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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überdauern bis überdenkung (Bd. 23, Sp. 155 bis 158)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überdauern, v., über etwas hinaus bestand haben, überleben, überstehen. untrennbare verb.; mhd. übertûren Lexer 2, 1613; mnd. overduren Schiller-Lübben 3, 256; nl. overduren. seit dem 18. jahrh. allgemein: das junge darf in einem ei die böse jahrszeit überdauern, bis eine freundlichere sonne es aufweckt Herder 13, 107; der gewaltige baum überdauert das schicksal vieler geschlechter Roszmäszler der wald 544;

ein so erzwungnes werk
wird seines schöpfers geist nicht überdauern
Schiller 5, 314;

ich bin mein schatten, der mich überdauert
Lenau neue ged. 19;

häufig nähert sich überdauern der bedeutung überwinden: die jugendkraft der gräfin überdauerte den angriff der krankheit Laube 2, 169; mir is so gottselendig, ich weisz net, wie ich dös überdauer' Anzengruber 8, 50; die erinnerung gemeinschaftlich überdauerter gefahr Mommsen röm. gesch. 2, 221;

er wird sein hart geschick nicht überdauern,
und hofft er dies, es ist ein eitles wähnen
Lenau 29 Barthel;

absolut 'überwintern': das obst überdauert, eine fremde pflanze überdauert in einem klima Krünitz 192, 210.
 
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überdeck, n., s. DWB oberdeck th. 7, sp. 1083.
 
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überdecke, f., obstragulum Diefenbach nov. gl. 268b; coperta Kramer (1678) 1067a; integumentum Dentzler clavis ling. lat. 294a; den tabernackel und seine dach und die überdeck erste deutsche bibel 2 Mos. 35, 11 (vulgata: operimentum); ein heft mit rosenfarbener überdecke Hauff 2, 133, 16;

teppich und überdeck
das sind oft ir (der ritter) futterseck
Hätzlerin liederbuch 285;

(der schiffer) zoge von dem schild die überdeck' herab
D. v. d. Werder Roland (1636) 163.


 
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überdecken, v. , obtegere. trennbare (s. u. 2) und untrennbare verbindung. mhd. überdecken Lexer 2, 1611; mnd. overdecken Schiller-Lübben 3, 255; nl. overdekken, dän.-norweg. overdække aus mnd. entlehnt. part. überdacht mhd. wb. 1, 296b und Lexer a. a. o., überdackt, vereinzelt bis ins 18. jahrh. (vgl. Steinbach 1, 240); überdeckt seit dem 16. jahrh. allgemein.
1) obducere Diefenbach 386b; coprire Kramer (1678) 1067a; und was der hut also wyt unden, das er 3 pfärd wol überdeckt hette Richental chron. d. Constanzer conzils 26; scham überdeckt mein angesicht Zürch. bibel ps. 68, 8; zu dieser zeit, da die tiefste barbarei alles überdeckte W. v. Humboldt 1, 82;

der Spanier hat mit unzal schiffen
gantz überdeckt desz möres tieffen
Fischart verzeichnusz etc. 353 Kurz;

solches das kind so sehr erschröckte,
das es bald seine wängelein
mit haissen zehern überdöckte
Weckherlin ged. 1, 157;

reflexiv: weil die Cimbern mit ihren ... schilden sich ... überdeckten, that der ungestüme hagel ... wenig schaden Lohenstein Arminius 2, 896; bey dem höchsten barometerstande hat sich heute frühmorgens gar bald der himmel überdeckt Göthe IV 42, 247, 16 Weim.; plötzlich überdeckte sich ihr antlitz mit purpurglut Ebner-Eschenbach 3, 121; part. überdecket, überdeckt: nun was die grub allenthalben mit kleinem gereysz und strow überdecket Wickram 3, 60, 19; das zimmer war rings umb mit teppichen überdeckt Prätorius anthropod. plut. 1, 383; das ist die schönst kirchen ..., die haist zu sant Sophia und ist alle mit pley überteckt Schiltberger reisebuch 47, 2; er war ... mit einer löwenhaut überdecket Lohenstein Arminius 2, 444b; die gegend unten ... war mit bunten zelten, unermeszlich blitzenden reihen, und lust und schallen überdeckt Eichendorff 2, 311;

die brust ist blos, doch überdeckt mit wunden
Gryphius trauersp. 576;

noch war das weite feld mit schatten überdecket
Warnecke poet. vers. (1704) 385;

