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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überdrüssig bis übereck (Bd. 23, Sp. 164 bis 168)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überdrüssig, adj. , fastidiosus. mnd. overdrotich. wie überdrusz (s. o.) erst seit dem 15. jahrh. belegt. mhd. wird ur-drütze, vereinzelt urdriuʒe und urdrützec gebraucht. im älteren nhd. verdrängt das präfix über- rasch die mhd. compos. mit ur-. die einfache ja-ableitung überdrüsze ist im 16. jahrh. noch ziemlich häufig und findet sich dialectisch bis in die gegenwart: ja wir werdens (das evangelium) überdrusz und schlahens in wind Luther 32, 305, 24 Weim.; das du deines stands solt überdrus, unlustig und ungedultig werden 342, 376, 11 Weim.; wir aller creaturen, müde, satt und überdrusz werden Agricola 750 teutscher sprichwörter (1534) A 4a;

ich bin der. ehren satt, der ämpter überdrusz!
Gryphius trauersp. 523;

iwerdriese, iwrdrése Albrecht Leipz. ma. 226a; ewwerdrîse Jecht Mansfeld. 20b.

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bedeutung und gebrauch:
1) pertaesus Garthius 566a; müd, satt Kramer hochniederd. wb. (1719) 218a; dégoûté, ennuyé Frisch dict.2 (1719) 566; fastidiosus, satiatus Hederich (1729) 2399; körperliche und geistige übersättigung bezeichnend; allgemein.
a) meist prädicativ mit gen.:
α) eines dings überdrüszig werden, fastidire Kramer (1678) 1067a; ich werd überdrüssig, colligo taedium Alberus (1540) gg ija;

vert het wir guten süszen most,
visch, vögl, gensz und ander kost
ganz wolfeil und gar überflüszig,
das wir sein wurden überdrüssig
Hans Sachs 11, 381, 33 Keller;

hüttet euch, das ir diser kunst nicht überdrüssig werdet Luther 29, 386, 3 Weim.; das sprichwort vermanet, wie jederman der alten, unnützen leute ... bald überdrüssig wirt Agricola 750 teutsch. sprichw. H 4a; das die frau dieser buler gantz überdrüszig warde nachtbüchlein (1559) 295; gottes wort oder der reinen lere wird man bald überdrüszig Mathesius Sarepta 107a; o weh fraw, wie seyt jhr mein so bald überdrüszig worden buch der liebe 160a; solcher unzimlichen groszen tyranney ... wurden die unterthanen ... überdrüszig Schütz hist. rer. Prussic. (1592) 1, B 1b; man des himlischen manna auch überdrüszig ... wird Rollenhagen froschmeuseler (1595) B 2b; ich muthmassete ..., dasz er unwillig und meiner überdrüssig worden Simplicissimus 112 Kögel; und es eckelt einem für diesen nicht so bald, als man eines schönen antlitzes überdrüszig wird Lohenstein Arminius 1, 157a; der kunig ward des abts klagen müd und überdrüszig Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 72; sie hört gar nicht auf, lustig zu seyn, und man wird dieses so überdrüszig Joh. E. Schlegel 5, 435; ich werd ihrer (der gesellschaft) von tag zu tag überdrüsziger Miller briefw. dreier ak. fr. (1778) 1, 269; wenn du's so heftig treibst, wirst du es bald überdrüszig werden Göthe 18, 42, 8 Weim.; solch eines allgemeinen, oft wiederholten singsangs wird man bald überdrüszig Hegel 102, 238; ein paarmal ist dies interessant, aber täglich wiederkehrend wird man's doch leicht überdrüszig Pückler briefwechsel 3, 243; minister Falk wurde seiner stellung überdrüszig Bismarck gedank. u. erinnergn. 2, 188 volksausgabe.
β) überdrüszig seyn, gravari Kirsch (1723) 298a; eyn iglicher ist seynes wesens überdrüszig und süfftzet nach eynsz andern Luther 101, 1, 314 Weim.; wir ... sind des ... worts gottes ... eckel und überdrüssig Dedekind christl. ritter (1590) A 3a; sintemahl die Polen des kriegs überdrüszig Chemnitz schwed. krieg 1, 16, 2; solches triebe ich bisz ich desz handels müd, satt und überdrüszig war Grimmelshausen vogelnest 4, 620, 21 Keller; da ich dieses elenden lebens ganz überdrüszig war Bucholtz Herkuliskus (1665) 65; (weil) ich dieser abscheulichen arth ein stücklein brods zu verdienen, überdrüszig bin mediz. maulaffe (1719) 126; und wissen sie, dasz ich endlich ihres schimpflichen betragens überdrüszig bin? Lessing 2, 115, 2; man ward aber des beständigen singens mit der zeit überdrüszig Gottsched crit. dichtkunst (1751) 603; (die anachoreten) waren in der tugend noch schwach, und des klosterlebens überdrüszig Zimmermann über die einsamkeit 1, 235; die leute wollen mir nichts mehr geben, weil sie der lieder überdrüszig sind Immermann 3, 14;

