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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertemmen bis verteufen (Bd. 25, Sp. 1871 bis 1874)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertemmen, verb., nebenform zu 1verdämmen sp. 193. mhd. vertemmen 'dämpfen, ersticken' mhd. wb. 3, 12a b; Lexer 3, 268; suffocare, verdemmen Diefenbach gloss. 565a.
 
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vertemmen, verb., nebenform zu 2verdämmen sp. 194. vgl. DWB dämmen, DWB temmen 'schlemmen' th. 2, 709; 111, 242. abligurio, verschläcken, verschlemmen, verdemmen Frisius 7b;

mit fullerey das sein verdempt
Aventinus bei
Schmeller 1, 509.

dazu: lurco, lecker, schlemmer, verzerer, vertemmer Diefenbach gloss. 340a.
 
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vertennen, verb. , zum subst. tenne gebildet. Lexer 3, 268; oben th. 111, 254.
1) 'eben wie eine tenne machen':

und hete ein meder dâ gemât,
eʒ wær niht so vertennet
als von ir dienste manicvalt Virginal 1044, 10.


2) 'mit einem tennenartigen boden versehen': das schiff sei dann gebodemet .. verdennet Fischart Garg. (1590) 79a.
 
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verteppichen, verb., 'mit teppichen versehen' für tapezieren anscheinend von Campe gebildet, aber nicht gebräuchlich geworden.
 
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vertepscht, vertäpscht, adj. gebrauchtes part., nur in österreich. mundart 'eingedrückt, verknittert': so nahm .. der forster seinen alten vertäpschten schlapphut Handel-Mazzetti Jesse u. Maria 1, 164.
 
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vertesseln, verb., holstein. mundartlich; reflex. 'sich verwirren, in unordnung gerathen': sie ist immer bange, dasz .. ihr haar sich vertesselt Frenssen Jörn Uhl 62; part. prät.: seine verhältnisse waren vertesselt wie mädchenhaar, in das lose buben kletten geworfen 228.
 
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vertestamentieren, vertestieren, verb., von lat. testamentum bzw. testari gebildet in frühnhd. zeit, beide im südwesten wie nordosten nachweisbar. 'durch testament, in letztwilliger verfügung vermachen': vertestamentieren, testamento legare Dentzler 314a; mit vergaben, verordnen, oder vertestamentieren, was ir fügt ze handeln Riederer rhetoric v IIIb; fürstliche durchleuchtigkeit hat dem thum .. 100 gülden jehrlichen vertestamentieret Hennenberger preusz. landtaffel 293; preusz. die beiden eheleute haben sich vertestamentiert, sich ein gegenseitiges testament gemacht Frischbier 2, 443a.
dasz sie auch möchten ires gefallens ire gütere verwalten, dieselben vertestieren, vereuszern Schütz preusz. chron. 1, F Ib; in seinem seltzamen, wunderlichen, dem pfaffen vertestierten legat Sandrub kurzweil 94 neudr.; urkunde von Burkersdorf 1747 bei Diefenbach - Wülcker 569; ältere schwäb. quellen bei Fischer, 2, 1376.
 
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verteuen, verb., s. vertäuen.
 
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verteufeln, verb. , zu teufel gebildet, ein besonders in der form des part. prät. verbreitetes wort. mhd. vertiuvelen Lexer 3, 270. literarisch vereinzelt im 16. jh.,

[Bd. 25, Sp. 1872]


