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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überbücken bis überbürsten (Bd. 23, Sp. 151 bis 153)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbücken, v.
1) jemanden oder sich nach vorne beugen, trennbare verbindung: indem er sich vorne überbückte Bode Tristram Schandy 8, 61. verengt: einen überbücken = jemanden züchtigen Bernd Posener spr. 325; auch absolut

[Bd. 23, Sp. 152]


überbücken = sich einer züchtigung, demüthigung unterziehen: alldieweil derselbe (Luther) bey ihnen (den Jesuiten) ... in ihren satyris und teufelsgetichten allermeiszt musz herhalten und überbücken Rinckhart christl. ritter 9 neudr.; die buren haben sich verschworen, sie wollen allen stadtleuten die hälse brechen, und wenn ich nicht flugs den ehrbaren mantel erdappet hätte, als ein gemeineltester, so hätte ich schon müszen überbucken Weise unvergnügte seele 103.
2) als untrennbare verbindung: zu viel bücken Campe 5, 10.
 
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überbügeln, v., wäsche oberflächlich oder nochmals plätten Campe 5, 10.
 
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überbund, m. ,
1) vis praevalens Scherz gloss. 1696; nach mhd. wb. 1, 135a, der ausbund, die schaufalte, die ware, welche als beste zum muster dient und den übrigen stücken übergebunden wird, vgl. oben ausbund th. 1 sp. 841. in dieser bedeutung jedoch litterarisch nicht belegt. es läszt sich als steigerung zu bund stellen wie überlast zu last, übermacht zu macht:

Jesus in der sele grund
ist alles zartes ein überbund
Suso deutsche schrift. 400, 25;

und das du (Emser) deyner klugheyt überbund auch sihest, so höre zu Luther 7, 665 Weim.; hierzu überbündig, adj., vgl. Lexer 2, 1611; das macht dein überbündtig kriegskunst, du tregest den spiesz bey der spitzen gegen dich Luther 7, 635 Weim.
2) schweiz.: die übertragene schuld Hunziker 269 (vgl. o. überbinden 3).
 
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überbunt, adj., sehr bunt, zu bunt:

nun glühen schon des paradieses weiten
in überbunter pracht
Göthe 1, 129 Weim.

adverbiellen gebrauch merkt Follmann lothr. ma. 262a an.
 
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überbürde, f.
1) incommoditas Maaler 442a; onus gravissimum Stieler 134; onus Dentzler 294a; so wir alt werden, so sint wir allen menschen ein überbürd Keisersberg bilgersch. 70d.
2) superfötation Jablonski 805b.
 
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überbürden, v., überladen. untrennbare verb., aliquid oneris adjungere, addere Stieler 134. meist metaphorisch: die edeln geschlechter ... hatten den gemeinen säckel mit schulden überbürdet Riehl gesch. aus alter zeit 1, 8; der Jakob sah auf fleisz und treue, überbürdete keinen mit arbeit Rosegger 1, 153; ist die heutige jugend mit schularbeiten überbürdet? Kotelmann (1881) titel. in der pädagogischen litteratur des 19. jahrh. viel gebraucht (s. u. DWB überbürdung). part. überbürdet in attrib. function: überbürdete maschine Ebner-Eschenbach 3, 118; überbürdetes gemüth Gutzkow zauberer v. Rom 7, 16.
 
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überbürdig, adj., lästig. heute veraltet. beten, betrachten und anders gutes, das schmackt dir nit, es ist dir maszleidig und überbürdig Keisersberg bilgersch. 59c.
 
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überbürdlich, adj.
1) zu schwer lastend: ebener gestalt wird das gemüt mit mäsiger arbeyt gemehret, mit überbürdlicher ersäufet Fischart ehzuchtbüchlin (Hauffen 3) 300, 21.
2) beschwerlich, lästig: ein solich person, die allermengklich überbürdlich ist, sie ist unlustig, wunderlich und ganz gebresthaftig Keisersberg pred. 114a.
 
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überbürdung, f., zu grosze belastung: der pfarrer von Rasselwitz predigte nun eine zeitlang in Oberglogau, kann dies jedoch wegen überbürdung nicht länger ausführen acta publica d. schles. fürsten etc. 7, 167; die bauern gegen die willkürlichen überbürdungen der grundherrn sicher stellen Ranke 43, 13; überbürdung der erbschaft mit vermächtnissen Jhering geist d. römisch. rechts 31, 72; ü. der sklaven Peschel völkerkunde 320; ü. der schüler Brunn kl. schr. 3, 255. zum vielgebrauchten schlagwort wurde ü. im kampf um die schulreform in der 2. hälfte des 19. jahrh., vgl. den artikel überbürdung in Rein handb. d. pädagogik 91, 311; hier auch comp. wie überbürdungsfrage, -meierei u. a.
 
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überbürgern, v., übersiedeln und einbürgern. trennbare verb.: der karneval ist ein in Köln seit menschengedenken einheimisches fest. es mag von den Römern übergebürgert sein telegraph 1843 nr. 34 s. 153; sie war in ein anderes haus übergebürgert Alexis ruhe ist d. e. bürgerpflicht 4, 74.

[Bd. 23, Sp. 153]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbürsten, v., oberflächlich bürsten, nochmals bürsten. untrennbare verb., als trennbare verb. mit bedeutungsdifferenzierung besprochen bei Campe 5, 10.

 

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