[Bd. 23, Sp. 156]


in attribut. verwendung: ein ... mit reben und ölbäumen überdecktes thal Lohenstein Arminius 1, 551a; ein überdecktes behältnisz Herder 13, 92; der mit kränzen überdeckte sarg Fontane I 4, 385.
mit dem nebensinn der häufung, überlastung:

mit jamer bin ich überdacht Alsfelder passionssp. 191, 6103;

wie kömpt es dasz der herr von allem ort' und ecken
die tochter Zion doch hat wollen überdecken
mit seinem starken grimm?
Opitz opera (1690) 3, 33;

die blöden hertzen sind erschreckt,
mit furcht und angst gantz überdeckt Fischer-Tümpel kirchenl. 1, 325;

die sünden überdecken mich
Günther ged. (1735) 16;

mit neuer wohlthat überdeckt mein herr
die alten stets
Tieck schr. 3, 224;

verdecken: (da Vinci's abendmahl) ward durch ungeschickte restauration völlig überdeckt und verdorben Göthe IV 29, 250, 5 Weim.; o ihr antichristische hirten des neuen ordens, die ihr das leyden Christi mit falscher heucheley ... überdecket Böhme schr. (1620) 3, 267; wenn wir die empfindungen für vaterland verloren, und den verlust derselben mit anstand und artigkeit überdeckt haben, so läszt sich das erklären Herder 3, 38; die eifrige unterhaltung an der abendtafel überdeckte die bewegung, welche in allen nachzitterte Freytag 5, 319.
2) ich deck über, consterno Alberus (1540) s, iiija; oben darauffdecken Maaler (1561) 442a; einen mantel auf was überdecken Steinbach 1, 240; ein tischtuch überdecken, es über einen tisch ausbreiten Krünitz 192, 210; part. übergedackt Steinbach a. a. o.; übergedeckt Heynatz antib. 2, 485; er hat nichts überzudecken, he hath nothing to cover himself withall Ludwig teutsch-engl. wb. 1784.
die pfellen ... die engel von hymel brachten, da er verschied, und im die überdeckten summer teil der heyligen leben (1472) 40b; do tet man ein pot, das niemant kein samat und kein gulden tuch noch kein seiden tuch (über den sarg) solt über tecken städtechron. 2, 14; wenn man den jungen kindern ein zubereite gegerbte eselhaut überdeckt, macht dasz sie im schlaf nicht erschrecken Heyden Plinius 227; so decket er (der teufel) der sünden ein solches fein gleissendes wohlgeschmücktes röcklein über, und gibt dem menschen ein, er sey heilig Böhme schr. 6, 166; Siddy fuhr behende umher, deckte die serviette über, strich sie eifrig zurecht Freytag handschr. 2, 94.
 
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überdeckung, f. , bedeckung.
1) obductio Diefenbach 386b; opertura Steinbach 1, 240; nd. overdeckinge epibotum Diefenbach-Wülcker 879; überdeckung des Cäsar von den feindlichen pfeilen Lohenstein Arminius 1, 962; auszerdem (wird) ... mittelst überdeckung des cylinders das ... stauben vermieden Muspratt chemie 1, 1296.
2) überlappung Stenzel seem. 432a.
3) überdeckung des notenumlaufs durch barvorrat, z. b. Alten handbuch für heer und flotte 1, 819.
 
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überdehnen, v. , untrennbare verbindung.
1) zu lange, zu sehr dehnen, z. b. eine saite, dann in der musik einen ton; hierzu überdehnung, f.: überdehnung des vorhergehenden tactes Kögel literaturgesch. 1, 1, 86.
2) bedecken, mhd.:

daz der anger und die wasen
mit gift wären überdent
Heinrich v. Neustadt Apollon. 9009.

nhd. erhielt sich diese bedeutung nicht, wohl aber nl., vgl. woordenb. 11, 1650. als trennbare verbindung wagt Solger folgende verwendung:

um die Gäa
breitet' er liebend sich aus, voll lüsternheit übergedehnet
Solger schr. 2, 738, 8.


