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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vertappen bis vertauschbar (Bd. 25, Sp. 1862 bis 1867)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertappen, vertappeln, vertapern, verb. , zu tappen 'tastend, unsicher, plump schreiten oder greifen' (th. 111, 140). das präfix verleiht transitive bedeutung.
1) 'mit plumpen füszen zertreten': elsäss. vertappen; das land (beet) ist ganz vertappt; eine spinne vertappen Martin-Lienhart 2, 700a; im Odenwald fətapə zeitschr. f. d. mundarten 3, 269. 'durch betasten mit den händen schmutzig machen, fingerabdrücke zurücklassen': schwäb. des fenster ist ganz vertappet Fischer 2, 1374. übertragen bair.: du vertappst àbə dó' àlls, 'verunschickst alles, lässest die beste gelegenheit vorübergehen' Schmeller 1, 612. dazu ein reflex. 'sich durch ungeschick verirren' bei Tieck: sie meinen nämlich im stillen, ich vertappe mich hier in die allegorie hinein 9, 176.

[Bd. 25, Sp. 1863]



2) vereinzelt steht eine fair-type da: schwäb. 'ertappen, erwischen'; disem ... hat man nachgesetzt und gleich wol verdappet und gefangen ältere quelle bei Fischer; seit dem 17. jh. nachgewiesen, noch modern.
3) im bair. tritt dazu die frequentativform vertappeln: 'etwas in unordentlicher geschäftigkeit verlegen' Schmeller 1, 613; steir. auch 'dümmer machen'; intrans. und reflex. 'dümmer werden, verdummen' Unger-Khull 221a. vgl. damit ein norddeutsches vertapern, verteppern 'durch ungeschick verderben' Meyer Berlin 128a; auch preusz.; schles. sich vertapern 'fehlgreifen' Weinhold wb. handexemplar 97.
 
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vertarrassen, verterrassen, verb. , zu tarrasz (th. 111, 145), 'mit erdaufwürfen, bollwerken, wällen versehen und versichern, verrammeln, versperren': mhd. vertërraʒen, vertarraʒen Lexer 3, 268. das wort taucht im 15. jh. auf und ist im 16. sehr verbreitet, erscheint sogar in poetischer sprache, ist aber vor dem 17. jh. wieder erloschen. vertarreszen, pessulare, pessulo circumvallare voc. inc. teut. ii 5b; Diefenbach gloss. 431b; ältere quellen bei Frisch 2, 362c; Schmeller 1, 616; Fischer 2, 1374.
1) in der sprache des krieges: das schlosz, ... dasz sie .. mit stacketen und schlechten zäunen, alles mit mist, erden und holtzwellen hinderschütten, auszgefüllet und vertarrest Kirchhof wendunmuth 3, 52, 2;

ainer trug stain, der ander holcz,
der drit vertarrast luken
und der vird halff scherm ruken
M. Beheim von den Wienern 124, 14.

gern von den geistlichen schriftstellern gebraucht: wenn gott ein reformator .. erwecket, .. der kompt durch, und ob schon alle schleg und thor vertarrest und verspert sein Mathesius Sarepta 154a. reflex.: der papisten stroerne pastei, dahinder sie sich vertarrasten, und lassen sich beduncken sie sitzen seer gewisz und fest Veit Dietrich an die christliche kirche zu Regenspurg c 3b. in freier übertragung:

der kopff hat solchen krummen pundt,
so ist vertarrast ir der mundt
Murner gäuchmatt 3138.


2) 'zum verbollwerken verwenden': alles holz von abgebrochenen gebäuen .., das mag zur notturfft verzimmert, verdarresset und sonst gebraucht werden Fronsperger kriegsbuch bei Frisch.
3) nebenformen zu 1 sind vertarren, vertarlassen, vertarlesen vgl. Lexer, Fischer; aber so offt er ausz der hülin gangen, habe er die selbig mit so groszen velsen oder stein vertharet Gesner-Forer thierbuch 20v; da giengen die schuler früe .. in die schul und versperten die .. und vertarlasten alle tür d. städtechron. 11, 619, 18 (Nürnberg);

nun lauffet baldt zu den stat-thorn,
das mans vertarles und verschüt,
mit starcker macht die mauer behüt
Sachs 10, 106, 1 Keller-Götze.


