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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überfall bis überfang (Bd. 23, Sp. 202 bis 207)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überfall, m.
1) oppressio. als nomen actionis erst vom 15. jahrh. an literarisch belegt: interventus, zufall Frisius dict. 725a; superventus, zukunft Maaler 442b; überfall des Nili, inundatio Mathesius Sarepta 57a. meist verengt: oppressio Frisius 923a; Maaler a. a. o.; occupatio, obsessio, oppugnatio Schönsleder a. a. o.; invasio Dentzler clavis ling. lat. 294b; incursus Steinbach 1, 376; in disem krieg und uberfall Knebel chron. v. Kaisheim 325; rauberischer völcker einbruch und überfall Hohberg georgica curiosa (1682) 1, 8;

ich sach von oben ab,
wie sie lieden zu mal
vom feind grosz uberfal
Hans Sachs 3, 476 Keller.

in d. neueren sprache allgemein in dieser verengten bedeutung, meist mit dem nebensinne des unvermutheten, plötzlichen: inopinatus accessus, impetus Stieler 424; Adelung 4, 750; surprise, hostium impetus improvisus Fäsch (1735) 938b.
a) überfälle und streifereien, so die flüchtigen von den benachbarten Polen ... auszustehen hatten neuest. aus d. anmuth. gelehrsamkeit 6, 382; nordwärts war das jüdische land den mächtigsten und drohendsten überfällen ausgesetzt Herder 12, 137;

brücken, warten, zinnen, wälle ...
sicherten für überfälle
diese burg
Stolberg ges. werke 1, 186;

wir standen, keines überfalls gewärtig,
bei Neustadt schwach verschanzt in unserm lager
Schiller 12, 352.

mit subject. genetiv: es haben die überfäl der Teutschen ... den Römern vil zu schaffen geben Münster cosmogr. 310; der adel ... ist angestelt worden ... die christliche kirch wider den uberfall der unglaubigen zu bewaren Albertinus zeitkürtzer 64; bei jedem überfall feindlicher partheien musz er zittern Möser 1, 157 Abeken. mit object. genetiv: da geschach der überfal Italie von den Teutschen Franck chron. Germ. (1538) 33b; die insurgenten ... planten einen überfall Makedoniens Mommsen röm. gesch. 5, 35.
b) es kam wie ein überfall auf völlig unvorbereitete friedliche leute J. Grimm schr. 1, 52; Mailand ... ward durch einen nächtlichen überfall ... eingenommen M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 5, 107; dieser eroberte die stadt durch überfall Raumer gesch. d. Hohenstaufen 1, 130; die Hiberen von dort her sich keines überfals versehen hatten A. U. von Braunschweig Octavia 1, 154; Marienborn, als hauptquartier, liege viel zu nahe an der blockierten ... stadt, man habe sich gar wohl eines überfalls zu versehen Göthe I 33, 282 Weim. das moment der überraschung wird aber auch häufig durch ein attribut ausdrücklich betont, z. b. geschwinder ü. Lohenstein Arminius 1, 21a; unversehener ü. ebenda 26b; gählicher ü. Brandis des tirol. adlers ehrenkränzlein (1678) 200; unerwarteter ü. Schiller 4, 218; unvermutheter ü. Nicolai reise durch Deutschland 7, 138; schleuniger ü. Tieck schr. 9, 79; schneller ü. Freytag 9, 93; plötzlicher ü. Ranke 4, 102. daraus kann sich weiter die vorstellung des bösartigen, gehässigen ergeben: wo ja ein unredlicher überfall eine tapfferkeit zu nennen ist Ziegler asiatische Banise 283; jede art von untreue, wortbruch, tückischem überfall wurde allgemein Freytag 18, 36.
2) besuch, zudrang, aus 1 entwickelt, vgl. Frisius a. a. o. s. v. oppressio. nur in der älteren sprache und mundartlich: Anthonius der forcht, das des laufs und

