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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
versühner bis versumpftheit (Bd. 25, Sp. 1845 bis 1847)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) versühner, m., s. versöhner sp. 1354f.
 
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versühnig, adj., vgl. versöhnig, veraltet für versöhnlich sp. 1355.

[Bd. 25, Sp. 1846]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) versühnung, f., s. versöhnung sp. 1356. — dazu versühnungslehre, f.,
 
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-mittel, -werk, n., bei Stilling 5, 74; 4, 438; 439. —
 
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versühnungsopfer, n.: das in zwei-jährigen schafen bestehende versühnungsopfer zu schlachten A. U. v. Braunschweig Octavia 3, 1108. — vgl. versöhnungslehre, -mittel, -opfer, -werk sp. 1357.
 
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versulzen, verb. , obd. wort, von sulz 'salzbrühe, sülze, gallert' abgeleitet (s. d.). schwäb. Fischer 2, 1371; bair. Schmeller 2, 274.
1) in eigentlichem sinne 'mit salzbrühe einkochen': treibwürst, sultzwammen, .. eingemacht hauben und bücher, versultzt manigfalt Fischart Garg. 120 neudr.; schwäb. die speise versulzen 'schlecht kochen' Fischer.
2) österreich. versulzt, 'gallertartig': waldhang, der hinter dem vereisten und versulzten wasser aufstieg Rosegger schriften 5, 21; auf solchem eise, das jeden augenblick brechen konnte, stand der mann und schien in den versulzten tümpel zu schauen III 8, 327. schwäb. ihre (gebär-)mutter ist versulzt, und so ist sie gestorben Fischer.
3) reflex. bair.: eine grosze wunde versulzt sich, wenn sie sich unter ansetzung gallertartigen jungen fleisches schlieszt Schmeller.
 
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versumfang, m., 'ausdehnung, länge der verszeile': in ansehung des wollauts ist der versumfang eben so wenig gleichgültig Garve versbau 170; Voss krit. blätter 1, 521.
 
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versummen, verb., intrans.-perfective bildung, 'aufhören zu summen, sich summend entfernen, vertönen': bis die glocken versummen Campe; und das waffengedröhne des wortgefechts versummt war Rückert 11, 368. 'eine zeit summend verbringen': gestern war ein tag voll sonnenschein, die mückchen .. haben ihn vertanzt und versummt Bettine Günderode 1, 171.
 
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versumpern, verb., obd. bildung zu versimpeln (sp. 1326), abgeleitet von sumpen (sumper) vgl. Martin-Lienhart 2, 359b; die waisen, die da auf dem lande drauszen verlaufen und versumpern und endlich trottel oder lumpen werden Rosegger laszt uns von liebe reden 233. tirol. geld versumpern 'verthun' Schöpf 729.
 
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versumpfen, verb. , irrthümlich von Frisch 2, 356c und Campe als beleg bei Keisersberg (statt versupft) gebucht. in einer quelle des 16. jh. erscheint das part. prät. in starker form: da truckne örter, nicht see, versumpffne mos und dergleichen pfitzen seind Wirsung arztneybuch 554. erst im 18. jh. zum ersatz des fremdworts stagnieren geprägt, vgl. zeitschr. f. d. wortf. 4, 132. im 19. verbreitet es sich stark, in übertragenem sinne wohl unter dem einflusz der burschikosen sprache, vgl. Paul wb. 540a; Fischer 2, 1371; Martin-Lienhart 2, 359b.
1) die verwendung ist überwiegend intransitiv. feste gegenden und gewässer nehmen sumpfartiges aussehen an, indem die einen in ständig feuchten zustand übergehn, die andern stagnieren: so finden wir eine abstufung von versauertem (dem anfange) zum vermoorten und versumpften boden Ratzeburg standortgewächse 332; die rosen, welche in der gegenwärtig versumpften und verödeten gegend von Posidonia ... wuchsen Matthisson schriften 1, 270; dasz sie ihre gemeindewiese, die immer mehr versumpft, trocken legen? Alexis Isegrimm 10;

die heimischen seen,
wo sich himmel und wolken
spiegelten, sind versumpft
Rückert werke 1, 240.

auch als part. präs.: infolge der üppiger wachsenden vegetation und des stärker versumpfenden bodens Hoops waldbäume 93.
im übergang zu übertragenem sinne: wer erwartete in diesen eh'mals versumpften und düsteren klosterräumen .. gegenwärtig mehr als einen literarischen salon eröffnet zu sehen? Göthe 412, 372 Weim.; (es) würde ja der flusz der zeit im flachen gefilde unserer alltäglichkeit

[Bd. 25, Sp. 1847]


gar versumpfen Holtei erz. schriften 19, 194. freier: nun wurden die akten seszhafter und wanderten in ein fach, das .. für versumpfte oder in versumpfung begriffene fälle bestimmt war Kröger leute allerlei art 139; hielt er diesem versumpften leben die gesunde, kerndeutsche kraft .. entgegen Treitschke deutsche geschichte 5, 22; woran du siehst, dasz ich noch nicht so sehr versumpft bin F. Reuter briefe 264 (an den vater 1840). mit präpos. bestimmung: ohne den krieg würde die welt in materialismus versumpfen Moltke 5, 194; ihre geisteswelt versumpfte zu einem unerquicklichen aberglauben Heine 7, 195.
2) in gleichem sinne reflexiv: es ist ein grundgesetz der handlung, dasz, wo die handlung oder der affekt gewaltsam weiterstrebt, der dialog retardieren, wo sich beides zu versumpfen droht, der dialog lebhafter fortstreben musz Ludwig 5, 472.
3) seit Göthe auch trans. gebraucht, 'in einen sumpf verwandeln': im jahr 1800 trat die grosze überschwemmung ein, verbreitete sich, versumpfte den saal 49, 221 Weim.; des flusses, der .. die niederungen .. versumpft Mommsen röm. geschichte 1, 45. übertragen: der unmut ist der schlimmste seelenzustand, weil er die seele verdumpft und versumpft Lenau an Sophie Löwenthal 415 Castle;

die seele raubt er (der unglaube) nicht, doch hat er sie versumpft
Rückert werke 8, 9.


 
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versumpftheit, f., junge bildung mit dem adj. gebrauchten part. prät. von versumpfen 1: das milieu im hause Krause ist in aller seiner roheit und versumpftheit von Gerhart Hauptmann vorzüglich getroffen.

 

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