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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verszahl bis vertäfelung (Bd. 25, Sp. 1855 bis 1856)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verszahl, f.;
 
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-zähler, m.;
 
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-zählung, f.: rechnet man die verszahl eines jeden der drei schauspieler wieder im durchschnitt als gleich grosz Freytag werke 14, 130; wenn in den varianten mehrere zusammenhängende verse .. abgedruckt wurden, sind sie mit verszählern versehen, schon wegen der genauen citate Wackernell tirol. passionssp. ccciii; ausgabe .. Breslau 1833, sorgfältig zum erstenmal mit verszählung J. Grimm Reinhart Fuchs, vorr. clxxviii.
 
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verszeile, f.: in welcher die reimwort gleichsam ungezwungen in die rede eingeflochten, und die verszeilen nicht mit gewisser zahl verbunden werden Harsdörffer trichter 2, 85; zur modulation der empfindung genügen die einfachsten mittel, das masz der verszeile, der wechsel des tonfalls Herder 12, 414. —
 
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verszwang, m., 'reimzwang':

daher auch Flaccus schreibet,
als wenn sein versezwang den Memnon hätt entleibet
Reinhold reime dich (1673) a 6b;

ob erkenntnis oder verszwang schuld an dem fehler sei zeitschr. f. österreich. gymnas. 47, 578.
 
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vert, adv. 'im vorigen jahre' mhd. vërne, vërn, vërnet, vërt, vërnent, vërnt mhd. wb. 3, 302b; Lexer 3, 185; voc. inc. teut. ii 5b. vgl. Grimm gramm. 1, 390; 3, 98; 208; 215 und th. 3, 1547f. (ebd. die literarischen belege). nach Wilmanms gramm. 2, § 467, 1 ist vërt ein verdunkeltes compositum mit griech. ἔτος und würde auf ein germ. *per-uti, griech. πέρυτι πέρυσι zurückweisen. in der nhd. schriftsprache spielt vert keine rolle mehr, lebt aber nach wie vor in den obd. und einigen md. mundarten in den verschiedenen formen des mhd.: schweiz. Staub-Tobler 1, 1019; elsäss. Martin-Lienhart 1, 142a; schwäb. Fischer 2, 1251; bair. Schmeller 1, 757; tirol. Schöpf 132; kärnt. Lexer 94; Heanzenmundart Frommanns zeitschr. 6, 179; kurhess. Vilmar 101.
dazu als adj. fernig th. 3, 1538; auch ferndig, fernderig in obd. mundarten a. a. o.; über das vorkommen bei Auerbach, Mörike, Kurz s. Fischer 2, 1252.
 
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vertabaken, verb., in Nordostdeutschland in der form vertobacken, vertowaken verbreitetes, vulgäres wort für 'durchprügeln, verhauen', das der kunden- und verbrechersprache entstammt. md. bezeugt für Thüringen, Eichsfeld, Mansfeld Hertel 241, Kleemann 25a, Hentrich 62, Jecht 119a; in Schlesien Jäschke 148 (auch in der bedeutung 'durchbringen, vergeuden'); in Berlin Meyer 128a; in Mecklenburg (auch 'ausschelten') nd. correspondenzblatt 12, 73; 9, 75. spärlicher in Oberdeutschland: schwäb. Fischer 2, 1372. schweiz. in etwas veränderter form und bedeutung vertubaken 'unbeachtet lassen': nachdem es noch einige worte halb verblümt Michel zugeworfen, welche derselbe aber vertubakte und nicht einmal recht verstand Gotthelf schriften 7, 89.

[Bd. 25, Sp. 1856]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vertadeln, verb., seltene bildung des 15. jh. in der bedeutung des einfachen verbs: monchen und nonnen .. vortadeln den eelichen stand reformations-flugschriften 4, 239 Clemen. Kramer 2, 1044a b führt vertadeln, betadeln, durchtadeln als weniger gebräuchlich neben tadeln an. das part. prät. zu tadel 'makel' (th. 111, 8) hat obersächs. den sinn 'in üblem rufe stehend': aus keynem gerendem, verworfenem adder vertadeltem geschlechte (a. 1485) zeitschr. f. d. mundarten 4, 50; Haltaus 1903; sunst sint alle unsere werck verworffen und verthadelt Luther 103, 272, 4 Weim. in österreich. mundart scheint das wort noch üblich zu sein als 'verleumden':

(die leute) hamt mi go vodádelt
bon iehm (beim schatzerl) und voschrirn
Stelzhamer dichtungen 1, 58 Rosegger. —

dazu das subst. vertadlung, f., 'herabsetzung': vertadlung und verslahung der ware Nürnberg. polizeiordnungen 134; vgl. Lexer 3, 265; zeitschr. f. d. mundarten 4, 50.
 
