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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertheuern bis verthümen (Bd. 25, Sp. 1890 bis 1893)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertheuern, verb. , schon in mhd. zeit zum adj. theuer gebildet. vgl. DWB theuern th. 111, 371. im ablautsverhältnis steht mhd. vertiuren: vertûren mhd. wb. 3, 41ab; Lexer 3, 270, 279. in mnd. vorduren sind beide formen zusammengefallen Schiller - Lübben 5, 347b. in mnl. verdieren, verduren sind sie noch getrennt Verdam 618a, 620a; bei Kilian 584b nur verdieren, 'carius reddere, fieri; augere, intendere pretium'.
I. in nhd. sprache ist das mhd. vertûren dem einfachen verb. 2 dauern (th. 2, 842) gewichen.
unpersönliche wie persönliche construction in dem sinne 'einen dauert, gereut etwas':

er lie sich es niht vertûren,
er scôʒ in mit tem gêre durch
unde falt in tôt in die burch ged. des 11.-12. jhs. 208, 10 Diemer;

nu ju des tornes is vorduret,
nu ju de lamen lede turet,
nu ist der stoltheit ju gesturet
(sagt der esel zum pferde) sog.
Gerhard v. Minden 59, 64 Seelmann;

in verdûrte nie dehein kleit,
im waren die bûch vil bereit
('nichts war ihm zu schade')
Herbort v. Fritzlar troj. krieg 3081;

die jungfrauwen fürwitz verteuret Kirchhof wendunmuth 2, 97.
II. lebendig ist nur das dem mhd. vertiuren entsprechende wort: vertewern, verteuwern, incarire voc. inc. teut. i i 5b; theuren, vertheuren, übertheuren Stieler 2275; Kramer 2, 1070c; pretium rei augere Frisch 2, 371b; Adelung, Campe. auch in obd. wie nd. mundarten vertreten: tirol. vertuiren Schöpf 775; bair. vgl. unter vertheuerlich; schwäb. vertiura kaum populär Fischer 2, 1376; luxemb.-siebenbürg. verdeieren lux. wb. 457b; ostfries. ferdüren Doornkaat 1, 444b; pomm. verdüren Dähnert 520a. aus dem mnd. ins dän. übernommen fordyre.
1) die bedeutung ist 'eine waare kostbarer, seltener machen, den preis einer waare steigern': durch solchen schädlichen vorkauf wird alles vertheuret und in hohen anschlag getrieben Schottel haubtsprache 647a; die farbe, der zoll, die fracht vertheurt diese wahre Kramer;

sô ist eʒ (das eisen) vertiwert gar
und nimt ouf von jâr ze jâr
Teichner ged. 16 Karajan;

etlich theten staigern, vertheuern
ir hauszzins in heusern und scheuern
Sachs 11, 435, 10 Keller-Götze;

wisch das gesäsz an die hecken, dasz nicht das häu vertheurst Fischart Garg. 338 neudr.; weil dessen (des brotes) mangel alles vertheuret Prätorius glückstopf 284; wie die gewinnsüchtigen buchhändler die bücher vertheuern Leibniz 2, 159; aber Bärbel liesz sich die waare nicht vertheuern Freytag werke 13, 128. die part. als adj.: die baumwolle als das rohe material ist gewaltig vertheuert ('theurer') Nicolai reise 7, 19; im nächsten jahr erschien die Odyssee .. ohne vertheuernde erörterungen Voss antisymb. 2, 215. der reflex. gebrauch ist ganz geläufig zum ersatz des passivs: bei dem stetigen sinken des geldwerths vertheuern sich die lebensmittel und lebensbedingungen ohne unterlasz. 'theurer zu stehn kommen':

nun wird er (der goldne kranz) sich vertheuern:
in meinem neuen vaterland
musz ich ihn jetzt versteuern
Göthe 5, 71 Weim.


2) 'eine handlung kostbarer, seltener machen, ihre ausführung erschweren':

[Bd. 25, Sp. 1891]


ok de hus darto vorhurden
unde on den köp vordurden Braunschweig. chron. 16, 112, 43;

der des werkes wünschen solde,
der het eʒ niht vertiuret
Heinrich v. d. Türlin krone 101b (239);

er will den zugang nicht zu seinem ohr vertheuert,
und die erlaubnisz ihn zu bitten, unbesteuert
Rückert werke 8, 137;

mein anhang (würde) irer vil vom regiment abschrecken, wann man es mit mir vertheuren wolte Fischart trostbüchlin 81, 36; man. damit den appellanten die rechtfertigung vertheuren und das mutwillig appelirn abschneiden wil Ayrer processus 478.
diese verwendung ist noch der heutigen sprache geläufig, wenn die beziehung auf den geldaufwand hervortritt: dasz sie .. die bewirthschaftung der groszen güter um etwas vertheuerte Jhering geist des römischen rechts 21, 247; auslagen, die das leben jetzt so sehr vertheuern Immermann werke 1, 99.
3) in übertragenem sinne, 'den genusz oder die äuszerung von etwas erstrebenswerthem kostbar machen, erschweren':

alle schäferfeyre feyren,
last will lust und luft verteuren,
spiele haben ausgespielt
Birken Pegnitz schäferey 37;

wie auch die welt ihm das gefühl vertheure,
ergriffen fühlt er tief das ungeheure
Göthe 15, 73 Weim. (Faust 6273).


im mhd. ein part. prät. 'kostbar, anspruchsvoll':

ob uns hie ieman wese bî
sô vertiurtes muotes frî,
den des kunde gezemen
daʒ er möhte vernemen
ditze fremde mære Biterolf 2.


 
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vertheuerer,m., vertheuerlich,adj., seltene bildungen, 'wer vertheuert, was vertheuert', zu vertheuern 1: verteurer, flagellator annonae, iniquus aestimator rerum Stieler 2275; Luther predigt gegen die verteurer des korns (der herausgeber Buchwald in der Weim. ausg. 342, 572). als agitatorisches schlagwort in neuester zeit besonders in comp. üblich: brotvertheurer, fleischvertheurer. — schädlicher vor- und vertheuerlicher aufkauf Würzburger verordnung v. 1696 bei Schmeller 1, 618.
 
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vertheuerung, f., übliche abstractbildung zu vertheuern 1; verteurung, iniquitas, improbitas aestimationis Stieler 2275; Kramer 2, 1070c; Campe. ein trans. verb. liegt zugrunde, 'handlung des steigerns': gegen diese bedrückung (der concurrenz) vertheidigt sich .. der verkäufer durch .. aufkaufen, durch künstliche vertheuerung Fichte werke 3, 458. ein reflex. verb. liegt zu grunde, 'zustand der theuerung': wenn gewicht und gehalt einer silbergeldart vermindert werden, so entsteht daraus .. eine scheinbare vertheurung Niebuhr röm. geschichte 1, 268. beides läszt sich voraussetzen: die agitationslüge von der vertheurung der lebensmittel zu bekämpfen Bismarck erinnerungen 2, 236. in übertragenem sinne: häufung der pfründen in einer hand, welche bereits eine 'vertheuerung der geistigen speise' hervorgerufen Treitschke aufsätze 1, 12.
 
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verthieren, verb. das wort erscheint vereinzelt schon im 17. jh. (vgl. 1), ist dann aber erst im 19. jh. nachgewiesen. Campe schlägt im verdeutschungswb. 155a verthieren nach dem beispiel von vergöttern, vermenschlichen, verengeln zum ersatz für animalisieren 'thierähnlich machen' vor. im wb. verzeichnet er es in intrans. wie trans. verwendung mit der bedeutung 'zum thiere werden oder machen'.
1) trans. 'thierisch, roh und fühllos machen':

du bist Zirtze, die verthieret,
und zu wilden sauen macht
Knittel sinnenfrüchte (1677) 23;

weil .. öffentliche hinrichtungen ein volk verwildern, verrohen, vertieren, vertiegern F. L. Jahn 2, 1052; jedes edlere gefühl in ihm (dem volke ist) erstickt, durch dauernde sclaverei und harten druck verthiert Ritter erdkunde 4, 969. seltener in der jüngsten sprache: andererseits

