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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
unhoffentlich bis unhold (Bd. 24, Sp. 1061 bis 1064)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) unhoffentlich, adj., gth. v. hoffentlich. vgl. mnl. onhopich insperatus: nichts ist ganz u. Withof gedichte 1, 289. selten u. veraltet.
 
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unhofflich, unhöfflich, adj. adv., gth. v. hofflich: yhr unhöffliche (insperabili) besserunge Luther 7, 164 W.; wie gehts? hofflich, erwiedert der bergmann, wenn er gute, u., wenn er schlechte hoffnung oder bezahlung hat Schmeller 1, 1063. vgl. unhöflich. —
 
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unhoffnung,

[Bd. 24, Sp. 1062]


f., mangel an hoffnung, aufgeben der h., hoffnungslosigkeit: aus u. Keisersberg narrensch. 64b; nach aller u. Adelphus Barbarossa 46a. veraltet. vgl. mnl. onhope, nl. wanhoop, nhd. miszhoffnung. —
 
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unhofhörig J. Grimm rechtsalt. 2, 93. —
 
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unhöfisch, adj. adv., gth. v. höfisch. mhd. unhövesch, unhöfsch, -höbisch, -hubisch, -hübsch. mnd. unhovesch, -liken, unhoveschen. mnl. onhovesch, -hoofsch, -hoosch, -huesch. nl. onhoofsch, -heusch. afries. unhowisk, -howisch, -lik. an. úhœverskr, aschwed. ohövisker, -liker, norw. uhøvisk entlehnt unter einflusz von høve 'passen' (Falk - Torp 455). vgl. DWB unhübsch u. unhöflich. 1) gth. v. höfisch 1, incurialis Diefenbach gl. 293b; franz. discourtois: von einer so unhöfischen theilnahme fortgerissen J. Paul 15/18, 121 (vgl. 3); J. H. Voss ged. 3, 22; Gervinus gesch. d. d. dicht. 4, 140. 2) gth. v. höfisch 2. a) auf sitte u. sittlichkeit bezogen (vgl. ungleich A III 3 f): wer ... furtze ader anders unhoffisch were Frankf. zunfturk. 1, 97; Zanger jesuwider B 7b; grobe, unhöfische und ungezogene völcker script. rer. Livon. 2, 580. veraltet. b) in n. spr. nur im engern sinne der höf. dichtung: den unhöfischen verkehrern seines gesanges Uhland schr. 5, 61; ausdrücke Gervinus gesch. d. d. dicht. 1. 369. 3) gth. v. höfisch 3: der freimüthige und unhöfische D. Wieland 7, 11; 8, 411; H. v. Blomberg bilder u. romanzen 208. dazu unhöfischkeit, f. Gervinus 2, 294 nach bed. 2 b. mhd. unhövescheit, mnd. unhovescheit, mnl. onhovescheit, an. úhœverska, aschwed. ohöviskhet, -likhet.
 
