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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überdies bis überdrehen (Bd. 23, Sp. 158 bis 161)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überdies, adv., praeterea. zusammenrückung aus über präp. (s. o.) und dies. die ältere sprache verwendet in gleicher bedeutung über das. bis ins 17. jahrh. ist die getrennte schreibung über dies die regel: über disz, weyter, praeter hoc Maaler 441c; dasz ich im gestanden bin, und über diesz dasz ich in nit verachtet hab Boltz Terenz (1539) 38a; ist ferners und über disz sehr unbillich ... dasz diese seele ... getödtet werde Amadis

[Bd. 23, Sp. 159]


1, 27; nu hat der butter über disz ... auch noch sein eignen sulphur Thurneiszer alchymia (1583) 8; man hette ihnen auch über diesz die bürgerrechte versaget acta publica 1, 64 Palm; über disz unterwarf er alles der willkühr des bürgermeisters Lohenstein Arminius 2, 947a; im 18. jahrh. ist die zusammenrückung zu einem wort überwiegender graphischer brauch; aber stets: über dieses (z. b. Kramer hochniederd. wb. (1719) 217c; ich habe über dieses eine vermuthung Lessing 6, 294). wer sie (die arbeit) aber nicht gewohnt ist und sich überdies zu gut dafür hält, den musz sie sehr hart ankommen Meyr erz. aus d. Ries 1, 72; es war nicht im mindesten kalt, überdies trug ich meine ganze garderobe auf dem leibe Moltke schr. u. denkw. 4, 39;

wer nicht hat, soll auch überdisz,
was er noch hat verlieren
Günther ged. (1735) 33;

er ist ein ganz erbärmlicher mensch,
ein schelm und überdiesz ein narr
Göthe 12, 128, 213 Weim.


 
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überdisputieren, v., in der disputation besiegen: under andrem sagt er, wen er by dem Zwinglin were, er welte in mit drien worten überdisputieren Th. Platter 41; sie sagten und überdisputirten auch die andere, solches zu glauben Grimmelshausen vogelnest 621, 33 Keller.
 
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überdölpeln, v., s. u. DWB übertölpeln.
 
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überdon, m., sudarium, schweisztuch, sargtuch. mhd. überdon swm. und stm. mhd. wb. 1, 381a; zu mhd. donen, sich ausdehnen v., mhd. wb. a. a. o., Lexer 1, 447; Diefenbach 548a und 564b s. v. spolium, sudarium;

die engel brâhten im ein überdon,
dâ man den lîchnamn în want Servatius 1672;

heute landschaftlich in den alpenländern noch als masc., seltener fem. geläufig, vgl. Schmeller 1, 606; Lexer kärnt. wb. 64; voran schwankt auf zwei tragstangen der mit weiszer leinwand, dem 'überdon' verhüllte sarg Rosegger 4, 168.
 
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überdonnern, v., durch donner überwinden, übertönen: ein lerm, den Jupiter nicht zu überdonnern, ... vermocht hätte Meiszner Alcibiades 4, 264; und fortwährende artilleriesalven überdonnerten den tumult Ritter erdkunde 13, 126;

was braust daher wie windesbraut
und überdonnert donners laut?
Arndt werke 5, 73;

verengt: verdönnern, durch grobe abfertigung stutzig machen, verblüffen Stürenburg (1857) 162b.
 
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überdöppeln, v., übervortheilen. zu doppeln, (betrügerisch) spielen s. o. th. 2 sp. 1268; mit umlaut im verbalstamm unter einwirkung des syn. übertölpeln (s. d.), mit dem frühzeitig eine fusion eintritt, so dasz überdöppeln, überdölpeln, übertölpeln bei oberdeutschen autoren gleichsam wie graphische varianten nebeneinanderstehen.

braucht er ein ranck, ich brauch ir zwen,
damit ich überdöppel den
Hans Sachs 5, 226, 39 Keller;

wenn sich der Simon nur nicht überdöppeln läszt und dasz wir alles kriegen, was uns gebührt! Rosegger 14, 253. überdopplieren, v., dasselbe wie DWB überdöppeln (s. d.): und jhr artzt etwas überdopplieret werdet, dieweil die artzney so gar ein lupanar worden ist Paracelsus chirurg. büch. 128 A.
 
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überdörren, v., oberflächlich oder nochmals dörren: alles obst soll bey einer gelinden wärme überdörrt werden Hohberg georgica curiosa 1, 444; der zwieback wird im ofen überdörrt tägl. rundschau (1902) nr. 113, 1. beil. 1c.
 
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überdrang, m. , oppressio. mhd. überdranc Lexer handwb. 2, 1613; bei oberdeutschen autoren des 15.—18. jahrh. häufig mit tenuis (übertrang z. b. Frisius, Maaler, Schönsleder, Stoer, Hederich, Nieremberger, Wickram, Hans Sachs, S. Franck, Fischart, Ayrer, Stumpf, Tschudi u. a.).
1) alles das wider billichs und rächt beschicht, unbill, schaden Maaler (1561) 447a; unfug, gefaar, nachteil, schad Frisius dict. 675b; oppressio Schönsleder prompt. (1647) Jii 4a; unrecht Hederich (1729) 2414; injuria Steinbach 1, 302; thet könig Mathias von Hungern mit feür und

