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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertheidigungstrieb bis vertheilen (Bd. 25, Sp. 1883 bis 1884)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertheidigungstrieb, m.: das will ich die nationalfähigkeit, den patriotischen vertheidigungstrieb .. nennen anmuth. gelehrsamkeit 8, 21 Gottsched.
 
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vertheidigungsversuch, m.: viele bände wurden mit vertheidigungsversuchen angefüllt Döllinger akad. vorträge 1, 249. —
 
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vertheidigungswaffe, f.,
 
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-wall, m.,
 
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-werk, n.: jedem thier und jedem narren haben die götter seine vertheidigungswaffen gegeben Göthe 17, 93 Weim.; Campe; er nähme blos die kirchhofsmauer

[Bd. 25, Sp. 1884]


zu seinem vertheidigungswall Jean Paul werke 35, 11; fast im mittelpunkt aller vertheidigungswerke ist eine neue stadt, als vornehmster waffenplatz gegen die Germanen, erbaut worden Zschokke schriften 29, 58. —
 
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vertheidigungsweise, adv., defensive, gegensatz zu angriffsweise: er sagte dies vertheidigungsweise (um sich zu rechtfertigen) Campe; Rebhuhn focht einige zeit, blos vertheidigungsweise Bode Thomas Jones 1, 161. —
 
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vertheidigungsweise, -wissenschaft, f.,
 
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-wesen, n.: (er) ward 1747 mit der verbesserung des verteidigungswesens in Finnland betraut Alten heer u. flotte 3, 293; den nutzen begreiflich zu machen, den sie (die offiziere) aus der vertheidigungswissenschaft ziehen können allg. d. bibliothek 24, 249. —
 
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vertheidigungszeuge, m.: schutzzeuge, den man zu seiner vertheidigung vor gericht aufstellt Campe 4, 309a.
 
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vertheilbar,adj., vertheilbarkeit,f., 'was vertheilt, eingetheilt, ausgetheilt werden kann', kaum üblich; 'sich vertheilen lassend' Campe. 'die fähigkeit, ausgetheilt, mitgetheilt werden zu können': das erste, was beim christentum öffentlich anerkannt und gelobt wird, ist seine vertheilbarkeit, sein anschmiegen an jede denkart Herder 20, 114.
 
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vertheilen, verb. schon got. fradailjan in demselben sinne wie heute: fradailiþ wesi þarbam, ἐδόθη πτωχοῖς Joh. 12, 5. aber ahd. fartailjan, ferteilen 'privare, defraudare, proscribere' Graff 5, 417 (vgl. 1) und dementsprechend mhd. verteilen mhd. wb. 3, 27b; Lexer 3, 267. mnd. vordelen weist beide bedeutungsrichtungen auf Schiller-Lübben 5, 331ab; desgleichen mnl. verdelen Verdam 617b; condemnare, abiudicare, separare, dividere, dispertiri Kilian 584a. altengl. fordælan, dispensare, erogare Bosworth-Toller 304a. nhd. meist 'theilen, austheilen, verbreiten': dissipare, distribuere Diefenbach gloss. 187ac; dissecare, diffindere, disscindere Stieler 2271; Kramer 2, 1069a; Dentzler 314b; Frisch 2, 368a; Adelung, Campe. mundartlich: schweiz. Stalder 1, 277; elsäss. Martin-Lienhart 2, 676b; schwäb. Fischer 2, 1375; in Cronenberg fərdīe.lən Leihener 33a; luxemb. siebenb. verdêlen lux. wb. 458a; ebenso pomm. Dähnert 519a; ostfries. Doornkaat 1, 443a. nl. verdeelen aus dem mnl. entwickelt; dän. fordele, schwed. fördela dem mnd. entlehnt. vgl. zum wort Grimm d. gramm. 2, 830, 853.
1) der in der älteren sprachperiode vorherrschende üble nebensinn von vertheilen erklärt sich wie in versprechen II (sp. 1469), verwünschen, verurtheilen. dem bestreben nach deutlichkeit ist der untergang dieser bedeutung in vertheilen und versprechen zuzuschreiben. vertheilen ist offenbar von verurtheilen (s. d.) verdrängt worden. wie dieses besagt es von hause aus 'einen urtheilspruch fällen': iudicare, richtin vel vorteilin Raudener (schles.) voc. 15. jh. (iv q 102f. 95rb); der aller welt richter ist, solt derselb nit recht verteylen Zürcher bibel (1531) 1 Mos. xviiic; sie wurdent verteilet, daʒ ir iegelicher in 10 jôren nit solt in den rôt kumen d. städtechron. 8, 130, 18. an der mehrzahl der belege aber ist der üble sinn unverkennbar. eine reiche zahl von belegen findet sich im mhd. wb., bei Lexer, Haltaus (1904f.), Schmeller (1, 601) und Fischer. über die mhd. rection vgl. W. Grimm kl. schriften 3, 279.
a) 'einen verdammen, zum tode verurtheilen': Diefenbach-Wülcker 569; zum tode verteilen, capitis damnare Stieler 2271;