 
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vertasten, verb. , wie versuchen gebildet (fair-type).
1) 'antasten, betasten, anfassen, angreifen, versuchen, untersuchen': pertaxare, palmitare, vertasten, virdasten Diefenbach gloss. 430b; ind unse heren vamme raide .. tuschen beiden partien giengen ind vertasden, of man einchen wech vinden moechte d. städtechron. 12, 357, 8 (Cöln). mnd. vortasten Schiller - Lübben 5, 471a; he wolde de sake na dem rechte vortasten lüb. chron. 2, 645; mnl. vertasten Verdam 640a.
2) mhd. vertasten 'betasten, schlagend oder stoszend berühren' Lexer 3, 266;

nu hât er sie vertast
mit füeʒen und mit henden knecht Huvor 10, 13 Keller;

mnd. den wech vortasten lüb. urk. bei Schiller-Lübben.
3) 'sich vergreifen, falsch tasten'. trans.: nl. vertasten, male tangere, errare tactu Kilian 607a; köln. vertaaste Hönig 194b. reflex.: daʒ sich V. .. vertastet habe an einer frau hess. urk. v. 1389 bei Diefenbach-Wülcker 569; Campe; brem. wb. 5, 30; nl. Sicherer-Akveld 1193a.
 
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vertatschen, vertätschen, vertätscheln, verb., verwandt mit vertasten, s. DWB täscheln, DWB taschen, DWB tätscheln,

[Bd. 25, Sp. 1864]


tatschen th. 111, 150; 160. meist obd. wort: schweiz. Stalder 1, 270; Tobler Appenzell 189a; Seiler Basel 106; elsäss. Martin-Lienhart 2, 732a; schwäb. Fischer 2, 1374, 1375; bair. Schmeller 1, 555; tirol. Schöpf 739; schles. Weinhold wb. 97b. Campe bucht vertätscheln als landschaftlich für verhätscheln. die bedeutung ist verzweigt: 'schlagen, quetschenverschütten, verlumpen, verklatschenverzärteln'. den ausgangspunkt bietet die bedeutung des einfachen verbs: 'einen klatschenden schlag mit der flachen hand geben' (in böser oder zärtlicher absicht).
 
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vertattern, verb., in obd. und md. mundarten verbreitetes wort. vgl. DWB dattern th. 2, 828; tattern th. 111, 160; verdattern th. 121, 199. schweiz. vertädern Stalder 1, 256; Seiler Basel 106; elsäss. schwäb. verdatteren Martin-Lienhart 2, 725 f.; Fischer 2, 1093; Frommanns zeitschr. 6, 120, 81; frankfurt. verdettern Askenasy 225. am üblichsten ist die form des part. prät. in der bedeutung 'ängstlich, verzagt, eingeschüchtert, verblüfft, verlegen', so vertatert im Eichsfeld Hentrich 25; anders lothring. vertattert, verdattert 'schwatzhaft' Follmann 155a.
seit mitte des 18. jhs. literarisch nachweisbar: weil der genius erstaunt und vertattert ist, so spricht er auch etwas confus der wurmsaamen (1752) 6 anm. 11 (64 Witkowski); einen beleg bei Bettina bringt sp. 199; 'ist es die menschenmöglichkeit?' hauchte entzückt und heftig vertattert frau Sanna Bierbaum prinz kuckuck 2, 161.
 