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des überfals von den siechen menschen ze grosz würd Keisersberg Emeis (1516) 12d; dasz gottshausz wurd hart beschwert ... mit groszem uberfall der gastung Knebel chron. v. Kaisheim 341; er hat auch teglichen groszen uberfal von frembden leuten gehabt, die er alle aus seiner kuchen gespeiset C. Spangenberg Mansfeldische chron. (1572) 148a; aber wir sindt ein furst des reichs unndt haben täglich mehr uberfalls als andere fursten quelle (a. 1582) bei Diefenbach-Wülcker 879; schweiz. belege aus dem 16. u. 17. jahrh. bei Staub-Tobler 1, 737.
3) anfall einer krankheit, einer gemüthsbewegung: man trincke ... von jedem ein untz, drei stunden vor überfall des kalten weh Sebiz feldbau 67. dadurch (durch einen raserei-anfall) ihm (Tasso) das gemüth so gesaubert worden, dasz er nach solchem überfall die herrlichsten ... carmina geschrieben Morhof unterricht (1682) 1, 200; der plötzliche überfall eines hitzigen fiebers Schnabel insel Felsenbg. 6, 17 Ullrich; der plötzliche überfall von freude oder frohheit Herder 5, 7; unerwartete anwandlungen des phantasten heiszen überfälle der phantasterei (raptus) Kant 7, 519. in dem überfall des heftigsten schmerzens Göthe I 38, 79 Weim.; ich erhole mich kaum von dem bösen krankhaften überfall IV 20, 327 Weim.; prägnant für epileptischen anfall Stürenburg (1857) 7.
4) überfall zum feind, transitio ad hostes Kirsch (1723) 298b; overloopen tot den vyand Kramer deutsch-holl. wb. (1787) 466a.
5) in der älteren rechtssprache das hinüberfallen des obstes über die grenze eines grundstückes, dann concret das hinübergefallene obst selbst Lexer handwb. 2, 1671; Hugo lehrb. d. heut. röm. recht (1826) 85, 15; in den maa. lebendig: Staub-Tobler a. a. o.; Martin-Lienhart 1, 104b; lux. ma. 194b; Follmann lothr. ma. 262b; Schmidt westerwäld. idiot. 275.
6) der absturz des wassers, das eine gewisse höhe übersteigt und davon herunterfällt Jacobsson 4, 465b; weiter das wasser selbst, endlich der damm, die wehre über die der abflusz erfolgt Heynatz syn. 1, 399a; Benzler 2, 172; Staub-Tobler a. a. o.; auch ndl. in dieser bed., vgl. woordenboek 11, 2155; die Meteritz, das ist nur ein abflusz oder überfall vom deutschen born ebenda 125b; so erfordert der überfall, den das wasser ... überströmt eine ... sorgfältige befestigung Alten handbuch für heer und flotte 1, 392; die Warthe steigt, ... beide überfälle des Berdychower dammes sind bereits überschwemmt tägl. rundsch. 1901 nr. 604, 1. beilage 2a. zum nom. propr. geworden, z. b.: die Überfälle in den Isarauen bei München. compp.: überfallsdeich, m., Benzler 2, 239. — überfallhöhe, f. , höhenunterschied zwischen der wehrkrone und dem ungesenkten oberwasserspiegel Lueger 7, 749. — überfallwehr Chomel 8, 2193; Stenzel seemannsspr. 432b.
7) concret für gegenstände, die herabhängend etwas bedecken, verschlieszen. a) mantelkragen, überwurf mhd. wb. 3, 223a; Lexer handwb. a. a. o.; sie (Aphrodite) trägt unterchiton und oberchiton, der einen überfall hat Furtwängler vasenbeschrbg. 149; auch in composition: Lewin trug einen mantel mit einem weiten überfallkragen Fontane I 1, 39. b) kehldeckel, epiglottis. der überfal heiszt zu latein epiglottis Megenberg 17, 11; vgl. Diefenbach nov. gloss. 152a s. v. epiglotum; auch Adelung 4, 750 merkt landschaftlichen gebrauch für zäpfchen des gaumensegels an. c) eisenklammer an kisten, thüren, luken Stürenburg 163a; Stenzel 432a; seine hand zitterte jetzt so stark, dasz er sie an dem eisernen überfall des schlosses blutig gestoszen hatte Storm 17, 246; ähnlicher gebrauch auch in der schweiz Staub-Tobler a. a. o.
 