an disen mæren wart vertailt
Ryal und da bi gesailt
mit ainer wid umm sinen nak
Joh. v. Würzburg Wilh. v. Österreich 5505;

(da) min lieber sun Jesus
nach der juden rate
vor dem richter Pilate
wart verteilet in den tot der spiegel 373 (1, 222 Mone);

to Colne wart en wullenwever vordelet to deme dode lüb. chron. 1, 298; deszhalb weder papst noch ander sich understeen mögen, die abgeschiden sel ze vertailen oder ze absolvieren Berthold v. Chiemsee theologey 617; das wird .. mit allen teufeln ins ewige und hellische

[Bd. 25, Sp. 1885]


feuer vertheilet werden Mathesius Sarepta 145a; und ward och vertailt als ain kätzer Richental Constanzer concil 83. das part. prät. verteilt häufig als ausruf 'verdammt, verflucht, verwünscht'.
b) mit dativ der person, 'zu ungunsten jemandes ein urtheil fällen, ihm ein recht aberkennen': cassare, destruere, annihilare voc. inc. teut. ii 5b; Diefenbach gloss. 104b;

diu wer im doch nicht tohte:
man verteilte imʒ leben unt sînen prîs
Wolfram v. Eschenbach Parzival 527, 19;

dem (heerflüchtigen) verdelt man sin ere unde sin lênrecht, unde nicht sîn lîf Sachsenspiegel 1, 40; vgl. Schwabenspiegel lehenrecht 174 bei Fischer. Höfer etym. wb. 3, 253 bezeugt: er hat deinem bruder recht verthailt, 'lästern, aus zorn viel böses von oder zu einem sagen'.
c) 'einen eines rechtes berauben': privatus, ferteiliter; proscribantur, firtelit werdan ahd. glossen bei Steinmeyer-Sievers 4, 156a; 2, 106a;

sô müeʒen wir verteilet sîn
êren unde guotes
Hartmann v. Aue büchlein 695;

er liesz aber fünff töchtern, die wurden des landes verteylt ('verwiesen') Schwabenspiegel landrecht 285 bei Fischer.
d) 'einen bei der theilung übergehn, beeinträchtigen, benachtheiligen', nur obd.:

dem vater vaste leidet,
daʒ er in het verteilet genesis 52, 13 Diemer;

(wenn) ein teil vür den andern sô vast verteilet würde an vesten oder an gülte, daʒ si dann den selben teil gebeʒʒern, gemêrn und geleichen mügen Wittelsbacher urkunde v. 1331 bei Lexer; schweiz. einen vertheilen an gaben, praeterire aliquem donis; er ist vertheilt worden, praeteritus est Dentzler. dazu ein reflex.-gebrauch: 'übereilt und leichtsinnig theilen; andern soviel geben, dasz man selbst dabei zu kurz kommt' vgl. Dentzler; Stalder; Campe; im schwäb. geradezu höflichkeitsformel bei annahme eines geschenkes Fischer. ähnlich in Lusern vortaln 'zuviel, reichlich, übermäszig theilen' Bacher 420.
e) mit sächlichem object, 'etwas verwerfen, verschmähen':

swaʒ er hœret oder siht,
daʒ verteilet er niht
und dunket in alleʒ guot
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2805.


