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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übererben bis überfahr (Bd. 23, Sp. 194 bis 195)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übererben, v. vererben: auf welche Adams und Evas schicksal übererbt zu sein scheint B. Goltz ein jugendleben 2, 395; eingelebte, einfache, übererbte lebensformen ebd. 3, 115.
 
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übererfahrung, f., in der philos. prosa: wissen, das jenseits der empirie liegt: das gesammte wissen oder verstehen können wir uns denken als erfahrung und übererfahrung, sinnliches und übersinnliches Fichte nachgel. werke 1, 417. hiezu: übererfahrungsmäszig, adj. ebenda 1, 441; die annahme einer übersinnlichen und übererfahrungsmäszigen welt war für Kant selbst durch das sittliche bewusztsein begründet Windelband gesch. d. neuer. philosoph.4 2, 93.
 
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übererhaben, adj. sehr erhaben, zu erhaben: das erhabene, für uns übererhabene, höchst verehrungswerthe, doch genau besehen mit einem absurden ja infamen empirischen verbundene macht uns stutzig Göthe I 42, 2, 524 Weim.; es ist etwas so unendlich hohes und übererhabenes im innersten wesen der religion Görres 1, 165. hiezu übererhabenheit, f. (Lichtenbergs) geschmack schwankte zwischen den plattheiten Wieland's und den übererhabenheiten Milton's Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung 5, 168.
 
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übererstling, m.: sonst wird das junge schaaf bis zur ersten einwinterung lamm genannt, ... von der dritten bis zur vierten einwinterung: übererstlinge Thär grundzüge d. rat. landwirtsch. 4, 406.

[Bd. 23, Sp. 195]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übererren, v. (15. jahrh.) über die grenze hinaus ackern und dadurch den nachbar schädigen; vgl. Grimm weist. 6, 103.
 
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übererzeugung, f. überproduction. war übererzeugung, wie bei landbau, blosz überreiche ernte, so werden nur mittel nötig das überviele aufzuspeichern für mindere jahre W. Fr. Meyern hinterl. kl. schr. 1, 175.
 
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überessen, v. crapulari. part. prät. überessen (z. b. Pauli schimpf und ernst 197; Stumpf Schwytzerchron. 185b; samml. v. schausp. (1764 ff.) 6, 132 u. o.) und übergessen (z. b. Göthe, Cl. Brentano, Bettine, Tieck, Auerbach u. a.).
1) refl. sich ü., über vermögen essen Adelung 4, 749; häufig in formelhafter verbindung mit übertrinken: der sich nit uberiszt und ubertrinckt Alberus (1540) B B i jb s. v. sobrius; am feirtag sich überessen und übertrincken, bisz du es wider gibst (ist todsünde) Keisersberg narrensch. 185a. die rychen ... überassend sich ein teil und wurdend voll Zwingli deutsche schr. 1, 147. wiltu desz nachts wol ruwen, soltu desz abends dich nicht überessen Kirchhof wendunmuth 1, 150. also geschicht es disen auch, die sich uberessen und mehr zu ihn nemmen, weder sie vertawen mögen Höniger narrensch. (1574) 58a; halte dich warm mit kleidern und hüte dich vor dem lufft, auch uberesse dich nicht Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 250; welchs pferdt sich überiszt und nit wol gedeuen mag, gib im salz zu essen Albrecht roszartznei 12; wenn sich ein rosz übergessen hat und nicht wol dawen kann Walther pferde- u. viehzucht (1658) 139;

die kirche hat einen guten magen,
hat ganze länder aufgefressen,
und doch noch nie sich übergessen
Göthe I 14, 139 Weim.;

an etwas sich überessen: confeckt, doran ich mich überas, ... das ich die nacht kranck wardt Felix Platter 285; ich kann das predigen nicht vertragen, ich glaube, ich habe in meiner jugend mich daran übergessen Göthe I 42, 2, 204 Weim.; du muszt dich vom collaborator nicht irre machen lassen, der hat sich an den büchern übergessen Auerbach dorfgesch. 3, 87. am süszen überiszt man sich leicht Weinhold H. Chr. Boie 143. auch mundartlich: an dan hob i mi überass'n, er ist mir in der seele zu wider Ruckert unterfränk. ma. 186.
2) part. prät. in attributiver function: dabei schütterte ihm der bauch wie einem überessenen faun Handel-Mazzetti Jesse und Maria 1, 8.
3) substant. inf.: crapula Diefenbach 155a; indigeries 294c; intemperantia cibi Schönsleder a. a. o.; Dentzler clavis ling. lat. 294b; vgl. auch mhd. wb. 1, 759b; daʒ überessen verfellet den menschen an leybe und an sele, an gut und an ere. wan von überessen und übertrincken komment siechtage und werdent die leut blind spiegel menschlicher behaltnusze (1492) 54b; hochfart, nachrede, neyde, überessen und trunckenhayt sein ain kelch der teufel Eyb spiegel der sitten (1511) 40a; das man uberessen, ubertrincken, müsziggeen und andere ursachen der unkeuscheyt nicht gemyden hat Luther 2, 63 Weim.
 
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überetzen, v. vieh auf fremdem boden weiden lassen und dadurch dessen besitzer schädigen: der den andern ubereret, uberzunet, uberseid, ubereimet, beschediget ader uberetzet an disen gütern Grimm weistümer 6, 103.
 
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überexponieren, v. 1) im exponieren (= erklären, s. Campe verdeutschungswb. 304b) übertreffen: im französischen überparlirten und überexponierten sie manche Göthe I 20, 59 Weim. 2) in der sprache der photogr.: zu lange aussetzen, z. b. überexponierte aufnahmen müssen in einem entwickler, der wenig aceton enthält, hervorgerufen werden Muspratt chemie 7, 140.
 
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überfachen, v. cratibus claudere fluvium sicque impedire navigationem Scherz gloss. (1784) 1696; vgl. Lexer handwb. 2, 1671. zu fach, n., s. o. th. 3 sp. 1218 und Lexer a. a. o. 3, 1.
 
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überfahr, n. 1) der platz wo man überfährt. vgl. mhd. wb. 3, 250b; Lexer 2, 1671; portus Diefenbach 449a; Frischlin nomenclator (1591) 460; trajectus Dentzler clavis ling. lat. (1716) 294b; s. o. fahr, n., portus th. 3 sp. 1244. beleg aus dem 17. jahrh. bei Staub-Tobler 1, 887; in der schriftsprache durch überfahrt, f.

[Bd. 23, Sp. 196]


(s. d.) und überfuhr, f. (s. d.) ersetzt. neben neutralem gebrauch auch fem. (mhd. wb. a. a. o.) und masc.: das meer so das euxinisch genennet wird, streckt sich vom meotischen bisz an den kurtzen überfahr in Thraciam Calepinus undecim ling. (1598) onom. 236b; ist auch hernach alle zeit ein vernampter pasz und überfar des Bodensees Stumpf Schwytzerchron. (1606) 391a. 2) als nomen actionis: Caius der keiser hat das ort Baias und Puteolos mit einer brucken zusammengefügt ... darnach mit seinen wägen ein überfare gemacht Petrarca hülf, trost u. rat (1559) 85b.

 

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