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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überdulden bis übereifer (Bd. 23, Sp. 167 bis 169)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überdulden, v., ertragen, erdulden: mnd. overdulden. untrennbare verb.: einen kleinen mutwillen überdulden und stillschweigen, damit das übel nicht ärger werde Moscherosch ges. 2 (1666), 560; ich kann's nicht überdulden. du siehst ja, das kann kein weib überdulden Schiller 2, 200; (das martyrium) wurde mehr ein resignierendes ausdauern, ein beharrliches überdulden, ein lebenslängliches sterben Heine 3, 421.
 
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überdüngen, v. , untrennbare verb.:
1) mit dünger den acker bedecken Jacobsson (1784) 4, 465a; to top-dress a field Hilpert (1845) 635b; (man musz den meerrettig) mit alten kühmist überdüngen haushalt.-lex. 2, 296b; ein philister, der auf einer von verdauten würzkräutern überdüngten kuhweide philosophirt hatte Brentano 5, 393; metaphorisch: Frankreich, das fast 2000 jahre lang von germanischem und romanischem blute überdüngte Keltenland H. Grimm 15 essays (1874) 68. subst. inf.: es gehören 80 körbe (rusz) zum überdüngen eines hektars Schwerz pract. ackerbau 45.
2) zu viel düngen Jacobsson a. a. o.; dieses blumenbeet ist überdüngt worden this flowerbed is dunged too

[Bd. 23, Sp. 168]


much Hilpert a. a. o.; gut ding sol man gut lassen bleiben, und nit zu gut machen, noch den acker überdüngen Franck sprichwört. (1541) 2, 82a; hierzu überdüngung, f., in beiden bedeutungen: 1) schweinemist, zur überdüngung der saaten angewendet Schwerz pract. ackerbau 53; 2) man findet häufig gegen zu starke düngung oder überdüngung gewarnt Thaer grundz. d. rat. landwirthsch. 2, 199.
 
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überdunkeln, v., verdunkeln, mit dunkelheit bedecken, untrennbare verb.: es waren sorgenvolle (gedanken), seltener von hoffnung angeschimmert, als von argwohn überdunkelt Ludwig 1, 178; und endlich überdunkelte den erschöpften wirklich ein unruhiger, traumvoller schlaf die jahreszeiten 3, 23 Fouqué;

heilige religion der vernunft, dich,
hätt' überdunkelt pfaffennacht
Voss ged. 3, 226.


 
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überdunsten, überdünsten, v., trennbare (in bedeutung 3) und untrennbare verb.: 1) mit dunst bedecken: o, überdünste meine augen, gelehrsamkeit! Klinger theater 4, 135; tafeln die bisher ... eigennutz und selbstsucht überdünstet und verdunkelt hätten werke 6, 318. 2) (eine speise) oberflächlich oder nochmals im dunst schmoren. 3) in dunstform von einem ort zu einem anderen übergehen. metaphorisch: was von physischer kraft aus den landen unserer väter zu uns übergedunstet sein mag, ist durch schöne wissenschaften ... so verdünnet, dasz ich nichts davon reden mag Lavater physiogn. fragm. 1, 171.
 
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überdurchschnittlich, adj. u. adv.: die ernteaussichten (sind) noch überdurchschnittlich tägl. rundschau 19. aug. 1897 B. sp. 3; über- und unterdurchschnittliches alter ebda. 1903 nr. 59 hauptbl. 2a; überdurchschnittlich begabt Ostwald grosze männer (1910) 3;
 
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überdürr, adj., sehr dürr:

du überdürrer neid, so wage dich an mich
Schirmer poet. rosengepüsche (1650) 173.


