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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übereitel bis überenzig (Bd. 23, Sp. 192 bis 193)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übereitel, adj. u. adv. supervacuus Scherz gloss. 1700; Diefenbach 223a s. v. falangis; steigernd zu eitel: in übereitler frewd und trauren puch der himl. offenb. d. heil. Brigitta (1502) 4, 75 —
 
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übereitelkeit, f., D. v. Liliencron 3, 188.
 
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überelbisch, adj. transalbinus, wofür heute ostelbisch. Hederich (1729) 2400; die rückgabe der überelbischen länder M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 2, 603; überelbische colonisation Nitzsch deutsche studien (1879) 50; im überelbischen Sachsen Eichhorn deutsche staats- u. rechtsgesch.3 (1821) 1, 344.
 
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überelementisch, adj. überirdisch, geistig, im gegensatz zum körperlich-physischen: nun hat aber der mensch ein uberelementischen leib auch in ihm Paracelsus opera (1616) 2, 400 Huser; da man allezeit in solchem wachsen des lebens 1. eine elementische, ... und dann 2. eine überelementische und sternische kraft verstehet Böhme schr. (1620) 4, 62.
 
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übereltern, pl. groszeltern, ahnen. in der älteren rechtsprosa, s. Jablonski (1721) 805b; Krünitz 192, 220; vgl. hiezu übereltervater: der eltervater oder übereltervater des Adolphi Joh. Petersen chron. (1557) 75.

[Bd. 23, Sp. 193]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überempfindlich, adj. u. adv. sehr oder zu empfindlich: der mensch darf nicht bei jeder leisesten unsanften berührung die fühlhörner einziehen, wie ein schüchternes überempfindliches käferlein E. Th. A. Hoffmann 8, 8 Grisebach; die katholische geistlichkeit ist in Wien jetzt überempfindlich Hebbel briefe 5, 67. hiezu überempfindlichkeit, f., gesteigerte empfindlichkeit gegen den reiz der fremdstoffe Rosenthal thierische immunität 135; sodann wie das adj. in weiterer verwendung: das zu wenig, das Grillparzer an willen besasz, tritt nun in noch grellere beleuchtung, wenn man seine überempfindlichkeit und übererregbarkeit gegenüber den eindrücken der auszenwelt ins auge faszt jahrb. d. Grillparzergesellschaft 4, 40.
 
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überende, adverbiell. präpositionalverbindung aus über ende: auf das ende gestellt, aufrecht. der gebrauch ist landschaftlich auf den norden des sprachgebietes beschränkt, vgl. de Vreese woordenboek 11, 1684 f. ü. stehen, to stand up an end Ludwig teutsch-engl. wb. (1765) 1785; över ende kamen, sich aufrichten Stürenburg (1857) 163a; överende setten, stehend machen Richey 179; sick äöwerenn' int bett upprichten Danneil 9a; (betten,) in welchen keine krancke lagen, stunden überend aufgerichtet Olearius vermehrte reisebeschr. (1696) 91. in weiterer verwendung: he kann noch nicht överende wesen, er kann noch nicht vom bette sein Richey idiot. a. a. o.
 
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überengel, m., steigernd zu engel: der pabst zeigte sich ... im schyn eines engels, ja überengels quelle bei Staub-Tobler 1, 333.
 
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überengelheit, f., spontane wortbildung zu überengel:

fragstu was menschheit sey? ich sage dir bereit:
es ist, mit einem wort, die überengelheit
Silesius cherubin. wandersm. 44 neudr.


 
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überenglisch, adj. 1) die engel übertreffend, mhd. überengelisch Lexer 2, 1613; die überengelische krafft und herlikeit Christi Karlstadt von dem priestertum D 1a. 2) sich über die engel erstreckend: der vater hat die ... überenglische, übermenschliche, richterliche macht dem sohne gottes gegeben Dannhawer catechismusmilch 5, 1309.
 