tugend, die ist niemals müszig, ...
nie der arbeit überdrüszig
Fleming ged. 1, 82;

der welt ich überdrüszig bin,
sehn mich nur nach dem himmel hin! Fischer - Tümpel evangelisches kirchenlied 3, 14;

so strömet hin ihr bäche meines bluts,
denn überdrüszig bin ich dieser sonne
Schiller 13, 271;

in der apposition: so lebet, so stirbt der wilde, satt aber nicht überdrüszig der einfachen vergnügen, die ihm seine sinne gaben Herder 13, 297; meiner selbst und des lebens überdrüszig, steckt' ich mich in diese kleider Göthe 11, 169, 28 Weim.; als Holland und Seeland, der tirannei Philipp des zweiten überdrüszig, sich unter die oberherrschaft der Elisabeth begeben wollten Schiller 4, 97; die ritter, des vergeblichen suchens überdrüszig Arnim 2, 297.

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b) häufig mit abhängigem inf. oder objectsatz, auf den der pronominale gen. es hinweisen kann: so ihr überdrüszig wolt werden zu lesen, so höret auff Eberlin v. Günzburg 3, 189 neudr.; oder war er sonst müth und übertrüszig zu lügen Grimmelshausen vogelnest 344, 7 Keller; gleich wie ein baum, so voller frucht gewachsen, überdriszig ist zu tragen die schwere last der früchten Paracelsus opera 1, 329b; weil ich selbst überdrüszig bin, diese arbeit weiter fortzusetzen Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 252; Typhon, der bald überdrüszig ward, von der reiterey mit einem menschem zu reden Joh. E. Schlegel 3, 513; er ist überdrüszig, länger zu warten auf sein geld Holtei erzähl. schr. 18, 76; ich bin es überdrüszig, ... deinen willen zu haben theater der Deutschen 3, 388; ich bin es längst überdrüssig, dasz ich die stadtgeschäfte auch noch mit verwalten soll Tieck schr. 18, 4.

ich bit, wölst nit sein überdrüszig
dasz ich heimsuch die weiszheit dein
Hans Sachs 20, 237, 6 Keller-Götze;


