb. ein vertrautes pferd, 'zahm, lammfromm' Martin-Lienhart; Fischer. vgl. vertraulich 2.
2) in den übrigen bedeutungen findet sich vertraut häufig verwandt, meist in berührung mit vertraulich 2 (s. d.): 'in engen beziehungen stehend, genau bekannt, intim'. vom verhältnis der menschen untereinander:

[Bd. 25, Sp. 1953]


weil ir dem könig seit vertraut,
kombt rein und zu dem könig schaut!
Sachs 10, 303, 10 Keller-Götze;

sey munter! sey gesprächiger! vertrauter!
Lessing 3, 160 (Nathan 5, 370);

sie kennen mich, Sophie, sein sie vertraut mit mir!
Göthe 9, 99 Weim. (mitschuldige 790);

solt hinfort keine hirten sein,
sondern unter den kindern mein
wohnen in einer stadt vertraut
Ayrer dramen 70, 16 Keller;

sein weib, die lächelnde Finette,
lebt mit dem nachbar recht vertraut
Hagedorn poet. werke 3, 52;

ein actrischen, mit der er vertraut ist Göthe 22, 81 Weim. (Meister); ich will liebreich mit ihnen umgehen, aber nicht vertraut La Roche Sternheim 1, 100; vertraut gegen jemanden thun Adelung lehrgebäude 2, 148.
von engen beziehungen zu dingen, 'genau bekannt mit, eingeweiht in etwas'. ungewöhnlich ist die verbindung mit genitiv: ich kenne die lage der ganzen familie genau, aller gesinnungen und leiden bin ich vertraut Göthe 24, 347 Weim. (Meister); da sie, als vertraute dieser fremden sprachen .., diesen mangel am ersten empfinden müssen Lenz schriften 2, 321. mit dativ selten, üblicher mit:

er hatte früh das strenge wort gelesen,
dem leiden war er, war dem tod vertraut
Göthe 16, 168 Weim. (epilog zu Schillers glocke);

wie man, mit wonn und schertz vertraut,
ein neues paradies auf erden
sich durch die edle liebe baut
Wieland 1, 318 akad. ausg.;

ich war mit dem laster zu vertraut geworden Lessing 2, 279 (Sara 1, 7); dagegen sollen die mitglieder der höchsten behörden mit beiden zweigen vertraut sein, ebensowohl der landwirthschaft wie dem städtewesen Ranke 27, 171 (schon Campe); dem könige wurde es schwer, .. sich mit dem entschlusse vertraut zu machen Bismarck erinnerungen 2, 83 (vgl. sich vertrauen II 2 sp. 1949). subst.: (das) wird wohl keinem, mit dem geiste der constructionen aller sprachen irgend vertrauten einfallen W. v. Humboldt 4, 407. die dinge sind einem 'heimisch, lieb': der alte Daniel nimmt schweren abschied von dir — es war dir alles so vertraut worden Schiller 2, 174 (räuber 5, 1); abschied von allerlei dingen, die ihm seit frühester kindheit lieb und vertraut waren Raabe hungerpastor 1, 187.
3) in besonderer verwendung: vertraute freunde heiszen solche, die vertraulich mit einander umgehen. sie heiszen auch herzensfreunde Gottsched beobachtungen 222; ein liebster, gantz geheimer oder vertrauter freundt Calepinus 759b; Kramer; Frisch; Steinbach; als ersatz für familiär Campe verdeutschungswb. 311b; Moyses hat nit aufgeschrieben all götlich haimlikait sonder derselben ettlich allain mündlich den vertrauten juden ze wissen than Berthold v. Chiemsee theologey 84; über das war er je und allweg mein vertrauter hertzens-freund Grimmelshausen 4, 543, 8 Keller; sie sind ihre freundinn, ihre vertrauteste freundinn vielleicht Lessing 2, 335 (Sara 4, 8); die worte, welche mir seine vertrautesten diener hinterbrachten Göthe 43, 317 Weim.; einer der bürgerlichen, seinem chef übrigens besonders vertrauten räte Fontane 5, 225.
in verbindung mit sächlichem subst.: er im aus vertrauter meinung all seine heimligkeiten geöffnet Wickram 2, 178, 20;