[Bd. 25, Sp. 1892]


verthierte die schmach das volk noch mehr Rosegger schriften 13, 332.
2) eine ausgesprochene intransitivbildung ist selten: weshalb gerade die (eigenschaften), an denen die nation unter harfenklang vertiert? Rosegger sünderglocke 13.
3) das in der regel als adject. gebrauchte part. prät. läszt eher den rückschlusz auf ein intrans. zu. 'in thierischer form sich darstellend': klein, rauhhaarig, mit oft vertierten gesichtern, sind die .. Philippinen-stämme Ratzel völkerkunde 2, 373. sonst stets in übertragenem sinne: er verwünschte dabei die pfaffen, die tyrannen, .. die verthierten menschenschinder Gutzkow ritter 7, 228; die groszen affen und waldteuffel .. waren nichts anderes, als ganze gottlose, nun vertierte völker oder solche einzelne gottesleugner Keller 1, 63. adverbial: die gesichter blickten verwittert, verwildert, vertiert mitunter Kürnberger der amerikamüde 407. diese letzten, aus dem anfang der fünfziger jahre stammenden belege gehen auf das im revolutionsjahr 1848 von Hecker und Struve geprägte schlagwort von den verthierten söldlingen zurück, dem sich die umbildungen verthierte soldateska und verthiertes söldnerpack anschlossen vgl. Gombert zeitschr. f. d. wortforschung 3, 155; 8, 23; Ladendorf schlagwb. 324; Büchmann geflügelte worte 633. diese bezeichnung blieb besonders an den verhaszten preuszischen truppen haften: so ist der bauer ein zuverläsziger .. unterthan, der .. stets die kernigsten 'verthierten söldlinge' zu den regimentern liefert Scheidtmann studien über das junkerthum in Preuszen (1850) 4; die preuszische armee, beim Zeus! ist doch kein haufen verthierter söldlinge Kürnberger novellen 2, 133.
selten ist verthiert als subst. gebraucht:

wenn die verthierten reizend
scheinen verrenkte fratzen und possen,
ist mir der unsinn ein mistqualm, beizend
Immermann werke 15, 94.

das nl. bildet verdierlijken in demselben sinne.
 
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verthiertheit, verthierung, f., abstractbildungen zu verthieren. verthierung Campe; 'übergang in thierischen zustand, verrohung, verwilderung': der krieg .. führt zur .. verthierung unsers geschlechts Zschokke 2, 188. verthiertheit, 'zustand der verwilderung, fühllosigkeit': (der katholische glaube) ist besser, denn gar keiner, besser wie die materielle verthiertheit des norddeutschen pöbels Florencourt polit., kirchl., lit. zustände in Deutschland (1840) 24.
 
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verthonen, verb., denominativbildung zu thon (s. d.). 1) trans. im bergbau: schächte, bohrlöcher, die sohle eines stollens verthonen oder verletten, 'mit letten oder thon auskleiden' Veith bergwb. 540. 2) intrans. beim töpferhandwerk, 'in thonartigen zustand übergehn, sich mit einer thonartigen schicht überziehen'. dazu das subst. verthonung: T. unterscheidet beim brennen der thonwaaren einen zustand der verthonung (z. b. feuerfeste steine und backsteine) und der verglasung Kerl thonwaaren 60.
 
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verthoren, verthören, verthöreln, verb. , denominativbildungen zu thor, m. (th. 111, 392). von hause aus ist verthoren die intrans., verthören die trans. form; aber schon mhd. kommt vertôren nicht nur intrans., sondern neben vertœren auch trans. vor mhd. wb. 3, 51b, 52a; Lexer 3, 271. vertörlen ist alem. form neben trans. vertören Stalder 1, 277; 2, 507; Seiler Basel 106; Martin - Lienhart 2, 707a. alle drei formen bei Campe. md.: lothring. vertoren Follmann 155a; oberhess. Crecelius 2, 863. im nd. fehlt das wort. eine ähnlich lautende nd. form vertören gehört zu verzürnen (s. d.) Frommanns zeitschr. 4, 360, 31; Doornkaat 1, 470a; Schambach 268a.
1) intrans. bildung, 'ein thor, thöricht, närrisch werden':

daʒ sie sô gar vertôrten,
die sîne rede hôrten
Stricker Daniel 4219;

[Bd. 25, Sp. 1893]


und werden die seu durch zauberey zu lauter strowischen. der bauer verthört darüber, und sihet, was endlich aus den strowischen werden wolt Hertzog schildwache Kv. üblicher im part. prät., besonders mit auf, 'vernarrt in, versessen auf etwas': er was vertoret uf sin wip Loher und Maller 79b.
2) der reflex. gebrauch hat denselben sinn:

ich tuon mich nit gern vertoren,
es wær der züg an in verloren des teufels netz 1266;

ich hoff, wir wolln uns nicht vertorn
Rosenplüt in
Frommanns zeitschr. 1, 262.