2) seit dem 16. jh. in dem heute gebräuchlichen sinne, in berührung mit theilen, abtheilen, eintheilen, austheilen. nach Eberhard - Lyon bezieht sich vertheilen auf ein ganzes, das erst gesondert werden musz, sowie auf viele, denen ein ganzes theilweise gegeben werden soll; austheilen aber blosz auf das übergeben mehrerer dinge, auch wenn sie vorher kein ganzes ausgemacht haben nr. 213. mit diesem grundsatz decken sich die belege nicht durchweg.
a) 'ein ganzes oder eine gruppe in theile zerlegen, sondern': du wirst es (ein paket zum aufbewahren) verteilen müssen Schnitzler Anatol 71; will man aber die schaf nicht ... vertheylen, sonder ... herdsweisz verhandlen Sebiz feldbau 135; diewil .. jetzt das land in zwey regiment verteilt was, ward fürbas das gantz land Unterwalden genämpt Tschudi helvet. chron. 1, 73. von stoffen: mit hönig zu einem pflaster gemacht, vertheilet es (kümmel) das von schlägen geronnene blut Hohberg georgica 1, 535; pomm. een verdeelend plaaster, das die schlimme materie eines geschwulstes, geschwürs auseinanderbringt vgl. Dähnert; die luft ... gleich in quartierbouteillen vertheilen Lichtenberg briefe 2, 42; dasz sie doch alle der Batteux holte, und ihren verstand weit droben im Ariostischen monde in tausend flaschen vertheilte Bürger 1, 319. heute ungebräuchlich statt theilen: ohne zweifel gab es auch in frühster zeit schon vertheiltes waldeigenthum J. Grimm d. rechtsalterthümer 2, 16; sie (die kirche) ist in zwei kapellen vertheilt Stilling 4, 419; ich ... musz ohne gnade meinen tag zwischen spazieren und ausruhen vertheilen Droste-Hülshoff briefe 284;

[Bd. 25, Sp. 1886]


wird unser könig nicht in dir uns hergestellt,
obgleich ihn schon vertheilt der himmel und die welt?
König ged. 135;

selbstliebe, neid und stolz — mit schmerz
vertheilen sie sich unser herz
Herder 27, 373;

lieb' und leid kan er allzeit mit ihr vertheilen.
denn die last liegt halb so schwer auf zweyen seulen
Neumark lustwald 1, 413.


b) 'zerreiszen, zersplittern, zerstreuen': dein landt wirdt nach mir weit vertheilet, und nimmer wider zusammen in ein handt kommen buch der liebe 276b; das zerrüttete, vertheilte Deutschland schmiegte sich Herder 23, 40;

meint er, was ich erwarb, damit woll' er nun schalten,
und woll' es nach und nach vertheilen?
Göthe 9, 43 Weim. (die mitschuldigen);

dem ruhigen bürger dem nimmt er sein gut,
dasz er's nach belieben vertheilt und verthut
Hoffmann v. Fallersleben 5, 37;

kein treu und wahrer freund, der bey mir schwachen sitzt,
und durch erzehlungen die lange zeit vertheilet ('vertreibt')
Hoffmannswaldau u. and. ged. 7, 87 Neukirch;

sie sind fähig den schlummer der schläfrigsten menschen zu vertheilen, ihre säfte zu verdünnen Klemm der grüne hut 61 Wien. neudr. von personen: (er) moste de Sassen .. vordelen in mennyghe land, dat se nicht to hope en bleven Korner lüb. chron. 26c; die zwar grosze menge der christen ..., weil sie unter so unzehligen theilen des reichs sehr vertheilet und zerstreuet waren Arnold kirchenhistorie 139; die lust und das pflichtgefühl zur arbeit haben nur wenige, und diese sind vertheilt unter einander bekämpfende fractionen und parteibestrebungen Bismarck erinnerungen 2, 302.
c) 'einzeln hingeben, vergeben, austheilen':

vertheile so dein brot,
dasz du nicht leidest noth
Wander 4, 1612;

auszerdem musz .. das eingehende geld .. unter die einzelnen mitrheder nach dem verhältnisse der grösze ihrer schiffsparten vorläufig verteilt und ausgezahlt werden handelsgesetzbuch § 502 abs. 3; Moses befehl war: das land sollte nicht eher vertheilt werden, bis es ganz eingenommen wäre Herder 12, 154;

ohne wahl vertheilt die gaben,
ohne billigkeit das glück
Schiller 11, 393 (siegesfest).

alterthümlich mit dativ der person: laken, die man of dem tage den Samaythen vorteylte Marienburger treszlerbuch 396; 30 (hasen) nach dem Brieg geschicket, die andern aber sonsten den räthen vertheilet Schweinichen 472 Österley. üblich mit präpos. zusatz: an mehreren orten vertheilte man brot und würste unter das volk Göthe 26, 331 Weim. (Meister); dasz die denkschrift an die bundestagsgesandten vertheilt werde Treitschke aufsätze 1, 365.
in übertragener verwendung: nur darin (in einem garten) sollte man geheimnisse vertheilen Jean Paul werke 7/10, 87;

wie mir das schicksal
leben und liebe
gütig vertheilt
Brentano 2, 308.


d) 'getrennt anordnen, nach bestimmten verhältnissen zerlegen': dis nochgeschreben ist vorteylt in dy selben schiff: item 16 m. 23 scot vor 120 schok brotes Marienburger treszlerbuch 494; weitter aber (werden) die hertzadern vom nabel in den samen auszgespreytet und verteylt Ryff anatomi B iiia; New River ..., dessen wasser durch maschinen .. in vielen kanälen vertheilt wird Archenholz England u. Italien 1, 135. leute, menschen, besonders soldaten: die soldaten in die quartiere, die mannschafft in regimenter Kramer; dasz .. unsere regimenter gleichmäszig über das ganze reich vertheilt sind Moltke 7, 125;

drauf erhub sich Eloa, vertheilte die engel der erde
weit um Golgatha her
Klopstock Messias 8, 236;

bleibt, wie ihr mögt, vertheilt, doch an der brücke stehn!
Gryphius trauersp. 172 (Katharina 1, 636).

bücher, rollen, gegenstände: die ordnung, nach welcher die bücher in selbiger (bibliothek) vertheilet und gestellet sind Lessing 17, 419; etwas dramatisches bald

[Bd. 25, Sp. 1887]