c) die construction überdrüszig über, gegen, ob u. ä. bleibt zu allen zeiten ungewöhnlich, erst im 18. jahrh. tritt accusativische bindung z. b. ich bin eine sache überdrüszig häufiger auf, ohne je den gebrauchsumfang der gen.-construction zu erreichen, vgl. Heynatz handwb.3 382a und antibarb. 2, 488; wir sagen beides: ich bin des lebens müde und das leben müde, des handels überdrüszig und den handel überdrüszig J. Grimm kl. schr. 7, 81.
α) zur selbigen zeit fieng der herr an überdrüszig zu werden über Israel 2 kön. 10, 32; über das himelbrot überdrüszig Luther 25, 443, 12 Weim.; wie die Juden in der wüsten ob dem täglichen manna überdrüszig worden br. 2, 393; wenn man in der historien überdrüszig wird, so sucht man das, so die welt ansihet 16, 69, 25 Weim.; ich bin mir selbst überdrüszig worden buch der liebe 171a; so freudig aber die Römer den keyser aufgenommen: so überdrüszig waren sie ihm nun mehro, als der könig Robertus alle zufuhr abgeschnitten hatte Hahn staats-, reichs- u. kayserhistorien (1721) 5, 292, 8; diesen will ich ... strafen, ..., bis ich überdrüszig an seinen qualen, den freund und könig räche Klinger werke 1, 242; nichts macht so überdrüszig gegen das leben, als die last eines solchen ehejoches Holtei erzähl. schr. 3, 55.
β) wir sind das beständige manna überdrüszig Dieter zu 4 Mos. 21, 5; ich war auch solch leben so überdrüszig, als wenn ichs mit löffeln gefressen hätte Reuter Schelmuffsky 96 neudr.; sie wurden mich überdrüszig Rabener 3, 192; das schlimmste aber ist, dasz ihr das eine so wohl als das andre überdrüszig werdet Lessing 2, 286, 10; ich bin den einsamen berg wirklich ein biszchen überdrüszig Thümmel reise 2, 192; bald ward ich das tägliche schmausen im Bollmanschen hause überdrüszig Bahrdt gesch. s. lebens 2, 29; ein spielzeug, das man überdrüszig geworden ist Heyse dram. dicht. (1896) 30, 83; die farce war ich lang überdrüszig Ludwig 3, 525.
2) ohne gen.-, acc.- oder präpositionalergänzung: übersättigt, unmuthig, verdrieszlich. der absolute gebrauch steht hinter der verwendung von überdrüszig mit ergänzungsbestimmung sehr zurück.
a) prädicativ: nu hat er (gott) euch mit vielen beraten, sehet zu, das ihr nicht überdrüszig und undanckbar erfunden werdet Luther 23, 15, 21 Weim.; (der teufel) unterstehets sich warlich, das er dich überdrüszig mache und dich also vom wort bringe 32, 65, 9 Weim.; die welt ist überdrüszig und ist ihr art, dasz sie weder mangel noch überflusz leiden kann br. 4, 308; item, Christus ist auch nit allzeyt gleych süsz und senfft gewesen. er wart ettwan tzornig und überdrüszig, da er die Juden ausz dem tempel treib 101, 1, 447, 9 Weim.; so werden sie drüber verstürtzt, heben an, an der gantzen lehr zu zweiffeln, werden überdrüszig und zornig drüber Flacius von wahren und falschen mitteldingen P 3a; durch öftere wiederholung geringer sachen würde der leser überdrüszig gemacht Rätel chron. d. herzogth. Schlesien (1607) 295; fürsten und herren haben viel zu thun, sehen sie eine lange schrift, werden sie überdrüszig und laszen die sache ligen Reinicke Fuchs (1650) 316; ein bedienter sey from und fleiszig, hat er nicht seinen verdienten lohn, wird er überdrüszig Treuer Dädalus 1, 186; Hutten

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ging überdrüszig von Köln nach Frankfurt Herder 16, 275; (die töne) machen zuletzt überdrüszig, schläfrig 12, 177; blasz, überdrüszig kam er (lord Byron) von da als junger lord ins oberhaus Laube 8, 360; jemand, den die dornigten wege, die ich ihn geführt habe, unwillig und überdrüszig gemacht haben Kant 3, 296 Hartenstein.
b) attributiv: darumb sollen wir Christen nicht solche schendliche, überdrüszige, undanckbare klüglinge sein, sondern die propheten mit ernst und nutz lesen Luther vorr. auf d. proph: 7, 335 Bindseil; das sind die überdrüszigen hohen geister, die zu bald gelert sind 29, 422, 16 Weim.; er wil nicht haben die überdrüszigen, ekeln, satsamen seelen, sondern die hungerigen und durstigen, die sich drumb dringen und reiszen 302, 599, 5 Weim.
3) beschwerlich, molestus Dentzler clavis ling. lat. 294a: hie wollen wyr eyn weyle stillhalten, das nit werde das buch zu grosz und überdrüszig zu lesen Luther 101, 1, 728, 6 Weim.; alle andere compagnie ... jhr überdrüszig und zuwieder ware theatrum amoris (1626) 8; das ist die edle, zarthe natur, die überdrüszige hure Luther 342, 167, 18 Weim.; es gibt mit wenigen kohlen eine anmutige wärme und bisweilen eine überdrüszige hitze an den leib, dasz man darbei schwitzen kann Olearius pers. reise 291;

hab zehnmal weggeworfnes ich benagt
und fortgeleiert überdrüsz'ge weise
Droste-Hülshoff 1, 95.