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überfallen, v. incidere. ahd. nicht belegt, auch mhd. wenig gebraucht (Lexer handwb. 2, 1671).
I. untrennbare verbindung.
A. transitiv.
1) bedecken, obruere Diefenbach gloss. 389a; Alberus (1540) Yiiijb; oben darauf fallen, supercidere Maaler (1561) 442b; supercorruere Frisius dict. 1271b; Calepinus undecim ling. 35b; 243b; 970b; Schönsleder prompt. O ib; Pharao uberfiel das rote meer, ehe denn er hynaus kam Luther 11, 324 Weim.; wie er (Jonas) in die tieffe geworffen und mit den fluten umbgeben, mit wellen mit wogen uberfallen ward 19, 228

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Weim.; die von binnen machten, das sich die thürme auswärts neigten, und also die heyden ... darvon überfallen wurden Hennenberger erclerung d. preuss. landtafel (1595) 381; dasz Aetna zerberste und Sicilien überfalle Opitz Argenis (1626) 1, 274. verengt in der bergmannssprache: so ein zwerchgang den andern überfallen möchte, ... da soll der jünger dem ältern, der vierung nach, zu weichen schuldig sein samml. d. baierischen bergrechts (a. 1608) 440 Lori. part. prät. überfallen, bedeckt Diefenbach gloss. 389a s. v. obrutus; die greber Honorii und seiner gemahlin sind mit der zeit durch vilfaltigen fal ... gantz überfallen und verloren Stumpf Schwytzerchron. (1606) 190a; landschaftlich für schattig Staub - Tobler 1, 753 a. a. o.
2) anfallen, heimsuchen, seit dem 16. jahrh. aus 1 entwickelt, in weitem umfange verwendet und meist mit dem nebensinn der überraschung, häufig auch des unangenehmen verbunden. unversähenlich etwar zu kommen, supervenire Frisius dict. 1273b; tacite accedere Steinbach a. a. o., vgl. auch de Vreese woordenboek 11, 2157 f. und Rumpf (1809) 503 s. v. überfallen, überraschen, überrumpeln.
a) mit persönlichem subject:
α) jemanden unerwartet besuchen, in der älteren und neueren sprache allgemein: ein edelmann ... behielt alwegen etwas besunders, es weren iunge hüner, oder wer wiltbret in dem saltz, ... wa er überfallen würd von ersamen gesten, das er auch etwas het inen für zusetzen Pauli schimpf u. ernst 18; überfellt einen ein gast, so nimbt er für gut, was ... das hausz vermag Mathesius hochzeitpredigten 115a; so vertraulich sein, dasz man einander uber dem essen uberfällt Corvinus fons lat. 705 s. v. obrepere; eben jetzt überfällt mich unser gemeinschaftlicher freund Lessing 5, 62.
β) plötzlich an jemanden herantreten: wie wolten wir ... so plumblich und ungeschickt den könig aller königen uberfallen, ehe wir erstlich einen ausz seinem hofgesind angesprochen hetten Fischart binenkorb (1588) 208a;

er (Nathan) kömmt hier wiederum vorbei. er möcht'
uns überfallen. geht!
Lessing 3, 109.


γ) jem. mit etwas überfallen: einen mit dienst und gutthat überfallen und überschütten Maaler a. a. o.; ym buch Hiob findt man eyn disputation, ab gott nicht alleyn die sunder ... sondern auch die frommen ... mit unglück uberfalle Eberlin von Günzburg 3, 191; uff das aber k. maiestät mit vil worten uberfallen und bemühet werd, ist ir solichs erstlich in der kürtze anzuzeigen Hutten opera 5, 382; gegenwärtigen brief müssen sie ... halten ... vor den herold eines recht langen schreibens, womit ich sie nächstens überfallen will Schubart briefe 1, 44; ein ... neufundländer ... überfiel ihn ... mit ... liebkosungen Fontane I 1, 12; er überfiel sie mit fragen Polenz Grabenhäger 1, 309.
b) auch mit unpersönlichem subject ganz allgemein: nacht, gewitter, regen, krankheit, traurigkeit etc. überfällt jemanden, wobei die bildliche vorstellung des erfassens durch herabkommen von oben oder durch überdecken theils noch deutlich, theils schon verblaszt ist:
α) nox oppressit, die nacht hat uns uberfallen B. Faber thesaurus (1587) 646a; die vergässenheit überfallt einen, obruit aliquem oblivio Frisius dict. 895a; darzwischen überfelt die junckfraw der schlaaff Boltz Terenz deutsch (1539) 45b; da hab ihn ein kurtz schnell scharpff feberlin uberfallen Ryff spiegel u. regiment d. gesundheit C b 2a; der froist oberfil den win an den stocken Limb. chron. 88, 25; (der jüngste tag) würt kummen und würt überfallen die menschen nit anders weder als der sündtflusz überfiel die gantze welt zu den zeiten Noe Keisersberg postille 4, 26b; das uns nit uberfalle die listige böszheit, die tragheit zu gottis dienste Luther 7, 223 Weim.; schrecken und grosse finsternis uberfiel in (invasit eum) 1 Mos. 15, 12; aber die gottlosen uberfiel der zorn (supervenit) sap. 19, 1; es werden bald grewliche straffen diese land uberfallen Mathesius leichenreden 74, 17 bibl. deutsch. schr. a. Böhmen; do überfalt das fürstenthumb ein grosz unglück Münster cosmogr. 45; grosz traurigkeit hat mein hertz überfallen engl. comedien u. tragedien (1624) J 6b; bald aber überfiel ihn die bitterste bekümmernüs Lohenstein Arminius 2, 46b; gestern

