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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertonen bis vertracht (Bd. 25, Sp. 1918 bis 1920)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertonen, verb., bisweilen mit falscher anlehnung an tönen auch als vertönen gebraucht, ist nd. herkunft und nur vereinzelt in die schriftsprache übernommen worden. mnd. vortonen 'zeigen, vor augen stellen, lehren, andeuten, offenbaren' (neben gleichbedeutendem vortôgen) Schiller-Lübben 5, 475a; mnl. vertonen (neben vertogen) Verdam 640b; Kilian 607b. in neueren mundarten vertonen 'vorzeigen, sehen lassen' brem. wb. 5, 81; ostfries. fertönen Doornkaat 1, 470a; hamburg. vertönen 'verstellen, geberden' Richey 309. aus dem nl. vertoonen ins dän. und schwed. übernommen: fortone sig, förtona sig 'sich zeigen, erscheinen'. in der seemannsprache bezeichnet vertonen die art, in der sich die gegenstände auf dem meere dem auge zeigen vgl. Falk-Torp etym. wb. 264. —
dazu das subst. vertonung, f., 'schaustellung, darstellung, erscheinung': des landes, der küsten, eine perspectivische abbildung oder zeichnung einer küste oder

[Bd. 25, Sp. 1919]


eines vorgebirges aus einem gewissen gesichtspunkt betrachtet (auf seekarten üblich) Röding wb. der marine 2, 843. mnd. vortoninge Schiller-Lübben 5, 475a; mnl. vertoninge Verdam 640b; Kilian 607b; nl. vertooning 'schaustellung, aufwand'; ostfries. fertöning Doornkaat 1, 470a; brem. vertonung: allerhand vertonungen, 'allerlei gestalten' brem. wb. 5, 81; hamburg. allerhand vertönungen Richey 309. literarisch sind die formen verthönung, verthanung, verthaunung bezeugt, letztere in entstellter form auf hochdeutschem sprachgebiet: mittlerweile sie nun von dem Vellocatus kein aug verliesz, und der könig sie eben so sehr anschauete, brach Martagnis endlich diese stumme verthönung A. U. v. Braunschweig Octavia 4, 244; darunter vier kleine jungen verborgen, an den vier eken desz schauplatzes stillstehen, und bisz zum abzug der verthanung beharren Harsdörffer gesprechspiele 3, 205; die verthaunungen (welches wort von den Niederteutschen geborgt) sind stumme gebrechen, mit welchen eines jeden gemüts meinung auszgedruckt werden kan 1, c viib/D ia. vgl. bei demselben schriftsteller vertreck. auch älter nd.: nach ausweiserung der vertahnung ('zeichnung, risz, baurisz') nd. correspondenzblatt 15, 54; 16, 10.
 
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vertönung, vertonung, f., s. 1vertönen, 2vertonen, 3 vertonen.
 
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vertonnen, verb., zum subst. tonne, in der bergmannsprache: 'einen schacht mit tonnenfach versehen, mit hölzern auskleiden', auch austonnen Veith bergwb. 541. — dazu vertonnung, f., 1) das vertonnen. 2) das tonnenfach selbst: (es) werden durch das fördern auf stollen und schächten die gestängfahrten, fördermaschinen und die vertonnung abgenutzt ebd.vgl. nl. vertonnen 'in andre tonnen packen, umpacken' Sicherer-Akveld 1194a.
 
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vertoppeln, verb., s. verdoppeln.
 
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vertorfen, verb., von torf gebildet, 'zu torf werden, in torf übergehn', gewöhnlich im part. prät.; bildung des 19. jhs.: ein solcher saurer, verkohlter und im eigenen sinne vertorfter humus Schwerz ackerbau 40; die wiesenmoore, welche .. aus dem vertorften wurzelgewebe verschiedener saurer halbgräser gebildet wurden Allmers marschenbuch 1, 79. — dazu vertorfung, f., 'der vorgang des vertorfens': den ganzen prozesz der verwitterungen, an- und abschwemmung, vertorfung und eisensteinbildung unseres norddeutschen schwemmlandes 1, 10; 97.
 
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vertosen, verb., perfectivbildung wie vertoben, 1vertönen, 'aufhören zu tosen'; erst im 19. jh. literarisch nachweisbar, doch schon von Stalder 1, 292 und Campe gebucht.

der donner und der sturm vertosten,
die luft voll duft und liedern weht
Lenau 472;

werde ruhig, werde friedlich,
lasz den schlachtgesang vertosen
Strachwitz ged. 166;

so vertost der ganze plunder (die erscheinung),
nüchtern liegt die welt wie ehe
Eichendorff 1, 685.


 
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vertösen, verb., 'verprassen', causativbildung zum vorigen; dilapidare, verbrassen, uffwenden, verschwelgen, vertösen Schöpper syn. c 1a. obd.:

ich wil in (den ablasz) nit underston ze lösen,
wir wend das unser sunst wol vertösen
N. Manuel von papst und priesterschaft 1249 Bächtold;

hat Tigillus sin vätterlich und müterlich erb, schanntlich .. vertöset mit zevil uszgeben Riederer rhetoric c ib. thüring. zeit vertösen, 'vertändeln' Hertel 245; auch preusz. die zeit verdösen, 'verträumen', eine verabredung verdösen, 'vergessen, versäumen'; in den mundarten wohl weiter verbreitet.
dazu vertöser, m.: prodigus, geuder, vertöser, brässer Schöpper syn. c 1a; von eim güder (vergeuder) oder vertöser Riederer rhetoric c ib.
 
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vertöten, verb., ungebräuchliche denominativbildung von tot für das übliche töten: md. vordotin, dotslan Diefenbach gloss. 304a; mnd. vordoden 'ertöten, vernichten'

[Bd. 25, Sp. 1920]


Schiller - Lübben 5, 339b; nhd. in solchem grausamen gesicht und zuschreyen .. wird er wie halb vertödtet, fället .. auff seine knye nieder .., wil beten Prätorius blocksberg 577; nun können wir die zeit, so sonst zum sinnen und leeren grübeln .. vertötet werden muszte — zum edeln ernst benutzen F. L. Jahn 2, 705.
älter md. in intrans. verwendung, 'absterben' mhd. wb. 3, 67a; Lexer 3, 272;

sîn ougen begunden im rôten,
sîn herze im vurtôten
Herbort v. Fritzlar troj. krieg 1530.

preusz. vertoten vom 'absterben, einschlafen' des beines gebraucht Frischbier 2, 429. —
 
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vertötung, f., subst. dazu, mnd. vordodinge Schiller-Lübben 5, 339b.
 
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vertraben, verb., 'durch traben vertreiben, verlieren machen' Campe. kaum üblich; nur in reflex form bezeugt: laufe und trabe wie du willst, das übel läszt sich nicht vertraben Campe;

zum spil hab ich kein glück gehabt,
hat sich verdrabt.
das musz ich lassen geschehen
Forster teutsche liedlein 185 neudr.

'einen fehltritt begehn': es ist .. nicht der kleinste unterscheid zwischen dem mann einer frau die sich vertrabet hat, und zwischen dem mann einer tugendhafften frau discourse der mahlern 3, 199.
anders nl. verdraven, trans. 'um etwas in die wette traben' Sicherer-Akveld 1164c.
 
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vertracht, f. m., s. vertrag.

 

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