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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertasten bis vertäuschen (Bd. 25, Sp. 1863 bis 1869)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertasten, verb. , wie versuchen gebildet (fair-type).
1) 'antasten, betasten, anfassen, angreifen, versuchen, untersuchen': pertaxare, palmitare, vertasten, virdasten Diefenbach gloss. 430b; ind unse heren vamme raide .. tuschen beiden partien giengen ind vertasden, of man einchen wech vinden moechte d. städtechron. 12, 357, 8 (Cöln). mnd. vortasten Schiller - Lübben 5, 471a; he wolde de sake na dem rechte vortasten lüb. chron. 2, 645; mnl. vertasten Verdam 640a.
2) mhd. vertasten 'betasten, schlagend oder stoszend berühren' Lexer 3, 266;

nu hât er sie vertast
mit füeʒen und mit henden knecht Huvor 10, 13 Keller;

mnd. den wech vortasten lüb. urk. bei Schiller-Lübben.
3) 'sich vergreifen, falsch tasten'. trans.: nl. vertasten, male tangere, errare tactu Kilian 607a; köln. vertaaste Hönig 194b. reflex.: daʒ sich V. .. vertastet habe an einer frau hess. urk. v. 1389 bei Diefenbach-Wülcker 569; Campe; brem. wb. 5, 30; nl. Sicherer-Akveld 1193a.
 
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vertatschen, vertätschen, vertätscheln, verb., verwandt mit vertasten, s. DWB täscheln, DWB taschen, DWB tätscheln,

[Bd. 25, Sp. 1864]


tatschen th. 111, 150; 160. meist obd. wort: schweiz. Stalder 1, 270; Tobler Appenzell 189a; Seiler Basel 106; elsäss. Martin-Lienhart 2, 732a; schwäb. Fischer 2, 1374, 1375; bair. Schmeller 1, 555; tirol. Schöpf 739; schles. Weinhold wb. 97b. Campe bucht vertätscheln als landschaftlich für verhätscheln. die bedeutung ist verzweigt: 'schlagen, quetschenverschütten, verlumpen, verklatschenverzärteln'. den ausgangspunkt bietet die bedeutung des einfachen verbs: 'einen klatschenden schlag mit der flachen hand geben' (in böser oder zärtlicher absicht).
 
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vertattern, verb., in obd. und md. mundarten verbreitetes wort. vgl. DWB dattern th. 2, 828; tattern th. 111, 160; verdattern th. 121, 199. schweiz. vertädern Stalder 1, 256; Seiler Basel 106; elsäss. schwäb. verdatteren Martin-Lienhart 2, 725 f.; Fischer 2, 1093; Frommanns zeitschr. 6, 120, 81; frankfurt. verdettern Askenasy 225. am üblichsten ist die form des part. prät. in der bedeutung 'ängstlich, verzagt, eingeschüchtert, verblüfft, verlegen', so vertatert im Eichsfeld Hentrich 25; anders lothring. vertattert, verdattert 'schwatzhaft' Follmann 155a.
seit mitte des 18. jhs. literarisch nachweisbar: weil der genius erstaunt und vertattert ist, so spricht er auch etwas confus der wurmsaamen (1752) 6 anm. 11 (64 Witkowski); einen beleg bei Bettina bringt sp. 199; 'ist es die menschenmöglichkeit?' hauchte entzückt und heftig vertattert frau Sanna Bierbaum prinz kuckuck 2, 161.
 
