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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überdicht bis überdrang (Bd. 23, Sp. 158 bis 159)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überdicht, adj. und adv., zu dicht, sehr dicht. nl. overdicht. die in überdichtem, jugendlichem stande erzogenen gebirgsfichten Ratzeburg waldverderbnis 1, 215; die mannhaften männer sind ... nicht überdicht gesäet Gotthelf 7, 186.
 
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überdichten, v., umdichten: Gottfried und Wolfram überdichteten was ihnen zukam und webten aus der roh eingeführten seide glänzenden stoff Scherer kl. schr. 1, 34.
 
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überdielen, v., den boden überlegen Comenius § 551;

zimmer, mit zobeln überdielt
Lohenstein Ibr. 11.


 
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überdies, adv., praeterea. zusammenrückung aus über präp. (s. o.) und dies. die ältere sprache verwendet in gleicher bedeutung über das. bis ins 17. jahrh. ist die getrennte schreibung über dies die regel: über disz, weyter, praeter hoc Maaler 441c; dasz ich im gestanden bin, und über diesz dasz ich in nit verachtet hab Boltz Terenz (1539) 38a; ist ferners und über disz sehr unbillich ... dasz diese seele ... getödtet werde Amadis

[Bd. 23, Sp. 159]


1, 27; nu hat der butter über disz ... auch noch sein eignen sulphur Thurneiszer alchymia (1583) 8; man hette ihnen auch über diesz die bürgerrechte versaget acta publica 1, 64 Palm; über disz unterwarf er alles der willkühr des bürgermeisters Lohenstein Arminius 2, 947a; im 18. jahrh. ist die zusammenrückung zu einem wort überwiegender graphischer brauch; aber stets: über dieses (z. b. Kramer hochniederd. wb. (1719) 217c; ich habe über dieses eine vermuthung Lessing 6, 294). wer sie (die arbeit) aber nicht gewohnt ist und sich überdies zu gut dafür hält, den musz sie sehr hart ankommen Meyr erz. aus d. Ries 1, 72; es war nicht im mindesten kalt, überdies trug ich meine ganze garderobe auf dem leibe Moltke schr. u. denkw. 4, 39;

wer nicht hat, soll auch überdisz,
was er noch hat verlieren
Günther ged. (1735) 33;

er ist ein ganz erbärmlicher mensch,
ein schelm und überdiesz ein narr
Göthe 12, 128, 213 Weim.


 
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überdisputieren, v., in der disputation besiegen: under andrem sagt er, wen er by dem Zwinglin were, er welte in mit drien worten überdisputieren Th. Platter 41; sie sagten und überdisputirten auch die andere, solches zu glauben Grimmelshausen vogelnest 621, 33 Keller.
 
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überdölpeln, v., s. u. DWB übertölpeln.
 
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überdon, m., sudarium, schweisztuch, sargtuch. mhd. überdon swm. und stm. mhd. wb. 1, 381a; zu mhd. donen, sich ausdehnen v., mhd. wb. a. a. o., Lexer 1, 447; Diefenbach 548a und 564b s. v. spolium, sudarium;

die engel brâhten im ein überdon,
dâ man den lîchnamn în want Servatius 1672;

heute landschaftlich in den alpenländern noch als masc., seltener fem. geläufig, vgl. Schmeller 1, 606; Lexer kärnt. wb. 64; voran schwankt auf zwei tragstangen der mit weiszer leinwand, dem 'überdon' verhüllte sarg Rosegger 4, 168.
 
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überdonnern, v., durch donner überwinden, übertönen: ein lerm, den Jupiter nicht zu überdonnern, ... vermocht hätte Meiszner Alcibiades 4, 264; und fortwährende artilleriesalven überdonnerten den tumult Ritter erdkunde 13, 126;

was braust daher wie windesbraut
und überdonnert donners laut?
Arndt werke 5, 73;

verengt: verdönnern, durch grobe abfertigung stutzig machen, verblüffen Stürenburg (1857) 162b.
 
