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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertiefer bis vertilgen (Bd. 25, Sp. 1910 bis 1912)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertiefer, m., ungebräuchliches nomen agentis zu vertiefen B 5: scrutator, immiscens, particeps Stieler 2280. —
 
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vertiefstempel, m., zu vertiefen A 1, bei den gürtlern ein stempel, um die mit dem haustempel ausgehauenen scheiben zu den knöpfen zu vertiefen oder hohlzuschlagen Adelung, Campe; Prechtl encyklopäd. 2, 298; Beil techn. wb. 1, 629.
 
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vertieftheit, f., junge bildung zu vertiefen C 4, 'versunkenheit, versonnenheit': zwei wichtige indizien, sagte der präsident mit dem gleichen ton von vertieftheit Wassermann Caspar Hauser 108.
 
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vertiefung, f. , substantivbildung zu vertiefen in seinen verschiedenen bedeutungen. erst im 18. jh. häufiger; aus dem 16. jh. liegen nur zwei belege vor: vertiefung bei Zwingli, vorteuffung bei Guetel (s. unter 3). die form verteufung ist nicht weiter zu verfolgen; nur in der sprache der bergleute hat sich verteufung (der hauptschächte) wie das verb. verteufen (sp. 1904) erhalten Veith bergw. 540. ältester lexicalischer nachweis: lacunar .. eine getäffelte decke .. die unterschiedliche vertieffung hat Corvinus fons 456; lacunatio, umbra picturae Stieler 2280; vertiefungen in der malerei Kramer 2, 1089b; Adelung; Campe. nd. scheint das wort zu fehlen. mnl. verdiepinge Verdam 618a; Kilian 584b; nl. verdieping in eigentlichem und übertragenem sinne; daneben zur bezeichnung der höhe eines zimmers oder stockwerks vgl. Sicherer-Akveld 1163c. danach ostfries. ferdêping, ferdüping; auffällig: hê hed god wat in sîn ferdêping, 'er ist geistig begabt' Stürenburg 315b; Doornkaat 1, 443a. ebenfalls entlehnt dän. fordybning, schwed. fördjupning.
zu scheiden ist im gebrauch die abstracte von der concreten bildung. jene bezeichnet die handlung des vertiefens oder den zustand des vertieftwerdens und vertieftseins.
1) 'die tiefere anlage, das tiefermachen einer örtlichkeit': die vertiefung solcher wände geschicht durch einen kleinen vorhang Harsdörffer gesprechspiele 6, 47; mit meister Timmler wegen dem eckpfeiler, dem berappen des gebäudes und vertiefung des hofes (gesprochen) Göthe III 6, 185 Weim. bildlich: der antrag ist eine zweifellose vertiefung des Mains, als grenze (zwischen Nord- und Süddeutschland) Bismarck reden 4, 183. in der musik: jede erhöhung oder vertiefung (des tones) läszt sich durch schlüssel bestimmen Schubart ästhetik d. tonkunst 294. von plastischer arbeit: da nehmlich die bildhauerey .. nur das, was durch vertiefung und erhöhung auf der fläche sichtbar ist, ausdrücken soll Lessing 11, 309. ungebräuchlich zu einem reflex. vertiefen B 1, 'das abnehmen, fallen': ist die arch Noe, nach vertieffung der wasser im sündflusz verharlich blieben Guarinonius greuel 451. ungewöhnlich 'tieferer stand': die sonne .. gosz aus ihrer vertiefung über die schattenbeete der thäler ihre goldführenden purpurflüsse Jean Paul werke 7/10, 214.
2) 'verstärkung, steigerung' (zu vertiefen A 2, B 3, C 2): vertiefung des ursprünglichen particularismus Mommsen röm. geschichte 1, 23; nicht das bedürfnisz nach vertiefung seines regen geistes war es, das ihm augenblicke des wildesten einsetzens seines ... lebens gab Gutzkow zauberer 5, 302.
3) zu vertiefen A 3, B 4, C 3 veraltet, 'verschuldung, versündigung': seynt nit allein die geystlichen .. zu solcher erbarmlicher vorteuffung und des schyfs verfürung, vor got, mitursacher und schuldig Guetel eyn selig neujar (1522) b 4a; dasz söliches us verzwyflung beschicht und vertiefung des fleischs und vichischen anfechtungen Zwingli d. schriften 1, 58; welche die vertiefungen der menschen in sünden und sündlichen lüsten eine hurerey und ehbruch heiszen Bodmer von dem wunderbaren 155. 'zustand der verschuldung': wie ich in so groszer vertiefung (geldschuld) vor Herzog Heinrich stecket Schweinichen 171. 'demüthigung, erniedrigung': es (das reich) dürfte dadurch vielmehr in unrath und vertiefung als erhebung und aufnehmen gerathen M. J. Schmidt geschichte der Deutschen 4, 389.

