Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überdunsten bis übereignen (Bd. 23, Sp. 168 bis 169)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überdunsten, überdünsten, v., trennbare (in bedeutung 3) und untrennbare verb.: 1) mit dunst bedecken: o, überdünste meine augen, gelehrsamkeit! Klinger theater 4, 135; tafeln die bisher ... eigennutz und selbstsucht überdünstet und verdunkelt hätten werke 6, 318. 2) (eine speise) oberflächlich oder nochmals im dunst schmoren. 3) in dunstform von einem ort zu einem anderen übergehen. metaphorisch: was von physischer kraft aus den landen unserer väter zu uns übergedunstet sein mag, ist durch schöne wissenschaften ... so verdünnet, dasz ich nichts davon reden mag Lavater physiogn. fragm. 1, 171.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
überdurchschnittlich, adj. u. adv.: die ernteaussichten (sind) noch überdurchschnittlich tägl. rundschau 19. aug. 1897 B. sp. 3; über- und unterdurchschnittliches alter ebda. 1903 nr. 59 hauptbl. 2a; überdurchschnittlich begabt Ostwald grosze männer (1910) 3;
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
überdürr, adj., sehr dürr:

du überdürrer neid, so wage dich an mich
Schirmer poet. rosengepüsche (1650) 173.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
überdurst, m., groszer durst:

er speye lästerung von meinem grosze geitze,
der blosz darinn besteht, dasz ich nicht schwelgen kan,
und keinen überdurst zu groszen gläsern reitze vernünft. tadlerinnen 2, 55;

der wein, den man über den durst trinkt: das soll mein letzter rausch sein ... einen schluck für den durst darf man trinken, aber nicht mehr. komm her, letzter überdurst Auerbach dorfgesch. 2, 212; überdurstig, adj., sehr durstig. hier hielt ein überdurstiger den offnen mund unter den wasserstrahl Liliencron 3, 3.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übereck, adv. , schief. zusammenrückung der präp. über mit eck, ecke (s. o. über c. acc. 1, ε). vereinzelt dreisilbig: überecke Tscherning (1642) 308; sehr häufig adverbialer gen.: überecks, in den mundarten z. b. Staub-Tobler 1, 158; Hunziker 268; Martin-Lienhart 1, 27; Hügel Wiener dial. 169a; Schmidt westerwäld. idiot. 275; Ruckert unterfränk. ma. 185; Kleemann nordthüring. idiot. 3a; auch schriftsprachlich: Heynatz antib. (1796) 2, 488.
1) über die ecke hin, diagonal Jacobsson 4, 465; Adelung lehrgeb. 2, 41; Bucher 415a; ein überecks durchschnittenes viereck Heynatz a. a. o.; übereck gestellte felder in der wapenkunst Jablonski (1721) 805b; die schulter mit übereck gestellten ... quadraten ... bemalt Furtwängler vasenbeschrbg. (1885) 27. hierzu: die übereckstellung, f., Vischer ästhetik 32, 316.
2) der bildliche gebrauch führt wie bei anderen richtungsbegriffen z. b. über quer, überzwerch und auch schlimm, schief zu weiterer verwendung: in seinem hause geht es übereck, every thing goes on very queer Hilpert (1845) 635b; es gieng so toll und bund über eck her, das mir gleichsam das hertz im leib lachte Grimmelshausen vogelnest 373, 31 (s. oben th. 2, sp. 529); es war nichts übereck in der leichenrede Hippel kreuz- und querzüge 1, 572; auf überecks kommen für 'in streit gerathen' nach auf gleich kommen: dasz ich deinetweg' mit dem bauer auf überecks bin gekommen, dasselb' macht mir gar nichts Rosegger 13, 235.
adjectivische weiterbildung: überecksig verkehrt, linkisch Martin-Lienhart a. a. o.; Follmann lothr. ma. 262a; Askenasy Frankf. ma. 231.