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unhöflich, adj. adv. , gth. v. höflich. mhd. unhovelich, -lîche. mnd. unhovelik(en). mnl. onhovelijc, -like; nl. onhoffelijk. an. úhœfligr, aschwed. ohöveliker, schwed. ohöflig, dän. uhøflig, entlehnt aus dem mnd., angelehnt an høve. Staub-Tobler 2, 1036 f. Follmann 519b. onheiferlech lux. 316b. vgl. ungehöflich (Fischart Eulensp. 162 u. Hauffen zu 160 u. 15, 28), unhöfisch, -hübsch.
1) gth. v. höflich 1: im schreiben an einen könig soll man nicht frembde, ungebreuchliche oder unhöffliche reden brauchen S. Gessner betrachtung des psalters J 5b; G. Freytag 10, 36. im wortspiel mit hof: Micrälius 3, 409, Butschky Pathmos 11 u. ö.
2) gth. v. höflich 2/3, ungesittet, ungezogen, unfein, roh, grob, plump, derb u. dgl.: unhoflich narren S. Brant narrensch. 110a (von disches unzcht), 14 (dazu die erläuterung 5 ff.); Scheit Grobian. 8 u. ö.; Lehman florileg. 4, 206 (schelte); wäscher Kirchhof wend. 2, 149, holtzblock Guarinonius 149, barbar D. v. d. Werder ras. Rol. 49; eltern Moscherosch insomnis cura 88 ndr.; riesen ... die alle ... übermütig und ohnhöfflich zu seyn pflegen Bastel v. d. Sohle Don Kichote 17 (syn. wild, frembd, ungezogen Luther bibel 1, 526 W., pewrisch, unfreundlich Barth weibersp. R 6b, unrtig Fischart lob d. lauten 438 u. dgl.; Alberus 91a; insolent Belemnon bauern-lex. 93); unhöfflichs geperds Eberlin v. Günzburg 3, 230; Dannhawer catechism. 1, 59; Hohberg georg. 1, 190; sitten Scheit Grob. 9 ndr.; feder, reden u. s. w. adv.: Luther 7, 667, 18 W.; Sirach 18, 18; Thomasius ernsth. gedancken 3, 56. unhöfliche instrument ungeschlachte, primitive Franck weltb. 217a. stärker unanständig, gemein, ekelhaft: bossen Nas antipap. 4, 250b; zoten Zesen verm. helikon 1, 199; sich unheeflich uffihren pedere (vgl. unanständig II 3) Brendicke Berlin 187a; ebber unheflich inlade jemanden bedeuten leck mich im a. Follmann 519b. grob steigernd: Grimmelshausen 2, 29, 2 Keller; dazu mnl. onhovesch injuriosus wb. 5, 772. selten anerkennend: Sterz. spiele 10, 433, 442. schriftsprachlich veraltet.
3) wie unfreundlich 2, unchristlich 3, ungeschickt 7, ungeschlacht 7 u. ä. zur steigerung neigend: wo es e. f. u. ernst wäre und nicht so unhoflich loge, dasz ... Luther briefe 2, 285 De Wette; Philad. Regius luther. wunderzeichen (1524) A 3b; Weise erzn. 4 ndr.; pol. redner 727; Fouqué bildersaal 2, 237;

[Bd. 24, Sp. 1063]


ach Blücher, ach was denkst denn du?
du schlägst ja gar unhöflich zu!
Ditfurth volksl. d. preusz. heeres 116.

heute nach 4 verstanden.
4) gth. von höflich 4; vgl. unartig A 6:

ich hab kein edlen (mag ich jehen)
so peurisch und unhöfflich gsehen,
der für jungfraw gieng oder ried,
doch in kein reverentz thet
H. Sachs 12, 530, 24 Keller;

Schweinichen 185; El. Charl. v. Orleans 1, 125; Eschenburg beisp. 5, 433; sie sind unausstehlich u.! H. Beck schachmaschine 10; u. werden Göthe IV 19, 377, 19 W.; Nestroy 2, 252; v. thieren Göthe Faust 2426; vom tod Abr. a St. Clara mercks Wien 40; Iffland 5, 62; vom häscher Raupach dram. werke ernster gattung 13, 167; wie unartig sp. 192, 4 b β, unfreundlich sp. 586, ungeschlacht sp. 487, 4 von witterungserscheinungen maler Müller 1, 290; Hebbel I 1, 364; aufführung Möser 2, 84, anmaszung, ausdrücke u. s. w. es ist recht u., die natur der dinge zu bemühen Brentano 5, 320; unhöfliche höflichkeit Eichendorff 2, 145. adv.: u. stören Buchholtz Herkuliskus 12; es steht u., wann man ... Weise erznarren 129; es läszt u., dasz ... Bürger 366. ins unhöfliche verfallen Forster 3, 397. heute gegen grob abgegrenzt Eberhard syn. 4, 295; u., grob, plump, ungeschliffen, ungehobelt Stosch 2, 506; auch unartig (sp. 194) ist stärker (vgl. Auerbach bei Sanders 1, 775a u. das verhältnis bei kindern u. erwachsenen). für immodest Spanutius 283, undiscret 290 (Apinus 287, sprachverderber 17, Schupp 89), incivil Spanutius, Campe, malhonnet Apinus, impoli Kinderling, Campe. Pansner schimpfwb. 73b.
5) höflich 5 entsprechend, unangemessen, unpassend, unangebracht, ungehörig, unschicklich, ungeschickt u. dgl., in älteren wb. durch infacetus, insulsus, illepidus, illiberalis, ineptus wiedergegeben; 'in rechten unbillig, ungebräuchlich, unanständig, wider recht, gute sitten u. löbliche gewohnheiten' Zedler 49, 1630: deshalb hat mans nit für unhofflich geacht, das der saw für ire weiszheit das leben geben sey Eppendorff Plinius 8, 85; wiewol es eim u. ist dise ding erzelen Pinicianus Scanderbeg 61b; schertz Fr. Wilhelm sprichw. f α 302; med. maulaffe 74; sprichwort Harsdörffer gespr. 1, K 6a; liederchen Gottsched schaubühne 2, 139; unhöfliches umreiten der adlichen als ungebetene gäste Zedler 49, 1630; in n. spr. (Weise kl. leute 94, Herder 22, 211, Freytag 11, 52) nach 4 umgedeutet. nit unhofflich haud illepide Steinhöwel Äsop 250; haud inscite Franck moriae enc. 20, 6. etwas unhoflichs oder unschickerlichs Wilw. v. Schaumburg 202. veraltet.
6) gth. v. höflich 6: u., keine nutzbaren mineralien enthaltend Veith bergwb. 514; unhöfliche gebäude, da die stollörter mangeln Jacobsson 8, 53a. vgl. unartig sp. 191, 2, unart 178. —
 