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vertauben, vertäuben, verb. , vom adj. taub gebildet. wie taub mit toben verwandt ist (th. 111, 162; Kluge etym. wb. 455b), so ist auch vertauben von vertoben in form und bedeutung nicht durchweg zu scheiden (s. d.).
A. intrans. verwendung ohne umlaut.
1) mhd. vertouben 'taub werden' Lexer 3, 272; surdescere, vertauben, virdauwin Diefenbach gloss. 568c; vortaubin schles. voc. d. 15. jhs. aus Rauden 108v a; mnd. sine oren sint om so verdovet, dat he der warheyd nicht hoiren kan quelle bei Schiller-Lübben 5, 431a; nl. verdoouen, obsurdescere, surdum fieri Kilian 585a;

du salt nit lenger hangen
an dem unglauben,
vorblinden mustu und vortauben Alsfelder pass. 5177.


in technischer sprache von taubem gestein und lagerstätten, die keine nutzbaren mineralien enthalten (th. 111, 165), 'erschöpft werden'; vgl. Veith bergwb. 540. in der neueren literatur erst um 1800: und dabei schreien sie! meine ohren vertauben Varnhagen Rahel 1, 135; da kann die zunge nicht wieder verstummen, das ohr nicht mehr vertauben F. L. Jahn 2, 598.
2) in übertragenem sinne das part. prät.: einen igelichen sndere dem sine liedemaʒe und sin vmf sinnen alle vortbit und vorlamit sin zu gtin werkin Leipz. predigten 138, 7 Schönbach; den dichter, der .. sich gedrungen fühlt, den vertaubten nerven des mitleids für hundert elende in seinen mitbürgern wieder aufzureizen Lenz schriften 3, 145;

das hirn der zeit ist ehern,
es ist verstockt, vertaubt,
es hat entflammten sehern
noch immer nicht geglaubt
Strachwitz ged. 31.

ostfries. ferdofen von feuer und kohlen, die erlöschen Doornkaat 1, 443b. auch nl. Sicherer-Akveld 1164a.
3) wie taub 'närrisch, tobend, zornig' (th. 111, 164) bedeutet schweiz. vertauba (ertauba) 'zornig werden, in harnisch gerathen' Tobler Appenzell 189a. nach Stalder perfectiv vertauben 'aufhören zu rasen' 1, 272 (vgl. vertoben); ferdeupele Seiler Basel 106. dem entspricht elsäss. vertäübelen 'austoben' Martin-Lienhart 2, 642b. obd. 'taub' wird durch thörisch wiedergegeben Kluge; vgl. verthören, verthörlen.
B. in trans. verwendung erscheint das wort theils mit, theils ohne umlaut.
1) 'taub machen, von sinnen bringen, betäuben'.

[Bd. 25, Sp. 1865]


sîn houbet was sô gar vertoubet,
zerstochen mit den dornen
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 3301;

etliche werdent verdobet mit iren eigenen ufsetzen und iren annemheiten in sinlich wúrklicheit Tauler 192, 9 Vetter (ausg. Augsburg 1508 vertaubt); vielleicht hat diesen könig die alte frau, wie auch jenen ungerechten richter .., weil sie ihm so viel mühe machet, und kam in zu verteuben, vermocht, sie zu retten Kirchhof wendunmuth 2, 31; verstummt und vertäubt und verzaubert und verblüfft liegt es (das geknechtete volk) in ohnmacht F. L. Jahn 1, 390. elsäss. vertauben, vertäuwen 'betäuben, verwirren' Martin-Lienhart; schweiz. ferdeube Seiler. auch nd.: mnd. vordoven 'betäuben, übertäuben, bethören' Schiller-Lübben; mnl. verdoven, part. verdovet, verdooft Verdam; exsurdare, surdum reddere Kilian 585a; osnabrück. verdäuwen 'zum schweigen bzingen, betäuben' Strodtmann 257; neumärk. fardeeft 'betäubt' zeitschr. f. d. mundarten 4, 74.
2) nur in der älteren periode erscheint die bedeutung 'töten, vernichten' mhd. wb. 3, 62b;

sîet man sî mit starkir hant
vortilgin und vortoubin (var. betoubin)
di vînde des geloubin
Nic. v. Jeroschin preusz. chron. 841.

'dämpfen, niederschlagen':

die hütten tn ich loben
im isen und im loch (gefängnis),
tut mancher in (den räuber) vertoben
daʒ im gelit sin boch (stolz) volkslieder 1, 371 Uhland.