vgl. älter schwäb. Fischer 2, 1381; elsäss. lothring. 'sich zerstreuen, kurzweilen'; schweiz. elsäss. sich vertörlen, 'sich ausschlieszlich mit etwas beschäftigen und darüber alles andre vergessen' Stalder, Seiler, Martin-Lienhart, Follmann.
3) am häufigsten ist trans. gebrauch. mit persönlichem object, 'bethören': deludere, verdoren Diefenbach gloss. 172b; Diefenbach-Wülcker 569; ein trugener .. sprach, er were keiser Friderich, und vertörete vil edeles volkes in tütschen landen d. städtechron. 8, 45, 16 (Straszburg);

ach minnicleicher got, du solt
den ungelauben stören,
das si nicht vertören
dein volk, das du erarnet hast
Vintler blume der tugend 8099.

schweiz. vertoren, vertörlen, 'einem die zeit kürzen, ihn spielend aufhalten', von kunstgriffen, die man anwendet, um erwachsene hinzuhalten und zu versäumen Stalder.
'geistige kräfte und äuszerungen närrisch machen': wir vinden an dîner menscheit die grœʒe kleine, .. die rîcheit geermet, die wîsheit vertôret d. myst. 1, 342, 4;

ir reden wart zerstœret,
ir sin der wart vertœret
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 3481.


während die beiden vorigen gebrauchsarten in nhd. zeit durch bethören ersetzt worden sind, hat sich verthören mit dinglichem obj. in dem sinne 'thöricht hinbringen, leichtsinnig verthun' länger gehalten. schweiz. Stalder; Staub-Tobler 1, 907; oberhess. Crecelius; Campe; wie unnützlich er manchmal das geld verthöret, das er jetzo wol nützlicher und nöthiger anzuwenden hätte Opel - Cohn dreiszigjähr. krieg 383;

der tôren milte tôren lobent:
die dan durch tôren lop ir guot vertœrent und vertobent,
die haben der tôren lop
Reinmar von Zweter 121 Roethe.


von der zeit:

drumb weil sie also farn dahin,
ist zu letzt schand und spot ihr gwin ..
der sein jugendt also vertordt ..
Agricola musica instrumentalis 135.


 
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verthuer, m., s. verthuner.
 
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verthuerisch, verthuig, verthuiglich, verthuisch, verthulich,adj., s. verthunerisch, verthunig, verthunisch, verthunlich.
 
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verthuigkeit, verthulichkeit, subst., s. unter verthunig, verthunlichkeit.
 
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verthümen, verb. , zu dem im nhd. nicht selbständig vorhandenen subst. thum (th. 111, 434), ahd. mhd. tuom, altsächs. altengl. mnd. dôm, got. dôms, 'verhältnis, stand, würde, zustand, urtheil, gericht', abstractbildung zum verb. thun, vgl. Kluge etym. wb. 467b. verthümen ist gemeinwestgerm., auf deutschem boden mehr im nd. und md. als im obd. (ostfränk., vereinzelt bair., nicht alem.) verbreitet: ahd. furtuomen, forduomen nur im Tatian Graff 5, 338; mhd. mit und ohne umlaut vertüemen, vertuomen, vertûmen mhd. wb. 3, 134a; Lexer 3, 277 f.; vorzugsweise md. zahlreiche orthograph. varianten der spätmhd. zeit verzeichnet Diefenbach gloss. 165c. bei Luther findet sich vorthumen neben vorthümmen 103, 412, 16 bz. 21 Weim. im laufe des 16. jh. erlischt verthümen und wird von verdammen verdrängt, das dem lat. damnare entlehnt und seit nhd. zeit nebenher gegangen ist (vgl. sp. 190). altsächs. fardômian Gallée vorstudien 64; mnd. vordomen Schiller - Lübben 5, 340a; pomm. verdömen

[Bd. 25, Sp. 1894]