 
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überdeich, m., fachausdruck beim wasserbau: der halbkreisförmige damm bei der durchbruchstelle des deiches Benzler 2, 238; Krünitz 192, 211.
 
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überdeichen, v., nl. overdijken. den deich höher machen als der des nachbarn ist und dadurch diesen schädigen Jacobsson 4, 465a.

[Bd. 23, Sp. 157]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überdem, adv. , zusammenrückung aus über präp. und dem.
1) temporal: eo tempore, unterdessen: und überdem kamen seine jünger Joh. 4, 27 (vulgata: continuo); m'r han grad van em geschwätzt, iwerdem isch er kumm Follmann lothr. ma. 262a; lux. ma. 194a (der wortaccent liegt auf der letzten silbe).
2) praeterea, nach auszerdem gebildet und seit dem 18. jahrh. ganz allgemein (wortaccent theils auf erster silbe, theils auf letzter); in neuerer zeit durch überdies im gebrauche beschränkt (Heynatz antib. 2, 486, dagegen Bergmann idiot. d. deutschen spr. in Liefl. etc. 243): überdem hatte er ein groszes schwerdt volksbuch v. geh. Siegfried 73 neudr.; und es ist auch überdem gefährlich Gottsched schaubühne 1, 437; (den unbemittelten kranken) werden überdem auch noch die arzneymittel ... als almosen gereicht Matthisson 2, 188; das warme getränk, das sie ohne maas in sich schlürfen und das sie überdem noch mit zusammenziehenden kalischen salzen würzen Herder 13, 216; denn überdem, dasz mein oheim sehr freygebig ist, hat er ... selbst noch die trefflichsten kenntnisse maler Müller 3, 46; sorgen habe ich nicht, überdem bin ich gern an dem orte Iffland theatr. werke 2, 65; zugleich bietet man 200 rh. besoldung und freie wohnung an. überdem erhält derselbe 200 rh. auf berechnung Göthe IV 16, 185 Weim.; da überdem der wille meines vaters mir eine andere lebensbahn anweist, so Keller 6, 204; überdem aber spielt überall eine empfindlichkeit gegen Ruszland mit Bismarck gedank. u. erinnergn. 1, 124 volksausg.
 
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überdenken, v. , überlegen, mhd. überdenken, überdâhte, überdâht mhd. wb. 1, 348b; nl. overdenken, engl. overthink, dän.-norweg. overtænke; schwed. öfvertänka. untrennbare verb., part. überdacht, landschaftlich überdenkt z. b. einen überdenkten plan Sonnenfels 2, 165.
1) mit gedanken umfassen, ermessen, vgl. Lexer 2, 1612; wenn wir eine sache uns vorstellen, ... und richten unsere gedancken auf einen theil nach dem andern, daraus sie bestehet ..., so überdencken wir dieselbe sache Wolff vernünftige gedanken von gott (1720) 131; überdenke: stelle dir alle einzelnen theile deutlich vor und erwäge ihre verhältnisse und beziehungen gegeneinander und auf das ganze Mendelssohn schr. 1, 119; die sie überwunden hant, und nu mit groszer süssikeit überdenkent die strengen jar Suso deutsche schr. 241; liebs kindt also soltu das hailige leiden unsers lieben herren üben und überdencken Tauler sermones (1508) 130b; wann ich alle diejenigen überdenke, die nach dieser würde stehen, so finde ich keinen dazu geschickter noch würdiger, als eben den Salvius Otto A. U. v. Braunschweig Octavia 3, 954; mit einemmal überdachte er sein kurzes und mühseliges leben Jung-Stilling 1, 180;

wer wolt nun überdencken,
der vielen vögel zahl?
Spee trutznachtigall 115;

herr, wenn mein hertz recht überdenckt
mein ellend sündlich leben, ...
kan ich mich nicht erheben kirchenlied 3, 677 Wackernagel;

gott, gott! so unermeszlich ist diesz unglück,
dasz ich es jetzt nicht überdenken kann
Schiller 12, 126.