dasz als freunde wir verstrikket
mit vertrauter redlichkeit
Neumark lustwald 1, 253;

und Rothe, der sich freyer weisheit
und der vertrauteren freundschaft weihte
Klopstock oden 1, 21;

und im vertrauten kreis zum erstenmal
kann sich das herz der mutter freudig öfnen
Schiller 14, 62 (braut 1263);

ich höre, dasz er euch seit kurzem oft
vertraute zeit geschenkt Shakespeare 3, 168 (Hamlet 1, 3);

einer der groszen, der zuweilen den vertrauten ton mit dem monarchen annehmen durfte Kleist 4, 195; (man

[Bd. 25, Sp. 1954]


möchte) sie auf den vertrauten fusz der gleichgebornen freunde behandeln Forster 7, 275. heute: auf vertrautem fusze leben.
substantivisch. von der umgebung der groszen: paranymphus, ein vertruwter, ein huter der gemehelin Diefenbach gloss. 412a; er nam aber wenig verwant und vertraut in sein freüntschafft Franck chron. Germaniae 16; die person eines rathgebers und vertrauten bey dem könige Dionys zu spielen Wieland Agathon 2, 196;

wer kennt des lord protectors sinn hierin?
wer ist vertrautester des edlen herzogs? Shakespeare 9, 111 (Richard III. 3, 4).

'mitwisser': dem einen und dem andern sei verzeihung in aussicht gestellt, wenn sie ihre vertrauten .. nennen würden Ranke 4, 14. gewöhnlich mit genitivobject:

der furchtbare vertraute meiner schuld
Schiller 151, 51 (Phädra 901);

dasz Darnley den vertrauten der verbrecherischen liebe für den gegenstand selbst angesehen Ludwig 5, 404. ungewöhnlich: euch zu meinen vertrauten in diesem wichtigen geheimnis zu machen A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 12; Zenobia die vertraute in seine liebe ('die in seine liebe eingeweihte') war 187; da ihn meine mutter über diese sache ebenfals zum vertrauten gemacht hatte Hippel lebensläufe 1, 172.
die langen und häufigen selbstgespräche (in dramen) zu vermeiden, hat man die vertrauten erfunden, in deren schoosz die helden ihren verdrusz und alle ihre anschläge ausschütten Ramler einleitung 2, 247. besonders in liebesangelegenheiten: bin ich nicht oft selbst deine vertraute gewesen, wenn du mir auch schon nichts zu vertrauen hattest, als die gunstbezeigungen Lessing 2, 285 (Sara 2, 3); ein frauenzimmer, das eine andere leidenschaftlich geliebt sieht, bequemt sich gern zu der rolle einer vertrauten Göthe 24, 324 Weim. (Meister);

eine Eboli zu deiner
vertrauten zu erwählen
Schiller 5, 405 (Karlos 4558).

'freund': vertrauter, intimus, familiaris Stieler; Beri, ein fürst in Canaan, Isaacs vertrauter. Duma, Isaacs hauszhalter, der Rebecca vertrauter Weise comödienprobe (1696), Esau und Jacob, personenverzeichnis. aus der gaunersprache stammt wohl der in Innsbruck gebräuchliche ausdruck vertrauter für den polizeispäher, spitzel vgl. Schöpf 789.
4) wie bei dem erwähnten gebrauch versteckt, so liegt bisweilen geradezu der sinn 'heimlich, geheim' vor, meist in älterer sprache:

verschwigen bin ich, glaub du mir,
vertraut, verschlagen, dich nit irr Endinger judenspiel 25 neudr.;

und nicht auffrück eim guten freund,
was noch vertraute sachen seind
Rollenhagen Froschmeuseler A IIIIb;