3) ein trans. seitenstück zu A 3 bildet schweiz. vertäuben (fətöübə) 'erzürnen' Vetsch Appenzell 81; vertöub mi nit, oder i gibe kei milch, seit d' geisz Wander sprichw. 4, 1612.
C. selten ist ein reflex. sich vertauben 'enden, aufhören' mhd. wb.:

sîn leben sich vertoubete
in dem jare, als er starb passional 570, 90 Köpke.

in technischer sprache wie A 1: als sich die wenigen vorhandenen mittel plötzlich vertaubten Veith bergwb. 540.
D. eine trans. weiterbildung desselben stammes stellt vertöbern (aus vertäubern) dar; schles. 'betäuben' (zu B 1): im blitzen hat der donner einen solchen gräulichen und erschrecklichen schlag in die kirche gethan, dadurch zwo personen ... so sehr vertöbert worden, dasz sie auf der stelle todt blieben sind quelle v. 1535 bei Nic. Pol jahrbücher der stadt Breslau 3, 80. elsäss. vertöberen 'ausschelten' (zu B 3) Martin - Lienhart 2, 643b. —
vertäubung, f., ungebräuchliches subst. zu vertauben A 1—2, 'das taubwerden, der zustand des taubseins': für das blöd gehör, oder die vertäubung, musz man (folgendes thun) Sebiz feldbau 76; wenn die gänzliche vertäubung unsers innern nerven uns mit einer furchtbaren armuth an wonnegefühl für unser ganzes leben bedroht Lenz vertheidigung des herrn W. 41. nl. verdooving 'betäubung'.
 
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vertauchen, verb., ahd. fertûchen Graff 5, 368; in (eum) unmari fertochenen duot, recondit obscuritas Notker Boëthius ebd.; vgl. auch fartuchaljan, obruere, occultare ebd.; mhd. nicht nachgewiesen; steir. vertauchen, 'unterdrücken, mit anstrengung überwinden' (kummer oder schmerz) Unger-Khull 221b; der wicht Stellefort wird sich leicht vertauchen lassen Rosegger schriften 5, 228. —
intrans. bildung 'untertauchen' in poetischer sprache:

... ein blitz der schönheit zuckt sie durch
die tanzreih'n, bald vertauchend, bald verschwindend
Grabbe 2, 80 (Don Juan 2, 2).


 
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vertäuen, verteuen, verteien, verb., fälschlich an tau 'schiffstau' angelehnt, vgl. Falk-Torp etym. wb. 1315; Franck - Wijk 712a. 'ein schiff vor zwei oder mehrere anker legen, damit es bei der ebbe und flut um seinen anker schwänke' Röding wb. der marine 2, 842; Stenzel 447b; dasselbe dann gleichzeitig mit dem heck

[Bd. 25, Sp. 1866]


durch trossen oder ketten an bojen, festmacherpfählen oder festen punkten an land befestigen Kluge seemannsprache 808; ein schiff vorn verankern Alten hdb. f. heer u. flotte 1, 373; verteuen Beil techn. wb. 1, 629; das vertäuen (auch vermooren, vermuren) findet anwendung, wo in engen gewässern flut und ebbe laufen Meyer konvers.-lex. 6 20, 89a. aus mnd. vortoien, vortogen Schiller-Lübben 5, 475a; in Estland vertauen Sallmann 73b; ostfries. fertöjen Doornkaat 3, 421; nl. vertuien Franck-Wijk 737b; norweg.-dän. fortøie, schwed. förtöja dem nl. entlehnt Falk - Torp 265; 1315. die ältesten nhd. belege stammen aus der zeit um 1800; die bedeutung hat sich aber verallgemeinert, vom festmachen eines schiffes überhaupt, mit ausgesprochener anlehnung an tau als stammwort. neu ist eine verwendung in intrans. sinne: der dampfer vertäute am schuppen Kluge a. a. o.
in den letzten jahren ist das wort in die literarische sprache aufgenommen worden: im morgengrauen lag die schute ... vertaut am abbruch unter dem kellerloch Frenssen Baas 141. sogar bei obd. schriftstellern: die kleine mole .., an der der dampfer vertäut lag E. Ertl in Staackmanns samml. 'vom freudigen schaffen' 118. — dazu vertäuung, verteuung, f., concret: vertäuungen sind ketten oder taue, welche gebraucht werden, um ein schiff längs einer kaje, an bojen u. s. w. festzumachen Kluge; Alten 1, 37; Beil 1, 629; während des erdbebens rissen die vertäuungen des schiffes hamburg. zeitungsnachricht v. 1909 bei Kluge.auch vertäuanker, m., anker zum vertäuen eines schiffes ebd. 27.
 
