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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
versudeln bis versühnungsopfer (Bd. 25, Sp. 1844 bis 1846)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) versudeln, verb. , seit dem 16. jh. nachzuweisen, noch heute obd. mundartlich, sonst in der schriftsprache besudeln. commaculo, devenusto, foedo, impio Frisius, Calepinus (s. unten); Maaler 433b; Kramer 2, 1038a; Dentzler 314a; Adelung, Campe. elsäss. versudelen, schwäb. versudlen Martin-Lienhart 2, 328a; Fischer 2, 1371; preusz. versudeln Frischbier 2, 443a; in Estland versuddeln Sallmann 73b. zu sudeln 'im schmutz wühlen' stellt versudeln eine trans. bildung dar.
1) 'nicht in rechter, ordentlicher weise verwenden und auf diese weise vergeuden'; durch sudeln verbrauchen Adelung; das essen Kramer; vgl. Martin-Lienhart; die schwein verterben ... und versudlen ire schöne weyde Sebiz feldbau 295; da offt die guten ertz versudelt, und in ofenbrüchen und schlacken verschmiret ... werden Mathesius Sarepta 66b; vors ander beschmiert er das papier und versudelt die dinte vergeblich Zend. a Zendoriis winternächte 510; viele farben versudeln, zu schlechtem malen verbrauchen Campe sprichwörtlich: man kann an einem tage mehr versudeln als in einer woche verputzen Wander 4, 1612.
2) 'durch liederliches arbeiten ein werk verhunzen': contaminare fabulas, die comedias versudlen (irrthümliche übersetzung), .. wenn man ausz zwo griechischen ein latinsche macht Frisius 318b; interlino scripturam vel picturam lituris corrumpo, durchthun, verstreichen, versudlen Calepinus 752a; dies ist nun freylich vor izo ein wenig versudelte skizze geworden Frankfurt. gelehrte anzeigen 1772 (lit. denkmale 8, 359); die kuppel stöhrt dies verhältnisz und versudelt die melodie (bei der orgel) schles. prov.-blätter (1806) 43, 153.

[Bd. 25, Sp. 1845]



3) allgemein 'beflecken, verunreinigen': manibus deterere tabellas, verschlyssen, versudlen, ausnutzen Frisius 402b; dextra obsoleta sanguine, mit blt versudlet 898b; kleider, wäsche Kramer; denn mein gott ist der herr und lebt, eurer aber ist nichts dann ein frech versudeltes stück holz Handel - Mazzetti Jesse u. Maria 1, 358; die werden auffstehen mit ihm am jungsten tage in weiszen kleidern und die nicht versudelt sind mit den weibern quelle v. 1529 bei Wappler inquisition 171; ein altes weib, das in versudelten lumpen einherging Anzengruber 2, 211. dazu: ich bekam ein versudeltes fragenbuch vom Johannesli (zur schule mit) Gotthelf schriften 1, 73; so fanden wir mit schrecken die kyanen schmutzig blau gescholten, ... deren kränze uns in erndtekränzen erfreuen und doch wahrlich nicht versudelt aussehen Göthe II 52, 386 Weim.
4) 'die lebenszeit ungehörig hinbringen': das leben ist so kurz, dasz es schade ist, es .. mit wortkriegen zu versudeln F. H. Jacobi 4, 165.
5) ein entsprechendes intrans. verb. ist vereinzelt, 'durch unordnung und unsauberkeit gestört werden': wenn die krankenwart' noch lange dauert, versudelt unser hauswesen Anzengruber 4, 271.
6) reflex. gebrauch im preusz.: dat versudelt söck, 'versäumt sich' Frischbier.
versudelung, f., abstractbildung zu 2 Adelung, Campe; (Canova) rieth, die ganze versudelung wegzutilgen Böttiger kl. schriften 2, 243.
 
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versüdern, versudern, versuttern, verb. , von sutter (s. d.) abgeleitet, vereinzelt obd. wie nd.: tirol. versüdern, versuttern unter sieden Hintner 201; schon mhd. wb. 2, 2, 362b; Lexer 3, 260. 'im kochen überwallen lassen':

hiet ich die lieb versüdert
pei ainem haiʒen gluot
Oswald v. Wolkenstein 2, 4, 29.

ostfries. fersuddern, 'langsam verkochen, verbrodeln': sê let de sauce ganz fersuddern Doornkaat 1, 468b; götting. versödern von nassem holze, das ohne helle flamme verbrennt, und von flüssigkeiten, die einkochen oder eintrocknen Schambach 267a. in übertragenem sinne versüdert, versuttert, 'durch schmutzige flüssigkeit verstopft, entstellt'; die tabakspfeife ist versuttert vgl. Sanders wb. 2, 1270a; erg.-wb. 546c. versüderte augen, 'triefaugen': wetter .., das ihns tückisch zum abgrund drängt, aus dem empor des Kellerjoggi's versüderete augen näher und näher zwitzeren Gotthelf geld und geist 215.
 
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versuffen, verb., nl. nd. wort, ins nord. übergegangen, von einem adj. nl. suf 'von sinnen' gebildet, vgl. Franck-Wijk etym. wb. 682 f.; mnl. versuffen, versoffen Verdam 636b, 639a; versuffen, versuft Kilian 606a; mnd. vorsuffen trans. wie intrans., 'der besinnung berauben, die besinnung verlieren' Schiller-Lübben 5, 467a b; ostfries. fersuffen, 'ermatten, erschlaffen, muthlos werden' Doornkaat 1, 468b; holstein. versüfft, verzüfft Schütze 4, 308. Richey hamburg. 324 kennt dazu einen inf. verzüfften, versüfften, versüchten und sieht darin mit recht eine vermengung des süffen 'delirare' mit süchten, süfften 'gemere'. älter dän. forsuffe, schwed. försoffa Falk-Torp 1, 263. besonders verbreitet als 'verzagt' in der form. des part. prät.; schriftdeutsch nicht gebräuchlich: ind was der soldain sere versuft ind was nie so sere beenxtiget ... as zo deser zit d. städtechron. 13, 534, 21 (Cöln).
 
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versühnblut, -opfer, n., vgl. versöhnblut, -opfer, sp. 1350, 1355.
 
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versühne, f., vereinzelt gebildetes subst. zu versühnen: hat sichs alles wieder zur versune geschickt Luther briefe 5, 603; vgl. unversühne und oben sp. 1350.
 
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versühnen, verb., ältere und heute alterthümliche form zu versöhnen s. sp. 1350ff.
 
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versühner, m., s. versöhner sp. 1354f.
 
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versühnig, adj., vgl. versöhnig, veraltet für versöhnlich sp. 1355.

[Bd. 25, Sp. 1846]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) versühnung, f., s. versöhnung sp. 1356. — dazu versühnungslehre, f.,
 
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-mittel, -werk, n., bei Stilling 5, 74; 4, 438; 439. —
 
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versühnungsopfer, n.: das in zwei-jährigen schafen bestehende versühnungsopfer zu schlachten A. U. v. Braunschweig Octavia 3, 1108. — vgl. versöhnungslehre, -mittel, -opfer, -werk sp. 1357.

 

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