unnütz, überflüssig: es scheint, es sei eine sehr überdrüszige mühe, nach der tausendsten (reisebeschreibung) noch die tausend und erste herauszugeben Hauff 2, 375, 5;

ich will mein überdrüszigs leben,
statt der prinzessin, euch ergeben
Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 379.


 
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überdrüssigkeit, f., dass. wie überdrusz; weariness Ludwig teutsch-engl. wb. 1765; der teuffel treibet die hertzen mit überdrüszigkeit wider von einander Musculus eheteuffel, im theatr. diabol. 1, 243a; was aber ausz überdrüszigkeit und faulheit unterlassen wird, das ist zumal strafwirdig Arnd Thomas a Kempis übers. (1631) 23.
 
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überduften, v. , untrennbare verb.:
1) an wohlgeruch übertreffen: ein apfelbaum, der mein feinstes königspulver überduftet E. Th. A. Hoffmann 10, 82 Grisebach;

wie wäre doch, was einen ganzen lenz
von rosen überstrahlt und überduftet,
gefahrlos ohne wagnisz zu erringen?
Raupach dram. werke ernster gatt. 14, 39;

mir überduftet die rosen
das veilchen am bachesrand
Gutzkow 1, 263.


2) mit wohlgeruch überdecken: auf einem von rosmarin und hundert andern würzigen kräutern überdufteten boden Matthisson 8, 247; ich habe wohl oft gesehen, wie die blätter und blumen noch jetzt die einsame stätte überschatten und überduften Fouqué zauberring 1, 64;

sie kam an meinen hügel hin,
sah, wie ein strauch voll rosen ihn
mit blüthen überduftet
Miller ged. (1783) 50.


 
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überdulden, v., ertragen, erdulden: mnd. overdulden. untrennbare verb.: einen kleinen mutwillen überdulden und stillschweigen, damit das übel nicht ärger werde Moscherosch ges. 2 (1666), 560; ich kann's nicht überdulden. du siehst ja, das kann kein weib überdulden Schiller 2, 200; (das martyrium) wurde mehr ein resignierendes ausdauern, ein beharrliches überdulden, ein lebenslängliches sterben Heine 3, 421.
 
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überdüngen, v. , untrennbare verb.:
1) mit dünger den acker bedecken Jacobsson (1784) 4, 465a; to top-dress a field Hilpert (1845) 635b; (man musz den meerrettig) mit alten kühmist überdüngen haushalt.-lex. 2, 296b; ein philister, der auf einer von verdauten würzkräutern überdüngten kuhweide philosophirt hatte Brentano 5, 393; metaphorisch: Frankreich, das fast 2000 jahre lang von germanischem und romanischem blute überdüngte Keltenland H. Grimm 15 essays (1874) 68. subst. inf.: es gehören 80 körbe (rusz) zum überdüngen eines hektars Schwerz pract. ackerbau 45.
2) zu viel düngen Jacobsson a. a. o.; dieses blumenbeet ist überdüngt worden this flowerbed is dunged too

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much Hilpert a. a. o.; gut ding sol man gut lassen bleiben, und nit zu gut machen, noch den acker überdüngen Franck sprichwört. (1541) 2, 82a; hierzu überdüngung, f., in beiden bedeutungen: 1) schweinemist, zur überdüngung der saaten angewendet Schwerz pract. ackerbau 53; 2) man findet häufig gegen zu starke düngung oder überdüngung gewarnt Thaer grundz. d. rat. landwirthsch. 2, 199.
 
