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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überdräuen bis überdrücken (Bd. 23, Sp. 161 bis 162)
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[Bd. 23, Sp. 161]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überdräuen, überdrohen, v.
1) minando persuadere, einschüchtern: ob aber ja jemand sich über drewen liesze und ... seiner rasenden oberkeit, zu willen würde Luther 303, 412, 11 Weim.; er zog unversehends den Tencteris ins land und überdrewete sie, das sie sich von Anseburen sonderten C. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 38b; die blutdurstigen kleger ... betrotzten und übertroweten den weltlichen richter mit des keisers ungenade Mathesius fastenpred. 87b.
2) von oben herab bedrohen:

die quell entschäumt der klippe,
mit funken blasz bestreut,
vom alten baumgerippe
romantisch überdräut
Matthisson 1, 136;

geschürzter lippe, überdroht
von aufgezogner braune schwärzen
Immermann 13, 164.


 
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überdrehen, v. , nl. overdraaien. trennbare u. untrennbare verb.
1) hinüberdrehen (präfixbetont, vgl. Campe 5, 11): die kleinen fähren, worin man sich selbst überdreht (durch drehen über den flusz schafft) Matthisson 6, 235; fachausdruck i. d. färberei: das tuch durch eine winde aus einem kessel in den andern hinüber winden Jacobsson 4, 465a.
2) zu viel drehen, verdrehen (mit dem ton auf der stammsilbe): ist das schlosz verdorben, oder überdrehet? Petrasch lustsp. 1, 698; vgl. auch Schmidt-Petersen 9a s. v. wərdrei.
3) mit windungen bedecken: fingerhut zum goldspinnen ist ein von eilffenbein rundlänglicher offener, und mit lauter ringlein überdreheter überzug des fingers Amaranthes frauenz.-lex. 543.
 
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überdreist, adj., zu dreist: wie ein gebiszner wolf ..., höchstens auf ein verirrtes oder überdreistes stück der heerde ... hoffend Fouqué bildersaal 2, 3; diese überdreiste anspielung fiel wie ein donnerschlag in die gesellschaft Laube 3, 196.
 
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überdreschen, v. , untrennbare verb.: ich überdresche, part. überdroschen Steinbach 1, 292; vereinzelt übergedroschen (Matthisson).
1) oberflächlich dreschen: wann das korn alles in der scheuer (ist), werden die zerrissenen garben, ... überdroschen ... und aufgehoben Hohberg georgica curiosa 2, 52; man legt ein halb schock garben an, ohne solche auf zu binden, überdrischt die ähren und thut die garben wieder auf die seite. da durch erlangt man die vollkommendsten und reifsten körner allgem. haushalt.-lex. 3, 622.
2) bildlich durcharbeiten: in diesem bande offenbart sich nicht eine spur von originalität, alles wurde schon hundertmal übergedroschen Matthisson 5, 270.
3) peinigen, quälen (s. o. dreschen 7 th. 2, sp. 1403):

der schimpff ist mir entschliffen
und all mein fräd erloschen,
wann mich hat überdroschen
verlangen und verdriesz
Hätzlerin liederbuch 132.


4) obscön: cum aliqua concumbere (s. o. dreschen 9 a. a. o.):

Rudleyn du leyst auch selten alain
du pist ein posz hurrenpain.
ich khen auch wol etlich knaben,
dy dich übertroschen haben fastnachtsp. nachlese 252, 27.


5) für zu viel essen Scherffer bei Drechsler 95.
6) refl. sich überdreschen, to knock on's self up by threshing Hilpert 635a.
 