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überdöppeln, v., übervortheilen. zu doppeln, (betrügerisch) spielen s. o. th. 2 sp. 1268; mit umlaut im verbalstamm unter einwirkung des syn. übertölpeln (s. d.), mit dem frühzeitig eine fusion eintritt, so dasz überdöppeln, überdölpeln, übertölpeln bei oberdeutschen autoren gleichsam wie graphische varianten nebeneinanderstehen.

braucht er ein ranck, ich brauch ir zwen,
damit ich überdöppel den
Hans Sachs 5, 226, 39 Keller;

wenn sich der Simon nur nicht überdöppeln läszt und dasz wir alles kriegen, was uns gebührt! Rosegger 14, 253. überdopplieren, v., dasselbe wie DWB überdöppeln (s. d.): und jhr artzt etwas überdopplieret werdet, dieweil die artzney so gar ein lupanar worden ist Paracelsus chirurg. büch. 128 A.
 
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überdörren, v., oberflächlich oder nochmals dörren: alles obst soll bey einer gelinden wärme überdörrt werden Hohberg georgica curiosa 1, 444; der zwieback wird im ofen überdörrt tägl. rundschau (1902) nr. 113, 1. beil. 1c.
 
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überdrang, m. , oppressio. mhd. überdranc Lexer handwb. 2, 1613; bei oberdeutschen autoren des 15.—18. jahrh. häufig mit tenuis (übertrang z. b. Frisius, Maaler, Schönsleder, Stoer, Hederich, Nieremberger, Wickram, Hans Sachs, S. Franck, Fischart, Ayrer, Stumpf, Tschudi u. a.).
1) alles das wider billichs und rächt beschicht, unbill, schaden Maaler (1561) 447a; unfug, gefaar, nachteil, schad Frisius dict. 675b; oppressio Schönsleder prompt. (1647) Jii 4a; unrecht Hederich (1729) 2414; injuria Steinbach 1, 302; thet könig Mathias von Hungern mit feür und

[Bd. 23, Sp. 160]


waffen grosz überdrang und unfug dem anstoszenden landt Österreich Franck zeytb. (1531) 216a; wie er euch ... kain überdrang weder mit worten noch wercken ... auffgethan hat Schaidenreiszer Odyssea (1537) 18b; die caninichen sind so zag und forchtsam, dasz sie den ort gantz verlassen, da sie viel überdrangs und gefahr bestehen müssen Heyden Plinius (1584) 243; wo euch jemandts gewalt und übertrang zufügete Amadis 1, 279; hat dem Türken vil übertrangs angethan Stumpf Schwytzerchron. 19a; Paulus war ... ein verfolger der christlichen gemeine ... der allen überdrang den christen anthat Heinrich Müller thränen und trostquelle (1675) 82; nie hat die menschheit mehr überdrang, unrecht und gewalt erduldet Heinrich Meyer gesch. der bild. künste 3, 5;

cocodrillus, zweintzig schuch lang,
thut vieh und leuten überdrang
Hans Sachs 7, 458, 18 Keller;

man sol kein narren üben zu lang
und im zu vil thun übertrang
Murner Luther. narr 87 Kurz;

verengt: invectio, das rauch anfallen und beschelcken Maaler (1561) 447a.
2) zu heftiges andrängen: überdrang der milch: wo einer, die eins kinds genesen wäre, ein solcher haufen milch zuflosse, das si nit alle vom kind mochte verzehrt werden Wirsung artzneybuch 558; der überdrang von dickem blut suchte sie mit einer schlaglähmung heim R. H. Bartsch Haindlkinder 124; der überdrang böser gelüste Pestalozzi 6, 98; der überdrang ihres gefühles jeder überlegung zuvorkam jahrb. d. Grillparzerges. 3, 252;

er auf von seinem lager sprang
und in des herzens überdrang
die kerkerwand umfieng
Blumauer ged. (1782) 19;

aufnahm ich ihn mit meines herzens überdrang
Rückert 11, 316.


3) übermasz, überfülle jeder art: der überdrang bei euch von musicalischen productionen ... könnte einen einsiedler irre machen Göthe IV 42, 260 Weim.; bescheiden und abgemessen nahm das zartgrüne laubwerk seinen platz und liesz kaum ahnen, welcher überdrang in ihm heran wuchs Keller 1, 293.

 

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