2) verallgemeinert: überlegen, bedenken Kramer (1678) 1067a; seit dem 17. jahrh. ganz allgemein: da überdacht er dise ding winterteil der heiligen leben (1471) 36b; die menschen, die sich nit also gewent hond, ir gebresten an dem abent zu überdenken Keisersberg baum d. seligkeit (1518) 33d; und indem sie ihren zustand etwas genauer überdachten, befand man, dasz sie soliche grosze ursachen, sich zu freuen, nicht hatten Olearius reisebeschreib. (1696) 80; ich habe ... die sache von allen seiten überdacht Göthe IV 16, 31, 5 Weim.; formelhaft: wenn wir es recht überdenken, so Heine 3, 97; ohne objectsergänzung: man trug ihm den handel vor, er überdachte und sprach Klinger werke 5, 101;

die kleine mausz kroch in das grasz,
heimlich mit listen überdocht,
wie sie dem feindt abbrechen mocht
Burkard Waldis 1, 18 Kurz;

[Bd. 23, Sp. 158]


das part. erscheint häufig vom verb. losgelöst in präd., attributiver und adverbieller function, auch zu comp. und superl. gesteigert für 'klug, besonnen': sie fanden die sach' an sich sehr überdacht Hippel lebensläufe 2, 315; die antwort ist, ... bey aller ihrer scheinbaren eilfertigkeit überdacht Lichtenberg briefe 2, 140; aber du weiszt, wie flüchtig er damals und wie wenig überdacht er war Thümmel reise 5, 332; ruhiger überdachter entschlusz Göthe IV 9, 130, 13 Weim.; es sind sehr bestimmte überdachte worte Herder 12, 142; ihr beifall und ihr überdachtes urtheil hat mich recht gestützt Solger nachgel. schr. u. br. 1, 337; die wohl überdachte composition Tieck schr. 16, 391; mein wohl überdachter vorsatz Sternberg werke 133, in bibl. d. schr. a. Böhmen; überdachte, berechnete bosheit Ludwig 2, 594; ihr plan ist einfach, aber nur desto weiser und überdachter Pfeffel an Jacobi, in Alsatia 10, 7; die überdachtesten versuche Voss antisymb. 2, 173; unsere feurigste theilnahme und überdachteste wachsamkeit Gutzkow 10, 198; adverbiell: er ermordete seinen haushofmeister und zwar nicht in einem anfalle von zorn, sondern überdacht und wohl vorbereitet Archenholz England etc. 12, 277; wie vorsichtiger, überdachter und gehöriger würde man zum publicum sprechen, wenn Herder 17, 307.
der inf. wird häufig substantiviert: das überdenken, meditation Hilpert 635a; nach langem überdenken A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 783; jede art des lernens, des beobachtens und des überdenkens Schleiermacher Platon 6, 201; nach einem kurzen überdenken ... fuhr er fort Göthe 24, 181, 7 Weim.; fleisziges überdenken Novalis 2, 161.
3) auszer acht lassen, vergessen, vgl. Lexer 2, 1612; Schmeller 1, 523; animus aberrat a sententia Schönsleder prompt. (1647) L 1b; auch reflexiv: sich überdenken, sich vergessen; dieser gebrauch läszt sich über das 17. jahrh. nicht nachweisen:

ich hett mich heut weit überdacht
Hans Sachs 21, 244 Keller-Götze.


 
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überdenkung, f., überlegung recogitatio Diefenbach 487b; die gesellschaft meines theuren gemahls und die überdenkung der pflichten ... halten mich in wahrheit für alle andre zeitvertreibe und vergnügungen schadlos Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim 1, 38; in dieser stellung mit aufwärts gerichtetem haupte wird sein gesicht mit einer frohen überdenkung seiner ... thaten beschäftiget gewesen sein Winckelmann 6, 97; nun musz ich nach überlesung und überdenkung dieser beschreibung von mir auch bekennen, dasz ich kein praeceps bin Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 3, 423.

 

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