in dieser fremden sprache sind .. öffentliche und vertraute briefe gewechselt worden Herder 17, 288 (vgl. Campe). adverbial: darinne (in den zechen) vertraut, und in verslossener thür gepucht werde quelle v. 1515 bei Lori bair. bergrecht 170.
5) die älteste verwendung des isolierten part. vertraut schlieszt sich an II 5 (sp. 1951) an: ein vertrute, gemehelin, ein vertruwete gemahelin, sponsa Diefenbach gloss. 548b; nupta 385c; ein vertrauete, desponsata Zehner 296; eine vertraute, verlobte jungfrau, promessa, sposata Kramer 1, 746a; eine vertraute heiszt eine braut, weil sie von den ältern dem bräutigam anvertrauet wird, und sich ihm vertrauen soll Gottsched beobachtungen 222; von Adelung für die höhere schreibart in anspruch genommen, von Voigtel wb. 3, 543a (vertraute, vertrauter, 'verlobte, verlobter') und Campe als noch üblich hingestellt, thatsächlich aber schon in der literatur des 18. jhs. nicht mehr nachweisbar, von absichtlich alterthümelnder anlehnung an die bibelsprache abgesehen.
mit zusatz ehelich: (er) ist mit freulein Katherinen eelich vertrauet Weimarer urkunde v. 1520 bei Diefenbach-Wülcker 569;

[Bd. 25, Sp. 1955]


sie sagt, sie hab eynen gemahel, ...
dem sie ehlich vertrauet sey
Sachs 2, 5, 23 Keller.

meist in attributiver stellung. 'verlobt': sú (Maria) waʒ ein verlobete, ein vertruwete juncfrouwe Tauler 11, 9 Vetter; fand sein braut und vertraute gemahel z Northausen, hielt hochzeyt Franck chron. Germaniae 175. subst.: auch die heiden (haben) ire hochzeyten für iren altaren gestiftet, und ... ihnen ire vertraute an die hand geben Mathesius ausgew. werke 2, 20; ein andrer weihe das haus, .. und ein andrer hole seine vertraute heim! Herder 12, 109 (nach 5 Mos. 20, 7).
'verheirathet': das eine vertrauete braut eine ehefrau heist in der schrifft Luther 303, 224 Weim.; vater und muter können inen nicht gröser lieb von iren eltern wünschen, weder die vertrauete ehleut gegen einander erweisen Fischart ehzuchtbüchlin 211. subst.: ir elichen vertruweter thüring. quelle v. 1482 bei Lexer; wenn einer gleubte .., sein vertrauete were gestorben, und darnach keme sie widder und funde eine andere bei ihm Luther 303, 230 Weim.; dasz meine vertraute nun zur erden bestättiget ist Harsdörffer gesprechspiele 5, 411.
IV. der subst. infinitiv erscheint seit ausgang der mhd. periode als selbständiges wort im anschlusz an I A. selten als m.: zu weme sie einen besonderen vertrauen habe Frankfurter urkunde v. 1505 bei Diefenbach-Wülcker 569; wie die heyden, die ihren vertrauen auff eynen menschen setzen Luther 171, 203, 2 Weim.; mnd. vortruwen, vortruwent, m. n. Lübben-Walther 529b. sonst n.: mhd. vertrûwen Lexer 3, 277; nhd. vertrauen, fidentia, confidentia Alberus 22b; fides Corvinus 872; fiducia Zehner 72; Kramer 2, 1116b; Dentzler 315a; Steinbach 2, 842; Adelung; Campe. vgl. vertrau sp. 1945.
1) vertrauen, zuversicht, hoffnung, trost Sattler phraseologey 370; das vertrauen ist ein hoher grad der hoffnung Chr. Wolff gedanken von gott 257; die feste erwartung eines guten von jemand, besonders hinsichtlich der sicherheit und wohlfahrt, wo vertrauen einen höhern grad der erwartung bezeichnet als hoffnung, aber einen schwächern als zuversicht Adelung. gottes forcht und lieb im rechten glauben und fest vertrauen Luther 1, 254 Weim.;