häufig seit dem 17. lexicalisch bezeugt: verteufeln neben durchteufeln, perdiavolare Kramer 2, 1063b; Steinbach 1, 64; verteufelt, diabolicus, diabolico modo, pessime Frisch 2, 370b; Adelung; Campe. schweiz. Stalder 1, 276; Seiler Basel 106; elsäss. Martin-Lienhart 2, 657a; schwäb. Fischer 2, 1376; kärnt. Lexer 60; luxemb. verdeiwelt lux. wb. 458a. mnl. verduvelen Verdam 620a; nl. verduiveld 'verdammt'. in nd. mundarten: verdübelt, verdüwelt in Osnabrück Strodtmann 258; Waldeck Bauer-Collitz 29a; Bremen wb. 1, 279; Hamburg Frommanns zeitschr. 6, 138, 2; 141, 3; Lübeck Schumann 80; Dithmarschen nd. corresp.-blatt 19, 80; Mecklenburg ebd. 15, 27; Pommern Dähnert 520a; in der Altmark verdeiwelt Danneil 237a. ins schwed. übernommen fördjeflad Helms 135a.
1) die weitaus am häufigsten und in der ganzen periode erscheinende participiale form ist wohl unmittelbar ohne vermittlung des verbs gebildet worden, etwa wie verhenkert von henker vgl. Adelung. es bedeutet ursprünglich 'zum teufel gemacht oder geworden', dann 'vom teufel besessen, teuflisch' und dementsprechend entweder 'verzweifelt' oder 'verdammt, verflucht'. der sinn der verachtung oder des hasses wird bald zum derben ausdruck der bewunderung; in der sprache des groszen haufens für 'im hohen grade listig, verschlagen, arg' Adelung; auch 'auszerordentlich gewandt, bewandert in einer fertigkeit'. schlieszlich wird verteufelt ein blosz verstärkender zusatz wie verdammt, verflucht, sehr. eine strenge scheidung zwischen diesen bedeutungsschattierungen läszt sich nicht durchführen.
in verbindung mit handelnden personen: ein verteufelter mensch, huomo indiavolato Kramer; weil die welt so vergifftet und verteufelt ist, das sie die warheit verdammen thar Luther 28, 324, 25 Weim.; der verzweiffelt würd erst verteuffelt Fischart Garg. 406 neudr.; also bringen sich solche verzweiffelte und verteuffelte leute üm ihre .. zeitliche ehre Harsdörffer secretarius 2, 60;

mag denn ein menschen geist so gar verteuffelt seyn?
Gryphius ged. 239 Palm.

abgeschwächt: läszt sich doch der verteufelte Benvenuto auch gar nichts sagen Göthe 43, 159 Weim.; die gräfin wäre eine verteufelte reiterin Alexis Isegrim 1, 196. in subst. form:

zückstu, verteufelte, das messer wider mich?
Lohenstein Ibrahim (1680) 10, 169.


in sächlicher verbindung: ihr (der ketzer) lehr ist ain verteüflete, durchteüflete und uberteüflete lehr Eisengrein erklärung (1568) 39b; wehe denen, welche wegen desz verteuffelten fluchens und bübischen schandbossen das ewige lob .. verlieren Meyfart himml. Jerusalem 2, 346; die verderblichen, abscheulichen und verteufelten meynungen der Socinianer Rabener 1, 223. abgeschwächt: aber so geht es mitt der verteüffelten see, man ist nie in sicherheit mitt E. Ch. v. Orleans briefe 6, 206;

o verteufelte geschichte!
heldenhafter lebenslauf!
Göthe 1, 177 Weim.;

dieses verteuffelte schreiben ist allein der ausleger meiner begangenen laster Lohenstein Arminius 2, 1104a; ich habe einen verteufelten hang zur groszmuth Lessing 2, 145 (schatz); es giebt in jedem hause .. verdammte, verteufelte, verhenkerte tage — wo alles gekreuzt geht und die quere Jean Paul werke 7/10, 461; verteufelte symbole meiner quälgeister! Vischer auch einer 2, 332; ach, das verteufelte bier! Fontane 6, 35.
in alterthümlicher sprache gelegentlich mehr verbal gefühlt mit richtungshinweis, 'verdammt, verstoszen': wer sie nit höret, der ist verteufelt und vermaledeit in den abgrund der höllen Handel - Mazzetti Jesse u. Maria 1, 357. übertragen 'versessen auf, verrannt in etwas': drumb seindt (sie) so erpicht undt verteüffelt auff diesze sach E. Ch. v. Orleans briefe 4, 414;

wo beydes jung und alt in sünden noch verwildt,
schier gar verteüfelt ist
Rompler v. Löwenhalt reimgetichte 34.

[Bd. 25, Sp. 1873]



als adverb. seltener in verbindung mit verben, 'teuflisch':

versiegle derer zung, die so verteufelt meinen,
es sey ein kleines nur den nechsten zu verkleinen
Neumark lustwald 2, 5.

'sehr':

die majestät läszt uns verteufelt warten!
Werner Luther 155;

das wasser richtet so 'ne blitzleiche verteufelt zu grunde Shakespeare 3, 331 (Hamlet 5, 1).
gewöhnlich als steigerungsadverb. bei adj. und adverb. verteufelt bange, omnibus artubus contremiscens Steinbach;

verteufelt böser mensch!
Lohenstein Epicharis (1685) 60, 317;

ihr seid doch auch verteufelt arm
Göthe 16. 80 Weim. (Satyros 1, 85);