 
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überdurst, m., groszer durst:

er speye lästerung von meinem grosze geitze,
der blosz darinn besteht, dasz ich nicht schwelgen kan,
und keinen überdurst zu groszen gläsern reitze vernünft. tadlerinnen 2, 55;

der wein, den man über den durst trinkt: das soll mein letzter rausch sein ... einen schluck für den durst darf man trinken, aber nicht mehr. komm her, letzter überdurst Auerbach dorfgesch. 2, 212; überdurstig, adj., sehr durstig. hier hielt ein überdurstiger den offnen mund unter den wasserstrahl Liliencron 3, 3.
 
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übereck, adv. , schief. zusammenrückung der präp. über mit eck, ecke (s. o. über c. acc. 1, ε). vereinzelt dreisilbig: überecke Tscherning (1642) 308; sehr häufig adverbialer gen.: überecks, in den mundarten z. b. Staub-Tobler 1, 158; Hunziker 268; Martin-Lienhart 1, 27; Hügel Wiener dial. 169a; Schmidt westerwäld. idiot. 275; Ruckert unterfränk. ma. 185; Kleemann nordthüring. idiot. 3a; auch schriftsprachlich: Heynatz antib. (1796) 2, 488.
1) über die ecke hin, diagonal Jacobsson 4, 465; Adelung lehrgeb. 2, 41; Bucher 415a; ein überecks durchschnittenes viereck Heynatz a. a. o.; übereck gestellte felder in der wapenkunst Jablonski (1721) 805b; die schulter mit übereck gestellten ... quadraten ... bemalt Furtwängler vasenbeschrbg. (1885) 27. hierzu: die übereckstellung, f., Vischer ästhetik 32, 316.
2) der bildliche gebrauch führt wie bei anderen richtungsbegriffen z. b. über quer, überzwerch und auch schlimm, schief zu weiterer verwendung: in seinem hause geht es übereck, every thing goes on very queer Hilpert (1845) 635b; es gieng so toll und bund über eck her, das mir gleichsam das hertz im leib lachte Grimmelshausen vogelnest 373, 31 (s. oben th. 2, sp. 529); es war nichts übereck in der leichenrede Hippel kreuz- und querzüge 1, 572; auf überecks kommen für 'in streit gerathen' nach auf gleich kommen: dasz ich deinetweg' mit dem bauer auf überecks bin gekommen, dasselb' macht mir gar nichts Rosegger 13, 235.
adjectivische weiterbildung: überecksig verkehrt, linkisch Martin-Lienhart a. a. o.; Follmann lothr. ma. 262a; Askenasy Frankf. ma. 231.

[Bd. 23, Sp. 169]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überedel, adj., sehr edel. mhd. überedel Lexer 2, 1613; nl. overedel. das seind die überedeln menschen. die selben geen über alle ding ordentlich und adelich in disen edeln weingarten Tauler sermones (1508) 25a; jener lahme bettelt umb ein almusen, erlanget aber das bessere die überedle gesundheit Dannhawer catechismusmilch 7, 72;

nun grüne fort, und mit dir auch
der überedle rautenstrauch,
der uns erhält das leben
Opitz opera (1690) 1, 83;

der gebrauch bleibt beschränkt, so dasz Lessing das wort als neuschöpfung empfindet, vgl.: verstärke das beywort edel nach art der Griechen und sage überedel. ich weisz zwar wohl, überedel ist ein neues wort Lessing 1, 363.
 
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übereggen, v., über den acker hin eggen, nochmals eggen. nl. overggen. untrennbare verb.; einen acker übereggen Frisius dict. 702b: nach dem einpflügen des samens wird das übereggen der rauhen oberfläche nothwendig Schwerz pract. ackerbau 348; übereggen der winterungssaat Thaer grundzüge der rat. landwirthsch. 1, 139.
 
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übereifer, m., zu groszer eifer. nl. overijver. übereifer taugt nicht! Rosegger III 8, 334; auch schadete der übereifer, den ... die ausführenden organe entwickelten Prutz pr. gesch. 3, 313; religiöser übereifer Laube 15, 209; vaterländischer übereifer Treitschke deutsche gesch. im 19. jh. 4, 433.

 

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