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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übereinander bis übereinanderhalten (Bd. 23, Sp. 178 bis 179)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übereinander, adv. aufeinander, eines über dem anderen, durcheinander. zusammenrückung aus über präp. u. einander (s. d. th. 3, sp. 144). flectierte formen vereinzelt: die hand überein anderen legen Maaler 442a; vgl. auch Dentzler clavis ling. lat. 294b; wortaccent in der schriftsprache stets, in den mundarten meist auf 4. silbe (oft mit völligem schwund der 3.), selten auf erster (Hunziker 268). der fünfsilbige wortcomplex erleidet in den maa. vielfach lauteinbusze: ubirnander Luther 7, 580 Weim.; überenandere Hunziker a. a. o.; iwerenonner, iwernanner Follmann lothr. ma. 263b; iwerenâner, lux. ma. 194a; ewərnant Martin - Lienhart 1, 9; überannd Hügel Wiener dial. 169a.
1) l'uno sopra l'altro Kramer (1678) 1067b; und wenn ihr euch auch sechs noch ältere eisenmützen übereinander aufstülptet Fouqué altsächs. bildersaal 4, 8; vier kleine buben, sämmtlich in troddelmützen und drei kamisöler übereinander Droste-Hülshoff 2, 321.
das gemach musz drei grosze runde lichtlöcher übereinander haben Harsdörffer gesprechspiele 3, 176; ein flüszchen, das ... in drei fällen übereinander, herabstürzt G. Forster 5, 93; zwei fensterreihen übereinander O. Ludwig 2, 305; wir wohnen übereinander, we live one over the other Hilpert (1845) 635b.
2) erweitert: glomeratim Steinbach 1, 25; in confusion, out of order Ludwig teutsch-engl. wb. (1765) 1785; s. auch o. th. 3, sp. 144. welches ich kurtz vor der messe, so zu sagen, in eil übereinander ausgeschüttet polit. maulaffe (1679) vorrede; (die kurpfuscher) nehmen baumöl und thun allerhand forbichte wasser übereinander mediz. maulaffe (1719) 284; die ausdrücke maler, schwan, schwanenorden, Leda, Solitude, Gethsemane, ziehen so bunt an seinem ohr übereinander weg, dasz ihm schwindelte Gutzkow ritter vom geist 1, 353; so hab ich (der tod) mit den gelehrten dieser welt kein respect, ... sondern nimm Catones, Marones, Platones, ... untereinander, übereinander Abr. a S. Clara mercks Wien 89; da französische philosophen über einige anscheinende sonderbarkeiten in der thierischen und menschlichen natur, alles so über und untereinander geworfen Herder 5, 34; die jüngste katastrophe hatte alles in einem groszen gemeinsamen

[Bd. 23, Sp. 179]


jammer über und untereinander geworfen Häusser deutsche gesch. 3, 204, 7; in beiden bedeutungen (1 und 2) verbindet sich übereinander mit vielen verben zu trennbarer composition (s. u.).
3) landschaftlich bilden sich sonderbedeutungen aus: übereinander sein, in feindschaft leben Hügel Wien. dial. 169a; ü. haben, z. b. die hand, verrenkt haben Martin-Lienhart 1, 9; temporal: iwerenanner sin se kumm, rasch nacheinander sind sie gekommen Follmann lothr. ma. 263b; hiezu vgl. übereinander = häufig Kirsch (1723) 298a; (s. auch u. übereinandergehen 2). zur verstärkung beim nomen: du bursch übereinand'! Nestroy 1, 37.
4) als composition erscheinen: übereinanderbeiszen, v., aufeinander, zusammenbeiszen: Humbrecht beiszt die zähne übereinander H. L. Wagner theaterstücke (1779) 112; mit übereinandergebissenen lippen Gutzkow 5, 356. —
 
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übereinanderblatten, v., (handwerkerspr.) zwei hölzer an der kreuzungsstelle so verbinden, dasz sie die dicke eines holzes haben, vgl. Jacobsson 4, 465a; Krünitz 192, 216. —
 
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übereinanderdrängen, v., zusammen-, durcheinanderdrängen, auch bildlich: es drängt sich soviel übereinander Göthe IV 22, 152 Weim. hierzu: übereinanderdrängung, f., Göthe II 1, 249 Weim.
 
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übereinanderdrücken, v.: die excellenz lag in dem wagen, die arme übereinandergedrückt Gutzkow ritter vom geist 5, 363. —
 
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übereinanderfallen, v., superincidere, supercorruere Kirsch (1723) 298a; durchstepp das säcklein, dasz die kräutter nicht übereinander fallen mögen Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 39; die gipfel des Apenninischen geburges wären übereinander gefallen Lohenstein Arminius 1, 58b. —
 
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übereinanderfügen, v., aufeinanderfügen: übereinandergefügte lappen Bayer studien 10 (bibl d. schr. a. Böhmen). —
 
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übereinanderführen, v., decken.
 
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übereinanderführung, f., deckung: übereinanderführung des violetten saums und gelbrothen randes bei prismatischen versuchen Göthe II 1, 280 Weim.
 
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übereinandergehen, v. 1) sich überdecken: dieses wamms geht vorn nicht weit genug übereinander, this doublet does not lap over far enough Hilpert (1845) 635b; die schürze bunt oder weisz, hinten übereinandergehend O. Ludwig 2, 516; 2) temporal: ablaufen, verlaufen: wenn mir künftig einer von ihnen schreibt, so bitte ich um lebendetails, wie der tag übereinander geht Varnhagen Rahel (1834) 2, 597. —
 
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übereinandergreifen, v.: (die beiden häute) greifen mit schiefen rändern in einer art von schuppennaht übereinander Sömmerring v. bau d. menschl. körpers 6, 320; substantiviert: so wird man das völlige übereinandergreifen des violetten saums und des rothen randes bewirken Göthe II 1, 136 Weim.
 
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übereinanderhalten, v. 1) zusammengepreszt, geschlossen halten: darunter wäre ich zu merklichem schaden gerathen, derwegen hielt ich das maul übereinander und litt was ich konnte Schweinichen denkwürd. 95. 2) intransitiv: eine schupe klebet an der andern, das nit ein luft dazwischen geht, denn sie halten ubirnander, das kein geist gottes in sie kummen kan Luther 7, 580 Weim. 3) congruere inter se Kirsch (1723) 298a; overeenkomen Kramer deutsch-holl. wb. (1787) 466a. —

 

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