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überenzig, adj. u. adv. superfluus. formen: überenzig, -einzig, -inzig, -unzig, -enz. ein wort unsicherer herkunft. Schmeller 1, 118 schwankt in der erklärung zwischen ableitung aus überrinnen und suffixableitung überenzen, dem verbalsuffix, das in bockenzen, faulenzen, wildenzen usw. vorliegt (s. o. th. 3, sp. 677, ferner die sammlungen von Kluge und Rother in zs. f. d. wortf. 6, 40 ff.; 14, 219 ff.) und eine in ihrer bedeutung geschlossene gruppe von verben bildet. er führt es aber auch als intensivbildung zu übrig (1, 20) und als compos. zu einzig an (1, 89). als compos. von über und einzig wird das wort von Lexer handwb. 2, 1613 und bei Staub-Tobler 1, 359 erklärt. diese deutung führte schon die grammatiker des 17. jahrh. zu ihrer wortbildung übereinzig, pluralis (s. o.). doch spricht bedeutung und der vocalismus der dritten silbe dagegen. die herleitung von enzi, enz 'riese' verbietet sich aus gründen der bedeutung, gegen die anknüpfung an ende endlich spricht das fehlen einer formelhaften zusammenrückung überende (adverbiell *überendes) in einstimmender bedeutung. als intensivbildung zu übrig faszt Crecelius 2, 834 das wort. es ist schwer von faulenzen, bockenzen etc. zu trennen. innerhalb dieser sippe auf -enzen, -enzig nimmt überenzig allerdings eine isolierte stellung ein, weniger wegen fehlens eines verbums überenzen (adjectiva auf -inzig ohne verbalbildungen bei Rother a. a. o., z. b. altinzig, fettinzig, grunenzig), als durch seine bedeutung. ü. ist vom 14. jahrh. an belegt (s. Lexer a. a. o.), in den meisten wbb. obd. u. md. maa. gebucht: Schmeller a. a. o.; Staub-Tobler a. a. o.; Martin - Lienhart 1, 46; Schmidt els. wb. 365b; 369a; Fischer schwäb. wb. 2, 746: Follmann lothr. ma. (1909) 262b; lux. ma. (1906) 194b; Vilmar kurhess. idiot. 420; Crecelius a. a. o. Schmidt westerwäld. idiot. 276; Askenasy Frankfurt. ma. 99; 213; 231; Autenrieth pfälz. idiot. 143. für den osten kenne ich nur den beleg Rothers a. a. o. aus Schlesien. auf ns. gebiete ist ü. nicht bodenständig, Heynatz antibarb. 2, 488 nennt ü.

[Bd. 23, Sp. 194]


'häszliches oberdeutsch', im nd. (Wöste 192a), mnl. (overensich), nnl. (overentzig, overensig de Vreese woordenb. 11, 1686) ist es lehnwort aus d. hochd.; wie die meisten bildungen auf -enzen, -enzig blieb auch ü. mundartlich. bedeutung u. gebrauch: überig, überentzig, hinderstellig furhanden Schöpper syn. h 6a; reliquus Dasypodius dict. N i i i j; superfluo Hulsius (1618) 253a; übrig Kramer (1702) 2, 1175b.
a) attributiv: also ward die überentzig zeit mit zimlichen freuden vertriben Wickram 2, 134, 25; nachdem der überentzig blunder (des zu vil in schif was) uszgeworfen ist Keisersberg schiff d. penitenz 111; ein armer landsknecht ... hette nit überäntzige kleider an Frey 57, 4; bekommt auch wol denen, so mit übereintzigem geblüt beladen sind Tabernämontanus kräuterb. 634; mit überäntzigen fasten den leib und gesundheit schwächen Dannhawer catechismusmilch (1657) 2, 141.
b) substantiviert: das überentzige, reliquum, superfluum. resto, residuo Kramer (1702) 2, 1176a; das die diener gotes ... nit allein für sich selbs fürsehen weren sunder auch etwas überentzigs hetten H. Gebweiler beschirmung d. lobs Marie (1523) 36a; von dem ubereintzigen, welches ein hauszvater sammlet und auffhebet Sebiz feldbau 135; vgl. auch Wöste a. a. o.; wolt ich ein überentzigs thun Wickram rollwagenb. kap. 272; ich will ein übereintziges thun Kirchhof wendunm. 154.
c) prädicativ: überentzig sein, überig sein, restare, superesse Emmelius N n 7b; avanzare, esser troppo Hulsius (1605) 143a; überbleiben Megiserus thes. 2, 422a; und waʒ dan überentzig were daʒ sal aber ime und sînem stiffte alleyne zusteen und zu staden komen Mainzer urk. a. 1426 bei Crecelius 2, 834; was man über statsgebühr überentzig hat Dannhawer evang. memorial (1661) 620; vgl. auch Follmann a. a. o.; ü. bleiben Eppendorf Plinius (1543) 8, 44; ü. behalten Sebiz feldbau 138; ü. lassen Schmidt westerwäld. idiot. a. a. o.
d) adverbiell zur bloszen steigerung des begriffes: über die maszen. eccesivamente Kramer (1702) a. a. o.; iwwerenzi lüeje Arnold pfingstmontag 5, 3; i. dumm, sehr dumm ebenda 1, 4. in der bedeutung 'übrigens' bei Wöste a. a. o.; Kramer a. a. o.

 

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