allein, bald mit vertheilten rollen zu lesen Mörike werke 3, 69; alle thüren und fenster (im schlosse) waren zwar etwas nach altem geschmack, und nicht ganz gleichförmig vertheilt Brentano 5, 172. kunstausdruck in der malerei vgl. Adelung, Campe; das licht wurde ohne schwierigkeit verteilt und jede partie in licht und schatten vernünftig und klar ausgefüllt Keller 2, 49; in dessen schönem durch alle stimmen vertheilten und verschlungenen gesang man das innige zwiegespräch liebender vernimmt O. Jahn Mozart 4, 113; der wahre dichter vertheilt das mitleiden durch sein ganzes trauerspiel Lessing 17, 80. part. prät. 'verschieden, mannigfach, bunt': das schochtafelbrett ... welches alles von kristallin und jaspis vertheylet was Wickram 1, 263; mit seiden, sammet, oder etwan gülden stück, vertheilten teppichen, bedeckt Fronsperger kriegsbuch 1, d 4v; um ihn zu treffen, laszt uns auf vertheilten wegen das ufer des meers durchstreifen Meissner Alcibiades 3, 232. pflichten, rechte, anlagen: nach den gentes sind die rechte und lasten des staates vertheilt Jhering geist des röm. rechts 190; es fragt sich, ob unter der groszen masse eine menge von anlagen .. vertheilt sei Göthe 22, 106 Weim. (Meister).
e) in übertragenem sinne mit gebrauch der einzahl, 'die antheile an etwas nach verschiedenen seiten hin vergeben, ausdehnen': der den kampff vertheilen und dem besten das gewinnst .. geben solt Xylander Polybius 45; Görres hat auch diesen ölbildungsprozesz sehr richtig an den körper vertheilt Immermann 1, 98; wenn er nur das gleichgewicht klug vertheilte Klinger werke 4, 223; es war wunderlich, wie gewissenhaft er seine pflicht an das haus verteilte Ludwig 1, 240.
3) besondere aufmerksamkeit verdient der reflexive gebrauch, der zuerst von Kramer besonders gebucht ist. vgl. auch 1 d.
a) 'sich in die erbmasse theilen', nur in thüring. urkunden des 17. jhs. nachzuweisen: alsz ich mich mit meinen brudern .. ausz dem väterlichen angefallnen lehn verteilet gehabt Diefenbach-Wülcker 569; geschwister, so sich verteilet, mögen mit ihrem gut thun, was sie wollen thüring. geschichtsquellen 9, 141.
b) 'sich zergliedern' (vgl. 2 a): dasz sie .. in hundert gemeinen ... sich vertheilet Micraelius Pommerland 1, 8; ein so ungeheurer staat würde keiner verwaltung fähig seyn. er müszte sich also in mehrere kleine staaten vertheilen Lessing 13, 355 (= Herder 17, 125). zu 2 b, 'sich auflösen, zersplittert werden': vordele dy nicht in allen wind, non ventiles te in omnem ventum Sir. 5, 11 bei Schiller-Lübben;

dasz ruder, mast und seile
zerscheitert und zerstückt am ufer sich vertheile d. schaubühne 2, 72 Gottsched;

das drohende gewitter hat sich vertheilt und der sonne wieder platz gemacht; der schleier an dem himmel fing auch an, sich zu verdünnen und zu vertheilen Stifter 51, 241; je vielfacher die verrichtungen und bestimmungen der thiere, .. desto mehr sehen wir ihre sinnlichkeit sich vertheilen und schwächen Herder 5, 23. zu 2 c, 'sich hingeben': was liegt näher als die ausflucht, sich an beide welten zu vertheilen Lotze mikrokosmus 1 ix.
c) 'sich sondern, verzweigen, verbreiten' (etwa 2 d entsprechend). von personen: denn sie wöllen sich nicht von einander vertheilen Amadis 1, 40; die Römer vertheileten sich mehrentheils in Böhmen an den pannonischen grentzen Bucholtz Herkuliskus 1459; die mannschaft mag sich nun auf die mauern vertheilen Göthe 131, 287 Weim. (Götz); sie vertheilten sich merkwürdig geduckt zu ihren friedlichen hütten Raabe Horacker 66. von gegenständen: adern, die sich .. in unzählig viele kleine äderlein verteilen Hebel 2, 40; jedweder finger vertheilet sich in noch dreissig andere Gryphius Horrib. 45 neudr.; diesen hinderlichen, und, wenn er sich in die ganze masse vertheilt, gefährlichen bruch Göthe 22, 115 Weim. (Meister). von unfesten stoffen, in eigentlichem und in übertragenem sinne:

[Bd. 25, Sp. 1888]


gieb
mir eine dose gift; solch scharfen stoff,
der schnell durch alle adern sich vertheilt Shakespeare 1, 153 (Romeo 5, 1);

wie sich da rechts und links streitend die flamme vertheilt!
Herder 26, 82;

(der worte) eindruck war rein und ungesucht, doch zu voll und überladen, so dasz licht und schatten sich nicht recht vertheilen konnten J. Grimm kl. schriften 1, 283; so und nicht anders kann das vollkommene, das genügende im geist sich erweitern und vertheilen und beleben alle Bettine frühlingskranz 472.
d) zum ersatz des passivs: die übrigen truppen vertheilen sich auf den limes Mommsen röm. geschichte 5, 142; die rollen von Frankreich und Deutschland insbesondere vertheilten sich wie spott und ernst D. F. Strausz 6, 23.

 

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