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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überdenkung bis überdöppeln (Bd. 23, Sp. 158 bis 159)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überdenkung, f., überlegung recogitatio Diefenbach 487b; die gesellschaft meines theuren gemahls und die überdenkung der pflichten ... halten mich in wahrheit für alle andre zeitvertreibe und vergnügungen schadlos Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim 1, 38; in dieser stellung mit aufwärts gerichtetem haupte wird sein gesicht mit einer frohen überdenkung seiner ... thaten beschäftiget gewesen sein Winckelmann 6, 97; nun musz ich nach überlesung und überdenkung dieser beschreibung von mir auch bekennen, dasz ich kein praeceps bin Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 3, 423.
 
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überdeutsch, adj., chauvinistisch deutsch gesinnt, deutschthümelnd: wenn man Springer in jenem zeitpunkte vorwarf, er sei in Prag nahezu slavisch gewesen und wäre dann in Bonn überdeutsch geworden, so tat man ihm zweifach unrecht Bayer studien, in bibl. d. sch. a. Böhmen 445; substantivisch: an die Überdeutschen Grillparzer5 2, 190; hierzu überdeutschtum, n.: wir Deutschen leiden nicht am überdeutschtum, sondern am unterdeutschtum Rheinbaben im abgeordnetenhaus am 27. mai 1902.
 
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überdicht, adj. und adv., zu dicht, sehr dicht. nl. overdicht. die in überdichtem, jugendlichem stande erzogenen gebirgsfichten Ratzeburg waldverderbnis 1, 215; die mannhaften männer sind ... nicht überdicht gesäet Gotthelf 7, 186.
 
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überdichten, v., umdichten: Gottfried und Wolfram überdichteten was ihnen zukam und webten aus der roh eingeführten seide glänzenden stoff Scherer kl. schr. 1, 34.
 
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überdielen, v., den boden überlegen Comenius § 551;

zimmer, mit zobeln überdielt
Lohenstein Ibr. 11.


 
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überdies, adv., praeterea. zusammenrückung aus über präp. (s. o.) und dies. die ältere sprache verwendet in gleicher bedeutung über das. bis ins 17. jahrh. ist die getrennte schreibung über dies die regel: über disz, weyter, praeter hoc Maaler 441c; dasz ich im gestanden bin, und über diesz dasz ich in nit verachtet hab Boltz Terenz (1539) 38a; ist ferners und über disz sehr unbillich ... dasz diese seele ... getödtet werde Amadis

[Bd. 23, Sp. 159]


1, 27; nu hat der butter über disz ... auch noch sein eignen sulphur Thurneiszer alchymia (1583) 8; man hette ihnen auch über diesz die bürgerrechte versaget acta publica 1, 64 Palm; über disz unterwarf er alles der willkühr des bürgermeisters Lohenstein Arminius 2, 947a; im 18. jahrh. ist die zusammenrückung zu einem wort überwiegender graphischer brauch; aber stets: über dieses (z. b. Kramer hochniederd. wb. (1719) 217c; ich habe über dieses eine vermuthung Lessing 6, 294). wer sie (die arbeit) aber nicht gewohnt ist und sich überdies zu gut dafür hält, den musz sie sehr hart ankommen Meyr erz. aus d. Ries 1, 72; es war nicht im mindesten kalt, überdies trug ich meine ganze garderobe auf dem leibe Moltke schr. u. denkw. 4, 39;

wer nicht hat, soll auch überdisz,
was er noch hat verlieren
Günther ged. (1735) 33;

er ist ein ganz erbärmlicher mensch,
ein schelm und überdiesz ein narr
Göthe 12, 128, 213 Weim.


 
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überdisputieren, v., in der disputation besiegen: under andrem sagt er, wen er by dem Zwinglin were, er welte in mit drien worten überdisputieren Th. Platter 41; sie sagten und überdisputirten auch die andere, solches zu glauben Grimmelshausen vogelnest 621, 33 Keller.
 
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überdölpeln, v., s. u. DWB übertölpeln.
 
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überdon, m., sudarium, schweisztuch, sargtuch. mhd. überdon swm. und stm. mhd. wb. 1, 381a; zu mhd. donen, sich ausdehnen v., mhd. wb. a. a. o., Lexer 1, 447; Diefenbach 548a und 564b s. v. spolium, sudarium;

die engel brâhten im ein überdon,
dâ man den lîchnamn în want Servatius 1672;

heute landschaftlich in den alpenländern noch als masc., seltener fem. geläufig, vgl. Schmeller 1, 606; Lexer kärnt. wb. 64; voran schwankt auf zwei tragstangen der mit weiszer leinwand, dem 'überdon' verhüllte sarg Rosegger 4, 168.
 
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überdonnern, v., durch donner überwinden, übertönen: ein lerm, den Jupiter nicht zu überdonnern, ... vermocht hätte Meiszner Alcibiades 4, 264; und fortwährende artilleriesalven überdonnerten den tumult Ritter erdkunde 13, 126;

was braust daher wie windesbraut
und überdonnert donners laut?
Arndt werke 5, 73;

verengt: verdönnern, durch grobe abfertigung stutzig machen, verblüffen Stürenburg (1857) 162b.
 
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überdöppeln, v., übervortheilen. zu doppeln, (betrügerisch) spielen s. o. th. 2 sp. 1268; mit umlaut im verbalstamm unter einwirkung des syn. übertölpeln (s. d.), mit dem frühzeitig eine fusion eintritt, so dasz überdöppeln, überdölpeln, übertölpeln bei oberdeutschen autoren gleichsam wie graphische varianten nebeneinanderstehen.

braucht er ein ranck, ich brauch ir zwen,
damit ich überdöppel den
Hans Sachs 5, 226, 39 Keller;

wenn sich der Simon nur nicht überdöppeln läszt und dasz wir alles kriegen, was uns gebührt! Rosegger 14, 253. überdopplieren, v., dasselbe wie DWB überdöppeln (s. d.): und jhr artzt etwas überdopplieret werdet, dieweil die artzney so gar ein lupanar worden ist Paracelsus chirurg. büch. 128 A.

 

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