[Bd. 25, Sp. 1911]



4) am üblichsten ist in der heutigen sprache vertiefung als 'innere versenkung, eingehende betrachtung' (vgl. vertiefen A 4, B 5, C 4): scrutatio, scrupulositas Stieler; weil nun hiezu ein besondrer tact, eine besondre vertiefung in seinen abgeschiedenen autor nöthig .. wird Göthe 422, 176 Weim.; er hat garnichts von der hochgespannten schwärmerischen vertiefung in die gottesidee Freytag werke 17, 441. 'zustand der versunkenheit':

und wie sie in solcher vertiefung steht,
denkt sie ans vergessene morgengebet
Uhland ged. 1, 469.


5) concret, 'das tief oder tiefer gemachte, die tiefe stelle, senkung', seit dem 17. jh.: die vertieffungen aus denen gruben ihrer gedörrten wangen Ziegler Banise 227; die scene ist ein grabmahl, in dessen vertieffung zwey särge Lessing 3, 445; der weg ging durch eine kleine vertiefung Göthe 33, 293 Weim.; einige vertiefungen und seitengänge gaben dem raume ein düsteres und verworrenes ansehen Keller 4, 31. sehr häufig im 19. jh., auch in technischer sprache: versenckt, in der vertiefung, figura depressior, en abime; in der wappenkunst eine figur in der mitte des schildes, kleiner als die umstehenden Jablonski lex. der künste 814a; Trier wappenkunst 86; Querfurth herald. terminologie 166; Müller-Mothes archäol. wb. 2, 963. in der malerei sind vertiefungen die dunkeln stellen ohne widerschein, besonders in den falten eines gewandes öcon.-phys. lex. 8, 2183; Beil techn. wb. 1, 630. die reisz- und tuschwerck .. mit allen .. vertieffungen und verhöhungen Guarinonius greuel 185;

durch die vertieffungen wird's auge selbst bethöret
Lohenstein rosen 135;

keine vertiefung, kein vorgrund, das feld ein flaches stück leinwand
Bodmer Noah 204 (7, 21);

die vertiefung des gemähldes kann sich in den freyen himmel, oder gegen höhere gebäude der stadt verlieren Lessing 9, 133; gegen westen die nähern gebirge von Este, deren gestalt und vertiefung man deutlich erkennen kann Göthe III 1, 234 Weim.
6) in der zusammensetzung (vertiefung 4): vertiefungsgrad, m.: die verschiedenen vertiefungsgrade des erhabenen gehören ebenfalls zu der gesammtheit seines stoffs Vischer ästhetik 1, 423. —
 
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vertiefungslehre, f.: die vernunft- und vertiefungslehre W. v. Humboldt schriften 5, 329. —
 
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vertiefungsunfähigkeit, f.: gänzliche vertiefungsunfähigkeit in bezug auf das punctum saliens des gedichts mit gänzlichem mangel an phantasie Hebbel 12, 244.
 
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vertieren, verb., s. verthieren.
 
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vertieren, verb., aus lat. vertere gebildet, vom 16. bis 19. jh. nachzuweisen, aber nicht mehr üblich. Campe giebt es im verdeutschungswb. 662a durch übersetzen wieder, von dem es völlig verdrängt worden ist: sonst so viel den dollmetschen belangt, hab ichs .. zu vertiern fürgenommen Fischart Garg. 14 neudr.; wenn er .. den ganzen poeten in succum et sanguinem vertiren .. soll Herder 1, 308. freier: seine lehre in deutsches gemüth und handeln zu vertiren Holtei erz. schriften 7, 78;

hier liegt herr Skriebler, der, in langer lebensfrist,
mit übersetzungen des unfugs viel verführet,
bis ihn (nach gleicher art) der tod ins grab vertiret
Kretschmann 6, 354.