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vertauben, vertäuben, verb. , vom adj. taub gebildet. wie taub mit toben verwandt ist (th. 111, 162; Kluge etym. wb. 455b), so ist auch vertauben von vertoben in form und bedeutung nicht durchweg zu scheiden (s. d.).
A. intrans. verwendung ohne umlaut.
1) mhd. vertouben 'taub werden' Lexer 3, 272; surdescere, vertauben, virdauwin Diefenbach gloss. 568c; vortaubin schles. voc. d. 15. jhs. aus Rauden 108v a; mnd. sine oren sint om so verdovet, dat he der warheyd nicht hoiren kan quelle bei Schiller-Lübben 5, 431a; nl. verdoouen, obsurdescere, surdum fieri Kilian 585a;

du salt nit lenger hangen
an dem unglauben,
vorblinden mustu und vortauben Alsfelder pass. 5177.


in technischer sprache von taubem gestein und lagerstätten, die keine nutzbaren mineralien enthalten (th. 111, 165), 'erschöpft werden'; vgl. Veith bergwb. 540. in der neueren literatur erst um 1800: und dabei schreien sie! meine ohren vertauben Varnhagen Rahel 1, 135; da kann die zunge nicht wieder verstummen, das ohr nicht mehr vertauben F. L. Jahn 2, 598.
2) in übertragenem sinne das part. prät.: einen igelichen sndere dem sine liedemaʒe und sin vmf sinnen alle vortbit und vorlamit sin zu gtin werkin Leipz. predigten 138, 7 Schönbach; den dichter, der .. sich gedrungen fühlt, den vertaubten nerven des mitleids für hundert elende in seinen mitbürgern wieder aufzureizen Lenz schriften 3, 145;

das hirn der zeit ist ehern,
es ist verstockt, vertaubt,
es hat entflammten sehern
noch immer nicht geglaubt
Strachwitz ged. 31.

ostfries. ferdofen von feuer und kohlen, die erlöschen Doornkaat 1, 443b. auch nl. Sicherer-Akveld 1164a.
3) wie taub 'närrisch, tobend, zornig' (th. 111, 164) bedeutet schweiz. vertauba (ertauba) 'zornig werden, in harnisch gerathen' Tobler Appenzell 189a. nach Stalder perfectiv vertauben 'aufhören zu rasen' 1, 272 (vgl. vertoben); ferdeupele Seiler Basel 106. dem entspricht elsäss. vertäübelen 'austoben' Martin-Lienhart 2, 642b. obd. 'taub' wird durch thörisch wiedergegeben Kluge; vgl. verthören, verthörlen.
B. in trans. verwendung erscheint das wort theils mit, theils ohne umlaut.
1) 'taub machen, von sinnen bringen, betäuben'.

[Bd. 25, Sp. 1865]


sîn houbet was sô gar vertoubet,
zerstochen mit den dornen
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 3301;

etliche werdent verdobet mit iren eigenen ufsetzen und iren annemheiten in sinlich wúrklicheit Tauler 192, 9 Vetter (ausg. Augsburg 1508 vertaubt); vielleicht hat diesen könig die alte frau, wie auch jenen ungerechten richter .., weil sie ihm so viel mühe machet, und kam in zu verteuben, vermocht, sie zu retten Kirchhof wendunmuth 2, 31; verstummt und vertäubt und verzaubert und verblüfft liegt es (das geknechtete volk) in ohnmacht F. L. Jahn 1, 390. elsäss. vertauben, vertäuwen 'betäuben, verwirren' Martin-Lienhart; schweiz. ferdeube Seiler. auch nd.: mnd. vordoven 'betäuben, übertäuben, bethören' Schiller-Lübben; mnl. verdoven, part. verdovet, verdooft Verdam; exsurdare, surdum reddere Kilian 585a; osnabrück. verdäuwen 'zum schweigen bzingen, betäuben' Strodtmann 257; neumärk. fardeeft 'betäubt' zeitschr. f. d. mundarten 4, 74.
2) nur in der älteren periode erscheint die bedeutung 'töten, vernichten' mhd. wb. 3, 62b;

sîet man sî mit starkir hant
vortilgin und vortoubin (var. betoubin)
di vînde des geloubin
Nic. v. Jeroschin preusz. chron. 841.

'dämpfen, niederschlagen':

die hütten tn ich loben
im isen und im loch (gefängnis),
tut mancher in (den räuber) vertoben
daʒ im gelit sin boch (stolz) volkslieder 1, 371 Uhland.