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abends überfiel mich mein alter schmerz mit einemmale wieder Rabener 6, 125; der schauder, ... der uns bei erblickung vorsetzlicher greuel ... überfällt Lessing 10, 98; neue ohnmachten überfielen mich Gerstenberg Ugolino 245 deutsche nationallit.; eine wundersam alterthümliche stimmung überfiel ihn Göthe I 24, 17 Weim.; angst überfiel meine seele maler Müller 1, 35; hunger und durst überfielen ihn Engel schr. 1, 316; im dritten jahre überfielen ihn bösartige blattern Dahlmann gesch. d. franz. revolution 173;

bisz das den menschen überfelt
die forcht desz todts
Hans Sachs 1, 395 Keller;

am weynacht abend in der still,
ein tieffer schlaff mich uberfiel kathol. kirchenl. 1, 367 Bäumker;

forcht, schrecken, angst unnd hertzenleyd,
endtlich der todt zur bösen zeit
uns plötzlich überfallen evangel. kirchenl. 1, 144 Fischer-Tümpel;

der mäszige wird öfters kalt genannt
von menschen, die sich warm vor andern glauben,
weil sie die hitze fliegend überfällt
Göthe I 10, 153 (Tasso 1223);

wie wird ihm erst, da in so wilden gründen ...
zuletzt die nacht ihn überfiel!
Wieland 5, 8 (Oberon 1, 14);

mich überfällt ein schauer. laszt uns fliehen!
Uhland ged. 169.


part. präs. in attribut. function ungewöhnlich: mit dem begriff der einbrechenden, überfallenden nacht liesze sich leicht die vorstellung eines geräusches verknüpfen J. Grimm kl. schr. 2, 407;

bist du geneigter zu glauben, ein überfallender unsinn
habe dich wachend entzückt
Wieland I 2, 54.


β) passiv gewendet: (weibespersonen,) welche ... plötzlich von der geburtsstunde überfallen worden Thomasius gedancken u. erinn. 1, 61; wo sie (die fliege) von der nacht überfallen wird, da findet sie ... eine lagerstelle Wieland Lucian 4, 469; am 4. august wurde die entkräftete von einem ... blutsturz überfallen schr. d. Göthe-gesellschaft 6, 91; eine windstille, von der wir ... überfallen wurden G. Forster 2, 4;

der eine schaut dem andern in's gesicht,
und alle sind von staunen überfallen
Gries Bojardo's verliebter Roland 1, 344.


γ) unpersönlich: nun überfiel es mich so, dasz ich die feder liegen lassen muszte Caroline 2, 108 Waitz; sie sah, wie mich's überfiel Hölderlin 2, 149; uns ... überfällt es heisz und kalt Raabe Horacker 26; bleiern überfiel es ihn da Ompteda Sylvester von Geyer5 1, 301.
δ) jem. mit etwas überfallen: und ob ihn (den christen) gleich das irdische fleisch ... mit einer gewissen falschen lust überfället Böhme schr. (1620) 4, 77; so man ihn (den wein) unmässig trinckt, verletzt er den leib und überfellet ihn mit grosser kranckheit Agricola bergwerckb. (1621) 16. passiv: mit kranckheit begriffen oder überfallen werden, intercipi morbo Frisius dict. 719a; sie stellete sich, als würde sie mit einem schlagflusz überfallen polit. maulaffe (1679) 12; wenn ein bergmann mit kranckheit überfallen wird Herttwig bergbuch (1734) 247b; unser kranckheit und dürfftigkeit, damit wir alle ... überfallen sein Luther 11, 471 Weim.; so der gebrechen vor handen, und das kind damit überfallen ist Gäbelkover artzneibuch 2, 123; mit geschäften beladen und überfallen sein Frisius dict. 227b; mit arbeit überfallen sein Schönsleder prompt. a. a. o.; Stieler 423.
3) angreifen. verengt aus 2: ich überfall, impetum facio in aliquem Alberus (1540) Yiiijb; occupo, invado, vi teneo, einnehmen, überfallen Garthius 513b; die feind in irem läger .... uberfallen Maaler 442b; impetere Schönsleder prompt. a. a. o.; eine stadt ü., invadere urbem Dentzler clavis ling. lat. 294; der Türcken künig ... die stat überfiele Arigo decam. 117, 31 Keller; wenn ich weyb und kind, haus und gesind habe ... und eyn dieb oder mörder uberfiele mich Luther 18, 390 Weim.; die feindt ... besorgten er wölt sie überfallen Carbach Livius 42a; hertzog Hermann ... überfiel die statt Straszburg, zerstört sie gar Tschudi chron. Helvet. 1, 2; sie (die Normänner) stiegen in den