 
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vertigern, verb., 'zum tiger machen': weil nach meiner überzeugung öffentliche hinrichtungen ein volk verwildern, verrohen, vertieren, vertiegern F. L. Jahn 2, 1052.
 
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vertilgbar, adj., 'tilgbar, zu beseitigen', scheint von Klopstock gebildet zu sein, heute ganz geläufig:

die, die rache ist selbst dem widerrufe
nicht vertilgbar oden 2, 41, 27;

es sei die bewegung, die einmal entstanden ist, auch noch so schwach, so ist sie doch durch keine macht mehr vertilgbar Forster 3, 340; ein alteingewurzeltes, schwer vertilgbares vorurteil Ritter erdkunde 2, 1058.

[Bd. 25, Sp. 1912]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertilgen, verb. vgl. tilgen (th. 111, 499). die form ahd. firtîlôn, firdîlôn (nur bei Otfrid) Graff 5, 398, mhd. vertîlen (Schwabenspiegel) Lexer 3, 270 läszt an eine entlehnung aus lat. delere denken; doch ist die frage unentschieden. sonst stets die erweiterte form ahd. fertîligôn (hauptsächlich bei Notker) Graff 5, 399; mhd. vertîligen, vertilgen, vertîljen, vertiljen mhd. wb. 3, 37a; Lexer 3, 270. nhd. vertilgen Alberus iijb; Stieler 2285; Kramer 2, 1090a; Dentzler 314b; Frisch 2, 372c; Adelung; Campe. obd. vertilcken, vertilgken, abdicere, abluere, circumducere, circumscribere, delere Frisius 3b (u. ö.); Maaler 434b; Zürcher bibel (1531); erst im 17. jh. dringt auch hier vertilgen durch. in schwäb. mundart veraltet Fischer 2, 1379. md. in der bedeutung 'verzehren': oberhess. Schöner Eschenrod 92; lux. wb. 458a; leipz. Albrecht 231. mnd. vordeligen, vordelgen, vordilegen, vordilgen Schiller-Lübben 5, 331b. mnl. verdeliën, verdeligen Verdam 617b; verdelghen, verdellighen Kilian 584a; nl. verdelgen. nd. verdelgen: ostfries. Doornkaat 1, 443a; brem. wb. 1, 196; altmärk. Danneil 236b; westfäl. verdilgen Woeste 290a. vgl. altengl. fordilgian Bosworth-Toller 304b; Stratmann-Bradley 235a.
vertilgen bedeutet 'völlig ausrotten'. sein gebrauch ist in der lebenden sprache wesentlich eingeschränkt worden.
1) in den mundarten hat es nur den sinn 'essend oder trinkend verzehren' (s. oben). daraus in die literatur übernommen: in solchen wehmuthsaugenblicken konnte er .. so viel bier oder wein oder grog 'vertilgen', wie ihm ... hingestellt wurde Gutzkow zauberer 1, 261; eigentlich hoffte ich, dasz die verwünschte pastete vertilgt werde Moltke 6, 171; zuletzt hatten die heerhaufen .. wie heuschreckenschwärme vertilgt, was etwa noch in scheune und stall zu finden war Freytag werke 13, 215. scherzhaft:

zwanzig thaler, harte, blanke,
kann man sie vertilgen? nein!
Gaudy 1, 130.


2) daneben gebraucht man vertilgen noch vom ausrotten von ungeziefer und unkraut, wie schon Adelung feststellt. von thieren: ein lintwurm und ein einhoren .. thaten groszen schaden den leuten auff der strasz und die chont nymant verdilgen Schiltberger reisebuch 103;

lasz, göttin, mich den seiden-wurm vertilgen
Lohenstein Ibrahim (1680) s. 49 z. 633;

unzählge ungeheuer
vertilgte deine tapfre hand
Schiller 151, 76 (Phädra 1564);

kammerjäger war der wandernde mann, welcher ratten und mäuse vertilgt in haus und hof Laube 1, 135. pflanzen:

die plümlen und den grönen clee ...
die machet val der kalte schnee,
er will sy gantz vertiligen
Hätzlerin liederbuch s. 72;

moos und unkraut aber musz der rechen vertilgen allg. haushalt.-lex. 3, 724; in sämmtlichen provinzen die hälfte der rebstöcke zu vertilgen Mommsen röm. geschichte 5, 99. 'unschönheiten beseitigen': saltz mit öl und honig angemacht, vertilget die blauen nasen Ryff spiegel der gesundtheit 98b; alle nationen in Amerika vertilgen den bart Herder 13, 243. allgemein üblich 'spuren beseitigen': nachdem er längst alle spur derselben (erschütterung) auf seinem gesichte vertilgt Lessing 10, 90;

so haben wir von diesem raschen eindruck
die letzte spur vertilgt
Göthe 10, 171 Weim. (Tasso 1638).

ähnliche verwendung statt des üblichen tilgen:

mein sonnenschein vertilget eisz und schnee
Lohenstein Sophonisbe 4, 587 (1689 s. 76);

sie strich uns .. ambrosia unter die nasen,
deszen lieblicher duft des thranes gerüche vertilgte
Voss Odüssee 4, 446 Bernays.


veraltet von büchern oder schriftstellen: welche (bücher) unwidersprechlich wider zucht und erbarkeit lauffen, und mit dem feuer begerter maszen zu vertilgen Harsdörffer gesprechspiele 1, N iiib;

und unterm schein gerechter züchtigung
die alten freiheitsbriefe zu vertilgen
Schiller 14, 286 (Tell 311);

[Bd. 25, Sp. 1913]


das tagebuch der wetterbeobachtungen auf der reise geheftet ... die einzelnen noten vertilgt Göthe III 7, 169 Weim.
in biblischer sprache 'völlig vernichten': das er (gott) alle die welt wolte vertilgget han Tauler 268, 34 Vetter; zustöret und zu grund vertilget müsse werden welt und alles Luther 342, 42, 5 Weim.; und will euwere hohen altär vertilcken Zürcher bibel (1531) 3 Mos. 26 e. ähnlich: Kains geslechte wart verdelget Sachsenspiegel 3, 42, 3;

der herr war wie ein feind; hat Israels palläste
und sie dazu vertilgt
Opitz ged. (1690) 3, 34;

ob man Carthago gantz verstören und vertilgen solt Franck chron. Germaniae 13; darmit ward das edel geschlecht der fürsten von Schwaben gar vertilcket Stumpf Schwytzerchron. 256a;

so würde sie die beiden söhne ihm
ermorden und vertilgen seinen stamm!
Schiller 14, 108 (braut 2347).

mit persönlichem object: ich vertilig den menschen den ich hab geschaffen erste d. bibel 3, 60, 19; das er alle götter in den landen vertilgen solte Judith 3, 11;

und wird sie auch in kurtzer zeit
vertilgen umb ire boszheit
Sachs 18, 371, 3 Keller-Götze;

doch ist den bettlern Saladin so feind —
dasz er mit strumpf und stiel sie zu vertilgen
sich vorgesetzt
Lessing 3, 20 (Nathan 1, 408);

nimm diese fahne! dieses schwert umgürte dir!
damit vertilge meines volkes feinde
Schiller 13, 217 (jungfrau 1081);

dasz der himmel den könig Pharao nicht ganz hat wollen vertilgen Ludwig 2, 207. sprichwörtlich scherzhaft: einen vertilgen wie der ochs das kraut Wander 4, 1613.
3) in übertragener verwendung:

sy vertilgent unser ee (glauben) Tirol. pass. 16 Wackernell;

das gsatz aufheben, .. vertilgken, abdicare legem Frisius 3b; wenn Jacob die öberste gewalt bekömmt, so wird der cananitische gottesdienst wieder vertilget Weise comödienprobe 165; dorumb reuet eúch und wert bekert das eúwer súnd werden vertiligt (deleantur) apostelgesch. 3, 19 (erste d. bibel 2, 291, 13; ebenso bei Luther);

vertilge meine schuld
Fleming ged. 1, 8;

gut mach' ich meinen fehler,
indem ich ihn vertilge!
Grabbe 1, 146.

ähnlich: also ubermasz des weins vertilget die vernunfft Ambach vom zusauffen b ivb; das auch das gedächtnisz der poeterey .. vertilget und auszgerottet würde Opitz poeterei 4 neudr.; der geist ist zu vertilgen, den das glück ihrer rebellischen umtriebe umhergeblasen hat Göthe 39, 84 Weim. (Götz); vertilgt war der ausdruck schwermütiger sehnsucht E. T. A. Hoffmann 4, 54. mit poetischer freiheit:

du nahmst mir meinen himmel nur, um ihn
in könig Philipps armen zu vertilgen
Schiller 52, 176 (Dom Karlos 1, 5).


4) gewisse biblische wendungen pflanzen sich stetig fort: ich wil die menschen ... vertilgen von der erden 1 Mos. 6, 7 (Luther, Zwingli);

sich auch an den tyrannen rach
und sie vertilget von der erd
Sachs 1, 228, 28 Keller;

vertilget, grosze götter, von der erde
den mann, der menschenblut mit lust vergieszt!
Göthe 9, 326 Weim. (Mahomet 1128);

der darauf sinne, die englische zunge von der erde zu vertilgen Ranke 14, 62.
tilge sie aus dem buch der lebendigen psalm 69, 29; verflucht sey ihr name! .. dasz er aus dem buche der lebendigen vertilgt würde! Lessing 2, 280 (Sara 1, 9);

ist sie aus den lebendigen vertilgt,
frei bin ich, wie die luft auf den gebirgen
Schiller 12, 540 (M. Stuart 3237).


wenn wird er sterben und sein name vergehen? psalm 41, 6; wenne irstírbet er unde wenne wirt fertîligot sîn námo? (peribit) Notker ps. 40, 6; ein kayser .. suchte in alleweeg den nahmen Jesu zu vertilgen Abraham a St. Clara Judas 4, 352;

[Bd. 25, Sp. 1914]


o der verbrecher!
sein name sey vertilgt!diesz schwert dein rächer! Shakespeare 1, 214 (sommernachtstraum 2, 2).


5) vereinzelt ist die bedeutung 'verunreinigen, zunichtmachen': dasz also ein kleyd von 60 .. gulden in einem gusz (indem ein gefäsz aus dem fenster entleert wird) gantz vertilgt und verderbt wirdt Guarinonius greuel 508. 'ein land verheeren':

sie wolden Kûrlant noch mêr
vertilgen, dan sie hatten vor livländ. reimchronik 4889.

ebenso ungewöhnlich von der zeit, 'verzehren': wie in ihr (der zeit) jeder augenblick nur ist, sofern er den vorhergehenden, seinen vater, vertilgt hat Schopenhauer 1, 38.
6) nominalformen. part. präs. als adj. gebraucht, 'verheerend':

eine vertilgende flut über alles erdreich zu schicken
Bodmer Noah 1, 34 (s. 4);

ich sehe dich schon ...
mit zückenden wettern im vertilgenden aug'
Stolberg 1, 95.

'auslöschend': der halbe mond ... übergieszt ihn (den himmel) mit dem flore seines milchigen lichtes, jedes sternlein in seiner nähe vertilgend Stifter 2, 92. in dem sinne von vertilgbar wird zu vertilgend gebraucht: schwer zu vertilgende nebelflecken A. v. Humboldt kosmos 3, 28; ein schwer zu vertilgendes unkraut Schlechtendal flora 25, 193; in blinder, nicht zu vertilgender wut Pückler briefwechsel 1, 170.
adj. gebrauchtes part. prät. 'beseitigt, beendet':

und da ich heut verübet
was wieder dein geboht ...
das sey vertilgt und tod
Dach (evang. kirchenlied 3, 96 Fischer-Tümpel);

hätt' ich euch nur nicht gerührt, ihr saiten, die von der vertilgten
freyheit sangen
Klopstock oden 2, 107, 17;

nach vertilgten bürger-kriegen Lohenstein Arminius 2, 963b; eine ewige langeweile, von keiner freude vertilgt Tieck schriften 8, 214.
substantivisch: wär' es ja besser, der vertilgte als der vertilger zu seyn Bürger 1, 299.
subst. inf.: das vertilgen unzähliger insektenbrut Naumann naturgeschichte der vögel 21, 477.

 

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