3) ein trans. seitenstück zu A 3 bildet schweiz. vertäuben (fətöübə) 'erzürnen' Vetsch Appenzell 81; vertöub mi nit, oder i gibe kei milch, seit d' geisz Wander sprichw. 4, 1612.
C. selten ist ein reflex. sich vertauben 'enden, aufhören' mhd. wb.:

sîn leben sich vertoubete
in dem jare, als er starb passional 570, 90 Köpke.

in technischer sprache wie A 1: als sich die wenigen vorhandenen mittel plötzlich vertaubten Veith bergwb. 540.
D. eine trans. weiterbildung desselben stammes stellt vertöbern (aus vertäubern) dar; schles. 'betäuben' (zu B 1): im blitzen hat der donner einen solchen gräulichen und erschrecklichen schlag in die kirche gethan, dadurch zwo personen ... so sehr vertöbert worden, dasz sie auf der stelle todt blieben sind quelle v. 1535 bei Nic. Pol jahrbücher der stadt Breslau 3, 80. elsäss. vertöberen 'ausschelten' (zu B 3) Martin - Lienhart 2, 643b. —
vertäubung, f., ungebräuchliches subst. zu vertauben A 1—2, 'das taubwerden, der zustand des taubseins': für das blöd gehör, oder die vertäubung, musz man (folgendes thun) Sebiz feldbau 76; wenn die gänzliche vertäubung unsers innern nerven uns mit einer furchtbaren armuth an wonnegefühl für unser ganzes leben bedroht Lenz vertheidigung des herrn W. 41. nl. verdooving 'betäubung'.
 
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vertauchen, verb., ahd. fertûchen Graff 5, 368; in (eum) unmari fertochenen duot, recondit obscuritas Notker Boëthius ebd.; vgl. auch fartuchaljan, obruere, occultare ebd.; mhd. nicht nachgewiesen; steir. vertauchen, 'unterdrücken, mit anstrengung überwinden' (kummer oder schmerz) Unger-Khull 221b; der wicht Stellefort wird sich leicht vertauchen lassen Rosegger schriften 5, 228. —
intrans. bildung 'untertauchen' in poetischer sprache:

... ein blitz der schönheit zuckt sie durch
die tanzreih'n, bald vertauchend, bald verschwindend
Grabbe 2, 80 (Don Juan 2, 2).


 
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vertäuen, verteuen, verteien, verb., fälschlich an tau 'schiffstau' angelehnt, vgl. Falk-Torp etym. wb. 1315; Franck - Wijk 712a. 'ein schiff vor zwei oder mehrere anker legen, damit es bei der ebbe und flut um seinen anker schwänke' Röding wb. der marine 2, 842; Stenzel 447b; dasselbe dann gleichzeitig mit dem heck

[Bd. 25, Sp. 1866]


durch trossen oder ketten an bojen, festmacherpfählen oder festen punkten an land befestigen Kluge seemannsprache 808; ein schiff vorn verankern Alten hdb. f. heer u. flotte 1, 373; verteuen Beil techn. wb. 1, 629; das vertäuen (auch vermooren, vermuren) findet anwendung, wo in engen gewässern flut und ebbe laufen Meyer konvers.-lex. 6 20, 89a. aus mnd. vortoien, vortogen Schiller-Lübben 5, 475a; in Estland vertauen Sallmann 73b; ostfries. fertöjen Doornkaat 3, 421; nl. vertuien Franck-Wijk 737b; norweg.-dän. fortøie, schwed. förtöja dem nl. entlehnt Falk - Torp 265; 1315. die ältesten nhd. belege stammen aus der zeit um 1800; die bedeutung hat sich aber verallgemeinert, vom festmachen eines schiffes überhaupt, mit ausgesprochener anlehnung an tau als stammwort. neu ist eine verwendung in intrans. sinne: der dampfer vertäute am schuppen Kluge a. a. o.
in den letzten jahren ist das wort in die literarische sprache aufgenommen worden: im morgengrauen lag die schute ... vertaut am abbruch unter dem kellerloch Frenssen Baas 141. sogar bei obd. schriftstellern: die kleine mole .., an der der dampfer vertäut lag E. Ertl in Staackmanns samml. 'vom freudigen schaffen' 118. — dazu vertäuung, verteuung, f., concret: vertäuungen sind ketten oder taue, welche gebraucht werden, um ein schiff längs einer kaje, an bojen u. s. w. festzumachen Kluge; Alten 1, 37; Beil 1, 629; während des erdbebens rissen die vertäuungen des schiffes hamburg. zeitungsnachricht v. 1909 bei Kluge.auch vertäuanker, m., anker zum vertäuen eines schiffes ebd. 27.
 