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vertaumeln, verb. , in verschiedenen bedeutungen als trans. zu taumeln (th. 111, 205) gebildet, das eine heftige bewegung und erregung ausdrückt.
1) schon spätmhd. vertûmelt 'betäubt' Lexer 3, 278;

er lac vertûmelt in dem grase Malagis 63b.

nhd. nur schweiz. nachzuweisen: wo ich ... von dem tumult des tags noch einen so vertaumelten kopf hatte Bräker 1, 158; ich selbst war in jast und hitze wie vertaumelt 154. vgl. vertaumelung. dän. fortumlet i hovedet, 'närrisch im kopf' Helms 125a.
2) in Nürnberger mundart mit umlaut etwas täumeln, vertäumeln, verdummeln, 'heimlich bei seite schaffen, entwenden' Schmeller 1, 604;

so mach dich in die schreibstuben!
da verteummel etlich scharmützel,
an groszer meng da spürt mans lützel
Sachs 3, 68, 18 Keller.


3) in neuerer sprache (seit Göthe) 'etwas im taumel, nicht bei klarer besinnung thun'. von der zeit 'im taumel verbringen, zubringen' Campe; weh dir, wenn du auszer diesem punkte dein leben vertaumelst Kürnberger novellen 3, 214; wege, auf welchen der lustige Julius sein dasein vertaumelte Raabe leute aus dem walde 2, 46;

lasz mich vergessen
alle den harm!
wieder mich wähnen
droben in jugend,
in der vertaumelten
lieblichen zeit
Göthe 17, 46 Weim. (triumph der empfindsamkeit 4).

reflex. 'wie im taumel vergehn':

so vertaumelt sich der schönste theil des lebens 1, 77.

Campe nennt auszer diesen beiden verwendungen noch sein geld, sein vermögen vertaumeln, 'im taumel verthun'; nicht literarisch nachgewiesen.
vertaumelung, f., subst. zu 1, nur in älterer sprache, später durch die neue bildung taumel (th. 111, 202) verdrängt: die mahlkunst ist ein beliebter betrug desz von künstlicher hand geführten pensels, und gleichwie die poeten ihre entzuckungen und vertaumlung in dem kopff Harsdörffer gesprechspiele 1, g ia. dän. fortumling 'verwirrung, betäubung' Helms 125a.
 
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vertausch, m., seltenes subst. zu vertauschen, dem geläufigen tausch nachgebildet. 'umtausch, austausch': Binger quelle v. 1687 bei Diefenbach-Wülcker 569; ob .. keine heyrath, abdanckung, vertausch, verhandlung und cassirung zugelassen werden Fleming d. teutsche soldat (1726) 162, § 6; er reiste aus dem gasthofe ...

[Bd. 25, Sp. 1867]


nicht gern dem vertausche schöner zimmer gegen kahle entgegen Jean Paul werke 11/14, 396; in welchem euch das neue jahr zu dem albernsten vertausche abgenützter wünsche herum treibt Thümmel reise 3, 53; findest du bei dem vertausch deines spiegels keinen vortheil, so bringe ihn mit Pückler briefwechsel 4, 199.
 