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unhöflichkeit, f., gth. der höflichkeit, mangel der h. mhd. unhovelîcheit Lexer nachtr. 385. lux. 316b. nl. onhoffelijkheid. dän. uhøflighed. schwed. ohöflighet. vgl. miszhöflichkeit, unhoffliche, f., grobheit, barbaries, inurbanitas, rusticitas Maaler 465a. unhöflich 1 entsprechend: dieses spanneuen hofmanns u. Harsdörffer gespr. 2, 115; veraltet u. höchstens im wortspiel (Laube 5, 184) vorkommend. als gth. v. höflichkeit 2 (veraltet): ab der unhöfflichkeit Eulenspiegels Fischart Eul. 16 H.; Dannhawer catechism. 2, 175; Weise überfl. gedanken 214 ndr.; von äuszerungen u. handlungen, concret mit plur.: bad. hofordnungen 2, 122 Kern; Fabricius auszzug bew. hist. 848; Neumark lustwald (1657) 1, 170. gth. v. höflichkeit 3: gaben mit unhöfflichkeit abschlagen Fr. Wilhelm sprichw. u α 279; die gar zu halsstarrige (höflichkeit) ist u. zu nennen Harsdörffer secret. 2, A 3a; sonst hätte ich wol die u. nicht gehabt, euch diese blätter papier für die nase zu legen disc. d. mahlern 2, 97; bis zur u. wiederholen Bismarck ged. u. erinnerungen 1, 328 v. für incivilität Spanutius 287, Kinderling 279, indiscretion Spanutius 290; v. äuszerungen u. handlungen, concret mit plur.: das (den rücken kehren)

[Bd. 24, Sp. 1064]


sie (Türken) für ein grosse u. halten Rauwolff 47; bezeigte unhöflichkeiten (1743) Justi Winckelmann 1, 121; einander unhöflichkeiten sagen J. A. Cramer aufseher 3, 372; G. Keller 7, 26; euphemisch beide (rosz u. reiter) erwiesen sich unterwegs alle ersinnlichen unhöflichkeiten Holtei erz. schr. 24, 121. unhöflich 5 entsprechend: Lehman floril. 4, 62; eine gewaltthätige u. und injurie Thomasius gedancken 2, 86; veraltet.
 
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unhöfling, m., Harsdörffer secret. 2, A 3a, s. höfling 2 und un IV B. —
 
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unhofmännisch, adj. adv.: Fischart binenkorb 219a, 136a; Dahlmann franz. revol. 58; E. Ortlepp lieder eines pol. tagewächters 25. —
 
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unhöhnisch, adv. Voss antisymb. 2, 336.
 
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unhold, adj. adv. , gth. v. hold. ahd., as., ags. unhold; mhd., mnd. unholt; mnl. onhout; frühdän. uhuld, altschwed. ohulder, schwed. ohuld. ohnhuld W. Spangenberg, unhuld Nigrinus, Harsdörffer. vgl. unholdig, -holdisch, -holdenhaft, -holdselig; abhold, widerhold; abgeneigt, ungeneigt; ungnädig, abgünstig, ungünstig.
1) gth. v. hold 1; ungnädig II 2, ungünstig 4 b entsprechend 'ungeneigt'. wie hold 1 a: dienon unholden herron Notker 2, 457, 26 P.;

vater Zeus, wie bist du vor allen göttern mir unhold!
Bürger 365 (Il. 1, 211);

von der schwiegermutter Freytag 16, 30 u. dgl.; fast nur noch in gehobener sprache. wie hold 1 b: unholden, ungetreuen ... leuten Möser 3, 342; s. unhuldig 1 und vgl. die ags., mhd., mnl. bed. 'untreu'. veraltet.
2) ohne bezug auf herrn- oder dienerverhältnis 'abgeneigt, feindlich, böse'; vgl. DWB hold 1 b ende und 2. a) im milderen sinne, wie ungünstig 4 c, heute vielfach durch abhold wiedergegeben: Graff 4, 915; die der arianischen meinung nit unholt waren Hedio chron. 128b; Hippel ehe 152; der himmel war dem erdboden so u. (vgl. 1), dasz bäume und felder nicht einen tropffen regen bekahmen A. Olearius pers. baumgarten 12; die Ägypter waren den fischen insgemein u. Lohenstein Cleopatra 155, 626; Arm. 2, 43b; Schönaich neol. wb. 359, 17 K.; uns, freunde, werde ... nie die Charis u. (vgl. 1) Herder 22, 98; endlich ward das glück ihm u. 25, 200 (mnl. wb. 5, 770); es waltet ein unholder geist über ihren guten vorsätzen und hoffnungen Schiller briefe 6, 57; unholde Korcyräer Immermann 16, 365; nach 4 weisend: warst du (schicksal) ... u. auf Deutschlands geist? Herder 12, 227; 'abgeneigt, des andern bestes gern zu suchen u. zu befördern' Adelung; jemandem u. seyn, eine unholde antwort ders.; man kann ihm doch nicht u. seyn maler Müller 1, 315; alles ist mir u. Suwaroff bei Häusser d. gesch. 2, 253; mit unholden blicken (augen) ansehen François Reckenburg. 1, 152; Rückert 2, 224. b) wie in der ä. spr. 'feindlich, feindselig, schädigend, böse, verrucht, schändlich' u. dgl. (ungünstig 4 a entsprechend); u. heisset feind und zuwider Ant. Praetorii gründl. bericht v. zauberei (1629) 35: Nabot, der Israelit unholdt Sachs 10, 412, 19 K.; schächer Treuer Dädalus 1, 317; diese edelhulda oder vielmehr unhulde ehebrecherin Harsdörffer geschichtspiegel 254; dise drey unholde huldinnen (drey hofemetzen, heucheley, misgunst, verleumdung) Butschky Pathm. 689. ein sach u. Sachs 19, 182, 21 G.; Kornemann mons Veneris 224; veraltet. in n. spr. nicht ohne einflusz der bed. 3 und des subst. unhold (vgl. unholdig): als unholder mond Creuzer symbolik 2, 159;

und was unhold trabt im berge,
fuchs und wolf, die schlimmen plager
Weber Dreizehnlinden 45.


3) die dämonologische, der von ungeheuer u. unheimlich nahetretende bed. kann aus 2 flieszen (s. Praetorius unter 2), im sprachgefühl fehlt es auch an andern anknüpfungspunkten nicht (vgl. Albrecht magia 238 unter 5 u. bes. DWB unhold, m., f., n.; die substantivierung scheint im ausbau dieser bed. dem adj. vorangegangen zu sein): also hastu woll vernommen die sect und samelung der nachtfarenden leute, unholden zauberin, die die katzen und besam reiten M. Widman

[Bd. 24, Sp. 1065]


v. Kemnat bei Hansen quellen u. unters. z. g. d. hexenwahns 235; Pomarini gr. postilla vorr. 2, 4a; die unholde Circe Schaidenreiszer Od. 35b; diese unholde frau J. Grimm myth. 24, 841; die unholden feinde des lebens die winterriesen Freytag 8, 134; unholdester (vgl. 6) schreckensgebilde Gerhard ak. abh. 1, 18; Ratzel völkerk. 2, 784; die fledermaus ist ein unholdes thier Freytag 9, 17; macht unholder (teuflischer) gewalten 8, 364; von sachen: mit seinem gesicht unhuldt (: schuldt) Nigrinus v. zäuberern 301; ohnhulde künste Spangenberg lustg. 113; des unholden sees Valvassor ehre d. herz. Crain 1, 166; ein heidnisch unhold wesen Weber Dreizehnlinden 52; unhold, das klingt hexenmäszig Schönaich neol. wb. 359, 16 K.; kaum prädicativ, eher adverbial: jetzt lag die kirche völlig ausgeödet, schwarz und u. wie ein wald, wo grauen und schrecken hauset, da Handel-Mazzetti St. Schwerdtner 335.
4) auf den affect eingeschränkt, ergiebt 2 die bed. 'widerwillig, ärgerlich, verdrieszlich, zornig, unartig, unangenehm, wunderlich' u. dgl., ungünstig 3 entsprechend. vgl. unholdselig miszvergnügt Staub - Tobler 2, 1184, unholdsdunst Lohenstein rosen 107, unholdsmut Harsdörffer gespr. 4, 130:

bin ich doch weder so verdrüszlich,
noch so verdrossen und unhold
Weckherlin 2, 256, 13;

mürrische, unholde sinnesart Abbt 6, 1, 101; viele meiner brüder werden mir u. werden (es mir verübeln), dasz Hampel hephata 19; u. (adv.) geben (vgl. unmild; gs. mit guter weise) Lessing 3, 23, 465 (Nathan 1, 3); jem. u. begegnen Göthe 22, 196, 4 W.; die unholde begegnung Claudius 5, 194; u. (ungentle) scheinen A. W. Schlegel Shak. 4, 292; du bist gar u., bruder Göthe 9, 140, 17 W.; in unholden augenblicken augenblicken übler laune 9, 131, 23 W.; 6, 206 W.; die holden frauen können förmlich ... u. werden, wenn ... Holtei erz. schr. 23, 139; unter einwirkung von unhold, m., B I 3 b γ 'wer sich nicht regieren läszt':

an dir gesellen unhold, barsch und toll
ist wahrlich wenig zu verlieren
Göthe Faust 3259;

je stolzer und unholder er sich gebärdet, um so milder benimmt sich der ingenieur Federer berge u. menschen 237; diesen unholden worten Schiller 12, 526; Voss krit. blätter 1, 452; den unholdesten neckereien P. Heyse nov. 12, 354 (vgl. 6); die unholde kälte seiner älteren tochter Treitschke aufs. 1, 31; unholdes wesen etwa chicanen Freytag 2, 50.
5) wie hold 2, ungünstig 2 passiv 'unge(be)liebt, unlieb, verhaszt, widrig, leidig, elend, unliebenswürdig, verwünscht, unerwünscht, fatal' u. ä. mnl. wb. 5, 770 f.: wann die menschen selber zu unholden werden, das ist, durch ihr gottloses wesen sich gegen gott verhaszt, u. und unwerdt machen, so straffe gott der herr solche leute Albrecht magia (1628) 238 (vgl. sich hold machen);

der sich durch tugenden der boszheit unhold macht
Lohenstein Epicharis 41;

wenn er (Werthers gesandter, 'ein widriger mensch') nur nicht so u. wäre, wär' alles gut Göthe 19, 89, 4 W.; eine unholde wirthin allg. d. bibl. 108, 235, gäste Arnim 2, 135, Weber Dreizehnlinden 28, friedensbrecher H. v. Barth kalkalpen 540; den unholden mann, dem ihr vater sie vermählen will Freytag 17, 182. Pansner schimpfwb. 73b. in dem schwachen, unholden greisen alter Harsdörffer secret. 2, 40; gedanke Thümmel reise 1, 84; der unholde, aber politisch notwendige zuwachs polnischen gebietes Meinecke Boyen 2, 84; die leute wurden u. aus dem schlafe geweckt Rosegger 2, 325.
6) hold 3, ungünstig 5 entsprechend, injucundus, unanmutig, unschön, garstig, abstoszend u. dgl.: bei nicht unholder gegend und wetter (vgl. DWB ungeheuer, DWB unheimlich, unfreundlich) Knebel nachl. 3, 378; Schiller 4, 64; bei unholder schneestöberei E. M. Arndt br. a. e. freundin 312; schriften 1, 219; Weber Dreizehnlinden 76;

[Bd. 24, Sp. 1066]


u. von gestalt Voss Theokrit 6, 23; töne I. A. Naumann vögel 4, 202, eindrücke Herbart 10, 279, wirkungen D. Fr. Strausz 6, 65; alles unholde erinnern (vgl. 5) Handel - Mazzetti St. Schwerdtner 336; der unholde mund verzog sich betrübt in die länge Scheffel 2, 48; W. empfand es sehr u., dasz Schiller briefe 2, 225; u. lächelnd Fouqué gefühle 1, 152. beliebt sind mischungen; z. b. unholde winde (vgl. 3, 4, 5) Kretschmann 2, 237; Denis bei O. Jahn Mozart 3, 345; Gerock d. letzte strausz 29; bei den unholden Huillitsches Forster 4, 240 (vgl. 5 u. Arndt unter unhuld 4); unholdes jahr Lenau 336 (vgl. 1, 2, 5); Freytag br. a. d. herzog 57; der tag, der so u. (mit sturm) einbrach Göthe IV 3, 120, 12 W.; das unwirtbare meer (vertauschte) ... seinen unholden namen Voss krit. blätter 2, 320.

 

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