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überdringen, v. , nl. overdringen. dasselbe wie überdrängen. trennbare und untrennbare verbindung. bezügl. der tenuis übertringen s. o. überdrang.
1) opprimere Maaler (1561) 447b; ich überdringe part. überdrungen Steinbach 1, 302; (jeder soll) haben ainen guten drämel, di lut ze maystern, domit nyemand nit überdrungen werde städtechron. 22, 407; und was der haiden als vil, dasz sy dasz ysrahelisch volck überdrungend und machotend ir vil wund historienbib. 341 Merzdorf; alle kriegsanschläg ligen allein am geschütz, wann ein hauffen den andern mit der mennig der büchsen überdringt Fronsperger kriegsb. 1, 3;

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welche der todt doch all bezwang.
ihr sterck und gwalt er überdrang
Hans Sachs 7, 431, 29 Keller;

in diser nacht,
da tugent und frombkeit gantz ligen überdrungen
Weckherlin ged. 2, 329.

überragen, übertreffen: seine lengd die zinnen der statmaur Rome übertrang Aymon (1535) a 3a; absolut: die übermacht haben: diese zween vers klagen das, das die wider die gründliche lere der rechten warheit leren, allzeit überdringen und mehr geachtet sind und zuhörer haben, denn die recht fromen Luther auslegung des 3. buszpsalm 1, 29a.
überraschen:

ach liebe fraw, schlaufft on sorg,
ich hoff, das uns nit überdring der liechte morg
Hätzlerin liederbuch 20.


überwältigen:

warum wird mir an deinem halse so bang?
wenn sonst von deinen worten, deinen blicken
ein ganzer himmel mich überdrang
Göthe Faust 4489 Weim.


2) jemandem etwas aufdrängen: sie faren jn rauch an, sprechen er hab gleichen bann verdient, der jn solchen esel (zum bischofe zu Bamberg) übertrungen hab Franck deutsche chron. (1539) 141b.
3) in trennbarer verbindung hinüberdringen: lang eingeschlossene seufzer und veraltete thränen drangen jetzt aus dem geöffneten mutterherzen in das fremde weiche über J. Paul 7/10, 49.
 
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überdrohen, v., s. DWB überdräuen.
 
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überdröhnen, v., dröhnend übertönen, untrennbare verb.: aber der sturm verwehte, der donner überdröhnte ihre stimme Anzengruber dorfgänge 2, 247;

lasz deinen ruf: 'die republik!' die glocken überdröhnen
Freiligrath 3, 174.


 
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überdrossen, adj., soviel wie überdrüszig: der predigt sat und überdrossen werden Luther 6, 212.
 
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überdruck, m., nl. overdruk. 1) luftdruck auf eine fläche nach abzug des atmosphärischen gegendrucks Stenzel seemsp. 432a; sobald das manometer auf ... 1 atm. überdruck gestiegen ist Muspratt chemie 3, 190. hierzu überdruckturbine, f., überdruckventil, n., u. a. 2) aufdruck, vgl. Bucher 415a; eine ... methode ... gründet sich darauf, dasselbe muster durch überdruck geeigneter substanzen in verschiedenen farben darzustellen Muspratt chemie 3, 464. 3) in der älteren buchdruckersprache für nachdruck Klenz druckerspr. 165a.
 
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überdrucken, v., nl. overdrukken. trennbare und untrennbare (s. u. 2) verb. 1) bedrucken, zu überdruck 2 (s. d.): wenn man ... das gewebe mit einer ... lösung von citronensäure ... überdruckt Muspratt chemie 3, 433. 2) bücher über eine bestimmte anzahl hinaus drucken: es soll einigermaszen mit auf die anzahl der pränumeranten gesehen, und nur wenige exemplare übergedruckt werden neuest. aus d. anmuth. gelehrsamkeit (1751) 1, 449; vgl. auch woordenb. 11, 1697.
 
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überdrücken, v. , trennbare (s. u. 3) und untrennbare verb.
1) bedrücken, beschweren: dasz das (scheiden) meine sinne so gefangen hat, mein herz so überdrückt, meine sprache so beklemmt Klinger theater 4, 143.
2) überdauern, überwinden: so der erste just übertruket wirt, so wirt es lihter Suso 370.
3) auf etwas drücken, stülpen: der steinschneider musz alsdenn das übergedrückte glas abnehmen, und ihnen die gehörige form geben Sulzer theorie d. schön. künste 3, 656.

 

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