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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertilgungsschlacht bis vertönen (Bd. 25, Sp. 1916 bis 1918)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -schlacht, f.: während beide parteien sich schon in vertilgungsplanen steigerten und überboten Zschokke 9, 313; es war eine vertilgungsschlacht Niebuhr röm. geschichte 3, 502;

(sie) gingen über zu des abfalls heer,
wo sie nun vertilgungsschlüsse faszten,
wir beschlossen keine gegenwehr
Jung-Stilling 2, 468.


 
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vertilgungssucht, f.,
 
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-system, n.: die gantze Cristenheit wandte sich gegen diese secten .. mit gleicher vertilgungssucht wie gegen die juden Gervinus gesch. d. d. dichtung 2, 162; aber wer trägt denn die schuld an diesem unsinnigen vertilgungssystem? Hauff 2, 187. —
 
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vertilgungswerk, n.: den sohn in seinem vertilgungswerke zu stören, obwol der dadurch angerichtete schaden ihm sehr empfindlich sein muszte Meyr aus dem Ries 2, 436. —
 
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vertilgungswerth, -würdig, adj.: so war mir seine erscheinung .. unerträglich, vertilgungswürdig Keller 1, 157;

ha, um so mehr
abscheulich, widrig, ganz vertilgungswerth
Fouqué held des nordens 2, 108.


 
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vertoben, verb. , zu toben, mhd. nhd. vertoben mhd. wb. 3, 47b; Lexer 3, 270; defervere Diefenbach-Wülcker 569; Stieler 2283; Kramer 2, 1093c; desaevire Dentzler 314b; leniri, sedari Kirsch 2, 315a; Campe. schweiz. Stalder 1, 272; Seiler Basel 106; schwäb. Fischer 2, 1380. mnl. verdoven Verdam 619a. über die verschiedenen bedeutungen vgl. Wilmanns gramm. 2, § 126, 4b und 6.
1) 'übermäszig in den zustand des tobens gerathen, stark toben', nur in älterer sprache. intrans.: hui teuffel, ich musz verrasen, .. ich vertob, halten mich Fischart Garg. 366 neudr.;

in zwîvelm muote si vil gar vertobeten minnesinger 3, 60b Hagen.

besonders im part. prät.:

daʒ man in sô vertobet sach
ûf die geloubigen an den touf passional 259, 46 Köpke.

mhd. auch reflexiv.
2) perfectiv, 'aufhören zu toben, austoben'. von menschen:

got der sîs gelobtdaʒ et Hagen hât vertobt.
der kunde strîts nie werden sat die klage 1761 Lachmann;

sein zorn ist vertobet Stieler; ich .. msz in also uber stöck und stein füren, wann ich ihn heymbringe, das er hat vertobet Schumann nachtbüchlein 292;

weil dann ein sprichwort sagen thut,
das die jugent vertoben müsz
Ayrer dramen 2658 Keller;

Abraham a St. Clara Judas 3, 412; Kirchhofer schweiz. sprüchw. 194; schwäb. bei Fischer; man musz die jugend vertoben lassen, die jugend musz vertobt seyn Schellhorn sprichw. 99. dafür heute üblicher: jugend musz austoben.
von dingen, die in gährung und wallung begriffen sind: er (der most) habe .. gantz und gar auszgewütet und vertobt Sebiz feldbau 522; (er) liesz den ersten sturm in der stadt vertoben Zschokke 22, 59;

die fluten angst, die sich in mir empöret,
vertobten nach und nach
Haller ged. 156 Hirzel.

[Bd. 25, Sp. 1917]



mit richtungsbestimmung:

der strom vertobt in ein friedliches thal
Chamisso 3, 37.

von gemüthsbewegungen:

doch nach vertobtem wahnsinn fällt wie tau
ein langer schlummer auf dein augenlid
Mörike werke 3, 120.


reflex. gebrauch in demselben sinne: die wilde flamme an ihm (dem angreifer) sich vertoben lassen Schubart schwäb. chron. (1789) 486; das gewitter hatte sich vertobt Rosegger schriften 3, 144; der affect vertobt sich Ludwig 5, 133.
3) trans., 'tobend durchbringen, vergeuden':

die dan dur tôren lop ir guot vertœrent unt vertobent,
die haben der tôren lop
Reinmar v. Zweter 121 (2, 199a Hagen).


nhd. 'die zeit tobend hinbringen, durchrasen': eine ganze stunde vertoben Campe; die jahre, die andere in dem freien leben der universität vertoben Gervinus gesch. d. d. dichtung 5, 130; meine erinnerung an die vertobte vergangenheit drückt mich mehr, als sie mir wohltut Anselm Feuerbach an die mutter 1, 223.
 
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vertöbern, verb., s. vertäuben D (sp. 1865).
 
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vertöffeln, verb. , nur obd.
1) intrans., 'zum töffel (th. 111, 630) werden, verblöden':

der schlug, wenn's etwa galt, auch einmal los
und liesz den mann am herde nicht vertöffeln
Grillparzer 8, 134 (Libussa).


2) trans.: schweiz. elsäss. schwäb. verdöfflen, vertöfflen 'verhauen' Seiler Basel 106; Martin-Lienhart 2, 658a; Fischer 2, 1381. schwäb. auch 'schelten'.
 