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vertädingen, vertädigen, vertaidingen, verb., s. DWB vertheidigen.
 
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vertäfeln, verb., 'mit tafeln (dünnen platten aus holz, selten marmor vgl. th. 111, 13) belegen, auslegen, mit tafelwerk versehen': crustare, tabulis vestire parietes, vertäfelen oder versetzen Frisius 347b, 1371b; tabulare, vertäfelen oder mit laden verbödmen 1285b; Maaler 434a; Calepinus 323a; Dentzler 314a. später und seltener bei nichtschweiz. lexicographen: vertaffelen Schottel 647; Kramer 2, 1045c neben austäfeln, betäfeln, übertäfeln; Campe. noch lebendig schweiz. verdäfle Seiler Basel 106; bair. Schmeller 1, 587; schwäb. veraltet und durch vertäfern (s. d.) verdrängt Fischer 2, 1373.
es soll aber in alle weg das trotthausz mit geringen brettern unden und oben vertäfelt sein Herr feldbau 95a; dahero hat man .. das vertäffeln und schreinerwerck .. von cedern-holtz pflegen zu verfertigen Hohberg georgica 3, 502a. technischer ausdruck im bergwesen: ja auch die ausz gestochene platz .. sollen, als bald das saltz gemacht wird, vertäflet sein Agricola-Bech bergwerckbuch 450; vertäfeln, abdecken: bei herstellung eines grubenbaues im schwimmenden gebirge mittels abtreibezimmerung die untere begrenzungsfläche (sohle) des baues durch belegen mit brettern, pfählen, schwarten verwahren Veith bergwb. 540.
in die literarische sprache ist vertäfeln durch schweiz. einflusz eingeführt worden:

(grüfte) mit vertäfelten zimmern und brunnen sprudelnder fluten
Bodmer Noah 78 (3, 234; vgl. 5, 606).

Schönaich macht sich über diesen ausdruck noch lustig, wohl kaum, weil er ihm zu modern erschien (Köster 463); aber Campe läszt ihn nicht nur im wb. unbeanstandet passieren, sondern empfiehlt ihn sogar im verdeutschungswb. 427a statt intabuliren. gegenwärtig theilet man auch die wände der zimmer, die entweder vertäfelt, oder mit marmor bekleidet sind, in felder ein Sulzer theorie 2, 221; (im winter) halten sich die Älpler still in ihren hütten, die .. aus holzstämmen zusammengefügt, inwendig vertäfelt, nur gegen des winters strenge berechnet sind Zschokke 1, 82; das haus .. mit graugewordenen schindeln vertäfelt ... öffnete ... seinen mund (das thor) Auerbach schriften 12, 40. heute findet es sich auch bei nd. autoren: wo die wände vertäfelt waren Raabe leute aus dem walde 2, 66. —
dazu vertäfler, m., veraltet: crustarius, ein vertäfeler, glester, gletter, düncker Frisius 347b; Maaler 434a. —
 
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vertäfelung, f., in concretem sinne in die technische sprache übergegangen; ebenfalls seit dem 16. jh.: incrustatio, uberzug, vertäfelung der wenden, einer tyle oder büne Frisius 678a (u. öfter); Maaler 434a; Calepinus 323a, 788a, 1440a; Corvinus 236; von Campe im verdeutschungswb. 427a für das fremdwort intabulation vorgeschlagen. die literarischen belege sind jünger: nach der alterthümlichsten art waren für die glieder dieser versammlung bänke ringsumher an der vertäfelung (im sitzungszimmer) angebracht Göthe 26, 26 Weim.; am

[Bd. 25, Sp. 1857]


schutte, der umher liegt, fand man noch marmorstücke und vertäfelungen, auch säulen Ritter erdkunde 14. 299; die vertäfelung der fenster und thüren ist weisz Rosegger schriften II 12, 285. —
für das heute übliche getäfel, vertäfelung, tafelwerk früher auch vereinzelt gebildet: vertäfelwerck, vertäfelung einer tile, materiaria incrustatio Frisius 806a; Maaler 434a. eine eigenthümliche mundartlich elsäss. bildung ist vertäfel, vertäfelete Martin-Lienhart 2, 654b.

 

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