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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertauschungswerk bis vertestamentieren (Bd. 25, Sp. 1870 bis 1871)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -werk Ranke 31, 150.
 
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vertausendfachen, vertausendfältigen, verb., denominativbildungen des 18. jh. zu tausendfach, tausendfältig; zuerst bei Campe verzeichnet: 'machen, dasz etwas tausend mal da ist, sich wiederholt, geschieht'. nl. verduizendvoudigen.
1) von dingen und erscheinungen:

ein ton wird einzeln wiederholt, darauf verdoppelt schnell vermehrt,
ja öfters fast vertausendfacht
Brockes irdisches vergnügen 8, 14;

du zogst sie (die federzüge) rein, dann ward's in dieser nacht
durch tausendkünstler schnell vertausendfacht
Göthe 15, 62 Weim. (Faust 6072);

mächtigste kunst der neuern, erhalterin, thätigste freundin.
.... o du, die in wenigen stunden
worte vertausendfältiget
Klopstock oden 2, 76;

das wankende wasser spiegelte den mond zitternd nach, den wir lieber vertausendfältigt als verdoppelt hätten Jean Paul werke 1, 344.
2) von geistigen zuständen: wenn sie ihre existenz für die existenz andrer aufopfern und so ihr dasein gleichsam vertausendfachen wollen Kleist 4, 69;

nun blickt der schmerz verhundertfacht,
vertausendfacht hervor
Platen 1, 47.

[Bd. 25, Sp. 1871]



3) von personen, auch reflexiv:

erzitt're Rom! wie auf die bäume jetzt,
so werden sie, vertausendfacht, dereinst
auf dich sich stürzen
Hebbel 5, 252;

im borgo, sagst du, wird gekämpft?
ich komme! ich vertausendfache mich
C. F. Meyer ged. 345.


dazu die unhandlichen substantivbildungen vertausendfachung, vertausendfältigung Campe. zu 1: die berühmte Maria von Carlo Dolci in einer vertausendfachung als groschenbild D. v. Liliencron 3, 137.
 
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verteigen, verb., zu teig gebildet, von Campe zur verdeutschung von impastiren (frz. empâter) in der sprache der kunst vorgeschlagen mit der bedeutung 'die farben dick und fett, unverschmolzen auftragen' verdeutschungswb. 413a.
 
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vertelben, verb., s. verdelben sp. 206.
 
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vertemmen, verb., nebenform zu 1verdämmen sp. 193. mhd. vertemmen 'dämpfen, ersticken' mhd. wb. 3, 12a b; Lexer 3, 268; suffocare, verdemmen Diefenbach gloss. 565a.
 
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vertemmen, verb., nebenform zu 2verdämmen sp. 194. vgl. DWB dämmen, DWB temmen 'schlemmen' th. 2, 709; 111, 242. abligurio, verschläcken, verschlemmen, verdemmen Frisius 7b;

mit fullerey das sein verdempt
Aventinus bei
Schmeller 1, 509.

dazu: lurco, lecker, schlemmer, verzerer, vertemmer Diefenbach gloss. 340a.
 
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vertennen, verb. , zum subst. tenne gebildet. Lexer 3, 268; oben th. 111, 254.
1) 'eben wie eine tenne machen':

und hete ein meder dâ gemât,
eʒ wær niht so vertennet
als von ir dienste manicvalt Virginal 1044, 10.


2) 'mit einem tennenartigen boden versehen': das schiff sei dann gebodemet .. verdennet Fischart Garg. (1590) 79a.
 
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verteppichen, verb., 'mit teppichen versehen' für tapezieren anscheinend von Campe gebildet, aber nicht gebräuchlich geworden.
 
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vertepscht, vertäpscht, adj. gebrauchtes part., nur in österreich. mundart 'eingedrückt, verknittert': so nahm .. der forster seinen alten vertäpschten schlapphut Handel-Mazzetti Jesse u. Maria 1, 164.
 
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vertesseln, verb., holstein. mundartlich; reflex. 'sich verwirren, in unordnung gerathen': sie ist immer bange, dasz .. ihr haar sich vertesselt Frenssen Jörn Uhl 62; part. prät.: seine verhältnisse waren vertesselt wie mädchenhaar, in das lose buben kletten geworfen 228.
 
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vertestamentieren, vertestieren, verb., von lat. testamentum bzw. testari gebildet in frühnhd. zeit, beide im südwesten wie nordosten nachweisbar. 'durch testament, in letztwilliger verfügung vermachen': vertestamentieren, testamento legare Dentzler 314a; mit vergaben, verordnen, oder vertestamentieren, was ir fügt ze handeln Riederer rhetoric v IIIb; fürstliche durchleuchtigkeit hat dem thum .. 100 gülden jehrlichen vertestamentieret Hennenberger preusz. landtaffel 293; preusz. die beiden eheleute haben sich vertestamentiert, sich ein gegenseitiges testament gemacht Frischbier 2, 443a.
dasz sie auch möchten ires gefallens ire gütere verwalten, dieselben vertestieren, vereuszern Schütz preusz. chron. 1, F Ib; in seinem seltzamen, wunderlichen, dem pfaffen vertestierten legat Sandrub kurzweil 94 neudr.; urkunde von Burkersdorf 1747 bei Diefenbach - Wülcker 569; ältere schwäb. quellen bei Fischer, 2, 1376.

 

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