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überdunkeln, v., verdunkeln, mit dunkelheit bedecken, untrennbare verb.: es waren sorgenvolle (gedanken), seltener von hoffnung angeschimmert, als von argwohn überdunkelt Ludwig 1, 178; und endlich überdunkelte den erschöpften wirklich ein unruhiger, traumvoller schlaf die jahreszeiten 3, 23 Fouqué;

heilige religion der vernunft, dich,
hätt' überdunkelt pfaffennacht
Voss ged. 3, 226.


 
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überdunsten, überdünsten, v., trennbare (in bedeutung 3) und untrennbare verb.: 1) mit dunst bedecken: o, überdünste meine augen, gelehrsamkeit! Klinger theater 4, 135; tafeln die bisher ... eigennutz und selbstsucht überdünstet und verdunkelt hätten werke 6, 318. 2) (eine speise) oberflächlich oder nochmals im dunst schmoren. 3) in dunstform von einem ort zu einem anderen übergehen. metaphorisch: was von physischer kraft aus den landen unserer väter zu uns übergedunstet sein mag, ist durch schöne wissenschaften ... so verdünnet, dasz ich nichts davon reden mag Lavater physiogn. fragm. 1, 171.
 
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überdurchschnittlich, adj. u. adv.: die ernteaussichten (sind) noch überdurchschnittlich tägl. rundschau 19. aug. 1897 B. sp. 3; über- und unterdurchschnittliches alter ebda. 1903 nr. 59 hauptbl. 2a; überdurchschnittlich begabt Ostwald grosze männer (1910) 3;
 
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überdürr, adj., sehr dürr:

du überdürrer neid, so wage dich an mich
Schirmer poet. rosengepüsche (1650) 173.


 
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überdurst, m., groszer durst:

er speye lästerung von meinem grosze geitze,
der blosz darinn besteht, dasz ich nicht schwelgen kan,
und keinen überdurst zu groszen gläsern reitze vernünft. tadlerinnen 2, 55;

der wein, den man über den durst trinkt: das soll mein letzter rausch sein ... einen schluck für den durst darf man trinken, aber nicht mehr. komm her, letzter überdurst Auerbach dorfgesch. 2, 212; überdurstig, adj., sehr durstig. hier hielt ein überdurstiger den offnen mund unter den wasserstrahl Liliencron 3, 3.
 
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übereck, adv. , schief. zusammenrückung der präp. über mit eck, ecke (s. o. über c. acc. 1, ε). vereinzelt dreisilbig: überecke Tscherning (1642) 308; sehr häufig adverbialer gen.: überecks, in den mundarten z. b. Staub-Tobler 1, 158; Hunziker 268; Martin-Lienhart 1, 27; Hügel Wiener dial. 169a; Schmidt westerwäld. idiot. 275; Ruckert unterfränk. ma. 185; Kleemann nordthüring. idiot. 3a; auch schriftsprachlich: Heynatz antib. (1796) 2, 488.
1) über die ecke hin, diagonal Jacobsson 4, 465; Adelung lehrgeb. 2, 41; Bucher 415a; ein überecks durchschnittenes viereck Heynatz a. a. o.; übereck gestellte felder in der wapenkunst Jablonski (1721) 805b; die schulter mit übereck gestellten ... quadraten ... bemalt Furtwängler vasenbeschrbg. (1885) 27. hierzu: die übereckstellung, f., Vischer ästhetik 32, 316.
2) der bildliche gebrauch führt wie bei anderen richtungsbegriffen z. b. über quer, überzwerch und auch schlimm, schief zu weiterer verwendung: in seinem hause geht es übereck, every thing goes on very queer Hilpert (1845) 635b; es gieng so toll und bund über eck her, das mir gleichsam das hertz im leib lachte Grimmelshausen vogelnest 373, 31 (s. oben th. 2, sp. 529); es war nichts übereck in der leichenrede Hippel kreuz- und querzüge 1, 572; auf überecks kommen für 'in streit gerathen' nach auf gleich kommen: dasz ich deinetweg' mit dem bauer auf überecks bin gekommen, dasselb' macht mir gar nichts Rosegger 13, 235.
adjectivische weiterbildung: überecksig verkehrt, linkisch Martin-Lienhart a. a. o.; Follmann lothr. ma. 262a; Askenasy Frankf. ma. 231.

 

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