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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertauschung bis verteppichen (Bd. 25, Sp. 1869 bis 1871)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertauschung, f. , abstractbildung zu vertauschen: mutatio, permutatio, abwächslung, vertauschung, tausch, wächsel Frisius 852a; 986a; Maaler 434a; vertauschung, umtauschung Kramer 2, 1058b; Kirsch 2, 314b; Adelung, Campe. nl. vertuisching. selten ist concreter gebrauch:

und im fremden ort war's leicht,
die vertauschung zu verbergen
Müllner dram. werke 2, 108.

im übrigen bezeichnet vertauschung die handlung des vertauschens und schlieszt sich an die einzelnen gruppen des verbs an.
1) als ausdruck für tauschhandel (vgl. vertauschen 1): also soll man auch alle frevelthaten .. verbieten, ..

[Bd. 25, Sp. 1870]


wie auch verkauffungen, vertauschungen Hohberg georgica 1, 85; es ist hier nur von der eigenthumserwerbung .. die rede, .. keineswegs aber von der bloszen vertauschung einer sache ... gegen eine andere von demselben werthe Fichte 3, 255; ein capitulare von Karl dem Kahlen von 865 verfügt über die formen, die bey vertauschung kirchlicher grundstücke beobachtet werden sollen Savigny geschichte des römischen rechts 2, 94.
'gegenseitiger austausch, auswechslung' von gegenständen oder personen: eine dergleichen vertauschung (von büchern) ist bey allen naturaliencabineten in Europa gebräuchlich Lessing 18, 348; das kriegskollegium schlug ... unsere beiderseitige vertauschung vor J. v. Voss milit. laufbahn 263; tiefe lehren von vertauschung der seelen Hippel kreuz- u. querzüge 2, 325.
2) die ersetzung eines gegenstandes durch einen andern: synecdoche, in der sprachlehre die vertauschung, vermöge welcher bald ein theil für das ganze oder umgekehrt das ganze statt eines theils genannt wird Campe verdeutschungswb. 634a; man stellte einen wahnsinnigen durch die vertauschung seines blutes mit kalbsblut völlig her Hufeland kunst d. menschl. leben zu verlängern 30; jene andeutungen (von habsburgischer seite) über eine vertauschung Baierns mit Neapel Ranke 29, 58; eine vertauschung des afrikanischen wohnortes mit der neuen welt Peschel völkerkunde 101.
'wechsel, veränderung, umwandlung': die freude, welche er über diese vertauschung der tracht äuszerte, bewies, dasz ihm seine vaterländische sitte doch über alles wohl gefallen müsse Forster 2, 39; dasz das erz günstiger für die gestalt sei als der marmor und dasz Michelangelo, wenn er heute lebte, die vertauschung des materiales nicht miszbilligt hätte H. Grimm Michelangelo 1, 216; vertauschung der beneficien, permutatio beneficii Wetzer-Welte kirchenlex. 8, 301; 11, 646.
3) in der absicht zu täuschen vorgenommene veränderung (s. vertauschen 3): als dem verfasser eines wochenblatts .. sey ihm diese vertauschung erlaubt literaturbriefe 6, 342.
4) 'irrthümliche verwechselung' (s. vertauschen 4): eine ziemliche menge kleiner fehler und vertauschungen, von welchen keine einzige zur verschönerung der übersetzung gereicht literaturbriefe 10, 351; im einzelnen sind verwechselungen und vertauschungen von inschriften auf vasen mehrfach nachgewiesen worden Brunn kl. schriften 3, 98. —
dazu die composita vertauschungsurkunde allg. d. bibliothek 67, 242;
 
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-verfahren Laistner nebelsagen 15;
 
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-versuch Lassalle reden 3, 446;
 
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-werk Ranke 31, 150.
 
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vertausendfachen, vertausendfältigen, verb., denominativbildungen des 18. jh. zu tausendfach, tausendfältig; zuerst bei Campe verzeichnet: 'machen, dasz etwas tausend mal da ist, sich wiederholt, geschieht'. nl. verduizendvoudigen.
1) von dingen und erscheinungen:

ein ton wird einzeln wiederholt, darauf verdoppelt schnell vermehrt,
ja öfters fast vertausendfacht
Brockes irdisches vergnügen 8, 14;

du zogst sie (die federzüge) rein, dann ward's in dieser nacht
durch tausendkünstler schnell vertausendfacht
Göthe 15, 62 Weim. (Faust 6072);

mächtigste kunst der neuern, erhalterin, thätigste freundin.
.... o du, die in wenigen stunden
worte vertausendfältiget
Klopstock oden 2, 76;

das wankende wasser spiegelte den mond zitternd nach, den wir lieber vertausendfältigt als verdoppelt hätten Jean Paul werke 1, 344.
2) von geistigen zuständen: wenn sie ihre existenz für die existenz andrer aufopfern und so ihr dasein gleichsam vertausendfachen wollen Kleist 4, 69;

nun blickt der schmerz verhundertfacht,
vertausendfacht hervor
Platen 1, 47.

[Bd. 25, Sp. 1871]



3) von personen, auch reflexiv:

erzitt're Rom! wie auf die bäume jetzt,
so werden sie, vertausendfacht, dereinst
auf dich sich stürzen
Hebbel 5, 252;

im borgo, sagst du, wird gekämpft?
ich komme! ich vertausendfache mich
C. F. Meyer ged. 345.


dazu die unhandlichen substantivbildungen vertausendfachung, vertausendfältigung Campe. zu 1: die berühmte Maria von Carlo Dolci in einer vertausendfachung als groschenbild D. v. Liliencron 3, 137.
 
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verteigen, verb., zu teig gebildet, von Campe zur verdeutschung von impastiren (frz. empâter) in der sprache der kunst vorgeschlagen mit der bedeutung 'die farben dick und fett, unverschmolzen auftragen' verdeutschungswb. 413a.
 
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vertelben, verb., s. verdelben sp. 206.
 
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vertemmen, verb., nebenform zu 1verdämmen sp. 193. mhd. vertemmen 'dämpfen, ersticken' mhd. wb. 3, 12a b; Lexer 3, 268; suffocare, verdemmen Diefenbach gloss. 565a.
 
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vertemmen, verb., nebenform zu 2verdämmen sp. 194. vgl. DWB dämmen, DWB temmen 'schlemmen' th. 2, 709; 111, 242. abligurio, verschläcken, verschlemmen, verdemmen Frisius 7b;

mit fullerey das sein verdempt
Aventinus bei
Schmeller 1, 509.

dazu: lurco, lecker, schlemmer, verzerer, vertemmer Diefenbach gloss. 340a.
 
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vertennen, verb. , zum subst. tenne gebildet. Lexer 3, 268; oben th. 111, 254.
1) 'eben wie eine tenne machen':

und hete ein meder dâ gemât,
eʒ wær niht so vertennet
als von ir dienste manicvalt Virginal 1044, 10.


2) 'mit einem tennenartigen boden versehen': das schiff sei dann gebodemet .. verdennet Fischart Garg. (1590) 79a.
 
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verteppichen, verb., 'mit teppichen versehen' für tapezieren anscheinend von Campe gebildet, aber nicht gebräuchlich geworden.

 

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