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vertauschbar, adj., 'was umgetauscht oder ausgetauscht werden kann': bilder in wechselrahmen sind vertauschbar. ganz junge bildung wie das dazu gehörige subst. vertauschbarkeit, f.: beide (kanonen) hatten ... mit rücksicht auf vertauschbarkeit der rohre die gleiche lafette Alten hdb. f. heer u. flotte 3, 523; der begriff von positivität und negativität, der sich durch die vertauschbarkeit der vorzeichen als relativ erweist Windelband gesch. d. philosophie 2, 23.
 
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vertauschen, verb. , seit dem 14. jh. nachweisbar, zunächst in der urkundensprache. mhd. vertûschen Lexer 3, 279; mutare, commutare, permutare, summutare Frisius 818a ff.; Maaler 434a; Calepinus 189b, 281a; Dentzler 314a; umtauschen Stieler 2265; Kramer 2, 1058b; commutando alienare Frisch 2, 394c; Adelung, Campe. schwäb. vertauschen Fischer 2, 1375; elsäss. vertuschen, vertüschlen Martin-Lienhart 2, 723b. mnd. vortûschen, mnl. vertuuschen, 'verspielen' Schiller-Lübben 5, 479a; Verdam 641a; vertuysschen, permutare, male permutare, alea consumere Kilian 608a; nl. vertuischen 'umtauschen'. ostfries. fertûsken Doornkaat 1, 470a; osnabrück. Strodtmann 262; köln. vertuusche Hönig 195a; götting. vertûschen Schambach 268a; waldeck. fertoūsken Bauer-Collitz 32a; mecklenb. pomm. vertūschen Mi 103b, Dähnert 528b.
die stammworte tausch, tauschen sind nach th. 111, 208, 209 nd. herkunft und enthalten ursprünglich den begriff des betrügerischen austausches und handels; aber die ältesten lexicalischen wie literarischen nachweise für vertauschen sind ausgesprochen obd. (alemannisch) und entbehren des betrügerischen nebensinnes. dieser tritt nach den belegen erst gegen 1700 hervor, um dieselbe zeit der sinn 'irrthümlich und unabsichtlich einen tausch begehn', der in der heutigen sprache vorherrscht, während die älteren verwendungen durch austauschen, eintauschen, wechseln ersetzt worden sind, vgl. Eberhard-Lyon nr. 214. der erweichte anlaut verdauschen (vgl. th. 111, 209) steht selten: ich .. verdauschte es zu Soest .. um gemein .. tuch Simpl. 183 Kögel. die gleichfalls vereinzelte form vertüschen weist auf den zusammenhang mit täuschen hin (ebd. 210): sind also die bistumb vast jerlichen vertüschet und vermencklet worden Hedio chron. germanicum A VIa
1) 'eine waare gegen die andere austauschen, ein ding um ein anderes hingeben', wie verstechen B 1 (sp. 1636) ein früher üblicher ausdruck des tauschhandels und zwar obd.: mutare merces, vertauschen, abwächszlen, waar umb waar gäben Frisius 818a; vertauschen, verstechen, verschangiren eine waar gegen die andere Kramer hoch-niderteutsch. dict. 248b; waaren gegen (nicht mit) waaren vertauschen, troquiren Moritz gramm. wb. 4, 284; Adelung.
vereinzelt bezeichnet das object den eingetauschten gegenstand: wann jemand ein gutt .. für sich erkauft, oder ererbt, oder es sonst vertauschet acta publica 3, 318 Palm;

eben da man ihm sein haupt mit dem ehrenkrantze kräntzet,
da sein' arbeit, fleisz, und müh' ihm den wehrten lohn ergäntzet
und den doctor ihm vertauschet?
Neumark lustwald 2, 270.

sonst mit angabe des hingegebenen als object: achthalb fueder weiszes wein gelts, so die von Marbach ihnen von Hattstatt jährlich gezinnst, vertauscht und verwechselt, lauth tauschbriefs d. weisthümer 4, 164 (a. 1454) Grimm; Oheim Reichenauer chron. 70; und wirt die gab nit von freyer handt ohn alle falsche augen geschenckt, sondern vertauscht Franck sprüchw. (1541) 1, 138a; wie .. die roszmenger die pferde vertauschen Mathesius Sarepta 161b;