[Bd. 23, Sp. 160]


waffen grosz überdrang und unfug dem anstoszenden landt Österreich Franck zeytb. (1531) 216a; wie er euch ... kain überdrang weder mit worten noch wercken ... auffgethan hat Schaidenreiszer Odyssea (1537) 18b; die caninichen sind so zag und forchtsam, dasz sie den ort gantz verlassen, da sie viel überdrangs und gefahr bestehen müssen Heyden Plinius (1584) 243; wo euch jemandts gewalt und übertrang zufügete Amadis 1, 279; hat dem Türken vil übertrangs angethan Stumpf Schwytzerchron. 19a; Paulus war ... ein verfolger der christlichen gemeine ... der allen überdrang den christen anthat Heinrich Müller thränen und trostquelle (1675) 82; nie hat die menschheit mehr überdrang, unrecht und gewalt erduldet Heinrich Meyer gesch. der bild. künste 3, 5;

cocodrillus, zweintzig schuch lang,
thut vieh und leuten überdrang
Hans Sachs 7, 458, 18 Keller;

man sol kein narren üben zu lang
und im zu vil thun übertrang
Murner Luther. narr 87 Kurz;

verengt: invectio, das rauch anfallen und beschelcken Maaler (1561) 447a.
2) zu heftiges andrängen: überdrang der milch: wo einer, die eins kinds genesen wäre, ein solcher haufen milch zuflosse, das si nit alle vom kind mochte verzehrt werden Wirsung artzneybuch 558; der überdrang von dickem blut suchte sie mit einer schlaglähmung heim R. H. Bartsch Haindlkinder 124; der überdrang böser gelüste Pestalozzi 6, 98; der überdrang ihres gefühles jeder überlegung zuvorkam jahrb. d. Grillparzerges. 3, 252;

er auf von seinem lager sprang
und in des herzens überdrang
die kerkerwand umfieng
Blumauer ged. (1782) 19;

aufnahm ich ihn mit meines herzens überdrang
Rückert 11, 316.


3) übermasz, überfülle jeder art: der überdrang bei euch von musicalischen productionen ... könnte einen einsiedler irre machen Göthe IV 42, 260 Weim.; bescheiden und abgemessen nahm das zartgrüne laubwerk seinen platz und liesz kaum ahnen, welcher überdrang in ihm heran wuchs Keller 1, 293.
 
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überdrängen, v.
1) bedrängen, überwältigen. untrennbare verb.: so du den lyb mit zu vil übung überladest und überdrengest Keisersberg bilgersch. 157; das christliche oberkeyt, ernstlich und empsig auffsehen sollen haben, auff witwen und andere überdrengte personen Carlstadt von abthuung der bylder (1519) Ajb; die schrecklichsten vorstellungen überdrängten seine seele Klinger werke 4, 168; die gestalten der phantasie, sie überschütteten mich mit ihrem glanze, überdrängten mich mit ihrer kraft Tieck 16, 28; es überdrängt mich von allen seiten Runge schr. 2, 109;

wo gott
ein volck lest sincken in der not,
dasz sie ir feind hart überdrenget
Hans Sachs 18, 243, 31 Keller-Götze;

meine göttin, deiner gegenwart blick
überdrängt mich wie erstes jugendglück
Göthe 16, 143 Weim.;

wie die bitterkeit verhaltnen grolles
überdrängt mich bittrer menschenhasz
Kosegarten rhapsod.2 1, 165;

part.: überdrängt, überfüllt, beschäftigt: adjectivisch und adverbiell, besonders häufig bei Göthe. überdrängt war die stadt von blessierten und kranken Göthe 33, 143, 6 Weim.; ich bin höchst überdrängt, zwar nicht von sorgen, aber doch von besorgungen IV 40, 141, 20 Weim.; der geschäftsträger ... war geschäftiger und überdrängter als nie 24, 201, 25 Weim.; das unbewuszte, desultorische der überdrängtesten augenblicke ... ist einzig 412, 117, 23 Weim.; ich darf versichern, dasz mir die letzten monate zwar nicht unruhig, aber doch sehr überdrängt vorbeygegangen IV 32, 124, 18 Weim. hierzu überdrängung, f., vexation Carlstadt von abthuung der bilder Cijb.
2) hinüberdrängen. trennbare verb., mit dem wortaccent auf dem präfix: die ancker-balcken, sind schädlich, weil, wenn der deich geleget wird, die last der erde das innere rastwerck nach auszen zu überdrenget allg. haushalt.-lexicon (1749) 1, 337b.

[Bd. 23, Sp. 161]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überdräuen, überdrohen, v.
1) minando persuadere, einschüchtern: ob aber ja jemand sich über drewen liesze und ... seiner rasenden oberkeit, zu willen würde Luther 303, 412, 11 Weim.; er zog unversehends den Tencteris ins land und überdrewete sie, das sie sich von Anseburen sonderten C. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 38b; die blutdurstigen kleger ... betrotzten und übertroweten den weltlichen richter mit des keisers ungenade Mathesius fastenpred. 87b.
2) von oben herab bedrohen:

die quell entschäumt der klippe,
mit funken blasz bestreut,
vom alten baumgerippe
romantisch überdräut
Matthisson 1, 136;

geschürzter lippe, überdroht
von aufgezogner braune schwärzen
Immermann 13, 164.


 
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überdrehen, v. , nl. overdraaien. trennbare u. untrennbare verb.
1) hinüberdrehen (präfixbetont, vgl. Campe 5, 11): die kleinen fähren, worin man sich selbst überdreht (durch drehen über den flusz schafft) Matthisson 6, 235; fachausdruck i. d. färberei: das tuch durch eine winde aus einem kessel in den andern hinüber winden Jacobsson 4, 465a.
2) zu viel drehen, verdrehen (mit dem ton auf der stammsilbe): ist das schlosz verdorben, oder überdrehet? Petrasch lustsp. 1, 698; vgl. auch Schmidt-Petersen 9a s. v. wərdrei.
3) mit windungen bedecken: fingerhut zum goldspinnen ist ein von eilffenbein rundlänglicher offener, und mit lauter ringlein überdreheter überzug des fingers Amaranthes frauenz.-lex. 543.

 

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