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vertaumeln, verb. , in verschiedenen bedeutungen als trans. zu taumeln (th. 111, 205) gebildet, das eine heftige bewegung und erregung ausdrückt.
1) schon spätmhd. vertûmelt 'betäubt' Lexer 3, 278;

er lac vertûmelt in dem grase Malagis 63b.

nhd. nur schweiz. nachzuweisen: wo ich ... von dem tumult des tags noch einen so vertaumelten kopf hatte Bräker 1, 158; ich selbst war in jast und hitze wie vertaumelt 154. vgl. vertaumelung. dän. fortumlet i hovedet, 'närrisch im kopf' Helms 125a.
2) in Nürnberger mundart mit umlaut etwas täumeln, vertäumeln, verdummeln, 'heimlich bei seite schaffen, entwenden' Schmeller 1, 604;

so mach dich in die schreibstuben!
da verteummel etlich scharmützel,
an groszer meng da spürt mans lützel
Sachs 3, 68, 18 Keller.


3) in neuerer sprache (seit Göthe) 'etwas im taumel, nicht bei klarer besinnung thun'. von der zeit 'im taumel verbringen, zubringen' Campe; weh dir, wenn du auszer diesem punkte dein leben vertaumelst Kürnberger novellen 3, 214; wege, auf welchen der lustige Julius sein dasein vertaumelte Raabe leute aus dem walde 2, 46;

lasz mich vergessen
alle den harm!
wieder mich wähnen
droben in jugend,
in der vertaumelten
lieblichen zeit
Göthe 17, 46 Weim. (triumph der empfindsamkeit 4).

reflex. 'wie im taumel vergehn':

so vertaumelt sich der schönste theil des lebens 1, 77.

Campe nennt auszer diesen beiden verwendungen noch sein geld, sein vermögen vertaumeln, 'im taumel verthun'; nicht literarisch nachgewiesen.
vertaumelung, f., subst. zu 1, nur in älterer sprache, später durch die neue bildung taumel (th. 111, 202) verdrängt: die mahlkunst ist ein beliebter betrug desz von künstlicher hand geführten pensels, und gleichwie die poeten ihre entzuckungen und vertaumlung in dem kopff Harsdörffer gesprechspiele 1, g ia. dän. fortumling 'verwirrung, betäubung' Helms 125a.
 
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vertausch, m., seltenes subst. zu vertauschen, dem geläufigen tausch nachgebildet. 'umtausch, austausch': Binger quelle v. 1687 bei Diefenbach-Wülcker 569; ob .. keine heyrath, abdanckung, vertausch, verhandlung und cassirung zugelassen werden Fleming d. teutsche soldat (1726) 162, § 6; er reiste aus dem gasthofe ...

[Bd. 25, Sp. 1867]


nicht gern dem vertausche schöner zimmer gegen kahle entgegen Jean Paul werke 11/14, 396; in welchem euch das neue jahr zu dem albernsten vertausche abgenützter wünsche herum treibt Thümmel reise 3, 53; findest du bei dem vertausch deines spiegels keinen vortheil, so bringe ihn mit Pückler briefwechsel 4, 199.
 
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vertauschbar, adj., 'was umgetauscht oder ausgetauscht werden kann': bilder in wechselrahmen sind vertauschbar. ganz junge bildung wie das dazu gehörige subst. vertauschbarkeit, f.: beide (kanonen) hatten ... mit rücksicht auf vertauschbarkeit der rohre die gleiche lafette Alten hdb. f. heer u. flotte 3, 523; der begriff von positivität und negativität, der sich durch die vertauschbarkeit der vorzeichen als relativ erweist Windelband gesch. d. philosophie 2, 23.

 

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