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vertollen, verb. , zum adj. toll gebildet, ein vorzugsweise md. und nd. wort. virtollen, insipere Diefenbach gloss. 301a; vertollen, austollen, ad sanitatem redire Stieler 2282; Campe. mnd. vordullen intr. und trans. Schiller - Lübben 5, 347a; mnl. verdullen, verdollen ebenfalls Verdam 619b; Kilian 586a; nl. verduld 'verdammt!'. vgl. mengl. fordullen Stratmann-Bradley 235b.
1) üblich ist nur das part. prät. in adj. gebrauch toll, von sinnen': das du .. so thumbküne und vortolt bist Jonas wilch die rechte kirch ist (1534) D 3b; ein vertolter heuchler und schwermer H 1a; die übrige die eben so närrisch und verdollet in den köpffen waren als er Simpl. 576 neudr.;

frecher krieger,
du vertollter landbetrüger
Birken Pegnitz schäferey 37;

myt ghedult, al unvorschult,
gar mannichfalt wart he vordult Braunschweiger schichtspiel 2105 (d. städtechron. 16, 169).

in den lebenden mundarten: elsäss. vertollt 'nicht bei klarem bewusztsein, im fieber' Martin-Lienhart 2, 677a; luxemb. verdolt 'von sinnen' lux. wb. 458b; eng verdolt krankheet, 'hitziges fieber' Gangler 465; brem. verdulld, 'verzweifelt, verteufelt' brem. wb. 1, 269; holst. verduld 'drollig' Schütze 1, 268; 4, 302; nach Campe letzteres auch in dem sinne 'das sieht sehr arg aus'. in Osnabrück verdullt 'verdorben, verdorrt': et is verdullt in der eerde sagt man, wenn der same gar nicht aufgeht oder auch die wurzeln vor hitze in der erde vergehn Strodtmann 257.
das intrans. 'toll werden, toll sein' ist in anderen formen veraltet, obwohl Campe bucht: da möchte man vertollen; dannoch kompt er mit seiner tieffen speculation .., dasz er beinahe darinn verdollt Fischart binenkorb 74b;

dasz er vertollet in dem kopf
Lindenborn Diogenes 2, 32;

an beyden syden se ganz vordullen
Josef todsünden 4165.


2) ein perf. vertollen 'aufhören zu tollen, bis zur erschöpfung tollen' Campe kann wie vertoben 2 gebraucht werden: er vertollet, impetus consenescit, in quietem abit Stieler.
3) trans.: das geld vertollen, 'auf eine tolle art durchbringen, verthun'; den abend vertollen, 'verbringen, zubringen' Campe; wir haben manche mitternacht mit

[Bd. 25, Sp. 1918]


einander vertollt Hauff 5, 62. anders mnd., 'von sinnen bringen': ik bidde dy, here, verdulle den rad Achitophes 2 Sam. 15, 31 (Lübecker bibel 1494). vgl. vertoben 3.
 
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vertölpeln, verb., 'zu einem tölpel (th. 111, 653) machen oder werden'. es ist eine ähnliche, aber jüngere bildung wie vertöffeln, vertollen (s. d.). vgl. mhd. verdörpern Lexer 3, 97; mnd. vordorperen Schiller-Lübben 5, 341a.
intrans. 'tölpelhaft werden' Campe. part. prät. 'verblendet, vernarrt': er sah und hörte mich nicht, so tief war er vertölpelt in seinem erfolgsdusel Rosegger nixnutzig volk 3.
reflex. mnd.: dat de vrowe sic vordorperde ofte vordorperet hedde bi eres mannes levende Rigaer quelle bei Schiller-Lübben.
trans. 'durch tölpelei verscherzen, sich verlustig machen, verlieren' Campe; moribus efferatioribus sibi deesse, gratia excidere Stieler 2282.
 
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vertönen, verb., 'aufhören zu tönen, verklingen' Campe;

ein weichlich geklingel
vertönet im ohre
Denis lieder Sineds 80;

die stimmen der sänger erstarben, die klänge der instrumente vertönten Gaudy 14, 48; bis der gottesdienst aus war .., als kaum das ausläuten (der glocken) vertönt hatte H. Hesse diesseits 102. subst. form in übertragener bedeutung: der sternenhimmel schlug funkelnd über sie zusammen, und das entweichende vertönen spülte die aufgehobnen seelen vom erdenufer los Jean Paul werke 7/10, 513; ein .. vertönen der empfindung Auerbach schriften 5, 57.
'austönen, tönend übergehn':

da bricht
der jubel los, bis die willkommengrüsze
vertönen in ein mächtiges gedicht
Liliencron 12, 19 (Poggfred 13).


schwäb. vertonen, vertönen 'antworten' ist wohl fälschlich an tönen angelehnt vgl. Fulda versuch 549; Schmid 133; Fischer 2, 1381, 1377. in ganz abweichendem sinne wird mhd. verdœnen 'verklatschen' gebraucht mhd. wb. 1, 383a; Lexer 3, 97. —
vertönung, f., subst. in abweichender bedeutung, 'abtönung': die stimmlaute .. sind vielfacher vertönung fähig Brehm thierleben 4, 475.

 

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