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flüszen ans land, überfielen die wehrlosen dörfer Haller Alfred 3; beide Doria werden in ihren pallästen überfallen Schiller 3, 97; mörder überfielen mich maler Müller 3, 238; der geistliche herr ist heute nacht überfallen und ... ermordet worden Ebner-Eschenbach 5, 8;

er überfiel in wüstheit meinen vater,
voll speis', in seiner sünden mayenblüthe Shakespeare 3, 267.


mit etwas: wir sy mit gewapenter hant überfallen wöllen Arigo decam. 319, 26 Keller; er uberfule sie mit der kreutzstangen ... so dobend ..., dasz er sie niderschlachtet wie die schwein Fischart geschichtklitterung 324 neudr.; den feind mit reutern und knechten uberfallen nachtbüchlein (1559) 119 Bolte; andere wurden mit morgensternen, spiessen und anderem gewehr überfallen Bucholtz Herkuliskus (1665) 31.
subst. inf.: das überfallen, angriff, sturm Alberus (1540) a. a. o.; er ... durch eyszerlich vervolgung und findischem uberfallen die kirch hat unrüwig gemacht Hedio chron. Germ. (1530) D 5b. in der theolog. prosa des 16. jahrh. für prüfung, anfechtung: ich fall dyr hüt zu fusz und dancken dyr dynes erschrockenliches überfallens und lydens der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 116b; in dem trübsal und überfallen, das über uns gangen ist (in tribulatione et impetu) 2 Makkab. 1 a Zürcherbibel (1531).
4) über etwas hinaus fallen, nur in der jägersprache: die hirscharten überfallen einen zaun, einen weg, einen bach, wenn sie darüber wegspringen Dombrowski 8, 34a; vgl. auch Heppe (1779) 372a.
B. intransitiv: obrui. nur in der älteren sprache und formelhaft beschränkt: auf disem tag überfällt unser doctor ... mit einer schweren kranckheit Mathesius Luther (1580) 115b; sein weib überfiel mit vil kinden Agricola sprichw. (1541) 36b; gibt gott nicht kinder, so werden sie unmutig auff die weiber, wenden sich anderszwohin, da es ihnen nicht gebürt, uberfallen sie mit kindern, so ist es auch nicht recht Mercator eheteufel 1, 248a;

mein mann, mit kinden wir uberfallen,
und du heltst ubel hausz in allen
Hans Sachs 17, 145 Keller-Götze;

aber so ich gedenck darneben
der armen jungen ehleut leben,
die bald mit kinden uberfallen,
find ich in iren dingen allen
so viel der wiederwertigkeyt 5, 190 Keller.