stellt vertrauen, glimpff und raht
lieb und lust an ihre stat
Dach ged. 716;

denn mir hat er gegeben, was grosze selten gewähren,
neigung, musze, vertraun, felder und garten und haus
Göthe 1, 315 Weim.;

dasz der respect, die neigung, das vertraun,
das uns dem Friedland unterwürfig macht,
nicht auf den ersten besten sich verpflanzt
Schiller 12, 75 (Piccolomini 242).


vertrauen ist verbal empfunden und hat einen abhängigen satz nach sich: geschehe doch solches nicht mit dem vertrauen sie zu curieren theatrum amoris 155; in hohem vertruwen das die frummen deütschen uns dest hölder seient Murner an den adel 38 neudr.; so habe ich persönlich das vertrauen, dasz die staatsregierung die .. vollmachten .. verwenden wird Moltke 7, 38. älter des vertrauens sein, leben: doch die .. stände augspurgischer confession des vertrauens zu unserem .. gemüth unfehlbar seyen sollten acta publica 1, 60 Palm; ich lebe des festen vertrauens, dasz meine wünsche bald erfüllet werden sollen Gottsched beobachtungen 139. heute noch alterthümelnd.
ein subj. genitiv ist in der neueren sprache allein möglich: mangel an vertrauen des monarchen zu seinen ministern Bismarck erinnerungen 2, 230. ein objectiver ist veraltet: er ... erbott sich durchs fhür ze gan uff vertruwen gottes, so der warheit bistat Tschudi helvet. chron. 1, 38; man musz hie .. in demutigem vortrauen gottis, die sach angreiffen Luther an den adel 6 neudr. sonst wird dieses verhältnis durch auf, gegen, in und meistens zu ausgedrückt: mit ganzem vertrauen auf dich Judith 13, 6; dasz ein festes vertrauen auf gott der beste panzer sei Abraham a St. Clara 3, 183 Strigl; ein starkes vertrauen gegen gott Birken ostländ. lorbeerhäyn 220; ihr vertrauen gegen mich ist beschämend

[Bd. 25, Sp. 1956]


Fontane 5, 266; du kannst mir das vertrauen in dich so wenig nehmen Göthe 22, 12 Weim. (Meister); mein vertrauen zu dir ist unerschütterlich.
vertrauen haben zu einem Kramer, Steinbach, Frisch, Adelung; welche nun verzagt waren und hatten das vertrauen nicht zu gott, dasz er strafen würde 2 Macc. 8, 13; warumb woltestu denn nit ein grosz vertruwen und hoffen z im haben Keisersberg bilgerschafft 30c;

derhalb sol sein vertrauen hon
der mensch zu gott, seinem heyland
Sachs 17, 222, 27 Keller-Götze;

zu ihnen hat er das gröszte vertrauen Schiller 14, 140. veraltet ist an, auf, in einen vertrauen haben:

als ich an dir
vertrauen hab
Forster teutsche liedlein 72 neudr.;

welch' yr vertrauen han auf dich
Schede-Melissus psalmen 22 neudr.;

weder auf den pabst, noch auf den kaiser hatte man einiges vertrauen M. J. Schmidt geschichte der Deutschen 4, 228; die von Nurenberg hetten ein grosz vertrauen in ir ratsherren d. städtechron. 3, 165; warein hast du ein vertrauen: das du tarst widerstreitten? 2 kön. 18, 20 (erste d. bibel 5, 427; worauf verlessest du dich denn Luther); die nit all ir trost, zversicht und vertruwen in got, sunder in ire werck ... haben werdend Zwingli von freiheit der speisen 8 neudr.; weil sie so wenig vertrauen in mich haben Stephanie singspiele 210; ich hab' zwar nie kee vertrauen in mei glick nich gehabt Hauptmann Rose Bernd 50.
vertrauen setzen in, auf einen, veraltet in einem, zu einem: dasz er die kranken .. gsund gemacht hat, so sy ir vertruwen z im satztend Zwingli d. schriften 1, 33; zu welchen beiden stücken si .. all ir vertrauen setzen Moscherosch Philander 1, 176; dasz sie ein zuversichtliches vertrauen in mir setzen solten Thomasius erinnerungen 1, 18;