es ist eine verteufelt schwere aufgabe Schiller briefe 3, 68; die menschen sind so verteufelt ernst geworden Gutzkow ritter 8, 127.
in den deutschen mundarten ist verteufelt in dieser art als adj. oder adv. gebräuchlich, so schwäb., kärnt., luxemburg. und in den angeführten nd. mundarten, bisweilen auch euphemistisch entstellt, wie zu verteukert, verdeikert in der Altmark und Lausitz Danneil 237a; Anton 14, 14; westfäl. verdükert Woeste 290b.
2) daneben erscheint verteufeln als verb. in allen formen und verschiedenen bedeutungen. besonders obd. ist 'böswillig und auf muthwillige weise etwas verderben', z. b. kleider: schweiz., elsäss., schwäb.; nach Heyne in gewöhnlicher rede 'teufelmäszig gestalten, gänzlich verpfuschen': er verteufelt die ganze sache; entweder ich verteufle eins (gemälde), mit grenzenlosem leichtsinn, ... oder ich bin so innig bei der sache, dasz ich selbst nachts noch mich quälen musz A. Feuerbach an die mutter 1, 182; die ganze erde zur folterkammer und jedes einzelne volk zum schergen und henkersknecht aller übrigen zu verteufeln F. L. Jahn 2, 677. schweiz. auch 'menschen zu grunde richten': aber die menschen machen es, dem teufel z'lieb und z'ehr lieber umgekehrt, dafür verteufelt er sie Gotthelf erlebnisse eines schuldenbauers 86. 'sein geld auf schlechte art verschwenden Stalder; nach Campe landschaftlich 'durch teufeleien, mit teufeleien oder argen, liederlichen streichen verbringen, verthun'. von der zeit: unser bauer, der tröhlt und spielt und ... seinen ruhetag im schenkhaus ... verteufelt Pestalozzi 8, 109.
nur in nd. mundarten erscheint ein verdüveln in negierendem sinne: 'durch fluchen, mit mehrmaliger nennung des teufels verneinen, leugnen' Adelung; in Osnabrück Strodtmann; in Bremen. auch 'sich bestreben, aus wahr falsch zu machen' brem. wb.; dat laat ik mi nig verdüweln 'das lasse ich mir, gegen die gesunde vernunft und alle überzeugung, nicht abdisputieren' ebd.; de let sik nich verdüweln, 'nicht gegen die bessere einsicht einreden' in Mecklenburg. 'überlisten, übertölpeln' in Lübeck und Mecklenburg.
3) schon in mhd. zeit kommt ein intrans. 'teuflisch werden' vor:

der lîb vertiuvelt ânez prôt,
same tuot diu sêle âne got vaterunser a. d. 12. jh. in
Mones anzeiger 8, 42.

aus dem 16. jh. tritt ein trans. beleg an die seite, 'teuflisch machen': noch seind si bede eigentlich nit gott und der teüfel selbs, sunder im eingeleibt und mit in vergott und verteüflet Franck zeitbuch 4b. aber erst seit dem ausgehenden 18. jh. ist der trans. gebrauch in der bedeutung 'zum teufel machen' neu aufgenommen und üblich geworden (vgl. verteufelung): dasz beide (Friedrich der grosze und Napoleon) .. von den meisten vergöttert oder verteufelt wurden Zschokke 3, 165; mit demselben instinkte .. streichen sie aus dem gotte ihrer überwinder die guten eigenschaften aus; sie nehmen rache an ihrem herrn, dadurch dasz sie deren gott verteufeln Nietzsche 8, 233. subst. inf.: damit aber das göttliche um so schöner aus dem dunkel herausstrahle, muszte und konnte das teuflische und das verteufeln

[Bd. 25, Sp. 1874]


anderer auch nicht fehlen Klinger werke 12, 78. an anderer stelle 'teuflisch werden' oder 'verzweifeln' (vgl. 1): zum verteufeln ist's, sag ich euch, mit dem burschen Handel-Mazzetti Jesse u. Maria 1, 206.
reflex. form: freylich müssen wir das schöne gesicht nicht oft bey seinen teufelsthaten antreffen, sonst wird es sich bald in unsern augen verteufeln Lichtenberg schriften 3, 453;

ich verteufle mich, der gott
wird jetzund ein gottseibeiuns
Heine werke 1, 388.


 
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verteufelung, f., zu verteufeln 3, 'verwandlung in teufel'. diese verteuflung der götter habe ich im ... 'salon' ... besprochen Heine 6, 77. übertragen, 'teuflische art': wenn sie in diesen physiognomien wahre verteufelung finden Musäus physiogn. reisen 1, 53; aus erfahrungen und erlebnissen im grollenden herzen ... gifte kochen ... ist entmenschte verteufelung F. L. Jahn 1, 359.
 
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verteufen, verb., s. vertiefen.

 

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