Dähnert 519a; ostfries. ferdômen Doornkaat 1, 444a. mnl. verdoemen Verdam 618b; Kilian 584b; nl. verdoemen, verdommen Franck-Wijk etym. wb. 121a, 730a. vgl. altengl. fordêman Bosworth-Toller 304a; Stratmann-Bradley 235a; altnord. fordœma, fyrirdœma Fritzner ordbog 1, 454b, 519a. schwed. fördöma, dän. fordømme sind dem mnd. entlehnt Falk-Torp etym. wb. 255. vgl. zum wort Grimm d. gramm. 2, 853.
1) 'einen verurtheilen, verdammen, verstoszen, verfluchen, verbannen', besonders in geistlicher sprache: ablegare, condemnare, confundere, damnare, detestari, execrare, mulctare, suggillare Diefenbach gloss. 3c, 140a, 142a, 165c, 177b, 215c, 370a, 565c; wîb, wâr sint thiê thih ruogtun? nioman ni forduomta thih? ... noh ih thih furtuomu (condemnavit, condemnabo) Tatian 120, 6, 7; der entphet daʒ urteil damit er vortmet wirt zu dem ewigen tode Leipz. predigten 1, 95, 18 Schönbach;

wand er dârumbe wirt vertuomet
mit êwiger unsælikeit
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2356;

mich hat unhail vertümet,
daʒ ich bin kainer eren wert
Joh. v. Würzburg Wilh. v. Österreich 5204 var.;

gott ist, der uns rechtfertiget, wehr wil uns verthmen? Karlstadt in der Weim. Lutherausg. 18, 461, 32; wie fleiszig war er .. die ehelichen priester mit den andern hurern zu verdümmen Kymeus von der priester ehestand (1533) k 1a; Publius Scipio (wiewol der nit verwisen oder auszgetriben was, oder verthümet noch verurtheylet) Carbach Tit. Liv. 417v.
part. prät.: di andere (stat) ist in der helle, dâ sint di vortumeten d. mystiker 1, 234, 24 Pfeiffer;

was hilffts, das man die sach verblümt?
er ist mit leib und seel verthümt
Waldis Esopus 2, 8 (vgl.
Eyering proverb. 1, 331).

subst. infinitiv:

wen ich dich anrueff in der not,
so sorg ich kein vertuemen
Sachs 22, 122, 26 Götze.

reflex. gebrauch: ir múgent úch also halten und reden in vernúnftiger wise, ir vertüment úch domitte Tauler 309, 10 Vetter.
2) 'etwas in bann und acht thun, verwerfen': dar wart vorbannen und vordomet der tempelerer orde d. städtechron. 7, 183, 1 (Magdeburg); Nic. v. Jeroschin preusz. chron. 25408;

de sik hîr sines states efte adel beromet,
wo mannich sine sele dârmede vordomet des dodes danz 1640 Baethcke;

so würdet ir (juden) auch hören gern
sein wort das ir verthümet
Ringwalt evangelia N 2a;

das euangelion das kann nicht anders den yre weyszheyt und gerechtigkeyt vorthumen und maledeyen ire eygene vormessenheyt Luther 103, 412, 16 Weim.
part. prät. 'verflucht, vrdammt':

hette ich den vertumeten brief,
den ich torechter gief ..
dem tuvele hie bevor schreib passional 133, 37 Köpke;

welcher sich dem vertümbten reich diser verflchten welt und iren regimente widersetzen will Mohr evangelion von der kirchweihunge (1525) A 3a.
3) in nicht geistlicher sprache; 'etwas herabsetzen, verrufen':

oder das du dein wahr wolst rhümn,
eins andern aber gar verthümn
Ringwalt lauter warheit 175 (vgl.
Moscherosch Philander 2, 890);

sin adil her dar mede vortumit
und wel sin lastir uffinbarin der ritterspiegel 1479 Bartsch (Casseler hs.).

nur nd. 'ins unglück bringen, verderben':

dit sint de de stat verdomen,
alle de ich uch hei nomen Hagens köln. chron. 1426 (d. städtechron. 12, 62).


4) ein mnd. vordomen 'verzehren, verprassen' wird zwar von Lübben - Walther 497a als besonderes wort angesetzt, ist aber wohl derselben herkunft (vgl. verthun).

[Bd. 25, Sp. 1895]


dat wart van den erven entweder vörslömet und vördömet quelle v. 1604 bei Schiller-Lübben; als lebendig verzeichnet Bauer-Collitz 29a ferdoǖme n für den Waldecker dialect.
in ost- und mittelfränkischen vocabularien findet sich vertumen, -dumen, -thunen, abortire Diefenbach gloss. 4a. —
ein nomen agentis verthümer 'verschwender' ist nur in älterer zeit belegt Lexer 3, 278; Schiller - Lübben 5, 340a.

 

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