wer in sich selbs vertruwen setz,
der ist eyn narr und doreht götz
Brant narrenschiff 48, 13;

soll eyn itzlichs christlichs mensch .. sein .. vortrauen in die allerbarmhertzigiste vorheischung und tzusagung gottes setzen Luther 2, 59 Weim.; ich hatte mein bestes vertrauen in diesen anschlag gesetzt Schiller 3, 421 (kabale 3, 1); und doch sind es meist tüchtige beamte, in die der staat groszes vertrauen setzt Seidel Hühnchen 120. am geläufigsten: ich setz meinn vertrauen auff kein ding, nulla re fido Alberus 22b; die silber und gold samlen, darauf die menschen ir vertrauen setzen Baruch 3, 17; der sein vertrüwen und hoffnung auff den herren gesetzt hat Zürcher bibel (1531) ps. 39 a; als ist das gute und zuversichtliche vertrauen auff dero weltbekandte dexterität und wissenschafft gesetzet worden Weise erznarren 216 neudr.; auf die ich das gröszte vertrauen setzte Göthe 44, 143 Weim. sprichwörtlich:

wer sein vertraun auf menschen stellt,
der bricht ein bein, noch eh' er fällt
Wander 4, 1615;

wer sein vertrauen setzt allein auf weiber,
ist närrisch oder ein narrentreiber ebd.;

wer sein vertrauen auf reichtum setzt,
dem hilft sein geld doch nicht zuletzt ebd.

andere geläufige wendungen: beehren sie mich doch mit ihrem vertrauen Gottsched beobachtungen 139; schenkt mir euer vertrauen auf's neue Göthe 22, 54 Weim. (Meister); man zog den führer in's vertrauen 24, 365; sie flöszten mir durch ihr urtheil soviel vertrauen zu meinen werken ein Grabbe 4, 371; unterdesz gewann der doctor vertrauen und zulauf Freytag werke 13, 21; fassen sie vertrauen zu mir Stifter 1, 147; weder Blake noch Penn genossen das vollste vertrauen Cromwells Ranke 17, 151; aber vertrauen sollten sie mir doch erwecken Lessing 2, 279 (Sara 1, 7); deren vertrauen wir nicht gern verscherzen wollten 8, 59; machen sie .. mein vertrauen auf unsere alte freundschaft zu schanden, indem sie ausbleiben Holtei erz. schriften 5, 35; er entzog dem dr. Held sein vertrauen, er gab ihm zeichen der ungnade Ranke 4, 91;

[Bd. 25, Sp. 1957]


wer das vertrauen verloren, hat nichts mehr zu verlieren Wander sprichw. 4, 1615; vertrauen erweckt vertrauen ebd.
concret: ein hand voll gewalts ist besser als ein gantz fuder vertrauwen theatrum diabolorum 44a;

raubt mir ein unglück die geduld,
dasz mein vertrauen hinket
an deiner väterlichen huld
Neumark lustwäldchen 10;

er (der engel) wird
nicht fett durch euer fasten, ...
... wird nicht mächtiger
durch eu'r vertrau'n
Lessing 3, 15 (Nathan 1, 317);

wer das vertraun vergiftet, o der mordet
das werdende geschlecht im leib der mutter
Schiller Wallensteins tod 2128;