[Bd. 25, Sp. 1868]


das lasz der herr weit von mir sein,
das ich das erb der vätter mein ...
solt vertauschen oder hin geben!
Sachs 10, 405, 6 Keller-Götze;

so lang der schnelle Pregel rauschet ...
und reiche wahren hie vertauschet
Dach ged. 752 Österley;

du gehst nach England hinüber, verkaufest, vertauschest zuerst die kleinen steine mit klugheit Göthe 17, 147 Weim.; ich habe ein paar windspiele gekauft und meine bracken vertauscht, ... einen schönen eichenen ausziehtisch eingehandelt und meine grosze nuszbaumlade dran gegeben Keller 4, 298. subst. inf.: da sie das vertauschen oder verstechen der wahr betracht habendt, .. wie schwär und mühsam es were, habendt sie das geldt erfunden Agricola-Bech bergwerkbuch 14.
mit bezeichnung der andern handelnden person: wer ein schelmen von eim pferd hat, vertauscht in bey seinen freunden Fischart Garg. 330 neudr.; wir ... namen mit uns einige messer, hembde ..., und vertauschten sie mit den einwohnern umb viehe Olearius orient. reisebeschreibung 141; ein jeder .. dieses wercklein ... einem welschen würtzkrämer umb ein bixel voll schnupfftaback vertauschen mag Grimmelshausen 4, 503, 14 Keller; das schlosz Bärnegg ... vertauschten sie 1498 an kaiser Max Steub drei sommer in Tirol 1, 160.
mit bezeichnung der eingehandelten waare: die haben es (die grafschaft) den Bernern in einem wechsel an die vogtei Gundes vertauscht Münster cosmographey 411; dasz sie fische mit birnstein vertauschten Schütz preusz. chron. 1, B Ib; er ... solle eine grosze parthey hering kauffen, und sie nach Cölln schicken, und vor wein vertauschen Schupp schriften 660;

die herschaft ist vertauscht umb geld und heyratgut
Rachel ged. 22 neudr.

am üblichsten ist gegen (Kramer, Moritz, Adelung): damit er die ewigen gütter gegen eine kIeine wohllust verhandeln und vertauschen könne Butschky Pathmos 477; deshalb vertauschte er beim barbier .. den .. inhalt seiner sparbüchse gegen ein paar gute rasirmesser Holtei erz. schriften 24, 52. sprichwörtlich vom schlechten geschäft: man vertauscht oft ein einäugig pferd gegen ein blindes Wander 4, 1612; vgl. Martin-Lienhart. subst. inf.: einige mineralien die er wohl zum vertauschen brauchen kann Göthe IV 18, 13 Weim.
übertragen. selten von personen als tauschgegenständen, die man um andre als werthlos hingibt: uxores commutare, die weyber vertauschen oder abwächszlen Frisius 265a; Moyses .. ist warlich zwentzig und hundert jar alt gesin, und hat Sephoram sin eefrowen nit vertuschet Gengenbach 169 Gödeke; vgl. Martin - Lienhart. gelegentlich auf die zeit übertragen:

wie wird der späte enkel lauschen,
und seine zeit an uns vertauschen unechtes gedicht bei
Schiller 1, 50.


2) in weiterem sinne 'mit einem andern etwas austauschen':

begehrend deine gunst,
wolt auch gern küsz vertauschen
Weckherlin ged. 1, 459, 71;

das saltz im lieben ist verwechselte begierde,
vertauschte gegenhuld
Lohenstein Ibrahim (1680) 34, 188;

sich in dem garten der liebe
reichlich zu weiden und freude
vertauschend sich schön zu erquicken
Göthe 5, 40 Weim.;

unsere ältern selbst konnten uns in der kindheit nicht unterscheiden, wenn wir aus muthwillen die kleider vertauscht hatten Lessing 2, 15 (misogyn 1, 5); als ob wir die rollen vertauscht hatten Fontane 5, 56.
'eine sache für die andre nehmen, einen zustand durch einen anderen ersetzen':

wo dein heller Saalstrom rauscht!
den mit seinen segensspuren
niemand für den Rhein vertauscht
Gottsched ged. (1751) 47;

du wirst kein lust verlieren, sunder du würst yn verduschen umb ein gröszeren lust Keisersberg bilgerschafft C IIId; weil sie nicht den genius .. für einen