II. in trennbarer verbindung.
A. hinüberfallen Stör 496b; ich falle über, part. übergefallen, translabor Steinbach 1, 375; Campe 5, 14a.
1) die neigung nach der rechten seite überzufallen Thär beschreibg. d. ackergeräthe 1, 24; die teller sind ... mit ... rändern versehen, um das überfallen der kohlen zu verhindern Muspratt chemie 4, 470; tödtung durch eine überfallende wand J. Grimm rechtsalterthümer4 2, 277. mundartlich: d' milch is überg'falle übergeflossen Staub-Tobler 1, 752. part. präs. überfallend für nach auszen gebogen: um den organischen schönheitssinn der Griechen ins licht zu setzen, fügen wir ... nur noch hinzu, wie naturgemäsz ... die kymatien mit blumen und überfallenden blättern ... verziert sind Vischer ästhetik 32, 290. prägnant für das hinüberfallen des obstes auf den grund des nachbars Follmann lothr. ma. 262b; vgl. auch lux. ma. 194b; Staub-Tobler a. a. o.
2) verengt: zum feind überlaufen, tot den vyand overvallen, overgaan, overloopen Kramer hochniederd. wb. (1719) 218b; vgl. auch de Vreese woordenboek 11, 2159; ein abtrünniger, der zum feind uberfället Corvinus fons lat. 368 s. v. transfuga; alles, was auszer der stadt war, zum feind überfiel fischbüchlein 181; (sie sind) so bald trünnig worden und zu dem feind übergefallen Harsdörffer gesprechsp. 1, L 4a; ey warumb wolt ihr (soldaten) dann ... entlauffen und zu dem erschröcklichen feinde uberfallen? Moscherosch ges. (1650) 1, 362; (ein kriegsfürst musz) verdächtige personen und, die vom feinde ubergefallen, unterstecken oder im fall der noth bei seit schaffen Mengering kriegsbelial (1633) 30.
3) seine rede ... von liebe zum hasz, von hasz zur liebe überging oder überfiel Hippel sämtl. werke 8, 320.
B. bedeckend über etwas herabfallen: sie liesz den schleier überfallen und ging Stifter 1, 35.

[Bd. 23, Sp. 207]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überfaller, m. angreifer, zu überfallen I A 3 (s. o.); surgentes, id est bellatores, alios vi supprimentes, auf teutsch: überfaller Luther 9, 342 Weim.; die überfaller der armen Agricola sprichw. 30; der überfaller könnte nur ein bienenhaus aufregen Jahn 2, 966.
 
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überfällig, adj.
1) residuus, superfluus, überflüssig Diefenbach nov. gloss. 317b.
2) zu fällig, solvendus (s. o. th. 3 sp. 1288): nicht zur rechten zeit eingetroffen: folgende dampfer sind zur zeit überfällig tägl. rundschau 1899 nr. 43, Gb.
 
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überfallung, f.
1) überfall, invasio, superventus Dentzler clavis ling. lat. 294b; die wirtzburgische arglistige überfallung ist jedermann bewist Nas das antipap. eins und hundert 4, 217a; also in sollicher ... uberfallung kam der abt durch hilf der seinen ... der statt ausz Knebel chron. v. Kaisheim 464; damit auch land und stedte von uberfallung ... besser möchten beschirmet sein Schütz hist. rer. Prussic. 4, Ee 4a; Cäsar auch bey überfallung der stadt Dyrrhachium gewaltig den kürtzern zog Lohenstein Arminius 2, 39b; dasz diesem ... getreuen lande ... unversehens gefährlichkeit und andere ein- und überfallung begegnen könne acta publica 5, 173 Palm.
2) zu überfallen I A 2 (s. o.): bey denen galantesten zusammenkünften, als schmäussen, gastgeboten, hochzeiten, verlöbnissen, kindtaufen, überfallungen Leipziger aventurier 2, 97.
 
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überfalten, v. kreuzen. trennb. verbindung:

o! wie so oft bei'm schweigsamen
sterben des tags, des leeren,
gesenkt den blitzenden augenstrahl,
die arme übergefaltet,
stand er
Göthe I 3, 207 Weim.


 
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überfältig, adj. vielfältig, vielfach: waverr er nun uf überfeltige beschehne warnungen nit abstanden werde Zimm. chron. 2, 153, 9.
 
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überfalzen, v. ringsum mit einer falze verzieren (handwerkerausdr.) Jacobsson 4, 465b.
 
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überfang, m.
1) umfang Lexer handwb. 2, 1671.
2) invasio, prevaricatio, ahd. ubarfang Graff 3, 411; prägnant: übergriff auf fremden grund, correptio alieni. belege aus der älteren rechtsprosa (13.—16. jahrh.) bei Lexer a. a. o.; Schmeller 1, 730; Staub-Tobler 1, 855.
3) eine verdauungskrankheit des viehs Schmeller a. a. o., schon ahd., vgl. Steinmeyer kl. ahd. denkm. (1916) LXIV 1, 6 und p. 369; nach Höfler krankheitnamenb. das verschlucken (verfangen s. d.) bei mensch und thier.
4) aus 1 entwickelt: (in der glasschleiferei) die äuszere farbige glasschichte Müller-Mothes 951a s. v. überfangglas.

 

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