so musz ich .. mich in ihr vertrauen gewaltsam eindrängen Göthe 23, 181 Weim. (Meister); stolz, vertrauen regte sich in jedes einzelnen brust Fontane 1, 217. weitere geläufige wendungen: sich ins vertrauen stehlen, einschleichen; das vertrauen eines andern erschleichen.
2) in besonderem sinne ist vertrauen 'credit' und 'eintracht'.
dieser mensch hat kein vertrauen, cet homme là n'a point de crédit Schwan dict. 2, 937b; ein kaufmann hat vertrauen, wenn man ihm sein geld und geldeswerth in gewisser hoffnung, dasz es sicher bei ihm sein werde, übergiebt oder überläszt Campe; es ist besser, pfand in der kiste, als vertrauen (credit) auf der börse Kramer; ich bin ein hrenwirt .. aber also eins sehr gtten vertrauwens, als nienen keiner geweszt ist Boltz Terenz deutsch 88a; das er im das gelt uff die reüter lihe, welches im herr Ott auff gt vertreüwen seins vettern .. zgesagt Münster cosmographey 679. ähnlich heute: das öffentliche vertrauen ist jetzt eine macht, deren niemand entbehren kann Florencourt zustände in Deutschland (1840) 150; wann ein ausschuszmitglied ... das öffentliche vertrauen verloren hat bankgesetz (14. 3. 1875) § 33 abs. 2.
das gute vertrauen, vernehmen erhalten Schwan; quelle bei Haltaus 1906; die weltlichen nemmen ab an frid und vertrauen Berthold v. Chiemsee theologey 5; dem nachbarlichen und alten freundtlichen vertrauen nach nicht underlassen Sattler phraseologey 370; dasz man das teutsche vertrauen mündlich und schriftlich wieder aufrichte, befördere, erhalte Neumark palmbaum 102; das band der einigkeit und guten vertrauens zwischen chur-fürsten und ständen zu trennen Chemnitz schwed. krieg 1, 3. ähnlich heute: dasz ein band des vertrauens fürst und volk ... umschlieszen ... werde Bismarck polit. reden 3, 8.
3) bisweilen bedeutet vertrauen 'die sichere hoffnung der verschwiegenheit und des nichtmiszbrauchs' Campe (zu II 4 sp. 1950); im vertrauen sagen, fragen Kramer; allein, im vertrauen! (nämlich, sei das gesagt) er ist es nicht werth Adelung; da hört man offt im vertrauen die kindischen red Franck sprüchw. (1541) 1, 108a;

ir herren, ich red gleich in vertrauen Tirol. passionssp. 284 Wackernell;

dann ich hab was zwischen uns beden
mit ihm in vertrauen zu redn
Ayrer dramen 481, 26 Keller;

der junge bringt mir so im vertrauen die zeitung Weise comödienprobe 28; pst, herr Adrast! ein wort im vertrauen Lessing 2, 60 (freigeist 1, 4); er sprach eines tages im gröszten vertrauen Göthe 25, 98 Weim. (Meister).
4) unter den zusammensetzungen mit dem subst. vertrauen ist vertrauenerweckend als adj. und subst. üblich geworden: fragte er mit so guter und vertrauenerweckender laune Keller 6, 193; dasz ich etwas vertrauenerweckendes in und an mir habe Raabe Abu Telfan 1, 105. — von den eigentlichen composita bucht Campe vertrauenvoll; es findet sich bei Göthe dreimal in dieser form (4, 7; 421, 200; IV 26, 127 Weim.) und einmal in der üblichen vertrauensvoll (IV 31, 44), in der es zuerst bei Henrici um 1730 belegt ist. auszerdem bildet Göthe vertrauenswerth, vertrauenswürdig, Lichtenberg

[Bd. 25, Sp. 1958]


vertrauensgeheimnis. alle übrigen composita gehören erst dem 19. jh. an.
 
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vertrauensamt,n., -angelegenheit,f.: einige wochen lang versah Claire bereits ihr vertrauensamt Ebner-Eschenbach 3, 235; in wirklichen vertrauensangelegenheiten .. bleibt einem jedweden mitglied der gemeinde freie wahl Holtei erz. schriften 18, 112. —

 

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