[Bd. 25, Sp. 1869]


herabschiffenden fremdling vertauschen mögen Herder 5, 122; das ist mein glück, und ich vertausch' es nicht gegen die sicherheit eines todtengewölbes Göthe 8, 218 Weim. (Egmont);

frommer stab! o hätt' ich nimmer
mit dem schwerte dich vertauscht!
Schiller 13, 285 (jungfrau 2583);

zu stolz, auch zu weichlich, den herrn der er bisher gewesen war, mit dem bauern zu vertauschen 4, 65; in diesem falle .. würde ich mich nicht sehr bedenken, Wolfenbüttel mit Wien zu vertauschen Lessing 17, 407; wie die Briten ihren unförmlichen schiffsbau .. mit den erfindungen der vorgeschrittenen schiffahrt vertauschten Ranke 14, 8. subst. inf.: ob mir das plötzliche vertauschen der frischen bergluft mit der im thal .. das übel zugezogen Bräker 1, 55.
etwas 'wechseln, verändern, wandeln'; nicht mehr üblich:

die bächlein auch thun rauschen ...
nit bald den thon vertauschen,
bleibt gleicher klang ohn ruh
Spee trutznachtigall 108;

Horatio. ja, prinz, und euer armer diener stets.
Hamlet. mein guter freund, vertauscht mir jenen namen Shakespeare 3, 157 (Hamlet 1, 2);

ich sehe diese würd'gen peers mit schnell
vertauschter überzeugung unter vier
regierungen den glauben viermal ändern
Schiller 12, 432 (M. Stuart 785);

wir sind was wir sind; unter gegebenen umständen kann unser karakter sinken, unsre natur aber können wir nie vertauschen Herder 20, 343; alltags is nich viel mit ihm, aber mit eins is er wie vertauscht un gar nich mehr derselbe Fontane 5, 184.
3) etwas 'in betrügerischer oder auf täuschung eines andern berechneter absicht verwechseln, austauschen': intervertere, entwenden, unterschlagen, verpartiren, vertauschen Faber 928a; male permutare Kilian; (dasz die kürschner) einen fleck für sich möchten abschneiden .. oder aber das frische futter mit einem schabenfressigen vertauschen Abraham a St. Clara 4, 227 Strigl; ihre begleiterin vertauschte unmerklich die ihr anvertrauten kleinen reste mit den gefundenen Göthe 23, 279 Weim. (Meister); sie (die nixfrauen) sollen vertauschte menschenkinder sein, statt deren die nixen ihre wechselbälge oben gelassen haben Grimm deutsche sagen 1, 39.
4) die der heutigen sprache geläufigste verwendung 'irrthümlich und unabsichtlich verwechseln' ist literarisch wenig bezeugt: wenn der basz-clavis oder die basis selbst mit einer von ihren radical-stimmen verwechselt und vertauschet wird Heinichen generalbasz 623; nicht zu verwechseln mit dem .. in Alexandrien mit Osiris vertauschten Pluto oder Serapis Welcker alte denkmäler 2, 85; in der garderobe wurden überzieher, hüte vertauscht Heyne.
 
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vertäuschen, verb., vereinzelt in älterer sprache für das gebräuchliche täuschen. über die verwandtschaft von tauschen und täuschen vgl. th. 111, 210. lexicalisch nicht nachweisbar. da wurden die Gallier gar vil vertüschet durch werffen und schieszen der pfeylen Stumpf Schwytzerchr. 154b.

 

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