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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überbruch bis überbunt (Bd. 23, Sp. 150 bis 152)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbruch, m., excessus violentus in der rechtssprache des 15. jahrh., vgl. Haltaus 1813; iwerbrücht muthwille lux. ma. 194a.

[Bd. 23, Sp. 151]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbrücke, f., brücke, verengt verbindungsgang: das gouvernementsgebäude, dessen oberer stock durch eine hölzerne überbrücke mit dem fürstenwalle zusammenhing Immermann 18, 45.
 
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überbrücken, v. , nl. overbruggen. untrennbare und trennbare (s. u. 2) verbindung.
1) ripas ponticulo conjungere Stieler 248; viam super amnem construo Steinbach 1, 209; einen flusz, eine kluft überbrücken: der haufe aus dem Teckelnburger lande ... hat ... das wasser nemen und überbrücken wollen C. Spangenberg Mansf. chron. (1572) 442a; er ..., überbrückte mit Straszburger schiffen die Rheinarme Laube 15, 326; das II. Bayrische korps ... überbrückte den flusz bei Corbeil Moltke 3, 119; die eisspalten (des zugefrorenen sees) müssen mit brettern überbrückt werden Ritter erdkunde 3, 103; das part. häufig in attrib. function: ein vielfach überbrückter waldbach Auerbach 1, 7;

der herbe wind von norden
beherschet jetzt die ganze luft,
erfüllt das land mit eis und schnee,
und überbrücket flusz' und see
Grob dichter. versuchg. (1678) 129;

scharfer frost hat überbrückt
jenen strom
Rückert 4, 115;

ihr werdet endlich gar mit ewrer feinde rücken
selbst noch den schnellen strohm des Euphrats überbrücken
König ged. 102;

das meer überbrücken:

er hätte selbst die see mit schiffen überbrücket
A. U. v. Braunschweig Octavia 3, 685;

es kan ein schnelles schiff die wellen überbrukken
Harsdörffer frauenzimmergesprechspiele 5 vorr. 3.

häufig bildlich: auch diese verschmelzung blieb ein rausch, der verflog und den zwiespalt der naturen nicht überbrückte Polenz Grabenhäger 1, 317. reflexiv: die kluft zwischen ihm und uns scheint sich zu überbrücken Nietzsche 4, 142.
2) in trennbarer verbindung: jemanden oder etwas über einen flusz usw. hinüberbringen: könig Carl hat sich an die Elbe gemacht, einen auserlesenen zeug mit sich geführet, bald übergebrücket, und das kriegsvolck hinüber gesetzt C. Spangenberg mansfeldische chron. (1572) 83a; das sie überbrücken sollen über die Motlaw Schütz historia rerum Prussic. (1592) 7, O 1a; sayndt aber (die schiffbrücken) am fertigsten zu führen, überzubrücken, und wider abzuthun Kirchhof militaris discipl. 102.
 
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überbrückung, f., conjunctio pontis Stieler 248; Steinbach 1, 209; die Franzosen haben überbemelten Ticzin gebrugkt und wie wol dye Hispanier am wasser gelegen, so haben sie doch der überbruckung der Franzosen nit widder stehen mögen quelle (1523) bei Diefenbach-Wülcker 879; eine überbrückung des Rheins galt noch für unmöglich Treitschke deutsche gesch. 4, 595. pl.: überbrückungen Benzler 2, 238. bildlich allgemein, z. b.: überbrückung von gegensätzen u. ä.
 
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überbrühen, v., mit siedendem wasser übergieszen. untrennbare verb. brullare Kramer (1678) 1067a; die groszen wurtzen (vom bocksbart) werden ... überbrüht, und die schwartze haut davon abgezogen Hohberg georgica curiosa 1, 484. bildlich: da der anblick deiner uniform ihn augenblicklich mit misztrauen überbrühte Bartsch Haindlkinder (1908) 83.
 
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überbrüllen, v., musik oder geräusch brüllend übertönen. nl. overbrullen. untrennbare verb.: musik ertönte — siegesgeschrey überbrüllte sie Klinger werke 5, 314; wenn die Deimerstetter ein lied begannen, sangen die Renkinger ein anderes drein und überbrüllten sie Auerbach dorfgesch. 5, 177. ähnlich: überbrummen, v., vgl. Campe 5, 10.
 
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überbrüten, v., brütend bedecken. untrennbare verb.: der himmel überbrütet uns so still und schläfrig Lenau an Löwenthal 54 Frankl. reflexiv:

wenn's fieberhaft durchaus im staate wüthet
und übel sich in übeln überbrütet
Göthe 15, 10 Weim.


 
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überbücken, v.
1) jemanden oder sich nach vorne beugen, trennbare verbindung: indem er sich vorne überbückte Bode Tristram Schandy 8, 61. verengt: einen überbücken = jemanden züchtigen Bernd Posener spr. 325; auch absolut

[Bd. 23, Sp. 152]


überbücken = sich einer züchtigung, demüthigung unterziehen: alldieweil derselbe (Luther) bey ihnen (den Jesuiten) ... in ihren satyris und teufelsgetichten allermeiszt musz herhalten und überbücken Rinckhart christl. ritter 9 neudr.; die buren haben sich verschworen, sie wollen allen stadtleuten die hälse brechen, und wenn ich nicht flugs den ehrbaren mantel erdappet hätte, als ein gemeineltester, so hätte ich schon müszen überbucken Weise unvergnügte seele 103.
2) als untrennbare verbindung: zu viel bücken Campe 5, 10.
 
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überbügeln, v., wäsche oberflächlich oder nochmals plätten Campe 5, 10.
 
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überbund, m. ,
1) vis praevalens Scherz gloss. 1696; nach mhd. wb. 1, 135a, der ausbund, die schaufalte, die ware, welche als beste zum muster dient und den übrigen stücken übergebunden wird, vgl. oben ausbund th. 1 sp. 841. in dieser bedeutung jedoch litterarisch nicht belegt. es läszt sich als steigerung zu bund stellen wie überlast zu last, übermacht zu macht:

Jesus in der sele grund
ist alles zartes ein überbund
Suso deutsche schrift. 400, 25;

und das du (Emser) deyner klugheyt überbund auch sihest, so höre zu Luther 7, 665 Weim.; hierzu überbündig, adj., vgl. Lexer 2, 1611; das macht dein überbündtig kriegskunst, du tregest den spiesz bey der spitzen gegen dich Luther 7, 635 Weim.
2) schweiz.: die übertragene schuld Hunziker 269 (vgl. o. überbinden 3).
 
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überbunt, adj., sehr bunt, zu bunt:

nun glühen schon des paradieses weiten
in überbunter pracht
Göthe 1, 129 Weim.

adverbiellen gebrauch merkt Follmann lothr. ma. 262a an.

 

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