[Bd. 23, Sp. 169]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überedel, adj., sehr edel. mhd. überedel Lexer 2, 1613; nl. overedel. das seind die überedeln menschen. die selben geen über alle ding ordentlich und adelich in disen edeln weingarten Tauler sermones (1508) 25a; jener lahme bettelt umb ein almusen, erlanget aber das bessere die überedle gesundheit Dannhawer catechismusmilch 7, 72;

nun grüne fort, und mit dir auch
der überedle rautenstrauch,
der uns erhält das leben
Opitz opera (1690) 1, 83;

der gebrauch bleibt beschränkt, so dasz Lessing das wort als neuschöpfung empfindet, vgl.: verstärke das beywort edel nach art der Griechen und sage überedel. ich weisz zwar wohl, überedel ist ein neues wort Lessing 1, 363.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übereggen, v., über den acker hin eggen, nochmals eggen. nl. overggen. untrennbare verb.; einen acker übereggen Frisius dict. 702b: nach dem einpflügen des samens wird das übereggen der rauhen oberfläche nothwendig Schwerz pract. ackerbau 348; übereggen der winterungssaat Thaer grundzüge der rat. landwirthsch. 1, 139.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übereifer, m., zu groszer eifer. nl. overijver. übereifer taugt nicht! Rosegger III 8, 334; auch schadete der übereifer, den ... die ausführenden organe entwickelten Prutz pr. gesch. 3, 313; religiöser übereifer Laube 15, 209; vaterländischer übereifer Treitschke deutsche gesch. im 19. jh. 4, 433.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übereifern, v., ereifern. untrennbare verb.; reflexiv: ihro gnaden übereifern sich nicht Holberg dän. schaubühne 1, 413.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übereifrig, adj. und adv., sehr eifrig, zu eifrig. nl. overijverig. erst im 19. jahrh. allgemeiner gebraucht, attributiv bei concreten und subst. actionis, prädicativ, substantiviert und adverbiell: überhaupt ist es geschichtlich unrichtig, wenn man Dante als einen übereifrigen, leidenschaftlich erregten Ghibellinen zeichnet Döllinger academ. vorträge 1, 109; das schimpfen und fluchen welches übereifrigen gutsbeamten eigentümlich ist Polenz Grabenhäger 1, 352; das muster, das er im Wilhelm Meister gab, fand übereifrige weiterbildung schr. d. Göthegesellschaft 14, vorr. 49; welches die veranlassung zu diesem ... übereifrigen angriffe ... gewesen sein mag ... wünschen wir ... nicht zu untersuchen R. Wagner 8, 227; Molleville, anfangs übereifrig in des königs dienst, sah sich zur flucht genöthigt Dahlmann gesch. d. frz. revol. 135; alterthümelnde liebhabereien übereifriger Freytag 14, 289; 'o — dann!' rief Nathanael übereifrig Ebner - Eschenbach 2, 54.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übereignen, v. ,
1) zueignen. untrennbare verb.; in der juristischen prosa für proprietatem fundi in alium transferre, vgl. Haltaus (1758) 1813, hier auch beleg aus der rechtsprosa des 16. jahrh.; diese wiese, übereignete mein groszohm Otto der dritte ... der stadt Köln zu ewigem besitze Alexis Woldemar 2, 126; der erzbischof hat sich anheischig gemacht, die ihm übereigneten besitzthümer binnen einem jahr ... zurückzugeben Ranke 25, 16; unter vorbehalt der väterlichen rechte war das gut ihr übereignet worden Storm 6, 135; von da aus allgemein: denen er so ein liebes kleinod übereignet und schenket Birken fortsetz. der Pegnitzschäferey (1645) 57;

stellt in einem wasserkruge
den waldblumenstrausz, den vorher
Gisela ihr übereignet,
auf die tafel
Wolff landsknecht v. Cochem 23.


2) im 17. jahrh. allgemein für widmen: einem seine arbeit heiligen, widmen; ... übereignen Treuer Dädalus (1675) 1, 237; solche (schrift) e. gestr. und meinem groszgünstigen herren zu schuzze und gewiszem unterpfande treuer dienstfehrigkeit übereignen wollen Butschky hochd. kanz. 182; als habe ich ... es nicht entfernen dörfen, ... dis ... büchlein der ... jungen herrschaft ... zu übereignen Aitinger jagd- und weidbüchlein (1681) 2a.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: