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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übereinanderwirbeln bis übereinkommen (Bd. 23, Sp. 182 bis 183)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übereinanderwirbeln, v., durcheinanderwirbeln: wenn vom niederstürzen die rede war, so wirbelte sie (die königin in Maffeis 'Merope') blitzschnell die arme und geballten fäuste übereinander Grillparzer 19, 222.
 
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übereinbringen, v. in einklang bringen, versöhnen: wie man die schrift mit der heiligen römischen kirchen überein bringen müsse Fischart binenkorb A 6a; und ... understund kunig Friedrich ... hertzog Berchtold ... und graf Reinolden ... zu versünen, ... und bracht sie überein also, dasz Tschudi chron. Helvet. 1, 74.
 
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übereindenken, v. gleiche denkart, gleiche gesinnung haben:

denken
auch zwei, drei nachbarn überein, und halten
in ihren gränzen ordnung; ja so schützt
gleich im gebirg' ein andrer herr die schelmen
Göthe I 11, 242 Weim.;

die mit mir überein denken, handeln wacker IV 41, 100, 22 Weim.; (hierbei) werden nun wohl die meisten leser mit mir übereindenken Thümmel reise 6, 430; ausruhestunden in gesellschaft übereindenkender freunde planmäszig anzuwenden Göthe I 40, 89, Weim.; (die abhandlung) mag als ein beispiel dienen, wie durch verbindung von übereindenkenden, in gleichem sinne fortarbeitenden das skizzen- und lückenhafte unseres entwurfs ... ergänzt werden könne II 4, 409, 16 Weim. auch übereinsdenken: ja, wenn die oberalten alle über eins dächten! Lessing 18, 364, 18; darüber scheinen wir so ziemlich mit unserm verf. übereins zu denken J. Grimm kl. schr. 4, 97.
 
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übereinen, v. in einklang bringen:

ich und der mein sein überaint,
will er nain, ich will auch so,
will er ja, so bin ich fro,
sein will sol mein will sein
Hätzlerin liederbuch 209.


 
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übereinfallen, v. zusammenstimmen, in übereinstimmung stehen: und wie mit dieser anklage mehr andere, so die seligkeit, die wissenschaft, die scharfsinnigkeit und andere moralischen tugenden der engel berühren, übereinfallen, ..., will ich (Bodmer) zu andern beschuldigungen fortgehen Bodmer abhandl. v. d. wunderbaren 57.
 
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übereingehen, v. gleichen gang haben, übereinstimmen: weist du denn gottes zeit und stunde? seine uhr gehet mit deiner nicht überein Cober cabinetprediger 1, 91; die welt im kleinen musz natürlich mit der welt im groszen und die taschenuhr mit der sonnenuhr übereingehen J. Paul 40, 100; wenn er (der redner) mit solchen worten davon redet, welche mir eben dieselben ideen erwecken, die er hat und die mit der wahrheit übereingehen, so sage ich, dasz er natürlich schreibe discourse der mahlern (1721) 1, 2.
 
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übereinhalten, v. 1) in übereinstimmung halten, wörtlich und übertragen:

so kan euch nichtsen nützer sein,
haltet beede überein
und theilet das reich unter euch
Ayrer dramen 19 (erbauung Roms);

wenn man da auszen vor dem sunde ist, so setzet man seinen cours ostnordost an, und hält den baak und die norderecke von stickscheere überein Manson seebuch 40. 2. 2) imminere Maaler 442b (s. übereinhangen).
 
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übereinhangen, v.: über ein hangen oder halden als wölle es fallen, imminere Maaler 442b; impendere Dentzler clavis ling. lat. 294b.
 
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übereinhillen, v. übereinstimmen:

zwen sind bei der gmein gebliben,
der dritt kam an den rat,
hilleten alle drei überein hist. volkslieder 4, 277 Liliencron.


 
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übereinklingen, v. gleich oder ähnlich klingen, assonieren, harmonieren: der übereinklingende ausdruck der erstern musz uns nie verleiten, auch die letztern für einerlei zu halten Lessing 6, 432, 1; beide ansichten

[Bd. 23, Sp. 183]


... wollen nicht recht mit unseren ... lebensgefühlen übereinklingen Heine 7, 296; dasz die personen bald in lang ausgeschriebenen, bald in gebrochenen übereinklingenden zeilen sprachen, war mir unerklärlich jahrb. d. Grillparzergesellschaft 3, 153. — dazu subst. übereinklang, m.: der reim ist übereinklang verschiedener wörter Bürger 341b Bohtz.
 
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übereinkommen, v. , seltener übereinskommen, das in der älteren sprache mit übereinkommen bei einzelnen schriftstellern (z. b. Aventin, Joh. Knebel, Luther, Sebiz, M. C. Schütz, Chemnitz, Megiserus, Schupp, M. J. Schmidt) frei wechselt, seit dem 19. jahrh. nur mehr mundartlich gebraucht wird (vgl. Frischbier 2, 418a; Hügel 169a; Staub-Tobler 1, 284; Follmann 262a), in der schriftsprache ungewöhnlich: also kam man übereins, einen krebs zu nehmen Grimm deutsche sagen 1, 193. über die umlautformen du kömmst, er kömmt (überein) s. o. th. 5 sp. 1629; ebendort auch über die doppelform des part. praet. (überein-)kommen (z. b. Aventin 1, 268, 6; Kirchhof wendunmuth 1, 290; Sebiz feldbau 3; Chemnitz schwed. krieg 1, 137, 2; Tschudi 1, 23 u. wbb. bis ins 18. jahrh., so noch Ludwig teutsch-engl. wb. 1785) und (überein-)gekommen, die seit dem 18. jahrh. herrschende form. die bindung mit haben für sein bleibt zu allen zeiten ungewöhnlich: also hat graf Ulrich mit seinen sünen ... überainskomen, dasz Knebel chron. v. Kaisheim 108; ähnlich Sebiz feldbau 3.
bedeutung und gebrauch:
1) zusammenfallen, sich decken: man mag osten längst derselben oede laufen, bisz dasz das Baak und das Prick von Uthön übereinskommen Manson seebuch 6; in übertragenem sinne ganz allgemein: convenire Diefenbach 148c, zusammenstimmen Emmelius sylva Tij; congruere Schönsleder prompt. B 3b; consentire Hederich 2399. vgl. auch de Vreese woordenboek 11, 676 f.
a) wie kommen dann Christus und Belial uberein? oder was theils hat der glaubig mit dem unglaubigen? Hutten opera 2, 129. es mus die zung und das hertz ubereinkomen, so gehet es recht zu Luther 19, 317 Weim.; hie sihistu, das Paulus und Lucas schier von wort zu wort ubereynkommen 8, 507 Weim.; es kommen vielmehr über ein unter sich die einbildung und der traum, dann sie beyde haben zu schaffen mit unnützen schatten und bildern der dingen Nigrinus von zäuberern, hexen etc. (1592) 120; die personalbeschreibung traf nicht sehr genau zu, aber figur, alter, farbe der haare kamen doch so leidlich überein Holtei erzähl. schr. 10, 201.
b) mit jemandem oder mit etwas übereinkommen, harmonieren: gesetze, wilche ... mit dem naturlichen rechte uwereyn quamen Wigand Gerstenberg chron. 12 Diemar; hie sol man mercken die ordnung ..., die mit der ersten und reinen kirchen gebrauch überein kompt Rätel chron. d. herzogt. Schlesien (1607) 385; politische gütigkeit kompt mit der theologischen tugend der lieb übereins Schupp schr. 754; mit unsrem urtheilen ist es bewandt, wie mit unsern uhren. keine kömmt mit der andern just überein Bodmer samml. crit. poet. schr. 1, 51; die symphonien, die zwischen den aufzügen vorkommen, müssen theils mit dem schlusse des vorhergehenden aufzuges, theils aber mit dem anfange des folgenden aufzuges übereinkommen Lessing 9, 291; der merker gab fleiszig acht, ob das lied sowohl mit dem inhalte der schrift als auch mit Luthers reiner sprache übereinkomme Gervinus gesch. d. deutsch. dicht. 2, 248.
ähnlich sein, gleich sein: die heutige ordnung derselben (der buchstaben) kömt gänzlich überein mit der ordnung der lateinischen lettern Bellin hochd. rechtschrbg. (1657) 2; die unterredung eines alten juristen mit seinem sohn kommen ... ziemlich mit den Rabnerischen satyren überein Nicolai literaturbr. 10, 197; die farben des spectrums erscheinen entweder, in sofern sie mit der farbe des papiers übereinkommen, mächtiger und schöner, oder, in sofern sie der farbe des papiers widersprechen, unscheinbarer und undeutlicher Göthe II 2, 206 Weim.
temporal zum ausdrucke zeitlichen zusammenfalls: es ist nicht wahr, dasz die blüte der wissenschaften mit dem verfall der sitten übereinkomme Haller tagebuch 1, 112.

[Bd. 23, Sp. 184]



c) in etwas übereinkommen: ja sie kompt darzu noch in vilen stucken mit des Mahomets Alcoran und der türckischen religion überein Fischart binenkorb (1588) 53b; (das relativum) kömmet mit dem vorhergehenden selbstendigen nenworte überein in gleichem geschlechte und gleicher zahl Gueintz deutsch. sprachlehre entwurf (1641) 99; darin kommen die zeugnisse der alten alle überein, das Sophokles ... zum feldherrn sei ernennet worden Lessing 8, 357; kleine städte kommen in gewissen hauptzügen alle mit einander überein Zimmermann ü. d. einsamkeit 3, 260; daher kann es auch nicht fehlen, dasz er (der realist) mit dem ächten idealisten in dem endlichen resultat übereinkommen wird Schiller 10, 522; das ripuarische gesetzbuch kommt in absicht seines inhaltes und des styles mit der lex salica fast durchgängig überein Eichhorn deutsche staats- u. rechtsgesch.3 (1821) 1, 117.
d) seltener an etwas übereinkommen: es kömmt dieses (thier) an gestalt und grösze mit dem marder ziemlich überein Göchhausen notabilia venatoris (1741) 58; ein groszes portal, mit dem das gebäude an grösze nicht übereinkömmt Ramler einl. in die schön. wissensch. 3, 226.
e) part. präs. übereinkommend adjectivisch und adverbiell: concordante, correspondente Kramer (1678) 1067; congruenter Hederich a. a. o.; versuch einer begrifflichen abgrenzung gegen angemessen, anpassend, gemäsz bei Heynatz syn. 1, 149a; mit den sachen übereinkommende worte Leibniz deutsche schr. 2, 387; der mit den grundsätzen des christenthums nicht übereinkommenden meinungen anitzo zu schweigen Triller poet. betracht. (1750) 1, 394.
2) verengt: einig werden. schon mhd., vgl. mhd. wb. 1, 902a; mit einem einig und zufrieden werden Stör 496a; dorften nit zam kumen, das si sich der sach veraint hieten und uberains wären kumen Aventin 1, 268, 6; die substantialpuncten des instruments, worin man ... schier leichter und ehe als in den curialien und tituln übereins kommen Chemnitz schwed. krieg 4, 1, 76a;

zwei hund an einem bein'
kommen selten überein Reinsberg-Düringsfeld 2, 756;

wir habens allbereit vernommen,
das ihr nicht uber ein könt kommen
Hayneccius Hans Pfriem (1582) 38 neudr.


einig sein, einer meinung sein Schwartzenbach syn (1571) 8b; assentiri alicui Schönsleder a. a. o.; übel übereinkommen. zweiträchtig, uneins sein, disconvenire Maaler 442a; daryn komen sie uber eyns, das ym sacrament schlecht brod und weyn sey, aber warumb und was grund das so seyn musse, sind sie gar uneyns Luther 19, 120 Weim.; dise alle kommen in dem wol überein, dasz sie helfen unser königreich zwyträchtig zu machen Fischart discours (1589) B 2b;

jetzunder wollen wir es mit der that probiren,
wem dieses rosz und dam' am meisten wird gebühren,
wiewol ich gantz mit dir in dem komm überein,
dasz kein ding in der welt so schön, als sie, kan sein
D. v. d. Werder rasender Roland (1636) 26;

darin kommen wir alle überein, dasz der mensch das thun solle, was wir alle gut nennen Göthe I 37, 249 Weim.; unser ganzes wissen läuft endlich, wie alle weltweisen übereinkommen, auf eine conventionelle täuschung hinaus Schiller 4, 52; alle kamen darin überein, dasz in den zügen seines (des fremden) antlitzes etwas verworrenes liege E. Th. A. Hoffmann 11, 104 Grisebach.
3) aus 2 entwickelt: eine vereinbarung treffen, einen beschlusz fassen; inire Diefenbach 299a; pacisci Dasypodius dict. N i i i j; tädingen Maaler a. a. o.; pactionem facere Emmelius a. a. o.; si seyn überainskommen inter eos convenit Schönsleder a. a. o.; Dentzler 294b; vgl. auch Diefenbach-Wülcker 879; khoment über ain mit uns, das uns der gelt, den wir ... ehmaln gehabt haben, von in widerkhert wirdt quelle (a. 1337) bei Lori bergrecht 10; wir bruder Borghardt von Wobeke treszeler sin oberein komen mit Niclus Glywitz burgere zu Dirssow und haben im vormit das wasser vier jar Marienb. treszlerb. 44, 14; da kamen die kunig über ein das Maximus tzu orient faren solt der heiligen leben,

[Bd. 23, Sp. 185]


sommerteil (1472) 9b; wir Deutsche sollten wenigstens unter uns übereinkommen, wie wir arabische und persische worte schreiben Herder 20, 306; der capellmeister ... kommt mit ihnen bei zeiten überein wie die tempi's genommen werden sollen Göthe IV 28, 16 Weim.; wir kamen überein uns nicht von einander zu trennen Schiller 4, 197: man kam überein ... mit geistlichkeit und adel in verbindung zu treten Dahlmann gesch. d. franz. revolution (1845) 195;

morgens tags als die sonn herschein,
kam die geselschaft uberain
mittags zu Schletstatt auszuspannen
Fischart glückh. schiff 29 v. 1016 neudr.;

so würd meins dünkens nützlich sein,
dasz man in dem komm überein,
wie man doch die rebellisch leut ...
gütlich vertrage mit der kron
Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 364.


in der älteren sprache mit gen., vgl. mhd. wb. a. a. o.; bei welerlei pein ader busse sie des obereinquemen (a. 1444) lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 2, 261; wir die landtlüt von Schwitz kündend ... dasz wir mit gutem rat und mit vollkommnem willen desz überein sind kommen Tschudi chron. Helv. 1, 189;

man musz aber dencken dabey,
ob nicht er und der vatter sein
seind dessen kommen über ein
Ayrer dramen 320.


in der neueren sprache über etwas: als ... die Lithuaner mit den Polacken über der wahl nicht freundlich überein köndten kommen Nigrinus von zäuberern etc. (1592) 128; sie kamen in dieser versammlung über die abschaffung der fremden sprachen überein Lenz 2, 330 Tieck; über jede neue auflage werden wir besonders übereinkommen jahrbuch der Grillparzergesellsch. 1, 199; part. prät. übereingekommen, vereinbart: durch übereingekommne, allgemein bekannte zeichen Klinger 6, 62.
4) aus 2 erwachsend: ins klare kommen, fertig werden mit etwas Staub-Tobler a. a. o.; euphem. für coire: das weib und mann sollen und müssen übereinkommen Nas das antipap. eins und hundert 3, 111a;

Dyna des Jacobs tochter fein,
kompt balt mit Sichem uberein.
vorleust irn jungfrawlichen krantz
Musculus hosenteuffel 5 neudr.

 

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